Rote Bete, Magnesium, Proteinpulver – wo hört Ernährung auf, wo fängt Supplement an?
Zitat von markus_hh88 am Juni 8, 2026, 22:50 Uhr@miramira die Frage zum Studiendesign ist tatsächlich die richtige. Das Verblindungsproblem bei Rote-Beete ist real und wird in der Literatur auch so benannt. Es gibt Protokolle wo nitratarmer Rote-Beete-Saft als Placebo verwendet wird - der sieht gleich aus, schmeckt aber etwas anders. Ob das wirklich blind ist, da bin ich skeptisch. Einige Studien arbeiten mit Kapseln um das zu umgehen, aber dann hast du wieder andere Bioverfügbarkeitsfragen.
Zitat von miramiraich dachte damals eher abstrakt darüber nach aber jetzt
Genau da würd mich interessieren was jetzt kommt. Weil das ist für mich der interessante Punkt: der Moment wo was abstrakt Gelerentes plötzlich konkret wird. Das passiert mir in der Praxis auch - ich weiß theoretisch was über Retest-Reliability bei subjektiven Schmerzeinschätzungen, und trotzdem nehm ich manchmal die Aussage eines Klienten "heute viel besser" als Rückmeldung, obwohl ich weiß dass das methodisch wacklig ist. Weil es halt praktisch ist. Was dein Professor zu self-report Daten gesagt hat - das gilt übrigens nicht nur für Supplemente. Das gilt für fast alle Interventionsstudien in der Sportphysiotherapie auch. Wir arbeiten da ständig mit subjektivem Feedback, weil die Alternativen zu teuer oder aufwändig sind. Ich bin da mittlerweile etwas fatalistischer geworden als ich es mit Anfang 30 war. Methodisch sauber wäre gut. In der Realität kommt man meistens nicht dran. Bin heute ehrlich gesagt etwas zu müde um das weiter auszudröseln.
@miramira die Frage zum Studiendesign ist tatsächlich die richtige. Das Verblindungsproblem bei Rote-Beete ist real und wird in der Literatur auch so benannt. Es gibt Protokolle wo nitratarmer Rote-Beete-Saft als Placebo verwendet wird - der sieht gleich aus, schmeckt aber etwas anders. Ob das wirklich blind ist, da bin ich skeptisch. Einige Studien arbeiten mit Kapseln um das zu umgehen, aber dann hast du wieder andere Bioverfügbarkeitsfragen.
Zitat von miramiraich dachte damals eher abstrakt darüber nach aber jetzt
Genau da würd mich interessieren was jetzt kommt. Weil das ist für mich der interessante Punkt: der Moment wo was abstrakt Gelerentes plötzlich konkret wird. Das passiert mir in der Praxis auch - ich weiß theoretisch was über Retest-Reliability bei subjektiven Schmerzeinschätzungen, und trotzdem nehm ich manchmal die Aussage eines Klienten "heute viel besser" als Rückmeldung, obwohl ich weiß dass das methodisch wacklig ist. Weil es halt praktisch ist. Was dein Professor zu self-report Daten gesagt hat - das gilt übrigens nicht nur für Supplemente. Das gilt für fast alle Interventionsstudien in der Sportphysiotherapie auch. Wir arbeiten da ständig mit subjektivem Feedback, weil die Alternativen zu teuer oder aufwändig sind. Ich bin da mittlerweile etwas fatalistischer geworden als ich es mit Anfang 30 war. Methodisch sauber wäre gut. In der Realität kommt man meistens nicht dran. Bin heute ehrlich gesagt etwas zu müde um das weiter auszudröseln.
