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Rote Beete einfrieren – verliert die wirklich so viel oder bilde ich mir das ein?

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Ich bin gerade dabei, meine Kühlschrankorganisation etwas zu optimieren, weil ich unter der Woche kaum Zeit habe, frisch zu kochen. Die Idee war: größere Mengen Rote Beete vorkochen, portionieren, einfrieren, fertig. Hat jemand damit längere Erfahrung? Ich hab das jetzt zweimal gemacht und beide Male hatte ich das Gefühl, dass die Textur nach dem Auftauen deutlich weicher wird - nicht matschig, aber irgendwie... weniger. Das Carpaccio, das ich vorher immer mit gekochter Knolle gemacht habe, funktioniert so nicht mehr wirklich. Die Scheiben halten nicht mehr so, das sieht einfach schlechter aus und das Mundgefühl stimmt nicht. Beim Nitratgehalt mache ich mir ehrlich gesagt weniger Gedanken. Das, was beim Einfrieren passiert, betrifft hauptsächlich die Zellstruktur - ob da nennenswert Nitrat verloren geht, dazu hab ich nichts Belastbares gefunden. Wenn jemand eine Quelle kennt, gern her damit. Die Frage ist also eher praktisch: lohnt es sich trotzdem für bestimmte Verwendungszwecke? Für Suppe oder Smoothie würde ich sagen ja, da merkt man die Texturveränderung kaum. Für alles wo die Konsistenz zählt, eher nicht. Was ich noch nicht ausprobiert habe: roh einfrieren. In ein paar Quellen wird das erwähnt, geraspelt oder in Würfeln. Hat das hier jemand gemacht und kann sagen, ob das besser ist als vorgegart einzufrieren? Vakuumverpackt kaufen und dann nochmal einfrieren klingt für mich nach doppeltem Qualitätsverlust, das wäre meine letzte Option. Frisch vom Wochenmarkt und dann selbst verarbeiten bleibt mein Standard, aber das skaliert eben nicht immer mit dem Alltag.

@markus_hh88 der Punkt mit dem roh einfrieren - das hab ich tatsächlich mal aus Versehen quasi ausprobiert. Ich hatte geriebene Rote Beete für einen Salat vorbereitet und dann vergessen, einen Teil davon wegzustellen, der ist dann eingefroren. Aufgetaut war die Masse... okay für Suppe, aber mehr nicht. Der Saft läuft überall hin und die Struktur ist hin. Was mich aber bei deinem Post wirklich beschäftigt: du fragst ob sich das für bestimmte Verwendungszwecke lohnt, und ich glaub da ist die Antwort fast umgekehrt als man denkt. Für Smoothies ja, klar. Aber ich verwend eingefrorene Rote Beete inzwischen am liebsten wenn ich sie danach noch weiterverarbeite - also püriert in einem Dip mit Joghurt und Kreuzkümmel zum Beispiel. Da ist die weichere Textur eigentlich kein Nachteil sondern fast praktischer, weil sie sich besser bindet.

Zitat von markus_hh88

Vakuumverpackt kaufen und dann nochmal einfrieren

das würd ich wirklich lassen, ja. Ich hab mal in einem dieser Convenience-Momente eine vakuumierte Packung eingefroren weil ich sie nicht rechtzeitig aufgemacht hab und das Ergebnis war so mittelprächtig dass ich den Dip danach extra viel gewürzt hab damit man es nicht merkt. ehrlich gesagt frag ich mich ob der Unterschied beim roh Einfrieren nicht auch davon abhängt wie fein man raspelt. Grob geraspelt hält vielleicht mehr Struktur als ganz fein. Das wäre einen Versuch wert, ich hab das noch nicht systematisch probiert.

@leni_k das mit der Körnung ist interessant, hab ich so konkret noch nicht überlegt. Bei mir war's eher immer so grob-mittel weil ich ungeduldig bin, aber jetzt wo du's sagst - klar, je feiner desto mehr Oberfläche die austrocknet oder eben Wasser verliert beim Auftauen. Das mit dem Dip ist ne gute Beobachtung. Ich mach das ähnlich, nur dass ich die gefrorenen Scheiben direkt nach dem Auftauen püriere für sowas, dann brauch ich gar nicht erst zu kochen. Geht schneller und schmeckt nicht anders als wenn ich frische Beete nehm. Aber das ist halt auch ein anderes Verwendungsziel als das was Markus vorhat. Was mich grad beschäftigt: @markus_hh88 du schreibst dass du Carpaccio vorher mit gekochter Beete gemacht hast - war die auch frisch gekocht und portioniert oder hast du die immer direkt nach dem Kochen verarbeitet? Weil wenn die Scheiben nach dem Einfrieren brüchiger werden, könnte es auch sein dass das einfach ein Problem vom Gefrierprozess selbst ist, nicht von der Vorkocherei. Hast du auch Mal versucht die Beete nach dem Kochen schneller runterzukühlen - also nicht einfach in den Kühlschrank sondern richtig kalt mit Eis oder so - bevor du sie portionierst und einfrierst? Hab selbst nicht viel Erfahrung damit, aber die Idee ist halt dass weniger Eiskristalle entstehen wenn's schneller geht.

