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Rote Beete roh essen – lohnt sich der Aufwand wirklich?

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hab mir letztens wieder so einen Rote-Beete-Saft gekauft (ja ich weiß, Betanio und so) und bin dabei auf einen Blog gestoßen wo jemand schreibt, dass man die Beete auch einfach roh raspeln kann. Soll gesünder sein und angeblich schmeckt es ganz anders als gekocht. nur... ich bin mir nicht sicher ob das wirklich praktisch ist? ich meine, beim schälen wird man ja eh schon rot wie ein Tomatengesicht und wenn ich mir vorstelle das nochmal zu raspeln ohne die ganze Küche anzusauen. Keine Ahnung. und geschmacklich: schmeckt es wirklich besser oder ist das nur so eine Fitness-Influencer-Sache? ich laufe ja regelmäßig Halbmarathons und irgendwie hat sich der Gedanke festgesetzt dass ich mehr auf die Ernährung achten sollte. aber nicht so dass ich jeden Tag eine Stunde in der Küche stehe ne. deshalb frag ich mich jetzt ob rohe Rote Beete wirklich einen Unterschied macht oder ob die gekochte Variante auch ausreicht wenn ich eh schon versuche mehr Gemüse zu essen. hat jemand von euch das schonmal gemacht? wie habt ihrs hingekriegt ohne Chaos zu verursachen, und hat sich das für euch gelohnt?

Zitat von leni_bk

schmeckt es wirklich besser oder ist das nur so eine Fitness-Influencer-Sache

Das ist die richtige Frage. Realistisch betrachtet: Roh und gekocht sind geschmacklich wirklich zwei verschiedene Welten. Roh ist deutlich erdiger, fester, hat so einen leichten Biss - manchen macht das was aus, anderen nicht. Besser oder schlechter ist da kaum zu sagen, das ist Präferenz. Was ich aus meiner Erfahrung sagen kann: Ich reibe die manchmal grob über einen Salat, mit etwas Zitrone und Olivenöl drüber. Funktioniert gut als Beilage ohne großen Aufwand, und ja, die Raspel ist dabei tatsächlich das sauberste Werkzeug wenn man nicht mit einem nassen Lappen daneben steht und die Schüssel zu klein wählt. Zum Ernährungsaspekt - der Unterschied roh vs. gekocht ist real, aber kein Gamechanger. Einige hitzeempfindliche Inhaltsstoffe gehen beim Kochen verloren, das stimmt. Ob das für dein Halbmarathon-Training irgendwas messbares bewirkt, wage ich zu bezweifeln. Was mich bei deinem Post eher interessiert: Du schreibst, du willst mehr Gemüse essen, ohne stundenlang in der Küche zu stehen. Das klingt für mich weniger nach Rote-Beete-Frage und mehr nach einer Frage was sich gut vorbereiten lässt. Roh geraspelt hält im Kühlschrank problemlos zwei Tage, wenn du die Beete vorher schälst und in Folie wickelst. Mehr Aufwand als bei der Vakuumvariante ist das kaum.

ah danke @markus_hh88, das hilft mir schon weiter. die sache mit dem vorschälen und zwei tage im kühlschrank ist ja eigentlich viel machbarer als ich gedacht hab. ich dachte irgendwie man müsste das direkt verarbeiten. aber ehrlich gesagt triggert mich jetzt eher die sache mit dem "gamechanger" - ich mein, ich kauf mir diesen betanio saft regelmäßig und geb da doch ne stange geld für aus. wenn das gar nicht so viel bringt beim training... warum machen das dann so viele läufer? 😅 ich hab das nie wirklich hinterfragt, einfach weil meine kolleginnen das auch nehmen. aber vielleicht bin ich da zu naiv. die frage ist dann halt: wenn ich eh schon versuche mehr gemüse zu essen und vielleicht ab und zu rohe beete über den salat raspel - ist das nicht schon genug? oder muss es dann wirklich dieser saft sein? weil der aufwand mit gekochten beeten ist ja minimal, aber der saft ist eben auch nicht billig. und wenn der effect ähnlich ist... naja, vielleicht sollte ich mich da weniger von marketing ablenken lassen und einfach ausprobieren ob mir die rohe variante geschmacklich überhaupt zusagt. wenn ich es sowieso nicht essen mag hilft mir auch die beste nährstoffbilanz nix ne

Zitat von leni_bk

warum machen das dann so viele läufer?

