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Rote Beete und Käse – welche Kombinationen funktionieren wirklich?

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Ich bin heute beim Wochenmarkt in Altona etwas spontaner eingekauft als geplant und hatte hinterher neben einer frischen Knolle noch ein Stück Ziegenkäse in der Tüte. Die Kombination kenne ich aus dem Restaurant, da ist das immer irgendwie cremig-salzig gegen erdig-süß, und es passt. Aber wenn ich das zuhause nachbaue, wird es meistens irgendwie flach. Ich glaube, der Unterschied liegt im Dressing oder in der Textur der Beete, bin da aber nicht sicher. Was mich interessiert: Gibt es jenseits von Ziegenkäse noch Kombinationen, die wirklich funktionieren? Ich habe mal Feta probiert, der war zu dominant, hat die Beete komplett erschlagen. Büffelmozzarella klingt logisch, aber ich bin skeptisch ob die milde Milchigkeit da überhaupt durchkommt. Und noch was: Hat jemand Erfahrung damit, wie der Reifegrad des Käses die Sache verändert? Frischer Ziegenkäse ist ja nochmal was anderes als ein gereifter, und ich vermute dass die Säure dabei eine größere Rolle spielt als die Fettigkeit. Realistisch betrachtet dürfte das auch erklären, warum manche Kombinationen im Restaurant besser wirken - die verwenden dort meistens einen etwas säuerlicheren, jüngeren Käse, nicht das was im Supermarktregal liegt. Dazu kommt: Rohe oder gegarte Beete macht bei diesem Thema wahrscheinlich einen Unterschied. Roh bleibt mehr Eigengeschmack, also mehr Geosmin-Anteil, und ich frage mich ob das mit Käse eher harmoniert oder eher kollidiert. Ich hatte das bisher nur mit gegarter kombiniert. Falls jemand da konkrete Erfahrungen hat, auch mit ganz anderen Käsesorten - gerne. Ich bin da offen, solange es nicht in Richtung Schmelzkäse geht.

@markus_hh88 der Punkt mit dem Reifegrad macht mir grad wirklich Sinn, weil ich das bisher nie so gedacht hätte. Ich hab vor ein paar Wochen zufällig einen halbgereiften Ziegenrolle-Käse (so ein Log, du weißt schon) mit gebratener Beete kombiniert, einfach weil beides noch im Kühlschrank war - und der war irgendwie intensiver als frischer Chèvre, aber ohne die Beete zu überdecken. Ich glaub die leichte Rinde macht da was. Was mich bei deinem Post aber mehr beschäftigt: hast du schon mal Blauschimmel probiert? Klingt jetzt wild ich weiß. Aber ein milder Gorgonzola - nicht der aggressive - hat bei mir letztens mit gegarter Beete überraschend gut funktioniert, weil der salzige Schimmel-Anteil diese Erdigkeit irgendwie aufbricht. War kein geplantes Gericht, eher ein "schauen wir mal was passiert"-Moment am Dienstag Abend. Ich wäre da aber vorsichtig mit Menge, ein bisschen viel und es ist komplett vorbei.

Zitat von markus_hh88

Büffelmozzarella klingt logisch, aber ich bin skeptisch ob die milde Milchigkeit da überhaupt durchkommt

Das ist eigentlich berechtigt. Ich würde da eher sagen: wenn dann mit roh gehobelter Beete, weil da der Eigengeschmack lauter ist - sonst geht der Mozzarella wirklich unter. Ob das mit roher Beete und Käse generell harmoniert... ich bin mir noch nicht sicher. Das klingt nach einem Experiment das ich vor dem nächsten Langen Lauf eher nicht machen will 😅

@leni_k

Zitat von leni_k

der salzige Schimmel-Anteil diese Erdigkeit irgendwie aufbricht

Das ist tatsächlich ein interessanter Mechanismus, den ich so noch nicht auf dem Schirm hatte. Ich würde das nicht nur als Kontrast erklären, sondern vermute da auch eine Umami-Komponente - Blauschimmel hat einen ziemlich hohen Glutamat-Gehalt durch den Reifeprozess, und das könnte den Erdigton der Beete nicht überdecken, sondern in eine andere Richtung lenken. Ob das bewusst passiert oder Zufall ist, weiß man in solchen "was-liegt-noch-rum"-Momenten natürlich nie genau. Aber Vorsicht mit "mild" bei Gorgonzola: der Begriff wird auf Packungen ziemlich großzügig verwendet. Gorgonzola dolce ist tatsächlich mild, cremig, relativ wenig Schimmelintensität. Der klassische Gorgonzola piccante ist schon eine andere Kategorie. Wenn du sagst es hat gut funktioniert, würde mich interessieren welcher das war - weil das den Unterschied macht, ob das reproduzierbar ist oder Glück mit der Packung. Und zum Büffelmozzarella mit roher Beete: ich glaube du hast recht, dass das die einzige Variante wäre wo die Milchigkeit nicht völlig untergeht. Aber roh gehobelte Beete hat halt diese fast holzig-knackige Textur, und ich bin nicht sicher ob das mit dem weichen Mozzarella nicht einfach texturell aneinander vorbeiredet. Ich hatte bisher nur gegarte Beete in solchen Kombinationen, also aus eigener Erfahrung kann ich das nicht beurteilen.