Zitat von miramira am Juni 8, 2026, 23:18 Uhr@markus_hh88
Zitat von markus_hh88Methodisch sauber wäre gut. In der Realität kommt man meistens nicht dran.
ja okay aber irgendwie find ich das... beruhigend? wie meinst du das jetzt mira. naja ich glaub weil ich immer dachte das ist mein Problem als Laie dass ich das nicht g'scheit einordnen kann. aber wenn selbst jemand der das beruflich macht am Ende auch mit "wackligem Feedback" arbeitet dann ist das halt einfach der Stand der Dinge und nicht meine persönliche Unfähigkeit. was mich aber gerade beschäftigt und ich glaub das haben wir alle noch nicht wirklich angeschnitten: selbst wenn ich eine perfekte Studie hätte die sagt Nitrat bringt bei Hobbyläuferinnen 2% bessere Zeit auf 21km - was mach ich damit. weiß ich nicht ob das bei mir gilt. die Studienpopulation ist halt nicht ich mit meinem schlechten Schlafrhythmus im Semester und dem holprigen Trainingsplan. ich hab mal irgendwo gelesen dass Effektgrößen aus Laborsettings sich in der Praxis oft halbieren oder so. keine Ahnung ob das stimmt hab die Quelle nicht mehr. aber wenn ja dann ist 2% plötzlich... nix. das Betanio PLUS kostet ja eh heftig und ich hab mirs nie gekauft auch deswegen. aber ich merk gerade dass mein Zögern eigentlich gar nicht so irrational war wie ich dachte - nicht weil ich das durchgerechnet hätte sondern einfach so ein Bauchgefühl. ob das auch confirmation bias ist in die andere Richtung
Zitat von markus_hh88Methodisch sauber wäre gut. In der Realität kommt man meistens nicht dran.
ja okay aber irgendwie find ich das... beruhigend? wie meinst du das jetzt mira. naja ich glaub weil ich immer dachte das ist mein Problem als Laie dass ich das nicht g'scheit einordnen kann. aber wenn selbst jemand der das beruflich macht am Ende auch mit "wackligem Feedback" arbeitet dann ist das halt einfach der Stand der Dinge und nicht meine persönliche Unfähigkeit. was mich aber gerade beschäftigt und ich glaub das haben wir alle noch nicht wirklich angeschnitten: selbst wenn ich eine perfekte Studie hätte die sagt Nitrat bringt bei Hobbyläuferinnen 2% bessere Zeit auf 21km - was mach ich damit. weiß ich nicht ob das bei mir gilt. die Studienpopulation ist halt nicht ich mit meinem schlechten Schlafrhythmus im Semester und dem holprigen Trainingsplan. ich hab mal irgendwo gelesen dass Effektgrößen aus Laborsettings sich in der Praxis oft halbieren oder so. keine Ahnung ob das stimmt hab die Quelle nicht mehr. aber wenn ja dann ist 2% plötzlich... nix. das Betanio PLUS kostet ja eh heftig und ich hab mirs nie gekauft auch deswegen. aber ich merk gerade dass mein Zögern eigentlich gar nicht so irrational war wie ich dachte - nicht weil ich das durchgerechnet hätte sondern einfach so ein Bauchgefühl. ob das auch confirmation bias ist in die andere Richtung
Zitat von jana_w am Juni 9, 2026, 01:11 Uhr@miramira der Punkt mit dem Bauchgefühl als confirmation bias in die andere Richtung - das ist eigentlich das erste was mich heute wirklich zum nachdenken bringt. weil ich kenn das von mir. ich hab auch nie Betanio oder irgendwelche Konzentrat-Kapseln gekauft, aber ich trinke halt frischen Rote-Bete-Saft und bilde mir ein das ist was anderes. und wenn ich jetzt ehrlich bin - der einzige echte Unterschied ist dass ich das als "richtiges Essen" rahme und mich dabei besser fühle. nicht körperlich, sondern irgendwie... konsistent mit dem wie ich mich selbst sehe.