Weil Marketing funktioniert, ganz nüchtern betrachtet. Und weil der Mechanismus hinter Nitrat real ist - das ist keine Erfindung. Nur die Größenordnung wird halt systematisch überverkauft. Was mich bei deinem Post aber eher beschäftigt: Du fragst, ob rohe Beete "genug" ist. Genug wofür? Das ist keine Fangfrage, ich mein das ernst. Wenn du beim nächsten Halbmarathon 30 Sekunden schneller sein willst, dann ist das eine komplett andere Kalkulation als wenn du einfach insgesamt mehr Gemüse essen möchtest. Für letzteres ist rohe Beete über den Salat mehr als ausreichend, und du sparst dabei auch noch das Geld für den Saft. Die Frage ob "der Saft ähnlich wirkt wie die Beete" - da ist die Datenlage tatsächlich interessant. In den Studien, die ich kenne (größtenteils aus dem Journal of Applied Physiology, da wurde das Thema in den letzten Jahren ordentlich durchgekaut), wird meistens Rote-Beete-Saft verwendet, nicht rohe Raspel. Ob das direkt vergleichbar ist, hängt an der Nitratkonzentration, die variiert bei frischer Beete schon von Knolle zu Knolle. @leni_bk: Ich würd einfach mal ein paar Wochen mit der frischen Variante probieren, ohne Erwartungsdruck. Nicht weil es "gesünder" ist, sondern weil du sonst nie weißt ob dir das geschmacklich überhaupt liegt.

Zitat von markus_hh88

die Nitratkonzentration variiert bei frischer Beete schon von Knolle zu Knolle

okay das hab ich so noch nie gedacht aber das macht die ganze sache irgendwie noch unübersichtlicher? also wenn ich mir extra frische beete kaufe und die dann roh raspele - und dann trotzdem nicht weiß wieviel da drin ist - dann versteh ich nicht warum das besser sein soll als die vakuumvariante wo wenigstens irgendjemand mal drüber nachgedacht hat was drin ist

ich frag mich da auch - @leni_bk du sagst du kaufst betanio regelmäßig, aber hast du den saft irgendwann mal wirklich verglichen? also so dass du denkst okay heute ohne morgen mit und da ist ein unterschied? weil ich glaub das machen die wenigsten von uns ehrlich gesagt, ich auch nicht

ich hab das mit dem blutdruck mal angefangen wegen meiner freundin die meinte das bringt was, aber ob das bei mir irgendwas gebracht hat - keine ahnung ob ich das wirklich sagen kann. vielleicht bild ich mir sowas auch einfach ein

Zitat von evelyn83

ob ich das wirklich sagen kann

Das ist eigentlich der ehrlichste Satz in diesem ganzen Thread. Und ich sag das nicht ironisch. Das Problem bei solchen Selbstversuchen ist, dass wir keine Baseline haben und auch keine Kontrolle über alle anderen Variablen. Schlechter Schlaf, mehr Stress, anderes Training - das überlagert jeden möglichen Nitrat-Effekt locker. @evelyn83, dein Blutdruck-Beispiel ist da eigentlich ein gutes: Selbst in kontrollierten Studien braucht man da Messreihen über Wochen, nicht das Gefühl nach ein paar Tagen. Was mich bei dem ganzen Diskussionsstrang gerade eher beschäftigt: Keiner von uns fragt sich, was genug Rote Beete überhaupt bedeutet. Die Mengen, mit denen in den Studien gearbeitet wird, sind nicht trivial - oft so um die 500ml Saft täglich, oder eine Menge frische Knolle, die im Alltag kaum jemand realistisch erreicht. Wer ab und zu was drüberraspelt, ist halt weit davon entfernt, egal ob roh oder vakuumverpackt. Und zur Frage ob vakuumverpackt "wenigstens irgendjemand drüber nachgedacht hat" - naja, da würde ich nicht zu viel reininterpretieren. Auf der Packung steht kein Nitratgehalt, das ist halt nicht Pflicht. Die haben da genauso wenig Kontrolle über die Ausgangsbedingungen wie beim frischen Marktstand.

Zitat von markus_hh88

Die Mengen, mit denen in den Studien gearbeitet wird, sind nicht trivial

okay das trifft mich grad ehrlich gesagt. weil ich hab das so nie durchgerechnet. 500ml saft täglich - das ist ja schon fast ein halber liter jeden tag, das trinkt doch kein mensch auf dauer. und der betanio den ich manchmal kaufe ist glaub 250ml pro flasche, also wenn das überhaupt was bringen soll müsste ich doppelt so viel nehmen? und dann der preis dazu - nein danke

@markus_hh88 du sagst auf der packung steht kein nitratgehalt, das finde ich ehrlich gesagt ein bisschen frech. man zahlt den aufpreis für so ein spezielles produkt und weiß dann trotzdem nicht was wirklich drin ist. das ist für mich dann schon ein bisschen geldmacherei, oder bin ich da zu misstrauisch

ich glaub ich bin grundsätzlich einfach keine gute testperson für sowas weil ich viel zu unregelmäßig bin. mal ne woche dabei dann wieder drei wochen nix. so funktioniert das ja wahrscheinlich eh nicht

