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Rote Beete einlegen – Essig oder Lake, was macht ihr?

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ich bin gerade dabei mich durch das Thema Einlegen zu kämpfen und merke dass ich keine Ahnung hab was eigentlich den Unterschied macht. meine Oma hat immer mit Essig gearbeitet, so klassisch mit Lorbeer und vielleicht noch ein bisschen Zucker dazu. das kenn ich, das schmeckt mir auch. aber jetzt lese ich überall dass die Fermentation mit Salzlake eigentlich viel interessanter sein soll - andere Aromen, andere Konsistenz, anderes... alles irgendwie. hat wer Erfahrung damit? also wirklich gemacht und nicht nur drüber gelesen? ich frag weil ich grad noch ein paar Rote Beeten übrig hab und die wollen verarbeitet werden. und ich will das nicht einfach so hinwurschteln ohne zu wissen was ich tue. beim Einlegen mit Essig bin ich halbwegs sicher, da kann ich mir vorstellen wie's ausgeht. aber bei Fermentation bin ich komplett blank. wie lang dauert das überhaupt? und bei Zimmertemperatur, oder kühler Keller? ich hab keinen Keller. das mit den Gläsern ist mir auch nicht ganz klar - braucht man da spezielle Bügelgläser oder geht das auch mit normalen Gurkengläsern vom Supermarkt? meine Oma hat immer ihre alten Weck-Gläser genommen aber ich hab die nicht. ehrlich gesagt bin ich neugierig weil ich Rote Beete gerade generell mehr in meinen Alltag reinholen will - auch wegen dem Thema Ausdauer und so, da hab ich einiges gelesen. und wenn ich mir schon die Arbeit mache dann will ich was dabei haben das länger hält und wirklich gut schmeckt. die Essig-Variante kenn ich, vielleicht ist es Zeit für was Neues. danke schon mal!

Zitat von leni_k

bei Fermentation bin ich komplett blank

Das ist eigentlich der beste Ausgangspunkt, weil man dann keine falschen Erwartungen mitbringt. @leni_k Zur Glasfrage: Normale Schraubgläser aus dem Supermarkt funktionieren. Der Deckel darf nicht fest verschlossen sein in den ersten Tagen, weil das CO2 aus der Fermentation irgendwo hin muss. Einfach locker aufdrehen oder einmal täglich kurz lüften. Weck-Gläser haben den Vorteil, dass die Gummidichtung das automatisch regelt, aber es ist kein Muss. Was mich bei deiner Frage interessiert: Du hast keine Temperaturangabe für deine Wohnung gemacht. Das spielt nämlich wirklich eine Rolle. Unter 20 Grad läuft die Fermentation deutlich langsamer, über 24 Grad wird sie aggressiver und kippt schneller ins Saure. Ich hab das mal im Hochsommer mit Rotkohl verglichen - bei 26 Grad im Küchenfenster war der nach vier Tagen schon ziemlich heftig, derselbe Ansatz auf dem Boden neben der Balkontür brauchte gut eine Woche. Rote Beete ist etwas gutmütiger als Kohl, weil der Zuckergehalt höher ist, aber das Prinzip ist gleich. Zur Salzlake: 2% Salz auf die Wassermenge, nicht jodiertes Salz. Das steht in fast jeder Anleitung so, und da muss ich nicht widersprechen, das ist einfach richtig. Rote Beete sollte komplett unter der Lake bleiben, sonst schimmelt was oben drauf. Realistisch betrachtet: wenn deine Roten Beeten jetzt verarbeitet werden müssen und du noch nie fermentiert hast, würde ich mit einem kleinen Glas anfangen und den Rest einlegen wie deine Oma. Nicht weil Fermentation schwierig ist, sondern weil man beim ersten Mal doch öfter nachschauen will als geplant.

