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Rote Beete roh essen - macht das wirklich jemand ernsthaft?

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ich frag mich ob ich das verpasst hab. meine Frau hat letzte Woche eine Knolle einfach roh geraspelt und auf den Tisch gestellt. so als Salat mit irgendwas drüber. ich hab gegessen weil ich nicht immer derjenige sein will der meckert - aber das war... anders. nicht schlecht, nicht gut. irgendwie so ein harter Biss und dieser Erdengeschmack nochmal stärker als wenn man das kocht. jetzt lese ich hier im Forum immer wieder das roh essen soll sogar besser sein. sag mir einer warum. ich mein - ich bin Elektriker und kein Koch aber auch ich weiß das man manche Sachen kocht damit die verdaulich werden. Karotten roh ist ok das kenn ich. Rote Beete roh ist nochmal was anderes. meine Frau sagt der Geschmack ist "intensiver" und das ist gut. für mich klingt intensiver erdiger Geschmack nicht nach Vorteil sondern nach Nachteil. sie hat das irgendwo gelesen - in so einer Zeitschrift beim Zahnarzt glaub ich. und jetzt probiert sie sich durch. ich will das hier nicht schlechtreden. das Gemüse an sich ist ja ok. aber ich versteh nicht wo der Unterschied liegt ob man das eine Stunde kocht oder roh isst außer das es halt viel zäher ist. und ob das dann irgendwas bringt was der gekochte Zustand nicht bringt - das bezweifle ich. klingt nach so einer dieser Geschichten die dann in Supplement-Kapseln enden. hat hier jemand das wirklich regelmäßig roh gegessen und kann sagen ob sich was verändert hat oder ob das einfach nur Gewohnheitssache ist?

Zitat von ms_77

klingt nach so einer dieser Geschichten die dann in Supplement-Kapseln enden

okay das hat mich jetzt doch getroffen weil... ja irgendwie stimmt das. der Weg von "roh ist intensiver" zu "also kaufst du jetzt das Konzentrat" ist verdächtig kurz. ich kenn das aus eigener Erfahrung mit dem ganzen Nitrat-Thema rund ums Laufen. aber ehrlich gesagt glaub ich nicht dass deine Frau das deshalb macht. die hat das beim Zahnarzt gelesen und probiert es aus - das ist doch eigentlich das Normalste der Welt. kein Supplement, kein Hype, einfach ein Gemüse auf dem Tisch. was mich bei deinem Post wirklich beschäftigt ist was du über den Biss sagst. der härtere Biss ist bei mir das was mich am meisten stört - nicht mal der Geschmack. ich hab das ein paar Mal geraspelt in so einem Rote-Beete-Apfel-Ingwer-Ding und da geht es noch, weil alles kleingehackt ist. aber einfach eine Scheibe davon essen... das ist schon sehr viel Gemüse auf einmal. vielleicht liegt es auch daran wie fein man raspelt oder schneidet, nicht nur ob roh oder nicht. @ms_77 hat deine Frau da irgendwas dazu gemacht - Essig, Öl, Zitrussaft? weil ich mir vorstellen kann dass Säure da irgendwas mit der Textur macht, nicht nur mit dem Geschmack. das wär für mich der interessante Teil.

@leni_k

Zitat von leni_k

Essig, Öl, Zitrussaft

ich glaub da war Essig drin ja. und irgendwas mit Öl. ich hab nicht so genau hingeschaut ehrlich gesagt. sie hat das einfach hingestellt und ich hab gegessen. aber das mit der Säure - das ist eigentlich ein guter Punkt. ich kenn das vom Rotkohl. da macht die Säure wirklich was. ob das bei Rote Beete genauso funktioniert weiß ich nicht aber das würde mich mal interessieren. nicht wegen irgendwelcher Nährwerte sondern einfach ob man das dann besser kauen kann ohne das Gefühl man beißt in Styropor. was mich bei deinem Beitrag aber trotzdem noch beschäftigt - du sagst "kein Supplement, kein Hype, einfach ein Gemüse auf dem Tisch" und ich stimm dir auch zu das meine Frau das nicht wegen Kapseln macht. aber der Schritt passiert trotzdem. ich hab das schon bei Kollegen gesehen. fängt mit Spinatsaft an, endet mit irgendwelchen Pulvern für 60 Euro im Monat. das ist nicht ihre Schuld, das ist wie dieser Markt funktioniert. der fischt genau die Leute die schon anfangen sich für sowas zu interessieren. meine Frau ist da nicht anfällig für - die ist pragmatisch. aber ich pass trotzdem auf.

