Rote Bete für Kinder - wie kriegt ihr das durch?
Zitat von rote_socke_83 am Juli 22, 2026, 04:46 UhrMeine Tochter (8) hat heute Abend am Tisch das Gesicht gemacht, das Kinder machen wenn man ihnen erklärt dass das Zeug auf dem Teller gut für sie ist. Also: keine Chance. Komplett verweigert, obwohl ich mir extra Mühe gegeben hab. Ich hab die Bete in Scheiben geschnitten, mit etwas Apfelsaft glasiert und kurz in die Pfanne. War eigentlich ganz anständig vom Geschmack her, find ich. Aber sie hat sich das einmal reingezogen und das war es dann. Das Blöde ist, ich ess das Zeug selbst gerade regelmäßig - vor allem wegen der Granfondo-Vorbereitung - und sie sieht das natürlich. Die Neugier war da, kurz. Aber der erste Biss hat sie dann doch überzeugt dass sie lieber Kartoffeln mag. Was mich interessiert: hat jemand Kinder tatsächlich dauerhaft an Rote Bete gewöhnt? Nicht so ein einmaliges "hat funktioniert", sondern wirklich als festes Ding auf dem Teller. Ich frag mich ob das überhaupt realistisch ist oder ob das einfach ein Erwachsenengemüse bleibt. Meine Frau meint ich soll aufhören es zu pushen und einfach weiter selbst essen, dann kommt das von alleine irgendwann. Keine Ahnung ob da was dran ist. Bei unserem Sohn (12) ist es übrigens komplett anders - der isst das inzwischen ohne Diskussion, hat sich irgendwie ergeben über Zeit. Aber der ist auch generell weniger kompliziert beim Essen. Hat jemand Tricks mit der Zubereitung die wirklich funktionieren, also nicht nur "unter Hummus verstecken" sondern dass die Kinder es wirklich mögen? Ich frag das ohne große Hoffnung ehrlich gesagt, aber vielleicht überrascht mich hier jemand.
Meine Tochter (8) hat heute Abend am Tisch das Gesicht gemacht, das Kinder machen wenn man ihnen erklärt dass das Zeug auf dem Teller gut für sie ist. Also: keine Chance. Komplett verweigert, obwohl ich mir extra Mühe gegeben hab. Ich hab die Bete in Scheiben geschnitten, mit etwas Apfelsaft glasiert und kurz in die Pfanne. War eigentlich ganz anständig vom Geschmack her, find ich. Aber sie hat sich das einmal reingezogen und das war es dann. Das Blöde ist, ich ess das Zeug selbst gerade regelmäßig - vor allem wegen der Granfondo-Vorbereitung - und sie sieht das natürlich. Die Neugier war da, kurz. Aber der erste Biss hat sie dann doch überzeugt dass sie lieber Kartoffeln mag. Was mich interessiert: hat jemand Kinder tatsächlich dauerhaft an Rote Bete gewöhnt? Nicht so ein einmaliges "hat funktioniert", sondern wirklich als festes Ding auf dem Teller. Ich frag mich ob das überhaupt realistisch ist oder ob das einfach ein Erwachsenengemüse bleibt. Meine Frau meint ich soll aufhören es zu pushen und einfach weiter selbst essen, dann kommt das von alleine irgendwann. Keine Ahnung ob da was dran ist. Bei unserem Sohn (12) ist es übrigens komplett anders - der isst das inzwischen ohne Diskussion, hat sich irgendwie ergeben über Zeit. Aber der ist auch generell weniger kompliziert beim Essen. Hat jemand Tricks mit der Zubereitung die wirklich funktionieren, also nicht nur "unter Hummus verstecken" sondern dass die Kinder es wirklich mögen? Ich frag das ohne große Hoffnung ehrlich gesagt, aber vielleicht überrascht mich hier jemand.