Zitat von miramiraob das auch confirmation bias ist in die andere Richtung
ja. ich glaub schon. nur dass das bei uns halt anders verpackt ist - nicht "ich will dass es wirkt" sondern "ich will nicht der Typ sein der Kapseln schluckt". das ist trotzdem eine Brille die die Wahrnehmung färbt, oder? was mich bei der ganzen Diskussion hier eigentlich stört - und das hat niemand so direkt gesagt - ist dass wir tun als wäre "Bauchgefühl ohne Kalkulation" irgendwie weniger manipuliert als eine Entscheidung die man durchdenkt. aber vielleicht ist das Gegenteil wahr. wenn ich nicht drüber nachdenke kann der Bias komplett unbemerkt reinrutschen. ich sag das auch ein bisschen zu mir selbst gerade.
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less is more ?
@miramira der Punkt mit dem Bauchgefühl als confirmation bias in die andere Richtung - das ist eigentlich das erste was mich heute wirklich zum nachdenken bringt. weil ich kenn das von mir. ich hab auch nie Betanio oder irgendwelche Konzentrat-Kapseln gekauft, aber ich trinke halt frischen Rote-Bete-Saft und bilde mir ein das ist was anderes. und wenn ich jetzt ehrlich bin - der einzige echte Unterschied ist dass ich das als "richtiges Essen" rahme und mich dabei besser fühle. nicht körperlich, sondern irgendwie... konsistent mit dem wie ich mich selbst sehe.
Zitat von miramiraob das auch confirmation bias ist in die andere Richtung
ja. ich glaub schon. nur dass das bei uns halt anders verpackt ist - nicht "ich will dass es wirkt" sondern "ich will nicht der Typ sein der Kapseln schluckt". das ist trotzdem eine Brille die die Wahrnehmung färbt, oder? was mich bei der ganzen Diskussion hier eigentlich stört - und das hat niemand so direkt gesagt - ist dass wir tun als wäre "Bauchgefühl ohne Kalkulation" irgendwie weniger manipuliert als eine Entscheidung die man durchdenkt. aber vielleicht ist das Gegenteil wahr. wenn ich nicht drüber nachdenke kann der Bias komplett unbemerkt reinrutschen. ich sag das auch ein bisschen zu mir selbst gerade.
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Zitat von miramira am Juni 9, 2026, 02:00 Uhr@jana_w
Zitat von jana_wnicht "ich will dass es wirkt" sondern "ich will nicht der Typ sein der Kapseln schluckt"
okay das trifft mich weil ich das bei mir genauso erkenne. ich hab ehrlich gesagt immer gedacht mein Skeptizismus gegenüber sowas wie Betanio ist irgendwie... rationaler. aber wenn ich zurückdenke warum ich das nie gekauft hab dann war das wirklich eher sowas wie "das ist halt nichts für mich" und nicht weil ich das durchgerechnet hätte. was mich gerade beschäftigt ist die Frage ob das überhaupt ein Problem ist. also ich mein - wenn meine Entscheidung aus einem Selbstbild kommt statt aus einer Kosten-Nutzen-Rechnung, aber das Ergebnis eh dasselbe wäre, macht das was aus. keine Ahnung ob... naja vielleicht doch. weil wenn ich irgendwann anfange etwas zu nehmen das ich eigentlich ablehne, dann kipp ich wahrscheinlich auch komplett und rede mir dann ein dass es g'scheit wirkt. hab das bei einer Trainingskollegin gesehen die jahrelang kein Proteinpulver wollte und dann nach zwei Monaten plötzlich drei verschiedene Sachen geschluckt hat. ob da ein Zusammenhang ist weiß ich nicht aber es hat mich damals schon komisch gewundert. was ich noch nicht kapier: kann man das Selbstbild eigentlich bewusst in Frage stellen ohne dass man sich dabei irgendwie verbiegt. oder ist die Reflexion die wir hier gerade alle betreiben auch schon wieder eine Art Selbstbestätigung auf höherem Niveau