@ms_77 der Punkt mit dem Markt der "genau diese Leute fischt" - den find ich eigentlich interessanter als alles was wir bisher über Textur geredet haben. weil du hast recht und ich hab das selbst schon fast gemacht. hab vor ein paar Monaten ernsthaft überlegt ob ich so ein Rote-Beete-Konzentrat kauf, genau wegen dem Nitrat-Thema fürs Laufen. und dann hab ich mir gedacht... wart mal. ich kann auch einfach Rote Beete essen. kostet einen Bruchteil und ist halt ein Gemüse. aber das ist auch der Punkt wo ich aufhör deiner Logik zu folgen. deine Frau macht das nicht wegen Nährwerten, du sagst sie ist pragmatisch - dann ist das doch eigentlich das beste Gegenmodell zu dem was du beschreibst. sie ist genau nicht die Person die dann beim Pulver landet. ich find es ein bisschen schade dass der Verdacht trotzdem immer mitschwingt, nur weil der Markt so funktioniert. und noch was das mich gerade beschäftigt: du sagst "ich pass trotzdem auf" - aber auf was genau? auf sie oder auf den Markt? weil das ist ein ziemlicher Unterschied ehrlich gesagt.

Zitat von leni_k

auf sie oder auf den Markt

das ist fair. und ich hab kurz nachgedacht ob ich das beantworten will. ehrlich gesagt - beides. das klingt bescheuert ich weiß. aber ich kenn mich. wenn ich sage "ich pass auf" dann mein ich den Markt, ja. aber ich guck halt auch ob sie anfängt irgendwelche Newsletter zu abonnieren oder so. das ist kein Misstrauen ihr gegenüber das ist eher... ich weiß wie das läuft. mein Schwager ist da reingefallen und der ist auch kein Idiot. was mich an deiner Frage aber mehr beschäftigt ist das du sagst du hast das fast selbst gemacht mit dem Konzentrat. und dann hast du dich selbst gestoppt. das find ich eigentlich interessant weil - warum hat dich das gestoppt. war das eine bewusste Entscheidung oder hast du einfach grad kein Geld gehabt oder was. ich frag das weil ich glaub das die meisten Leute nicht stoppen. die kaufen das Konzentrat. und dann das nächste. mein Schwager hat angefangen mit sowas und jetzt gibt er im Monat mehr aus als ich fürs Mittagessen die ganze Woche. für Kapseln die nach nix schmecken. das Gemüse dazu isst er übrigens trotzdem nicht mehr.

@ms_77 die Sache mit deinem Schwager - das kenn ich. nicht direkt, aber ich hab eine Trainingspartnerin die genau so angefangen hat. mit Rote-Beete-Saft aus der Flasche, weil das noch irgendwie nach Lebensmittel klingt. jetzt kommen die Pakete zweimal im Monat. aber was mich bei deiner Frage wirklich aufhält: du willst wissen warum ich gestoppt hab. und ehrlich gesagt war das keine große bewusste Entscheidung. ich hab einfach im Drogeriemarkt gestanden und das Konzentrat angeschaut und gedacht - warte, ich weiß ja noch nicht mal ob mir Rote Beete überhaupt schmeckt wenn ich sie regelmäßig esse. wie soll ich dann wissen ob das Konzentrat was bringt. das klingt banal aber ich glaub das ist der Punkt wo die meisten Leute nicht stehen bleiben. die kaufen das Produkt bevor sie das Gemüse wirklich ausprobiert haben. so überspring man quasi den Schritt wo man merkt ob man überhaupt was davon hat. und dann bleibt man beim Supplement weil man ja schon Geld ausgegeben hat. kenn ich aus anderen Bereichen auch. dein Schwager isst das Gemüse übrigens nicht mehr - das ist für mich das eigentlich traurige an der Geschichte. nicht das Geld.

Zitat von leni_k

nicht das Geld

ja das hab ich auch kurz geschluckt. weil du hast recht - das Geld ist das eine. aber das er das Gemüse nicht mehr anfasst ist irgendwie das was mich am meisten stört daran. der Schwager isst jetzt Kapseln und denkt er hat das Thema abgehakt. fertig. das ist für mich so ein Kurzschluss im Kopf. draußen regnet es hier seit heute früh, passt irgendwie zum Thema. aber was ich noch nie so gedacht hab und was du da sagst - das man das Produkt kauft bevor man überhaupt weiß ob man das Gemüse mag. das stimmt. mein Schwager hat übrigens nie wirklich Rote Beete gegessen bevor er die Kapseln hatte. ich hab ihn mal gefragt. er sagt er mag den Geschmack nicht. und trotzdem schluckt er die Dinger. da muss ich lachen. also er zahlt für den Wirkstoff von etwas das er nicht essen will weil ihm der Geschmack zu erdig ist. das ist doch Quatsch hoch drei. und das bringt mich auf was anderes. wenn jemand das Gemüse wirklich nicht mag - also den Geschmack einfach nicht runterbekommt - ist das dann nicht eigentlich ein Signal das der Körper schickt. ich weiß das klingt jetzt weltfremd. aber beim Essen hör ich da schon drauf. wenn mich was anwidert dann ess ich das halt nicht.