Zitat von elvira_k am Juli 22, 2026, 07:17 Uhr@rote_socke_83 da muss ich ehrlich sagen, dass mich das mit deinem Sohn interessiert. Der isst das jetzt einfach ohne Diskussion - hast du da selbst mitbekommen wann der Punkt war, oder ist das wirklich so schleichend passiert dass du es gar nicht genau sagen kannst? Ich frage deswegen, weil ich festgestellt habe dass bei sowas oft weniger das Rezept zählt als eher die Konstanz und dass es einfach da ist, ohne Drama drumherum. Mein Mann - also mein verstorbener Mann - der hat mir früher immer gesagt dass Kinder bei sowas auf die Haltung reagieren, nicht auf die Glasur. Wenn man merkt dass die Mutter oder der Vater sagt "versuch das mal, ist gut für dich", dann spüren Kinder das sofort. Aber bei der Achtjährigen klingt es ja so als würde sie das Zeug grundsätzlich ablehnen, nicht nur weil es gesund sein soll. Das mit dem Geschmack ist ja auch was anderes - Rote Beete schmeckt intensiv, fast erdig, wenn man das nicht gewöhnt ist kann das unangenehm sein. Vielleicht ist sie da auch einfach noch nicht reif für, wenn ich das richtig verstanden habe. Deine Frau könnte da einen Punkt haben, ehrlich gesagt. Wenn der Sohn das von selbst macht, weil er sieht dass du es isst und es dir schmeckt - das ist eine andere Geschichte als wenn man es zum Thema macht. Ich koche in meinem Garten an, was ich anbaue, und meine Nachbarin hat zwei Töchter - die eine interessiert sich null dafür, die andere kommt manchmal raus und schaut zu. Und genau die, die zuschauen durfte, probiert inzwischen auch.
@rote_socke_83 da muss ich ehrlich sagen, dass mich das mit deinem Sohn interessiert. Der isst das jetzt einfach ohne Diskussion - hast du da selbst mitbekommen wann der Punkt war, oder ist das wirklich so schleichend passiert dass du es gar nicht genau sagen kannst? Ich frage deswegen, weil ich festgestellt habe dass bei sowas oft weniger das Rezept zählt als eher die Konstanz und dass es einfach da ist, ohne Drama drumherum. Mein Mann - also mein verstorbener Mann - der hat mir früher immer gesagt dass Kinder bei sowas auf die Haltung reagieren, nicht auf die Glasur. Wenn man merkt dass die Mutter oder der Vater sagt "versuch das mal, ist gut für dich", dann spüren Kinder das sofort. Aber bei der Achtjährigen klingt es ja so als würde sie das Zeug grundsätzlich ablehnen, nicht nur weil es gesund sein soll. Das mit dem Geschmack ist ja auch was anderes - Rote Beete schmeckt intensiv, fast erdig, wenn man das nicht gewöhnt ist kann das unangenehm sein. Vielleicht ist sie da auch einfach noch nicht reif für, wenn ich das richtig verstanden habe. Deine Frau könnte da einen Punkt haben, ehrlich gesagt. Wenn der Sohn das von selbst macht, weil er sieht dass du es isst und es dir schmeckt - das ist eine andere Geschichte als wenn man es zum Thema macht. Ich koche in meinem Garten an, was ich anbaue, und meine Nachbarin hat zwei Töchter - die eine interessiert sich null dafür, die andere kommt manchmal raus und schaut zu. Und genau die, die zuschauen durfte, probiert inzwischen auch.
Zitat von rote_socke_83 am Juli 22, 2026, 07:40 Uhr@elvira_k
Zitat von elvira_kKinder bei sowas auf die Haltung reagieren, nicht auf die Glasur
Ich sag dir, das trifft mich gerade weil ich mir selbst grad beim Lesen zugebe dass ich genau das falsch gemacht hab. Ich hab das Ding aufgetischt und schon vorher so eine Art Werbehaltung eingenommen. "Probier mal, ist lecker, ich ess das auch." Das spüren die sofort, das stimmt. Was mich aber trotzdem beschäftigt - mein Sohn, der isst das jetzt, aber ich kann dir ehrlich gesagt nicht sagen wann das passiert ist. Ich hab das gar nicht mitgekriegt. Irgendwann war er einfach dabei wenn ich mir was auf den Teller gelegt hab und hat mitgegessen. Kein Ereignis, kein "heute war der Tag". Das ist ja eigentlich das was du meinst, oder. Das Problem mit der Achtjährigen ist aber dass die eine Meinung hat. Feste Meinung. Die sagt dir klar dass sie das nicht mag und das war dann auch so. Der Sohn war da immer offener, auch bei anderem Zeug. Ich glaub das ist wirklich Persönlichkeit und nicht Technik. Was ich jetzt tatsächlich überlege ist ob ich einfach aufhöre es als eigenes Gericht zu servieren und es irgendwo einbaue wo man es nicht so direkt vor sich hat. Nicht verstecken, aber auch nicht präsentieren. Mal schauen ob das was ändert oder ob sie das trotzdem rausschmeckt und dann noch mehr dagegen ist.
