Rote Bete vor dem Training – wann genau esst ihr das?
Zitat von markus_hh88 am Juli 22, 2026, 17:46 Uhr@markus_b82 die Frage ist fair, also ehrlich: die "zwei bis drei Knollen" sind keine publizierte Empfehlung, das ist eine Daumenregel die ich aus dem Kontext mehrerer Protokolle abgeleitet hab - Cermak, aber auch ein paar ältere Bailey-Arbeiten, die mit Mengen im Bereich von 300-500mg Nitrat täglich gearbeitet haben. Eine frische mittelgroße Knolle liegt irgendwo zwischen 150 und 300mg, je nach allem was wir schon besprochen haben. Zwei bis drei pro Woche ist also eher konservativ, kein Protokoll aber auch kein Griff aus der Luft.
Zitat von markus_b82"aus meiner Erfahrung" für mich nicht dasselbe Gewicht hat wie ein Protokoll
Da nimmst du mir was weg was ich eigentlich für vertretbar halte. Klinische Praxiserfahrung ist kein Datensatz, das stimmt. Aber wenn ich über Monate sehe dass Sportler mit kontinuierlicher Zufuhr subjektiv weniger Einbrüche berichten als die, die nur akut vor Wettkampf ranklotzen - dann ist das zumindest ein Hinweis, dem ich nicht null Gewicht gebe. Was mich aber bei deiner letzten Bemerkung eher beschäftigt: du sagst, die Erwartungshaltung ist das eigentliche Problem. Das finde ich interessant, weil es in eine andere Richtung zeigt. Wenn rote_socke_83 mit hoher Erwartung isst und dann besser fährt - ist das dann Placebo oder ist das einfach Motivation, die sich auf Pace auswirkt? Bei 160 Kilometern spielt Kopf eine Rolle die du in keiner Studie sauber isolierst.
@markus_b82 die Frage ist fair, also ehrlich: die "zwei bis drei Knollen" sind keine publizierte Empfehlung, das ist eine Daumenregel die ich aus dem Kontext mehrerer Protokolle abgeleitet hab - Cermak, aber auch ein paar ältere Bailey-Arbeiten, die mit Mengen im Bereich von 300-500mg Nitrat täglich gearbeitet haben. Eine frische mittelgroße Knolle liegt irgendwo zwischen 150 und 300mg, je nach allem was wir schon besprochen haben. Zwei bis drei pro Woche ist also eher konservativ, kein Protokoll aber auch kein Griff aus der Luft.
Zitat von markus_b82"aus meiner Erfahrung" für mich nicht dasselbe Gewicht hat wie ein Protokoll
Da nimmst du mir was weg was ich eigentlich für vertretbar halte. Klinische Praxiserfahrung ist kein Datensatz, das stimmt. Aber wenn ich über Monate sehe dass Sportler mit kontinuierlicher Zufuhr subjektiv weniger Einbrüche berichten als die, die nur akut vor Wettkampf ranklotzen - dann ist das zumindest ein Hinweis, dem ich nicht null Gewicht gebe. Was mich aber bei deiner letzten Bemerkung eher beschäftigt: du sagst, die Erwartungshaltung ist das eigentliche Problem. Das finde ich interessant, weil es in eine andere Richtung zeigt. Wenn rote_socke_83 mit hoher Erwartung isst und dann besser fährt - ist das dann Placebo oder ist das einfach Motivation, die sich auf Pace auswirkt? Bei 160 Kilometern spielt Kopf eine Rolle die du in keiner Studie sauber isolierst.
Zitat von markus_b82 am Juli 22, 2026, 17:57 Uhr@markus_hh88 Zitat von markus_hh88ist das dann Placebo oder ist das einfach Motivation, die sich auf Pace auswirkt
Das ist die ehrlichste Frage im ganzen Thread, und ich hab keine gute Antwort darauf. Was mich dabei aber stört: du rahmst das so, als wäre Placebo das kleinere Übel, das man akzeptieren kann. Für jemanden der 160 Kilometer fährt vielleicht sogar funktional. Aber ich find das unbefriedigend, weil wir dann eigentlich nicht mehr über Nitrat reden, sondern über Ritual. Und Rituale kann man billiger haben als Marktknollen. Was mich wirklich mehr beschäftigt ist der Punkt mit den Bailey-Arbeiten, den du kurz erwähnt hast. Bailey 2009 war soweit ich weiß mit Cycling-Ergometer, und da wurden deutlich höhere Nitratmengen eingesetzt als deine 300-500mg täglich. Ich find die Extrapolation auf frische Knollen und moderate Zufuhr methodisch nicht trivial. Hast du da einen konkreten Bailey-Paper im Kopf den du meinst, oder sammelst du da mehrere Arbeiten unter einem Namen? Das frag ich weil die Dosierungsschätzung für rote_socke_83 eben daran hängt, und "irgendwo zwischen 150 und 300mg pro Knolle" ist eine Spanne die sich im Faktor zwei unterscheidet. Für eine Daumenregel ok, aber wenn man das über Wochen plant wäre es schon gut zu wissen ob man eher am unteren oder oberen Ende liegt. Edit: Kleine Korrektur. Bailey 2010, nicht 2009. Und ich sollte dazu sagen, dass ich die genauen Dosierungen aus den Papers gerade nicht im Kopf habe. Falls jemand die exakten Mengen nachschlagen will, lohnt sich ein Blick in die Originale.