Zitat von markus_hh88

bei 26 Grad im Küchenfenster war der nach vier Tagen schon ziemlich heftig

okay das ist genau die Info die ich gebraucht hätte - weil meine Küche im Sommer gern mal 24-25 Grad hat, Westfenster, nachmittags wird's warm. ich hab das als Faktor komplett unterschätzt ehrlich gesagt. der Tipp mit dem kleinen Glas zuerst macht Sinn. ich glaub ich hätte sonst einfach alles reingeworfen und dann dagesessen mit drei Litern Ferment die ich nicht einschätzen kann. eine Sache die ich noch nicht versteh: du schreibst den Deckel locker aufdrehen. aber wie merk ich dann dass was schiefläuft? ich mein, bei Essig-Einlegen riecht man das sofort wenn was nicht stimmt. aber bei Fermentation - ist das dann auch eindeutig oder könnte ich da was übersehen wenn ich nicht aufpass? ich hab leider keinen Vergleichsgeschmack für "das ist jetzt genau richtig" versus "das ist schon zu weit". und noch was das mich interessiert: du hast Rotkohl erwähnt - hast du das öfter gemacht, also fermentieren generell? ich frag weil ich mich frag ob die Logik dann bei Roter Beete einfach dieselbe ist oder ob's da Eigenheiten gibt die man kennen muss.

Zitat von leni_k

wie merk ich dann dass was schiefläuft

Das ist eigentlich die richtige Frage. Beim Fermentieren riecht man es auch, aber anders als bei Essig-Einlegem: Wenn es kippt, riecht es faulig-modrig, nicht säuerlich. Guter Ferment riecht leicht säuerlich-frisch, ein bisschen wie Buttermilch, nicht unangenehm. Das klingt vage, ich weiß, aber nach einmal macht man sich kein Kopfzerbrechen mehr. Zu deiner anderen Frage: ja, ich fermentiere öfter, meistens Kohl oder Gurken. Rote Beete ist in einer Hinsicht einfacher - der Zuckergehalt gibt den Milchsäurebakterien schnell was zu tun, deswegen kommt die Fermentation zügig in Gang. Aber sie verzeiht weniger wenn die Beete nicht vollständig unter der Lake ist. Kohl hat durch das Salzen und Kneten eigene Flüssigkeit, Rote Beete nicht. Das ist der eine Punkt wo ich bei Roter Beete genauer hinschaue als bei anderem Gemüse. Zur "genau richtig"-Frage: probier einfach ab Tag drei täglich. Du wirst selbst merken wann es deinen Geschmack trifft. Manche mögen es nach vier Tagen, andere lieber nach sieben. Das ist keine Wissenschaft, das ist Geschmackssache. Draußen ist heute zum ersten Mal seit Wochen nicht drückend schwül - mein Fensterferment hätte das gerade gern gehabt. @leni_k Wenn du beim ersten Mal wirklich sichergehen willst: mach ein Glas Ferment, und leg den Rest klassisch mit Essig ein. Dann hast du einen direkten Vergleich und nichts geht verloren.

danke dir @markus_hh88, das hilft echt weiter. das mit dem Geruch - okay, das ist irgendwie beruhigend weil ich dann wenigstens WISSEN würd wenn's schiefgeht und nicht nur raten muss. buttermilch-säuerlich, faulig-modrig - das kann ich mir vorstellen. aber jetzt hab ich noch ne ganz andere Frage und die ist vielleicht doof, aber... wenn ich jetzt anfang zu fermentieren heißt das nicht dass ich mich dann irgendwie "dran gewöhnen" muss? ich mein bei den Roten Beeten die meine Oma gemacht hat kenn ich den Geschmack einfach, der ist vertraut. und ich nehm die gern mit zum Essen weil ich weiß was ich bekomm. aber Ferment schmeckt ja anscheinend ganz anders - erdiger komplexer, was weiß ich. ich hab Angst dass ich die dann mach und dann sitz ich da und denk "naja, das ist nicht mein Ding" und hab drei Liter Glas rumstehen 😅

du hast ja Rotkohl gemacht - wie schnell hat sich das für dich "normal" angefühlt? oder war das gleich beim ersten Mal was für dich? und noch was praktisches - wenn ich das kleine Glas probiere und's gefällt mir... kann ich den Ferment dann auch einfach in den Kühlschrank stellen damit der nicht immer weiter gärt? oder wird das dann komisch?