@ms_77 die Frage ob der Körper ein Signal schickt wenn man was nicht mag - ich weiß nicht. ich hab früher Brokkoli gehasst und jetzt ess ich den fast jede Woche. irgendwas hat sich da verändert keine Ahnung was. also so zuverlässig ist das Signal nicht. aber was mich bei deinem Post wirklich aufhält: dein Schwager zahlt für den Wirkstoff von etwas das er nicht essen will weil ihm der Geschmack zu erdig ist. und das find ich weniger komisch als du. ich versteh die Logik dahinter sogar ein bisschen. wenn man überzeugt ist dass man etwas braucht aber nicht toleriert - dann ist die Kapsel ja eigentlich die pragmatische Lösung. das Problem ist nur dass da meistens gar nicht klar ist ob man es wirklich braucht. das Gemüse wäre auch Schritt eins um das herauszufinden, nicht Schritt drei. was mich gerade ehrlich gesagt mehr beschäftigt ist ob der Erdengeschmack überhaupt so unveränderlich ist wie alle tun. ich hab mal irgendwo gelesen dass der stark mit dem Boden zusammenhängt in dem die Knolle gewachsen ist. keine Ahnung ob das stimmt, war in irgendeinem Kochmagazin. aber wenn das so ist - dann wäre vielleicht nicht roh vs. gekocht die entscheidende Frage sondern woher die Knolle kommt.

Zitat von leni_k

ob das stimmt, war in irgendeinem Kochmagazin

das ist interessant. ich hätt das nicht gedacht ehrlich. ich mein beim Wein redet man ja auch von Terroir und so - der Boden schmeckt quasi mit. ob das bei Rote Beete genauso ist weiß ich wirklich nicht. aber wenn dem so ist dann erklärt das vielleicht warum die eine Knolle erträglicher ist als die andere. meine Frau kauft das meistens beim Discounter. ob die da irgendwas über den Boden wissen ist fraglich. was mich aber bei dem Gedanken stutzig macht: wenn der Geschmack vom Boden abhängt dann müsste man ja irgendwie rauskriegen wo die Knolle herkommt. und das steht beim Discounter nirgends außer "Herkunft: Deutschland" oder so ein Unfug. das ist ungefähr so hilfreich wie "Strom kommt aus der Steckdose". da kannst du nichts mit anfangen. auf dem Wochenmarkt hier in der Nähe gibt's den Stand wo die auch mal reden. ob die das wissen würde mich jetzt wirklich interessieren. nicht weil ich da irgendwas draus machen will - ich bin kein Feinschmecker. aber wenn der Erdengeschmack wirklich so variabel ist dann wäre das halt die einzige Möglichkeit da gezielt dranzugehen ohne das man fünf Sorten blind durchprobiert.

@ms_77 der Wochenmarkt-Gedanke ist eigentlich gar nicht so abwegig. ich geh hier in Neubau manchmal samstags über den Markt und hab da schon mit so einem Gemüsehändler geredet - der weiß tatsächlich wo das Zeug herkommt, manchmal sogar welcher Betrieb. ob der dann auch was über den Boden sagen kann... keine Ahnung. aber zumindest weißt du mehr als "Herkunft: Deutschland".

Zitat von ms_77

fünf Sorten blind durchprobiert

das klingt jetzt nach mehr Aufwand als es ist, ehrlich gesagt. wenn du eh samstags auf dem Markt bist kannst du ja einfach mal fragen. schlimmstenfalls weißt du nix mehr als vorher. was mich bei dem ganzen Terroir-Gedanken aber nicht loslässt: wenn das wirklich so einen Unterschied macht, warum redet dann niemand darüber bei Gemüse. beim Wein ist das selbstverständlich, bei Tomaten fängt das langsam an - aber Rote Beete? da heißt es immer nur roh vs. gekocht, jung vs. alt, vakuumverpackt vs. frisch. der Boden kommt nie vor. vielleicht weil das unbequem ist wenn man dann zugeben muss dass der Discounter-Kauf eigentlich eine Lotterie ist. ich schau mal ob ich das nächste Mal am Markt frag. nicht wegen Feinschmeckerei - einfach weil mich das gerade wirklich neugierig macht.

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