Zitat von markus_hh88

texturell aneinander vorbeiredet

das hab ich noch nie so formuliert gehört aber ich glaub ich weiß genau was du meinst. so ein weiches gegen hartes problem quasi

ich frag mich grad ob das bei Schafskäse anders wäre. der ist ja fester als Mozzarella aber nicht so dominant wie Feta - zumindest der den ich manchmal kaufe so ein griechischer aus dem Supermarkt. keine ahnung ob das jetzt "zu normal" ist für diese Diskussion hier 😄

aber hilft das wirklich mit der rohen Beete ich kann mir das gerade gar nicht vorstellen. ich hab roh ehrlich gesagt noch nie mit irgendwas kombiniert, immer nur so als Salat mit Essig-Öl und fertig. meine freundin meint man soll roh mehr Sachen draus machen aber ich weiß nicht ob ich da die Nerven für hab, die Fleckerei und so

@evelyn83 Schafskäse ist eigentlich kein schlechter Gedanke, und ich würde sagen: nein, das ist nicht "zu normal". Der hat gegenüber Feta meist eine weichere Salzkurve, und wenn er gut gelagert war, auch eine feine Säure - je nach Herkunft. Das wäre texturell tatsächlich ein interessanter Mittelweg, weil er sich nicht so auflöst wie Mozzarella, aber auch nicht so kompakt bleibt dass er die Beete einschüchtert.

Zitat von evelyn83

ich hab roh ehrlich gesagt noch nie mit irgendwas kombiniert

Das ist wahrscheinlich verbreiteter als man denkt. Roh gehobelt braucht ein bisschen Vorlauf - nicht im Sinne von Aufwand, sondern die Beete profitiert von ein paar Minuten mit etwas Säure drauf, weil sie sonst wirklich sehr grasig-roh schmeckt. Dünne Scheiben, kurz mit Zitronensaft oder einem milden Essig, dann etwas Öl. Ob Schafskäse da reinpasst - ich würde tippen ja, weil die Salzigkeit der Säure gegenüber standhält. Aber das ist aus meiner Erfahrung nur mit gegarter Beete, also reine Theorie für die rohe Variante. Zur Fleckerei: ich schäle und schneide roh über einem alten Holzbrett, das ich eh nicht mehr retten will. Der Rest ist dann wirklich kein Drama mehr.

@markus_hh88 okay das mit dem Zitronensaft vorher drauf klingt eigentlich logisch, ich hätte gedacht dass das dann irgendwie matschig wird aber du meinst ja nur kurz

was mich aber grad mehr beschäftigt - wenn der Schafskäse eine "weiche Salzkurve" hat, wie du das nennst, ändert sich das dann auch wenn er länger offen im Kühlschrank lag? weil bei mir ist das immer so ein Problem, ich kauf so ein Stück und dann liegt da noch die Hälfte rum und schmeckt irgendwie anders nach ein paar Tagen. salziger oder so, keine ahnung ob das einbildung ist

Zitat von markus_hh88

den ich eh nicht mehr retten will

das find ich ehrlich gesagt die praktischste Lösung die ich hier gelesen hab. ich glaub ich hab bei uns in der Abstellkammer noch so ein altes Brettchen das ich eigentlich wegschmeißen wollte, das wäre dann sozusagen gerettet für einen guten Zweck 😄

aber mal ehrlich - lohnt sich das alles überhaupt für eine Beilage? ich mein Käse drüber, rohe Beete hobeln, Säure dran, richtigen Käse aussuchen... das ist ja schon mehr als ich normalerweise in ein Alltagsgericht stecke. unter der Woche wäre das bei mir nix, da muss es schnell gehen mit drei Kindern

@evelyn83 die Frage zur Salzigkeit ist berechtigt, und nein, das ist keine Einbildung. Schafskäse in Lake verliert Flüssigkeit wenn er offen liegt, und die Salzkonzentration an der Oberfläche steigt dabei tatsächlich. Manche bewahren ihn deshalb in etwas Salzwasser auf, das stabilisiert das ein bisschen. Ob das lohnt - kommt drauf an wie viel noch übrig ist.