Zitat von leni_bk

kann ich den Ferment dann auch einfach in den Kühlschrank stellen damit der nicht immer weiter gärt

Ja genau, das ist der Trick. Im Kühlschrank verlangsamt sich die Gärung fast komplett, der Ferment bleibt dann relativ stabil. Ich mach das auch so wenn ich merke dass's mir geschmacklich passt. Zur Gewöhnungs-Frage - ehrlich gesagt war ich auch skeptisch. Hab Fermentation lange als zu kompliziert abgetan, weil ich dachte das wird eh nichts oder schmeckt mir nicht. Aber bei mir war's andersrum als bei dir - ich kannte die klassische Essig-Variante eigentlich gar nicht so, bin eher mit frischer Rote Beete aufgewachsen. Ferment hat mir dann trotzdem erst beim zweiten oder dritten Mal wirklich geschmeckt. Beim ersten Mal war ich tatsächlich so: naja, kommt drauf an. Aber irgendwann hat sich das gelegt und jetzt mag ich den Geschmack lieber als das Klassische. Das Problem mit drei Litern die dann rumstehen - ja, das kann passieren. Deshalb würd ich dir echt @leni_bk mit dem kleinen Glas anfangen zustimmen. Aber auch ehrlich: wenn's dir nicht liegt ist das auch nicht tragisch. Dann machst du deine Oma-Methode und gut. Nicht jedes Trend-Ding muss man machen, auch wenn's alle machen. Frage noch - wenn du das kleine Glas probierst, wie lange gärst du es denn? Vier Tage wie @markus_hh88 vorgeschlagen oder willst du wirklich täglich kosten?

Zitat von lisab_93beim zweiten oder dritten Mal wirklich geschmeckt

Das deckt sich mit dem, was ich aus meiner Erfahrung kenne - Ferment ist kein Love-at-first-taste-Produkt für die meisten. Das liegt wahrscheinlich daran, dass der Gaumen diese Kombination aus Säure, Umami und Erdigkeit einfach nicht einordnen kann, wenn er nur Essig-Einlegtes kennt. Das ist keine Schwäche, das ist normale Geschmacks-Wahrnehmung. Was lisab_93 zum Kühlschrank sagt, stimmt. Ich würd nur noch ergänzen: ganz stoppt es da nicht. Die Milchsäurebakterien arbeiten weiter, nur deutlich langsamer. Heißt, wenn du den Ferment vier Wochen im Kühlschrank lässt, ist er danach trotzdem etwas saurer als am ersten Tag. Das ist für manche der Punkt, wo's zu viel wird. Einfach ab und zu probieren, das ist das ganze Geheimnis. @leni_bk zur Gewöhnungs-Frage noch ein konkreter Gedanke: Die meisten starten Ferment als Beilage und denken dann "das passt nirgendwo rein". Rote Beete-Ferment funktioniert gut zu fettigem Käse oder zu etwas mit Walnuss - der Kontrast macht was mit dem Geschmack, den man sonst als zu "kantig" wahrnimmt. Ich hab das mal zu einem Ziegenkäse-Brot gegessen und war selbst überrascht, wie das zusammengeht. Zu lisab_93s Frage nach der Gärzeit - realistisch betrachtet würd ich täglich kosten empfehlen, nicht weil vier Tage falsch sind, sondern weil man sonst seinen eigenen Geschmacks-Sweetspot verpasst. Edit: Kleine Klarstellung - mit "täglich kosten" meine ich natürlich nicht jeden einzelnen Tag ab Tag 1, sondern eher ab Tag 2 oder 3 dann regelmäßig checken. Dann findet man schneller raus, wann's für den eigenen Geschmack passt.