Zitat von elvira_kKinder bei sowas auf die Haltung reagieren, nicht auf die Glasur
Ich sag dir, das trifft mich gerade weil ich mir selbst grad beim Lesen zugebe dass ich genau das falsch gemacht hab. Ich hab das Ding aufgetischt und schon vorher so eine Art Werbehaltung eingenommen. "Probier mal, ist lecker, ich ess das auch." Das spüren die sofort, das stimmt. Was mich aber trotzdem beschäftigt - mein Sohn, der isst das jetzt, aber ich kann dir ehrlich gesagt nicht sagen wann das passiert ist. Ich hab das gar nicht mitgekriegt. Irgendwann war er einfach dabei wenn ich mir was auf den Teller gelegt hab und hat mitgegessen. Kein Ereignis, kein "heute war der Tag". Das ist ja eigentlich das was du meinst, oder. Das Problem mit der Achtjährigen ist aber dass die eine Meinung hat. Feste Meinung. Die sagt dir klar dass sie das nicht mag und das war dann auch so. Der Sohn war da immer offener, auch bei anderem Zeug. Ich glaub das ist wirklich Persönlichkeit und nicht Technik. Was ich jetzt tatsächlich überlege ist ob ich einfach aufhöre es als eigenes Gericht zu servieren und es irgendwo einbaue wo man es nicht so direkt vor sich hat. Nicht verstecken, aber auch nicht präsentieren. Mal schauen ob das was ändert oder ob sie das trotzdem rausschmeckt und dann noch mehr dagegen ist.
Zitat von markus_b82 am Juli 22, 2026, 13:06 UhrZitat von elvira_kweniger das Rezept zählt als eher die Konstanz
Das klingt plausibel, aber ich frag mich ob da eine Verwechslung stattfindet zwischen Korrelation und Ursache. Kinder die irgendwann anfangen ein Lebensmittel zu essen, tun das nach einer Phase der Exposition - das stimmt. Aber ob das an der Haltung der Eltern liegt oder einfach an der Reifung des Geschmackssinns, das ist nicht so leicht zu trennen. Ich hab das irgendwo gelesen, dass Kinder bis zu 15 Wiederholungen brauchen können bevor sie etwas akzeptieren - nicht 15 Versuche mit Überzeugungsarbeit, sondern buchstäblich 15 Mal auf dem Teller. @rote_socke_83 dein Punkt mit der "festen Meinung" klingt für mich ehrlich gesagt nach dem Kernproblem. Wenn ein Kind eine Kategorie gebildet hat ("mag ich nicht"), dann hilft kein Rezept mehr, weil das Urteil schon vor dem ersten Bissen fällt. Das ist kein Ernährungsthema mehr, das ist Kognition. Was mich bei dem Ganzen interessiert - hast du mal beobachtet ob sie Rote Bete ablehnt wenn sie nicht weiß dass es das ist? Also nicht im Sinne von Täuschung, sondern wirklich mal in einem Kontext wo das kein Thema ist. Das wäre für mich das einzig relevante Experiment hier. Alles andere testet ja nur ob sie gegen deinen Willen ankämpft oder wirklich gegen den Geschmack.