Zitat von evelyn83

mal ne woche dabei dann wieder drei wochen nix. so funktioniert das ja wahrscheinlich eh nicht

Das stimmt, aber nicht aus dem Grund den du vielleicht denkst. Bei Nitrat geht es nicht um kumulative Effekte über Monate - der Mechanismus ist relativ kurzfristig, Stunden bis maximal ein paar Tage. Das Problem mit der Unregelmäßigkeit ist eher: Du kannst dann gar nicht beurteilen ob irgendetwas wirkt, weil du nie weißt was du gerade in der Pipeline hast. Zur Frage mit dem Nitratgehalt auf der Packung - da geb ich dir recht, das ist tatsächlich ein legitimer Kritikpunkt, nicht nur Misstrauen. Aber das betrifft halt alle Rote-Beete-Produkte, nicht nur die teuren. Frischer Saft vom Markt hat das gleiche Problem, nur ohne Barcode. Was mich bei deinem letzten Satz eigentlich mehr beschäftigt: "keine gute Testperson". Ich glaub, das ist die realistischste Selbsteinschätzung die man haben kann. Aus meiner Erfahrung - und ich arbeite täglich mit Leuten die ihren Körper sehr genau beobachten wollen - ist die ehrliche Antwort meistens, dass wir als Einzelperson einfach zu viele unkontrollierte Variablen sind. Das ist keine Schwäche, das ist halt Biologie. @leni_bk du bist da übrigens auch nicht raus - der Betanio-Effekt den du vielleicht spürst beim Laufen könnte genauso gut von dem sein, dass du weißt du hast heute was getrunken.

Zitat von markus_hh88

der Betanio-Effekt den du vielleicht spürst beim Laufen könnte genauso gut von dem sein, dass du weißt du hast heute was getrunken

das ist so ein punkt der mich irgendwie ärgert weil er wahrscheinlich stimmt 😅 ich mein, das gilt ja dann für fast alles was man so kauft und sich einredet dass es hilft. meine freundin schwört auf den saft und ich glaub ihr das einfach - aber wenn ich ehrlich bin hab ich nie gefragt ob sie irgendwas konkret gemessen hat oder obs ihr einfach nur gut vorkommt

@leni_bk ich frag mich grad ob du das beim laufen wirklich merkst oder ob es eher so ein "ich hab was gutes getan heute" gefühl ist. ich frag das nicht um blöd zu sein, ich kenn das selbst nur zu gut. ich trink manchmal irgendeinen tee gegen ich weiß nicht was und dann denk ich, heute ist alles besser

was mich grad noch beschäftigt - @markus_hh88 du arbeitest mit leuten die ihren körper beobachten wollen, was machst du beruflich wenn ich fragen darf? weil du klingst nicht wie jemand der das einfach so aus irgendwelchen blogs hat

Zitat von evelyn83

du klingst nicht wie jemand der das einfach so aus irgendwelchen blogs hat

Ich bin Physiotherapeut, Schwerpunkt Sportrehabilitation, seit über zehn Jahren. In Hamburg-Altona. Das erklärt wahrscheinlich den Ton. Was ich da täglich sehe: Leute, die sehr genau hinschauen wollen, aber gleichzeitig nicht wissen wie. Das ist kein Vorwurf, das ist strukturell so. Du bekommst ein Körpergefühl, kein Messgerät. Und Körpergefühl ist notorisch unzuverlässig wenn man gleichzeitig hofft, dass etwas wirkt. Was mich an deiner Frage aber mehr beschäftigt als mein Beruf: Du hast den Tee-Vergleich gebracht, und das ist eigentlich der präziseste Punkt in diesem ganzen Thread. Wir sind alle sehr gut darin, uns Wirksamkeit zu erzählen wenn wir Kontrolle haben wollen - über Training, Ernährung, Gesundheit. Das ist keine Schwäche, das ist Psychologie. Nennt sich Illusion of Control, das ist gut dokumentiert. @leni_bk ich würde das auch wirklich gerne von dir hören - nicht als Kontrollfrage, sondern weil ich neugierig bin: Hast du den Betanio-Saft jemals bewusst weggelassen vor einem Lauf, den du als Vergleich nutzen wolltest? Oder läuft das eher so, dass du ihn nimmst und dann schaust wie der Lauf war? Das wäre nämlich der einzige Weg, zumindest grob etwas raus zu lesen - ohne Labor, ohne Verblindung, aber wenigstens mit einer Intention dahinter.

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