@markus_hh88 Zitat von markus_hh88ist das dann Placebo oder ist das einfach Motivation, die sich auf Pace auswirkt
Das ist die ehrlichste Frage im ganzen Thread, und ich hab keine gute Antwort darauf. Was mich dabei aber stört: du rahmst das so, als wäre Placebo das kleinere Übel, das man akzeptieren kann. Für jemanden der 160 Kilometer fährt vielleicht sogar funktional. Aber ich find das unbefriedigend, weil wir dann eigentlich nicht mehr über Nitrat reden, sondern über Ritual. Und Rituale kann man billiger haben als Marktknollen. Was mich wirklich mehr beschäftigt ist der Punkt mit den Bailey-Arbeiten, den du kurz erwähnt hast. Bailey 2009 war soweit ich weiß mit Cycling-Ergometer, und da wurden deutlich höhere Nitratmengen eingesetzt als deine 300-500mg täglich. Ich find die Extrapolation auf frische Knollen und moderate Zufuhr methodisch nicht trivial. Hast du da einen konkreten Bailey-Paper im Kopf den du meinst, oder sammelst du da mehrere Arbeiten unter einem Namen? Das frag ich weil die Dosierungsschätzung für rote_socke_83 eben daran hängt, und "irgendwo zwischen 150 und 300mg pro Knolle" ist eine Spanne die sich im Faktor zwei unterscheidet. Für eine Daumenregel ok, aber wenn man das über Wochen plant wäre es schon gut zu wissen ob man eher am unteren oder oberen Ende liegt. Edit: Kleine Korrektur. Bailey 2010, nicht 2009. Und ich sollte dazu sagen, dass ich die genauen Dosierungen aus den Papers gerade nicht im Kopf habe. Falls jemand die exakten Mengen nachschlagen will, lohnt sich ein Blick in die Originale.
Zitat von markus_hh88 am Juli 22, 2026, 18:13 Uhr@markus_b82 du hast recht dass ich da mehrere Arbeiten zusammenziehe. Bailey 2009 (Journal of Applied Physiology) war Cycling-Ergometer, und die Dosierungen lagen da tatsächlich höher - ich mein grob im Bereich von 500mg Nitrat aufwärts, standardisiert über Beetroot-Konzentrat. Die Extrapolation auf "zwei bis drei frische Knollen pro Woche" ist also keine direkte Ableitung aus dem Protokoll, das stimmt.
Zitat von markus_b82die Dosierungsschätzung für rote_socke_83 eben daran hängt
Für die Granfondo-Vorbereitung würde ich das aber trotzdem nicht überdramatisieren. rote_socke_83 ist kein Proband in einer kontrollierten Studie und hat auch keine Möglichkeit das zu kontrollieren. Realistisch betrachtet ist der Unterschied zwischen "unteres Ende der Knolle" und "oberes Ende" über mehrere Wochen nicht das, was über Kilometer 130 entscheidet. Was mich bei deiner Placebo-Frage aber noch nicht losgelassen hat: du rahmst Ritual als etwas das man billiger haben kann. Das stimmt für den Nitrat-Effekt. Aber die Frage ist ob das Ritual selbst einen Mechanismus hat - Schlafqualität, Kohlenhydratfokus, weniger Alkohol in den Wettkampfwochen weil man "auf Kurs ist". Das ist kein Placebo im klassischen Sinn, das ist Verhaltensänderung durch Struktur. Ich sehe das bei Patienten die anfangen irgendetwas zu protokollieren - das Protokoll selbst verändert schon das Verhalten. Ob das dann Rote Bete-Effekt heißt ist fast egal.
@markus_b82 du hast recht dass ich da mehrere Arbeiten zusammenziehe. Bailey 2009 (Journal of Applied Physiology) war Cycling-Ergometer, und die Dosierungen lagen da tatsächlich höher - ich mein grob im Bereich von 500mg Nitrat aufwärts, standardisiert über Beetroot-Konzentrat. Die Extrapolation auf "zwei bis drei frische Knollen pro Woche" ist also keine direkte Ableitung aus dem Protokoll, das stimmt.