Zitat von elvira_kweniger das Rezept zählt als eher die Konstanz
Das klingt plausibel, aber ich frag mich ob da eine Verwechslung stattfindet zwischen Korrelation und Ursache. Kinder die irgendwann anfangen ein Lebensmittel zu essen, tun das nach einer Phase der Exposition - das stimmt. Aber ob das an der Haltung der Eltern liegt oder einfach an der Reifung des Geschmackssinns, das ist nicht so leicht zu trennen. Ich hab das irgendwo gelesen, dass Kinder bis zu 15 Wiederholungen brauchen können bevor sie etwas akzeptieren - nicht 15 Versuche mit Überzeugungsarbeit, sondern buchstäblich 15 Mal auf dem Teller. @rote_socke_83 dein Punkt mit der "festen Meinung" klingt für mich ehrlich gesagt nach dem Kernproblem. Wenn ein Kind eine Kategorie gebildet hat ("mag ich nicht"), dann hilft kein Rezept mehr, weil das Urteil schon vor dem ersten Bissen fällt. Das ist kein Ernährungsthema mehr, das ist Kognition. Was mich bei dem Ganzen interessiert - hast du mal beobachtet ob sie Rote Bete ablehnt wenn sie nicht weiß dass es das ist? Also nicht im Sinne von Täuschung, sondern wirklich mal in einem Kontext wo das kein Thema ist. Das wäre für mich das einzig relevante Experiment hier. Alles andere testet ja nur ob sie gegen deinen Willen ankämpft oder wirklich gegen den Geschmack.
Zitat von rote_socke_83 am Juli 22, 2026, 13:31 Uhr@markus_b82 das mit den 15 Wiederholungen hab ich auch schonmal irgendwo aufgeschnappt glaub das war sogar in irgendeinem Elternmagazin das meine Frau hatte. Ob das belegt ist oder nicht - keine Ahnung, aber es klingt plausibel wenn ich an meinen Sohn denke.
Zitat von markus_b82ob sie Rote Bete ablehnt wenn sie nicht weiß dass es das ist
Ich muss zugeben das ist tatsächlich der einzige Punkt in dieser ganzen Diskussion der mich wirklich zum Nachdenken bringt. Nicht weil ich sie täuschen will, das will ich ehrlich gesagt nicht. Aber weil ich selbst nicht weiß ob sie gegen den Geschmack kämpft oder gegen mich. Das ist ein Unterschied. Und ich glaub ehrlich gesagt, dass ich das noch nie wirklich getrennt hab. Was ich mir vorstellen könnte - nicht morgen, aber irgendwann - wäre sowas wie ein Rote-Bete-Anteil in einem Dip oder so, ohne Ansage, und dann schauen was passiert. Nicht als Trick, eher als Test für mich selbst. Ob die Reaktion dann anders ist. Das mit der Kognition, der gebildeten Kategorie - Punkt. Das klingt hart aber das kenn ich auch vom Arbeitsalltag. Wenn bei uns jemand eine Meinung über einen neuen Prozess hat bevor der erste Durchlauf läuft, kriegst du den kaum noch um. Da hilft auch keine bessere Argumentation.
@markus_b82 das mit den 15 Wiederholungen hab ich auch schonmal irgendwo aufgeschnappt glaub das war sogar in irgendeinem Elternmagazin das meine Frau hatte. Ob das belegt ist oder nicht - keine Ahnung, aber es klingt plausibel wenn ich an meinen Sohn denke.
Zitat von markus_b82ob sie Rote Bete ablehnt wenn sie nicht weiß dass es das ist
Ich muss zugeben das ist tatsächlich der einzige Punkt in dieser ganzen Diskussion der mich wirklich zum Nachdenken bringt. Nicht weil ich sie täuschen will, das will ich ehrlich gesagt nicht. Aber weil ich selbst nicht weiß ob sie gegen den Geschmack kämpft oder gegen mich. Das ist ein Unterschied. Und ich glaub ehrlich gesagt, dass ich das noch nie wirklich getrennt hab. Was ich mir vorstellen könnte - nicht morgen, aber irgendwann - wäre sowas wie ein Rote-Bete-Anteil in einem Dip oder so, ohne Ansage, und dann schauen was passiert. Nicht als Trick, eher als Test für mich selbst. Ob die Reaktion dann anders ist. Das mit der Kognition, der gebildeten Kategorie - Punkt. Das klingt hart aber das kenn ich auch vom Arbeitsalltag. Wenn bei uns jemand eine Meinung über einen neuen Prozess hat bevor der erste Durchlauf läuft, kriegst du den kaum noch um. Da hilft auch keine bessere Argumentation.