Zitat von jana_wnicht "ich will dass es wirkt" sondern "ich will nicht der Typ sein der Kapseln schluckt"
okay das trifft mich weil ich das bei mir genauso erkenne. ich hab ehrlich gesagt immer gedacht mein Skeptizismus gegenüber sowas wie Betanio ist irgendwie... rationaler. aber wenn ich zurückdenke warum ich das nie gekauft hab dann war das wirklich eher sowas wie "das ist halt nichts für mich" und nicht weil ich das durchgerechnet hätte. was mich gerade beschäftigt ist die Frage ob das überhaupt ein Problem ist. also ich mein - wenn meine Entscheidung aus einem Selbstbild kommt statt aus einer Kosten-Nutzen-Rechnung, aber das Ergebnis eh dasselbe wäre, macht das was aus. keine Ahnung ob... naja vielleicht doch. weil wenn ich irgendwann anfange etwas zu nehmen das ich eigentlich ablehne, dann kipp ich wahrscheinlich auch komplett und rede mir dann ein dass es g'scheit wirkt. hab das bei einer Trainingskollegin gesehen die jahrelang kein Proteinpulver wollte und dann nach zwei Monaten plötzlich drei verschiedene Sachen geschluckt hat. ob da ein Zusammenhang ist weiß ich nicht aber es hat mich damals schon komisch gewundert. was ich noch nicht kapier: kann man das Selbstbild eigentlich bewusst in Frage stellen ohne dass man sich dabei irgendwie verbiegt. oder ist die Reflexion die wir hier gerade alle betreiben auch schon wieder eine Art Selbstbestätigung auf höherem Niveau
Zitat von markus_hh88 am Juni 9, 2026, 07:08 Uhr@miramira die letzte Frage ist eigentlich die interessanteste im ganzen Thread - ob Reflexion auf "höherem Niveau" auch nur Selbstbestätigung ist. Kurze Antwort: ja, kann sein. Aber das ist kein Argument gegen Reflexion, das ist einfach ein Merkmal von wie Kognition funktioniert.
Zitat von miramirakann man das Selbstbild eigentlich bewusst in Frage stellen ohne dass man sich dabei irgendwie verbiegt
Was mich an dieser Frage beschäftigt: du setzt voraus, dass "verbiegen" schlecht ist. Aber vielleicht ist genau das der Punkt. Wir nennen es Verbiegen wenn das Ergebnis uns unbequem ist, und Reifung wenn es uns passt. Das ist die gleiche Logik wie beim Notizbuch von @rennradwolf - man schreibt unterschiedlich je nachdem ob man bestätigt werden will oder nicht. Was ich aus der Praxis kenne: Klienten die jahrelang eine feste Überzeugung hatten ("ich brauche kein Dehnen", "ich brauche keine Einlagen") und die dann unter Druck - Schmerz, schlechte Wettkampfsaison, was auch immer - plötzlich alles umstoßen. Das sieht manchmal nach Einsicht aus. Ist es aber meistens nicht. Das ist Kapitulation unter Stress, und dann greift man nach allem was griffbereit ist. Das Proteinpulver-Beispiel mit deiner Kollegin klingt ähnlich. Nicht Reflexion, sondern ein Kipppunkt. Ob das bei dir auch so wäre weiß ich nicht. Aber die Frage "was bringt mich zum Kippen" finde ich ehrlich gesagt interessanter als "ist mein Skeptizismus rational". Weil der Skeptizismus unter normalen Bedingungen hält. Die Frage ist was passiert wenn man mal zwei schlechte Rennen hintereinander hat und jemand einem was empfiehlt das "wirklich geholfen hat".
@miramira die letzte Frage ist eigentlich die interessanteste im ganzen Thread - ob Reflexion auf "höherem Niveau" auch nur Selbstbestätigung ist. Kurze Antwort: ja, kann sein. Aber das ist kein Argument gegen Reflexion, das ist einfach ein Merkmal von wie Kognition funktioniert.