Zitat von markus_b82die Dosierungsschätzung für rote_socke_83 eben daran hängt
Für die Granfondo-Vorbereitung würde ich das aber trotzdem nicht überdramatisieren. rote_socke_83 ist kein Proband in einer kontrollierten Studie und hat auch keine Möglichkeit das zu kontrollieren. Realistisch betrachtet ist der Unterschied zwischen "unteres Ende der Knolle" und "oberes Ende" über mehrere Wochen nicht das, was über Kilometer 130 entscheidet. Was mich bei deiner Placebo-Frage aber noch nicht losgelassen hat: du rahmst Ritual als etwas das man billiger haben kann. Das stimmt für den Nitrat-Effekt. Aber die Frage ist ob das Ritual selbst einen Mechanismus hat - Schlafqualität, Kohlenhydratfokus, weniger Alkohol in den Wettkampfwochen weil man "auf Kurs ist". Das ist kein Placebo im klassischen Sinn, das ist Verhaltensänderung durch Struktur. Ich sehe das bei Patienten die anfangen irgendetwas zu protokollieren - das Protokoll selbst verändert schon das Verhalten. Ob das dann Rote Bete-Effekt heißt ist fast egal.
Zitat von markus_b82 am Juli 22, 2026, 18:21 Uhr@markus_hh88
Zitat von markus_hh88das Protokoll selbst verändert schon das Verhalten
Das ist eigentlich der interessanteste Punkt seit Beitragsanfang, und gleichzeitig der unbequemste. Weil er die ganze Diskussion um Nitrat-Timing und Knollen-Dosierung ein bisschen ad absurdum führt. Wenn der Effekt hauptsächlich über Verhaltensstruktur läuft - weniger Alkohol, besserer Schlaf, bewusstere Kohlenhydratplanung - dann ist Rote Bete das Vehikel, nicht die Ursache. Ich hab das bei mir selbst gesehen, ehrlich gesagt. In den vier Wochen wo ich den Saft systematisch genommen hab, hab ich auch zufällig weniger Abende vor dem Laptop verbracht, weil ich morgens laufen wollte. Ob das die Rote Bete war oder einfach dass ich ein Protokoll hatte - keine Ahnung. Das lässt sich nicht trennen. Was mich dabei aber stört: wenn wir das so rahmen, dann ist die Frage für rote_socke_83 eigentlich nicht "wann esse ich die Knolle", sondern "was brauche ich als Struktur für die Granfondo-Vorbereitung". Und da ist Rote Bete vielleicht sogar funktional als Anker - nicht wegen Nitrat, sondern weil es ein tägliches Signal setzt. Das klingt jetzt fast schon zu weich für diesen Thread. Aber ich find die Frage legitim, ob wir da die ganze Zeit über das falsche Wirkprinzip diskutiert haben. Hast du dafür eine Quelle, der Verhaltensänderungs-Effekt durch Protokollierung - gibt es da was aus der Sportpsychologie das das sauber beschreibt?
Zitat von markus_hh88das Protokoll selbst verändert schon das Verhalten
Das ist eigentlich der interessanteste Punkt seit Beitragsanfang, und gleichzeitig der unbequemste. Weil er die ganze Diskussion um Nitrat-Timing und Knollen-Dosierung ein bisschen ad absurdum führt. Wenn der Effekt hauptsächlich über Verhaltensstruktur läuft - weniger Alkohol, besserer Schlaf, bewusstere Kohlenhydratplanung - dann ist Rote Bete das Vehikel, nicht die Ursache. Ich hab das bei mir selbst gesehen, ehrlich gesagt. In den vier Wochen wo ich den Saft systematisch genommen hab, hab ich auch zufällig weniger Abende vor dem Laptop verbracht, weil ich morgens laufen wollte. Ob das die Rote Bete war oder einfach dass ich ein Protokoll hatte - keine Ahnung. Das lässt sich nicht trennen. Was mich dabei aber stört: wenn wir das so rahmen, dann ist die Frage für rote_socke_83 eigentlich nicht "wann esse ich die Knolle", sondern "was brauche ich als Struktur für die Granfondo-Vorbereitung". Und da ist Rote Bete vielleicht sogar funktional als Anker - nicht wegen Nitrat, sondern weil es ein tägliches Signal setzt. Das klingt jetzt fast schon zu weich für diesen Thread. Aber ich find die Frage legitim, ob wir da die ganze Zeit über das falsche Wirkprinzip diskutiert haben. Hast du dafür eine Quelle, der Verhaltensänderungs-Effekt durch Protokollierung - gibt es da was aus der Sportpsychologie das das sauber beschreibt?