Zitat von elvira_k am Juli 22, 2026, 13:40 Uhr@markus_b82 Du sprichst da etwas an das mir gerade beim Lesen aufgegangen ist. Dieses "gegen mich kämpfen versus gegen den Geschmack" - das ist ja tatsächlich der entscheidende Punkt, und ich glaube @rote_socke_83 hat das genau richtig erkannt. Bei mir im Garten war das ähnlich, nur umgekehrt. Meine Nachbarin hat ihrer jüngeren Tochter lange erzählt dass Rote Beete gesund ist, wichtig für den Körper, all das. Die Kleine hat das regelrecht blockiert! Aber dann als die ältere Schwester irgendwann anfing, heimlich Rüben aus dem Garten zu naschen - nicht weil es gesund war sondern weil sie die Erde abgemacht hat und probiert hat - da wurde es interessant. Die Kleine sah das, ohne dass jemand es zum Thema machte, und plötzlich war die Blockade weg. Mein Hausarzt hat mir damals erklärt dass gerade bei Kindern diese Grenze zwischen "das wird mir aufgezwungen" und "das mag ich wirklich nicht" oft sehr verschwommen ist. Und je älter sie werden, desto fester wird das Urteil. Das mit dem Arbeitsalltag und den Prozessen, das ist ein guter Vergleich, @rote_socke_83. Meine Frage wäre eher: habt ihr schon mal überlegt, die Tochter einfach mit in die Küche zu nehmen, ohne dass es um Rote Beete geht? Also einfach kochen, sie daneben stehen lassen, und wenn sie neugierig wird - dann. Nicht als Strategie, sondern weil ihr sowieso kocht.
@markus_b82 Du sprichst da etwas an das mir gerade beim Lesen aufgegangen ist. Dieses "gegen mich kämpfen versus gegen den Geschmack" - das ist ja tatsächlich der entscheidende Punkt, und ich glaube @rote_socke_83 hat das genau richtig erkannt. Bei mir im Garten war das ähnlich, nur umgekehrt. Meine Nachbarin hat ihrer jüngeren Tochter lange erzählt dass Rote Beete gesund ist, wichtig für den Körper, all das. Die Kleine hat das regelrecht blockiert! Aber dann als die ältere Schwester irgendwann anfing, heimlich Rüben aus dem Garten zu naschen - nicht weil es gesund war sondern weil sie die Erde abgemacht hat und probiert hat - da wurde es interessant. Die Kleine sah das, ohne dass jemand es zum Thema machte, und plötzlich war die Blockade weg. Mein Hausarzt hat mir damals erklärt dass gerade bei Kindern diese Grenze zwischen "das wird mir aufgezwungen" und "das mag ich wirklich nicht" oft sehr verschwommen ist. Und je älter sie werden, desto fester wird das Urteil. Das mit dem Arbeitsalltag und den Prozessen, das ist ein guter Vergleich, @rote_socke_83. Meine Frage wäre eher: habt ihr schon mal überlegt, die Tochter einfach mit in die Küche zu nehmen, ohne dass es um Rote Beete geht? Also einfach kochen, sie daneben stehen lassen, und wenn sie neugierig wird - dann. Nicht als Strategie, sondern weil ihr sowieso kocht.
Zitat von rote_socke_83 am Juli 22, 2026, 13:53 Uhr@elvira_k das mit dem Küche-Einbeziehen hab ich tatsächlich noch nie so direkt probiert. Also sie ist manchmal dabei wenn ich koche, aber nie wirklich mit Aufgabe oder so. Eher "steh nicht im Weg" Niveau. Was mich dabei aber grad beschäftigt - meine Tochter ist nicht der Typ der einfach danebenstehen und zuschauen will. Die will entweder richtig mitmachen oder gar nicht. Das ist bei ihr so. Wenn ich sie also da reinhole, dann muss die auch wirklich was tun dürfen. Schälen, schneiden was auch immer. Und dann ist die Frage ob das irgendwas ändert oder ob sie danach trotzdem sagt "ich habs selbst gemacht und mag es trotzdem nicht". Ich hab das mal mit Paprika erlebt, vor ein paar Jahren. Die hat sich das Ding selbst in Streifen geschnitten hat mitgegessen, und heute ist Paprika das einzige Gemüse das sie ohne Diskussion akzeptiert. Ob das kausal zusammenhängt oder Zufall war - keine Ahnung. Ich wills auch nicht überbewerten. Kann ich so nicht unterschreiben dass das eine Methode ist. Aber als zufälliges Experiment könnte ich mir vorstellen das mal zu testen wenn sich die Gelegenheit ergibt. Nicht als Plan, einfach wenn sie mal wieder in der Küche rumhängt und ich sowieso was mache.