@fk_1988 der Punkt mit dem schnellen Runterkühlen ist interessant - ich hab das selbst noch nie bewusst so gemacht, aber wenn ich drüber nachdenk... bei Fleisch sagt man ja auch dass schnelles Schockfrosten die Zellstruktur besser erhält als langsames. Warum sollte das bei Gemüse so anders sein. Was mich bei deiner Frage an Markus aber grad beschäftigt: ob die Beete nach dem Kochen überhaupt lang genug "ruht" bevor sie eingefroren wird. Ich hab das Gefühl dass wenn man warm einfriert - also nicht richtig ausgekühlt - da mehr passiert mit der Textur als beim Gefriervorgang selbst. Reine Vermutung von mir, ich hab das nicht gemessen oder so.

Zitat von fk_1988

direkt nach dem Auftauen püriere für sowas, dann brauch ich gar nicht erst zu kochen

das ist eigentlich clever. Ich hab das noch nie so gedacht - quasi den Schritt "kochen" komplett überspringen wenn's sowieso püriert wird. Ich weiß grad nicht ob die roh eingefrorene Variante für Dips genauso funktioniert wie deine aufgetauten Scheiben, weil der Wasseranteil ja anders ist. Müsste man einfach ausprobieren, wobei ich dafür ehrlich gesagt grad keine Energie hab.

Zitat von leni_k

ich hab das nicht gemessen oder so

ja genau das ist das problem ne man kann das ja kaum zuhause testen ohne dass man irgendwie systematisch rangeht und wer hat dafür die nerven

ich frag mich ehrlich gesagt ob das mit dem "warm einfrieren" nicht auch einfach ein problem ist das man bei anderen Sachen kennt. meine mutter hat immer gesagt man soll Suppe nie heiß in den Kühlschrank stellen und ich hab das nie wirklich hinterfragt warum eigentlich. vielleicht ist das bei Rote Beete ähnlich

aber was mich bei dem ganzen Thread grad mehr beschäftigt - ihr redet alle davon wie ihr die eingefrorene dann weiterverarbeitet, Dip, Smoothie, püriert. hat da eigentlich jemand drauf geachtet ob die Farbe nach dem Einfrieren noch so kräftig ist? ich kenn das von meiner Freundin die die Säfte macht, die sagt immer frisch sieht das viel intensiver aus. keine ahnung ob das beim Einfrieren auch so ist oder ob das nur beim Saft ein Thema ist

Zitat von leni_k

ich hab das nicht gemessen oder so

Das ist eigentlich der ehrlichste Satz in diesem Thread. Ich mach mir da auch nichts vor - meine eigenen Beobachtungen zur Textur sind rein subjektiv, ich hab da keine Vergleichsproben gezogen. @evelyn83 die Frage zur Farbe ist interessant, weil ich da tatsächlich was Konkretes sagen kann. Betacyanin - der Farbstoff in Roter Beete - ist relativ hitzestabil, aber reagiert auf pH-Wert und Sauerstoffkontakt. Einfrieren selbst dürfte wenig machen, aber wenn beim Auftauen Zellsaft austritt und die Beete mehr Luft abbekommt, kann da schon was passieren. Ob das visuell auffällt, hab ich ehrlich gesagt nie systematisch verglichen. Ich hab nur das Gefühl dass meine aufgetauten Scheiben leicht matter wirken als frisch Gekochte - aber ob das Einbildung ist, kann ich nicht sagen. Was mich bei dem Farb-Punkt aber mehr interessiert als die Optik: ob der Betacyanin-Verlust über den Saft der beim Auftauen austritt quantitativ relevant ist. Nicht für den Smoothie, aber wenn jemand die Beete wegen des Nitrats isst. Der Saft nimmt ja einiges mit. Ich hab dazu keine Quelle parat, das ist jetzt auch erstmal nur eine Überlegung. Das "warm einfrieren"-Thema von leni_k würde mich eigentlich mal interessieren ob das jemand wirklich getestet hat, nicht nur als Küchenweisheit.

Zitat von markus_hh88

ob der Betacyanin-Verlust über den Saft der beim Auftauen austritt quantitativ relevant ist

das frag ich mich jetzt auch grad - und ich glaub da liegt eigentlich ein praktischer Punkt drin den wir noch nicht besprochen haben. wenn beim Auftauen so viel Saft austritt, warum eigentlich nicht den Saft auffangen und direkt verwenden? also nicht wegschütten sondern in den Dip oder Smoothie geben. dann wäre der Verlust zumindest kulinarisch kein Verlust. ich hab das nie so bewusst gemacht, aber wenn ich's recht bedenk - bei Tiefkühlspinat macht man das ja ähnlich, der Saft der sich absetzt wird einfach mitgekocht. warum bei Roter Beete anders. @evelyn83 zur Farbe: ich hab das Gefühl dass das tatsächlich ein reales Phänomen ist und nicht nur Einbildung. Ich hab mal eine aufgetaute Beete neben eine frisch gekochte gelegt und die aufgetaute wirkte wirklich etwas blasser, fast stumpfer. aber ich hab ehrlich gesagt nicht ausgeschlossen dass das auch am Licht in meiner Küche lag an dem Abend, war Kunstlicht. was ich mich grad frage: verändert sich die Farbe beim Auftauen gleichmäßig oder mehr an den Schnittflächen? weil wenn's hauptsächlich dort passiert, wäre das ein weiteres Argument gegen Carpaccio aus Tiefkühlbeete - optisch nochmal ein Problem dazu.