ah okay, das mit Ziegenkäse und Walnuss - das merke ich mir @markus_hh88, das klingt tatsächlich nach etwas das ich ausprobieren würd. ich hab da so ne komische mentale Blockade dass Rote Beete nur zur Salat-Ecke gehört, aber wenn's da anders funktioniert dann vielleicht auch anders im Kopf? aber jetzt nervt mich grad eine ganz praktische Sache und ich weiß nicht ob das nur bei mir so ist - wenn ich die Roten Beeten für die Lake vorbereite, also klein schneiden und so, wie macht ihr das ohne dass die ganze Küche aussieht wie ein Tatort 😅 ich mein, ich kenn das Fleckenproblem theoretisch, Einmalhandschuhe und so. aber irgendwie kriege ich das trotzdem überall hin. Schneidebrett wird rot, die Ecke der Arbeitsplatte auch, und letztens hab ich mir sogar beim Abwischen die Hand gefärbt obwohl ich Handschuhe anhatte. das ist bei der Essig-Variante genauso blöd aber bei Ferment hab ich halt Angst dass ich noch öfter dran muss weil ich ja täglich kosten soll und dann... keine Ahnung, hab ich da irgendwas übersehen? oder ist das einfach Teil des Spiels und man gewöhnt sich dran? bei mir zuhause haben wir heute Regen statt der Schwüle, vielleicht ist das ja sogar besser fürs Fermentieren 🤷

Zitat von lisab_93

beim zweiten oder dritten Mal wirklich geschmeckt

Das Fleckenproblem - ich glaub da gibt es einen Schritt den viele überspringen. Das Brett vorher nass machen, nicht trocken. Feuchtes Holz oder Plastik nimmt den Farbstoff deutlich weniger an, weil die Poren quasi schon besetzt sind. Ob das bei dir auch so funktioniert weiß ich nicht, aber aus meiner Erfahrung macht das einen echten Unterschied. Bei den Handschuhen: wenn Farbe trotzdem durchkommt, sind die Handschuhe zu dünn oder haben eine Mikroperforation. Die dünnen Einmalhandschuhe aus dem Drogeriemarkt sind dafür ehrlich gesagt nicht ideal. Die etwas dickeren Nitril-Handschuhe halten das besser ab - wir haben die in der Praxis, ich hab die irgendwann auch für die Küche angefangen zu nutzen. Klingt übertrieben, ist es aber nicht wenn man regelmäßig mit Roter Beete arbeitet. Was die Arbeitsplatte angeht: direkt abwischen reicht oft nicht, weil man den Farbstoff erstmal einreibt. Besser kurz einweichen lassen mit etwas Spülmittel, dann abnehmen. Das klingt kontraintuitiv, funktioniert aber besser als sofort rubbeln. @leni_bk zum Regen - ja, wenn's kühler ist, gärt es langsamer, aber das ist eigentlich entspannter für den Einstieg. Du hast mehr Kontrolle und der Prozess ist weniger hektisch.

Zitat von markus_hh88

feuchtes Holz nimmt den Farbstoff deutlich weniger an

okay das ist ehrlich gesagt ne Info die ich nicht erwartet hätte aber irgendwie macht das Sinn wenn ich drüber nachdenk. ich probier das beim nächsten Mal aus, vielleicht liegt's ja daran dass ich immer mit trockenem Brett anfang. und die dickeren Nitril-Handschuhe - ja, die kenn ich von der Arbeit im Kindergarten, die haben wir für sowas auch. die sind natürlich unbequem wenn man länger damit arbeitet aber wenn's hilft dann nimm ich die halt in Kauf. was mich jetzt grad mehr beschäftigt ist... ich glaub ich bin einfach zu ungeduldig für den täglichen Kosttest? ich mein, ich weiß dass ich das machen soll aber wenn ich ehrlich bin könnte ich mir vorstellen dass ich das Glas einfach vergesse oder erst nach einer Woche wieder dran denk weil ich so viel um die Ohren hab. besonders unter der Woche wenn ich aus dem Kindergarten komm bin ich einfach erledigt. also - muss das wirklich täglich sein oder kann ich auch einfach nach vier Tagen schaun wie's ist, und wenn's mir schmeckt gut und wenn nicht... naja dann war's ein Experiment? oder verpass ich da wirklich was Wichtiges wenn ich nicht zwischendurch koste?

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