@elvira_k das mit dem Küche-Einbeziehen hab ich tatsächlich noch nie so direkt probiert. Also sie ist manchmal dabei wenn ich koche, aber nie wirklich mit Aufgabe oder so. Eher "steh nicht im Weg" Niveau. Was mich dabei aber grad beschäftigt - meine Tochter ist nicht der Typ der einfach danebenstehen und zuschauen will. Die will entweder richtig mitmachen oder gar nicht. Das ist bei ihr so. Wenn ich sie also da reinhole, dann muss die auch wirklich was tun dürfen. Schälen, schneiden was auch immer. Und dann ist die Frage ob das irgendwas ändert oder ob sie danach trotzdem sagt "ich habs selbst gemacht und mag es trotzdem nicht". Ich hab das mal mit Paprika erlebt, vor ein paar Jahren. Die hat sich das Ding selbst in Streifen geschnitten hat mitgegessen, und heute ist Paprika das einzige Gemüse das sie ohne Diskussion akzeptiert. Ob das kausal zusammenhängt oder Zufall war - keine Ahnung. Ich wills auch nicht überbewerten. Kann ich so nicht unterschreiben dass das eine Methode ist. Aber als zufälliges Experiment könnte ich mir vorstellen das mal zu testen wenn sich die Gelegenheit ergibt. Nicht als Plan, einfach wenn sie mal wieder in der Küche rumhängt und ich sowieso was mache.
Zitat von elvira_k am Juli 22, 2026, 14:07 Uhr@rote_socke_83 Das mit der Paprika ist interessant weil da war sie ja selbst die Akteurin und nicht die, der etwas serviert wird. Das ist tatsächlich ein Unterschied den ich bei mir im Garten auch beobachtet habe. Wenn meine Nachbarin ihre Töchter mitgenommen hat zum Ernten, also wirklich zum Arbeiten, nicht zum Zuschauen - da hat sich was verschoben. Die Kleine hat dann später die Rüben probiert, die sie selbst ausgegraben hatte, und plötzlich war es ihr Ding, nicht das der Erwachsenen. Das was du sagst über deine Tochter, dass sie entweder richtig mitmachen will oder gar nicht - das ist eigentlich ein großer Vorteil, wenn ich das richtig sehe. Das bedeutet nämlich, sie braucht nicht so diese geduldige Zuschauer-Rolle. Sie braucht einen Grund, selbst aktiv zu werden. Und bei Rote Beete könnte das eben anders aussehen als bei Paprika, weil es einfach weniger alltäglich ist. Aber ehrlich, was mich gerade neugierig macht: wenn die Situation sich ergibt und ihr zusammen kocht - würdest du dann von vornherein Rote Beete nehmen, oder eher warten bis sie selbst was suggeriert? Ich frage weil ich das Gefühl habe, dass du inzwischen selbst weißt, dass die Ansage vorher das Problem ist. Und wenn du das weißt, dann ist die Frage ja eher wie man das hinkriegt, dass sie auf die Idee kommt, ohne dass man sie dahin lenkt. Edit: Kleine Präzisierung - mit "Ansage vorher" meine ich natürlich nicht, dass man gar nicht reden soll, sondern eher dieses "Wir machen jetzt Rote-Beete-Gericht" von oben herab.