Zitat von evelyn83

lohnt sich das alles überhaupt für eine Beilage

Realistisch betrachtet: nein, nicht unter der Woche mit drei Kindern. Das wäre auch meine Antwort. Was ich in dem Kontext mache ist Beete am Sonntag garen, portionieren, in den Kühlschrank - und dann geht das unter der Woche deutlich schneller, weil der aufwändige Schritt schon erledigt ist. Käse drüber, fertig, keine Hobel-Aktion. Rohe Variante ist eher was für Sonntag-Nachmittag wenn man eh in der Küche steht. Was mich bei deiner Frage trotzdem beschäftigt: du sagst der Schafskäse schmeckt nach ein paar Tagen anders. Wenn das regelmäßig passiert, könnte es auch an der Lagerung liegen, nicht nur am Käse selbst. Zu viel Luft, falsches Behältnis. Das klingt banal, macht aber einen Unterschied. Aus meiner Erfahrung hält sich ein angebrochenes Stück in einem verschlossenen kleinen Behälter mit einem Esslöffel Wasser deutlich gleichmäßiger als einfach in Frischhaltefolie.

@markus_hh88 okay das mit dem Wasser im Behälter probier ich mal, klingt so simpel dass ich mich frage warum ich da nicht selbst draufgekommen bin

aber das mit dem Sonntag vorgaren - hab ich auch schon überlegt. ich mach das mit anderen Sachen manchmal so, Kartoffeln oder so, und dann geht das tatsächlich schneller. weiß nicht warum ich das bei Beete noch nie gedacht hab

Zitat von markus_hh88

Käse drüber, fertig, keine Hobel-Aktion

ja so in etwa wäre das bei mir machbar. wobei ich mich grad frag ob meine Kinder das dann überhaupt essen. die Jüngste ist neun und dreht bei allem rum was irgendwie "komisch" aussieht - und rosa Beete mit weißem Käse drüber ist halt schon ein Look. da könnte der Käse am Ende das kleinere Problem sein als das Auge das isst sozusagen

keine ahnung ob man das irgendwie "verstecken" kann oder ob das dann der ganze Sinn verloren geht

@evelyn83 das "Verstecken" klappt bei Beete meistens schlechter als erhofft, weil die Farbe sich halt durchsetzt. Wenn man es in einen Eintopf gibt, ist der Eintopf pink - das fällt auf. Was ich aber tatsächlich gehört habe, von einer Kollegin die zwei Kinder hat: kleiner würfeln, unter Reis oder Couscous mischen, und nicht explizit ankündigen was drin ist. Ob das ethisch vertretbar ist oder nicht, das ist eine andere Diskussion. Aber der Look ist dann halt kein Problem mehr, weil es kein Hauptdarsteller ist.

Zitat von evelyn83

der ganze Sinn verloren geht

Das kommt drauf an was der Sinn ist. Wenn es ums Essen geht und nicht ums Präsentieren, dann ist versteckt essen auch essen. Wenn man möchte dass das Kind das Gemüse kennenlernt und irgendwann akzeptiert - da bin ich skeptischer, weil die Konfrontation dann nie stattfindet. Aus meiner Erfahrung gewöhnen sich Kinder eher durch Wiederholung als durch Überrumpelung, aber das ist jetzt wirklich kein Küchen-Thema mehr. Zum Käse in dem Kontext: bei Kindern würde ich ehrlich gesagt den Ziegenkäse ganz weglassen und wenn dann normalen milden Frischkäse nehmen. Der hat keine Eigenaromen die zusätzlich Widerstand produzieren.

@evelyn83 der Punkt mit dem Verstecken vs. Kennenlernen - da hat @markus_hh88 eigentlich recht auch wenn ich das sonst nicht so aus Erfahrung sagen kann. Ich hab keine Kinder aber ich war selbst mal so ein Kind das bei allem gemeckert hat, und irgendwann hab ich Rote Beete halt doch gegessen weil sie einfach immer wieder auf dem Tisch war. Nicht weil sie versteckt war. Was mich aber grad viel mehr beschäftigt, ehrlich gesagt: dieser ganze Thread dreht sich um Käse zu Beete, und niemand hat bisher Ricotta erwähnt. Der wäre doch eigentlich naheliegend - mild, cremig, keine aggressive Säure die konkurriert, und er macht texturell keinen Stress. Ich hab das mal auf einem Crostini gesehen, gebratene Beete mit Ricotta und ein bisschen Honig drüber, und das war eigentlich das Simpelste von allem. Nichts zum Hobeln, nichts zum Abwägen ob der Gorgonzola jetzt dolce oder piccante ist.

Zitat von markus_hh88

Käse drüber, fertig

Das wäre bei Ricotta halt wirklich so. Einfach draufklecksen. Für Kinder wär das wahrscheinlich auch weniger "komisch" als Ziegenkäse-Krümel oder Schimmelkäse. Keine Ahnung warum der in dieser Diskussion noch nicht vorgekommen ist, vielleicht zu unspektakulär

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