Zitat von miramirakann man das Selbstbild eigentlich bewusst in Frage stellen ohne dass man sich dabei irgendwie verbiegt
Was mich an dieser Frage beschäftigt: du setzt voraus, dass "verbiegen" schlecht ist. Aber vielleicht ist genau das der Punkt. Wir nennen es Verbiegen wenn das Ergebnis uns unbequem ist, und Reifung wenn es uns passt. Das ist die gleiche Logik wie beim Notizbuch von @rennradwolf - man schreibt unterschiedlich je nachdem ob man bestätigt werden will oder nicht. Was ich aus der Praxis kenne: Klienten die jahrelang eine feste Überzeugung hatten ("ich brauche kein Dehnen", "ich brauche keine Einlagen") und die dann unter Druck - Schmerz, schlechte Wettkampfsaison, was auch immer - plötzlich alles umstoßen. Das sieht manchmal nach Einsicht aus. Ist es aber meistens nicht. Das ist Kapitulation unter Stress, und dann greift man nach allem was griffbereit ist. Das Proteinpulver-Beispiel mit deiner Kollegin klingt ähnlich. Nicht Reflexion, sondern ein Kipppunkt. Ob das bei dir auch so wäre weiß ich nicht. Aber die Frage "was bringt mich zum Kippen" finde ich ehrlich gesagt interessanter als "ist mein Skeptizismus rational". Weil der Skeptizismus unter normalen Bedingungen hält. Die Frage ist was passiert wenn man mal zwei schlechte Rennen hintereinander hat und jemand einem was empfiehlt das "wirklich geholfen hat".
Zitat von rennradwolf am Juni 9, 2026, 07:22 Uhr@markus_hh88
Zitat von markus_hh88was passiert wenn man mal zwei schlechte Rennen hintereinander hat
das kenn ich. und ich kann dir sagen was bei mir passiert ist: ich hab damals nach einer miesen Saison tatsächlich angefangen mehr Zeug auszuprobieren als ich sonst je würde. nicht weil ich nachgedacht hab sondern weil man irgendwas tun will. das Betanio war auch so ein Fall - nicht geplant, sondern einfach weil ein Kumpel im Verein geschwärmt hat und ich gerade frustriert war. Das ist genau der Kipppunkt den du meinst. Aber da steckt noch was drin das du nicht sagst. Der Kipppunkt kommt nicht nur wenn man schlechte Ergebnisse hat. Der kommt auch wenn alle anderen im Verein plötzlich mit irgendwas ankommen und man der Einzige ist der nein sagt. Das ist kein rationaler Prozess, das ist sozialer Druck der sich als eigene Entscheidung verkleidet. Hab ich selbst erlebt, mehrfach. Was mich an dem Kollegin-Beispiel von @miramira beschäftigt: drei verschiedene Sachen auf einmal. Das ist kein Kipppunkt mehr, das ist Panik. Und dann weißt du hinterher noch weniger was was gebracht hat oder eben nicht. Das Ding ist - ich glaub der Skeptizismus den jana_w und miramira beschreiben ist stabiler als ihr denkt. Nicht weil er rationaler ist. Sonder weil er ins Selbstbild eingebaut ist. Wenn das kippt, kippt's meistens wegen Stress von außen, nicht wegen einem guten Argument.