@rote_socke_83 Das mit der Paprika ist interessant weil da war sie ja selbst die Akteurin und nicht die, der etwas serviert wird. Das ist tatsächlich ein Unterschied den ich bei mir im Garten auch beobachtet habe. Wenn meine Nachbarin ihre Töchter mitgenommen hat zum Ernten, also wirklich zum Arbeiten, nicht zum Zuschauen - da hat sich was verschoben. Die Kleine hat dann später die Rüben probiert, die sie selbst ausgegraben hatte, und plötzlich war es ihr Ding, nicht das der Erwachsenen. Das was du sagst über deine Tochter, dass sie entweder richtig mitmachen will oder gar nicht - das ist eigentlich ein großer Vorteil, wenn ich das richtig sehe. Das bedeutet nämlich, sie braucht nicht so diese geduldige Zuschauer-Rolle. Sie braucht einen Grund, selbst aktiv zu werden. Und bei Rote Beete könnte das eben anders aussehen als bei Paprika, weil es einfach weniger alltäglich ist. Aber ehrlich, was mich gerade neugierig macht: wenn die Situation sich ergibt und ihr zusammen kocht - würdest du dann von vornherein Rote Beete nehmen, oder eher warten bis sie selbst was suggeriert? Ich frage weil ich das Gefühl habe, dass du inzwischen selbst weißt, dass die Ansage vorher das Problem ist. Und wenn du das weißt, dann ist die Frage ja eher wie man das hinkriegt, dass sie auf die Idee kommt, ohne dass man sie dahin lenkt. Edit: Kleine Präzisierung - mit "Ansage vorher" meine ich natürlich nicht, dass man gar nicht reden soll, sondern eher dieses "Wir machen jetzt Rote-Beete-Gericht" von oben herab.
Zitat von markus_b82 am Juli 22, 2026, 14:49 Uhr@elvira_k
Zitat von elvira_kwie man das hinkriegt, dass sie auf die Idee kommt, ohne dass man sie dahin lenkt
Das ist eigentlich eine methodische Frage, und ich bin nicht sicher ob die sich beantworten lässt, ohne dass man sich selbst dabei beobachtet und dann wieder verfälscht. Sobald du weißt dass du "sie auf die Idee kommen lassen willst", ist dein Verhalten schon beeinflusst. Das spüren Kinder vermutlich genauso wie Kollegen im Review-Meeting wenn jemand eine Entscheidung schon getroffen hat aber so tut als wäre noch alles offen. Was mich bei @rote_socke_83 seinem Paprika-Beispiel mehr interessiert als die Handlungs-Beteiligung: war das ein einmaliges Ereignis oder hat sie das danach regelmäßig gegessen? Weil wenn es einmalig war und sich dann trotzdem verfestigt hat, dann wäre das tatsächlich ein Datenpunkt. Wenn sie direkt danach wieder "nein" gesagt hätte, wäre die Geschichte anders. Ich hab keine Kinder, also ich kann das alles nur von außen einschätzen. Aber ich kenn das aus eigener Erfahrung mit Lebensmitteln die ich früher abgelehnt hab - Fenchel zum Beispiel. Den hab ich jahrelang nicht angerührt, und irgendwann hat mich eine Kollegin ein Stück probieren lassen in einem Kontext wo es gar nicht darum ging. Kein Thema, kein Kommentar danach. Das war dann irgendwie der Reset. Das legt nahe dass der Kontext ohne Erwartungsdruck der entscheidende Faktor ist - aber Hast du da eine Quelle für?, @elvira_k, wenn du sagst dass dein Hausarzt das so erklärt hat? Das klingt plausibel, aber ich würd gerne wissen ob das auf irgendeiner Forschung basiert oder eher Erfahrungswissen aus der Praxis.
Zitat von elvira_kwie man das hinkriegt, dass sie auf die Idee kommt, ohne dass man sie dahin lenkt
Das ist eigentlich eine methodische Frage, und ich bin nicht sicher ob die sich beantworten lässt, ohne dass man sich selbst dabei beobachtet und dann wieder verfälscht. Sobald du weißt dass du "sie auf die Idee kommen lassen willst", ist dein Verhalten schon beeinflusst. Das spüren Kinder vermutlich genauso wie Kollegen im Review-Meeting wenn jemand eine Entscheidung schon getroffen hat aber so tut als wäre noch alles offen. Was mich bei @rote_socke_83 seinem Paprika-Beispiel mehr interessiert als die Handlungs-Beteiligung: war das ein einmaliges Ereignis oder hat sie das danach regelmäßig gegessen? Weil wenn es einmalig war und sich dann trotzdem verfestigt hat, dann wäre das tatsächlich ein Datenpunkt. Wenn sie direkt danach wieder "nein" gesagt hätte, wäre die Geschichte anders. Ich hab keine Kinder, also ich kann das alles nur von außen einschätzen. Aber ich kenn das aus eigener Erfahrung mit Lebensmitteln die ich früher abgelehnt hab - Fenchel zum Beispiel. Den hab ich jahrelang nicht angerührt, und irgendwann hat mich eine Kollegin ein Stück probieren lassen in einem Kontext wo es gar nicht darum ging. Kein Thema, kein Kommentar danach. Das war dann irgendwie der Reset. Das legt nahe dass der Kontext ohne Erwartungsdruck der entscheidende Faktor ist - aber Hast du da eine Quelle für?, @elvira_k, wenn du sagst dass dein Hausarzt das so erklärt hat? Das klingt plausibel, aber ich würd gerne wissen ob das auf irgendeiner Forschung basiert oder eher Erfahrungswissen aus der Praxis.