@leni_k der Punkt mit den Schnittflächen ist tatsächlich interessant, weil ich glaube das ist kein reiner Pigment-Verlust sondern auch eine Frage der Zellintegrität. An Schnittflächen ist die Zellwand eh schon mechanisch beschädigt, da tritt beim Auftauen logischerweise zuerst Saft aus. Das wäre dann weniger ein Einfrierphänomen als ein Schnitt-Phänomen, das sich durch das Einfrieren halt verstärkt.

Zitat von leni_k

warum bei Roter Beete anders

Den Saft auffangen ist eigentlich naheliegend, ja. Wobei ich mich frage ob da der Betacyanin noch stabil genug ist wenn er einmal ausgetreten ist und dann nochmal erhitzt wird, also für einen warmen Dip zum Beispiel. pH-Empfindlichkeit spielt da rein. Rein kulinarisch würde ich's trotzdem machen, der Geschmack geht ja mit. Was ich bisher in diesem Thread noch gar nicht bedacht hab: Einfrieren in Scheiben vs. als ganze Knolle. Ich hab immer in Scheiben portioniert eingefroren, weil das praktischer ist. Aber eine ganze Knolle hat deutlich weniger Schnittfläche - ob das die Textur beim Auftauen nennenswert beeinflusst, weiß ich nicht. Wäre zumindest eine Variable die man isolieren könnte, wenn jemand wirklich Lust auf so einen Vergleich hat. Ich hab das gerade nicht getestet, um das klarzustellen. Nur weil wir hier drüber reden.

@markus_hh88

Zitat von markus_hh88

Einfrieren in Scheiben vs. als ganze Knolle

das hab ich ehrlich gesagt noch nie so gedacht. ich hätte immer in Scheiben eingefroren weil das praktisch klingt aber wenn du das so sagst - macht irgendwie Sinn dass die ganze Knolle länger "heil" bleibt. nur wie taut man die dann auf ohne ewig zu warten, das frag ich mich grad. die braucht ja viel länger als einzelne Scheiben

und dann müsste man sie ja noch schneiden wenn sie halb aufgetaut ist oder voll? keine ahnung ob das dann nicht auch die Textur kaputt macht, irgendwie dreht man sich im Kreis

was mich übrigens grad bei dem Farbthema beschäftigt - meine Freundin hat letztens gesagt dass sie ihren Saft immer direkt nach dem Pressen trinkt weil er nach ein paar Stunden im Kühlschrank schon anders aussieht, so ein bisschen bräunlicher. wenn das schon ohne Einfrieren passiert, dann ist das vielleicht tatsächlich mehr ein Sauerstoff-Ding als ein Kälte-Ding wie markus_hh88 schon meinte. keine ahnung ob das hilft aber irgendwie passt das zusammen

@evelyn83 das mit dem Sauerstoff trifft es wahrscheinlich besser als ich das vorhin formuliert hab. Betacyanin oxidiert, das ist der Mechanismus - und der braucht keine Kälte dafür, nur Kontakt mit Luft und Zeit. Was deine Freundin beim Saft beobachtet ist wahrscheinlich genau das. Einfrieren verlangsamt das vermutlich eher, als dass es das beschleunigt. Die Frage mit dem Auftauen der ganzen Knolle ist trotzdem berechtigt. Ich würde das ehrlich gesagt über Nacht im Kühlschrank machen, nicht bei Raumtemperatur - schon allein wegen der Temperaturgradienten. Wenn die Außenschicht zu schnell auftaut während der Kern noch gefroren ist, hast du genau das Problem das du beschreibst: du schneidest in etwas das innen noch hart ist, und an den neuen Schnittflächen passiert dann wieder das gleiche wie vorher. Das ist kein Gewinn. Was mir dabei durch den Kopf geht - und das ist wirklich neu für mich in diesem Thread - ist die Frage ob Vakuumieren vor dem Einfrieren nicht genau das Sauerstoffproblem adressieren würde. Nicht vakuumverpackt kaufen und einfrieren, das hab ich ja schon als schlechte Idee eingestuft. Aber selbst vakuumieren nach dem Kochen und dann einfrieren. Ich hab kein Vakuumiergerät, und ich weiß auch nicht ob der Aufwand für Rote Beete realistisch ist. Aus meiner Erfahrung mit Sportlern die so arbeiten: die machen das für Fleisch, kaum jemand für Gemüse.

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