Zitat von markus_hh88was passiert wenn man mal zwei schlechte Rennen hintereinander hat
das kenn ich. und ich kann dir sagen was bei mir passiert ist: ich hab damals nach einer miesen Saison tatsächlich angefangen mehr Zeug auszuprobieren als ich sonst je würde. nicht weil ich nachgedacht hab sondern weil man irgendwas tun will. das Betanio war auch so ein Fall - nicht geplant, sondern einfach weil ein Kumpel im Verein geschwärmt hat und ich gerade frustriert war. Das ist genau der Kipppunkt den du meinst. Aber da steckt noch was drin das du nicht sagst. Der Kipppunkt kommt nicht nur wenn man schlechte Ergebnisse hat. Der kommt auch wenn alle anderen im Verein plötzlich mit irgendwas ankommen und man der Einzige ist der nein sagt. Das ist kein rationaler Prozess, das ist sozialer Druck der sich als eigene Entscheidung verkleidet. Hab ich selbst erlebt, mehrfach. Was mich an dem Kollegin-Beispiel von @miramira beschäftigt: drei verschiedene Sachen auf einmal. Das ist kein Kipppunkt mehr, das ist Panik. Und dann weißt du hinterher noch weniger was was gebracht hat oder eben nicht. Das Ding ist - ich glaub der Skeptizismus den jana_w und miramira beschreiben ist stabiler als ihr denkt. Nicht weil er rationaler ist. Sonder weil er ins Selbstbild eingebaut ist. Wenn das kippt, kippt's meistens wegen Stress von außen, nicht wegen einem guten Argument.
Zitat von rote_socke_83 am Juni 14, 2026, 19:20 Uhr@rennradwolf
Zitat von rennradwolfSonder weil er ins Selbstbild eingebaut ist
das ist der Punkt der mich nach fünf Tagen immer noch beschäftigt, ehrlich gesagt. Ich bin jetzt seit drei Jahren auf dem Rad und ich merke wie sich das Selbstbild langsam verschiebt. Am Anfang war ich der der einfach mal eine Runde dreht. Jetzt hab ich eine Granfondo in der Pipeline und plötzlich nehm ich Zeug das ich vor zwei Jahren noch als Quatsch abgetan hätte. Und ich kann dir sagen wann das bei mir gekippt ist - nicht nach zwei schlechten Ausfahrten. Sondern als mein Kollege Thomas anfing richtig strukturiert zu trainieren und mich auf einmal abgehängt hat. Der macht nix großartig anders, isst aber seit Monaten konsequenter und nimmt gezielt Sachen vor langen Einheiten. Das hat mich getriggert. Nicht sein Erfolg, sondern dass ich plötzlich das Gefühl hatte ich bin der Einzige der das nicht ernst nimmt. Das ist genau die sozialer-Druck-als-eigene-Entscheidung Sache die du beschreibst. Ich hab mir danach eingeredet ich hab das rational abgewogen. Hab ich nicht. Ich wollte nicht mehr der sein der hintendranhängt. Was mich dabei nervt: ich weiß das jetzt aber es ändert nichts daran dass ich das Betanio trotzdem weiter nehme. Das Wissen macht die Entscheidung nicht rückgängig. Vielleicht ist das der eigentlich unbequeme Teil an der ganzen Reflexion hier im Thread.
Zitat von rennradwolfSonder weil er ins Selbstbild eingebaut ist
das ist der Punkt der mich nach fünf Tagen immer noch beschäftigt, ehrlich gesagt. Ich bin jetzt seit drei Jahren auf dem Rad und ich merke wie sich das Selbstbild langsam verschiebt. Am Anfang war ich der der einfach mal eine Runde dreht. Jetzt hab ich eine Granfondo in der Pipeline und plötzlich nehm ich Zeug das ich vor zwei Jahren noch als Quatsch abgetan hätte. Und ich kann dir sagen wann das bei mir gekippt ist - nicht nach zwei schlechten Ausfahrten. Sondern als mein Kollege Thomas anfing richtig strukturiert zu trainieren und mich auf einmal abgehängt hat. Der macht nix großartig anders, isst aber seit Monaten konsequenter und nimmt gezielt Sachen vor langen Einheiten. Das hat mich getriggert. Nicht sein Erfolg, sondern dass ich plötzlich das Gefühl hatte ich bin der Einzige der das nicht ernst nimmt. Das ist genau die sozialer-Druck-als-eigene-Entscheidung Sache die du beschreibst. Ich hab mir danach eingeredet ich hab das rational abgewogen. Hab ich nicht. Ich wollte nicht mehr der sein der hintendranhängt. Was mich dabei nervt: ich weiß das jetzt aber es ändert nichts daran dass ich das Betanio trotzdem weiter nehme. Das Wissen macht die Entscheidung nicht rückgängig. Vielleicht ist das der eigentlich unbequeme Teil an der ganzen Reflexion hier im Thread.