Zitat von rote_socke_83 am Juli 22, 2026, 15:12 UhrZitat von markus_b82Hast du da eine Quelle für?
Ich finds ehrlich gesagt fast ein bisschen amüsant wie das hier gerade kippt. Wir fangen mit Rote Bete für Kinder an und landen bei Quellenangaben für Hausarzt-Aussagen. Ich sag dir, ich kenn das Gefühl aber das ist vielleicht nicht der Thread dafür. Was mich an deinem Fenchel-Beispiel mehr interessiert: du hast das als Erwachsener erlebt. Also mit einem Geschmackssinn der schon fertig ausgebildet ist. Ob das 1:1 auf eine Achtjährige übertragbar ist - da bin ich skeptisch. Die schmecken das Zeug anders, das ist glaub ich kein Mythos. Zur Paprika-Frage: ja das hat sich verfestigt. Die isst das seitdem wirklich regelmäßig, ohne dass ich je wieder drüber reden musste. War kein einmaliges Ding. Aber ich kann dir nicht sagen ob das an dem Abend lag oder ob es eh passiert wäre. Schichtleiter-Logik sagt mir da: zu viele Variablen, kein sauberer Durchlauf. Was mich aber gerade beschäftigt ist was du am Anfang geschrieben hast - sobald ich weiß dass ich sie "auf die Idee kommen lassen will", verfälscht mein Verhalten das schon. Das ist eigentlich das Problem mit dem ganzen Thread hier. Wir reden über Strategien und ich werde die alle im Kopf haben wenn ich nächstes mal in der Küche steh. Das ist kontraproduktiv und ich merk das grad erst. Meine Frau würde sagen ich denk mal wieder zu viel nach.
Zitat von markus_b82Hast du da eine Quelle für?
Ich finds ehrlich gesagt fast ein bisschen amüsant wie das hier gerade kippt. Wir fangen mit Rote Bete für Kinder an und landen bei Quellenangaben für Hausarzt-Aussagen. Ich sag dir, ich kenn das Gefühl aber das ist vielleicht nicht der Thread dafür. Was mich an deinem Fenchel-Beispiel mehr interessiert: du hast das als Erwachsener erlebt. Also mit einem Geschmackssinn der schon fertig ausgebildet ist. Ob das 1:1 auf eine Achtjährige übertragbar ist - da bin ich skeptisch. Die schmecken das Zeug anders, das ist glaub ich kein Mythos. Zur Paprika-Frage: ja das hat sich verfestigt. Die isst das seitdem wirklich regelmäßig, ohne dass ich je wieder drüber reden musste. War kein einmaliges Ding. Aber ich kann dir nicht sagen ob das an dem Abend lag oder ob es eh passiert wäre. Schichtleiter-Logik sagt mir da: zu viele Variablen, kein sauberer Durchlauf. Was mich aber gerade beschäftigt ist was du am Anfang geschrieben hast - sobald ich weiß dass ich sie "auf die Idee kommen lassen will", verfälscht mein Verhalten das schon. Das ist eigentlich das Problem mit dem ganzen Thread hier. Wir reden über Strategien und ich werde die alle im Kopf haben wenn ich nächstes mal in der Küche steh. Das ist kontraproduktiv und ich merk das grad erst. Meine Frau würde sagen ich denk mal wieder zu viel nach.