Zitat von markus_hh88 am Juni 15, 2026, 00:16 Uhrmelde mich nochmal, weil mich der letzte Post von @rote_socke_83 ehrlich gesagt mehr angeht als ich erwartet hätte.
Zitat von rote_socke_83Das Wissen macht die Entscheidung nicht rückgängig.
Das ist der Satz. Und ich glaub da steckt was drin das wir hier bisher komplett ausgelassen haben: nämlich dass Reflexion und Verhalten zwei verschiedene Systeme sind. Das klingt jetzt nach Psychologie-Einführungsvorlesung, aber aus meiner Erfahrung in der Praxis ist das schlicht wahr. Ich hab Klienten die wissen haargenau dass ihre Schonhaltung kontraproduktiv ist, die verstehen das mechanisch, die können es mir erklären - und machen es trotzdem. Wissen und Handeln entkoppeln sich unter emotionaler Last fast immer. Was mich an deinem Thomas-Beispiel beschäftigt: du beschreibst das als sozialen Druck, aber ich würde das noch anders einordnen. Das war wahrscheinlich ein Identitätsproblem, kein Motivationsproblem. Du wolltest nicht das Zeug wegen der Wirkung, du wolltest wieder in dieselbe Kategorie wie Thomas. Das Betanio war das Ticket, nicht das Ziel. Und jetzt ist die Frage die ich mir stelle - nicht rhetorisch: wenn das Selbstbild das eigentliche Motiv ist, was passiert dann wenn Thomas aufhört. Nimmst du es dann auch ab, weil die Referenz wegfällt? Oder hat sich die Routine inzwischen verselbstständigt, weil sie Teil von dem geworden ist wer du beim Training bist. Das wäre für mich der interessante Datenpunkt. Nicht ob es wirkt.
melde mich nochmal, weil mich der letzte Post von @rote_socke_83 ehrlich gesagt mehr angeht als ich erwartet hätte.
Zitat von rote_socke_83Das Wissen macht die Entscheidung nicht rückgängig.
Das ist der Satz. Und ich glaub da steckt was drin das wir hier bisher komplett ausgelassen haben: nämlich dass Reflexion und Verhalten zwei verschiedene Systeme sind. Das klingt jetzt nach Psychologie-Einführungsvorlesung, aber aus meiner Erfahrung in der Praxis ist das schlicht wahr. Ich hab Klienten die wissen haargenau dass ihre Schonhaltung kontraproduktiv ist, die verstehen das mechanisch, die können es mir erklären - und machen es trotzdem. Wissen und Handeln entkoppeln sich unter emotionaler Last fast immer. Was mich an deinem Thomas-Beispiel beschäftigt: du beschreibst das als sozialen Druck, aber ich würde das noch anders einordnen. Das war wahrscheinlich ein Identitätsproblem, kein Motivationsproblem. Du wolltest nicht das Zeug wegen der Wirkung, du wolltest wieder in dieselbe Kategorie wie Thomas. Das Betanio war das Ticket, nicht das Ziel. Und jetzt ist die Frage die ich mir stelle - nicht rhetorisch: wenn das Selbstbild das eigentliche Motiv ist, was passiert dann wenn Thomas aufhört. Nimmst du es dann auch ab, weil die Referenz wegfällt? Oder hat sich die Routine inzwischen verselbstständigt, weil sie Teil von dem geworden ist wer du beim Training bist. Das wäre für mich der interessante Datenpunkt. Nicht ob es wirkt.
Zitat von rote_socke_83 am Juni 18, 2026, 04:53 Uhr@markus_hh88 die Frage mit Thomas macht mich gerade wirklich unruhig, ehrlich gesagt. Nicht weil ich keine Antwort hätte. Sondern weil ich merke dass ich die Antwort schon weiß und sie mir nicht passt. Thomas hat letzten Monat seinen Trainingsplan ordentlich runtergefahren, Arbeit, Familie, du kennst das. Er nimmt auch weniger. Und ich? Ich nehme noch genauso. Die Routine läuft einfach weiter. Morgens Betanio, fertig. Da ist keine bewusste Entscheidung mehr dahinter. Zitat von markus_hh88: hat sich die Routine inzwischen verselbstständigt
Ja. Genau das. Und ich bin mir nicht sicher, ob mich das beruhigen oder beunruhigen soll. Weil auf einer Seite - ok, Quatsch, ich sag's anders: das klingt nach Gewohnheit, die funktioniert, ohne dass ich dauernd drüber nachdenke. Das ist bei meiner Trinkflasche auch so. Ich füll sie, ich denk nicht drüber nach. Aber bei der Trinkflasche weiß ich, was sie tut. Was mich beschäftigt, ist ob das der Punkt ist, wo Supplemente aufhören, Entscheidungen zu sein, und einfach nur noch Rituale werden. Und ob das eigentlich das Problem ist oder ob das sogar ok ist. Ich mein - ich hab morgens auch Kaffee. Ich frag mich nicht jeden Tag, ob der Koffeineffekt heute wirklich eintritt. Der Preis nervt mich trotzdem noch. Das ist glaub ich das letzte, was noch wirklich bewusst bleibt. Edit: Kleine Klarstellung - mit "Ritual" mein ich nicht zwangsläufig etwas Negatives. Aber ich glaub, das sollte ich mir selbst nochmal bewusst machen, ob das für mich persönlich noch sinnvoll ist oder nur noch Autopilot.
@markus_hh88 die Frage mit Thomas macht mich gerade wirklich unruhig, ehrlich gesagt. Nicht weil ich keine Antwort hätte. Sondern weil ich merke dass ich die Antwort schon weiß und sie mir nicht passt. Thomas hat letzten Monat seinen Trainingsplan ordentlich runtergefahren, Arbeit, Familie, du kennst das. Er nimmt auch weniger. Und ich? Ich nehme noch genauso. Die Routine läuft einfach weiter. Morgens Betanio, fertig. Da ist keine bewusste Entscheidung mehr dahinter. Zitat von markus_hh88: hat sich die Routine inzwischen verselbstständigt
Ja. Genau das. Und ich bin mir nicht sicher, ob mich das beruhigen oder beunruhigen soll. Weil auf einer Seite - ok, Quatsch, ich sag's anders: das klingt nach Gewohnheit, die funktioniert, ohne dass ich dauernd drüber nachdenke. Das ist bei meiner Trinkflasche auch so. Ich füll sie, ich denk nicht drüber nach. Aber bei der Trinkflasche weiß ich, was sie tut. Was mich beschäftigt, ist ob das der Punkt ist, wo Supplemente aufhören, Entscheidungen zu sein, und einfach nur noch Rituale werden. Und ob das eigentlich das Problem ist oder ob das sogar ok ist. Ich mein - ich hab morgens auch Kaffee. Ich frag mich nicht jeden Tag, ob der Koffeineffekt heute wirklich eintritt. Der Preis nervt mich trotzdem noch. Das ist glaub ich das letzte, was noch wirklich bewusst bleibt. Edit: Kleine Klarstellung - mit "Ritual" mein ich nicht zwangsläufig etwas Negatives. Aber ich glaub, das sollte ich mir selbst nochmal bewusst machen, ob das für mich persönlich noch sinnvoll ist oder nur noch Autopilot.