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Rote Beete einfrieren – verliert die beim Auftauen komplett ihre Textur?

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Ich steh gerade vor einem echten Problem. Im Garten hab ich dieses Jahr so eine gute Ernte gehabt dass ich gar nicht weiß wohin damit. Einlegen mach ich schon seit Jahren und das klappt gut, aber irgendwann hat man auch genug Gläser im Keller. Jetzt hab ich überlegt ob man die Knollen einfach einfrieren kann. Hab das noch nie probiert, ehrlich gesagt. Ich hab mal irgendwo gelesen dass man sie vorher kurz blanchieren soll, aber ob das wirklich hilft oder ob die dann beim Auftauen so matschig werden dass man sie nur noch pürieren kann - keine Ahnung. Bei meiner Mutter wurde früher alles eingemacht was nicht niet- und nagelfest war, aber einfrieren war bei Rote Beete kein Thema. Ich frag mich ob das einfach nicht üblich war oder ob das wirklich nicht funktioniert. Was mich vor allem interessiert: kann man die aufgetaute Rote Beete dann noch als Scheiben servieren oder für Salat verwenden, oder ist das dann wirklich nur noch was für Suppe? Ich mach gern ein Carpaccio damit und das lebt ja von der Textur, das wäre dann wohl nichts mehr. Habt ihr da erfahrung mit? Ich frag mich auch ob die Farbe leidet oder ob da der Saft rausläuft und man nachher so ein blasses Etwas auf dem Teller hat. Das wäre bei mir der K.o.-Grund, wenn das Ergebnis so aussieht als hätte man es schon verdaut bevor man isst. Ich würde die Knollen vorher garen, nicht roh einfrieren - macht das einen Unterschied? Heute Abend stehen noch vier Kilo auf dem Küchentisch und ich muss irgendwie eine Entscheidung treffen.

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Selbstgemacht schmeckt's immer besser 🥰

@rotebeete_fan das mit dem Carpaccio ist für mich der entscheidende Punkt. Ich hab das nämlich selbst schon versucht - vorgekocht eingefroren, aufgetaut, in Scheiben geschnitten - und ehrlich gesagt taugt das für Carpaccio wirklich nicht mehr. Die Scheiben halten zwar formal ihre Form, aber die Textur ist so weich dass das Mundgefühl komplett anders ist. Das lebt ja von diesem leichten Biss noch, und der ist weg.

Zitat von rotebeete_fan

ob die Farbe leidet

da kann ich dich beruhigen, das war bei mir kein Problem. Die Farbe bleibt intensiv vielleicht sogar noch etwas kräftiger weil beim Auftauen tatsächlich Saft austritt - aber der ist halt auch knallrot. Ich hab die aufgetaute Beete hauptsächlich für Suppe und einmal püriert als Dip verwendet und das hat gut funktioniert. Mein ehrlicher Tipp: einen Teil der Ernte wirklich nur für Suppe/Püree-Zwecke einfrieren, und für alles was Textur braucht lieber fermentieren oder einlegen. Ich mein, du machst das ja sowieso schon. Oder - und das fand ich persönlich interessant - einfach vakuumieren ohne einzufrieren, wenn du einen Vakuumierer hast. Eine Freundin von mir macht das und sagt die halten im Kühlschrank nochmal deutlich länger als ohne, so drei bis vier Wochen. Vier Kilo klingt nach nem guten Problem 😄

Zitat von jana_w

einfach vakuumieren ohne einzufrieren

das hatte ich gar nicht auf dem Schirm, ehrlich gesagt. Ich hab zwar einen Vakuumierer, den benutze ich aber meistens nur für Fleisch. Dass das bei Gemüse auch so einen Unterschied macht - das interessiert mich wirklich. Drei bis vier Wochen wäre ja schon was. @jana_w das mit dem Dip hab ich jetzt im Kopf und ich überleg gerade ob man da was draus machen kann als winterliche Variante. Ich mein, wenn die Textur eh leidet, dann kann man das ja gezielt nutzen statt es als Niederlage zu sehen. Mein Mann mag Hummus sehr und ich hab da mal was gelesen mit Rote Beete-Hummus, das soll ziemlich gut gehen. Wenn ich sowieso einen Teil einfriere nur fürs Pürieren, dann hätte das auf einmal einen Sinn. Was ich mich noch frage: schadet das Vakuumieren der Schale, wenn die Knolle noch roh und ungegart ist? Ich würde die ja wahrscheinlich ungekocht vakuumieren wollen, damit ich nachher noch entscheiden kann wie ich sie verarbeite. Oder muss man die vorher garen damit das überhaupt haltbar ist. Das weiß ich wirklich nicht und meine Hausarztin wird mir da auch nicht weiterhelfen können.

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@rotebeete_fan die Frage mit roh vakuumieren ist tatsächlich interessant, das hab ich so direkt noch nie nachgeschaut. Meine Vermutung wäre - kein Ernährungsprofi, nur Erfahrungswert - dass roh vakuumiert im Kühlschrank schon geht, aber deutlich kürzer hält als bereits gegarte. Die Knolle hat ja noch alle Enzyme aktiv, die Prozesse laufen weiter, nur langsamer. Ich würd das nicht auf drei Wochen ausdehnen wenn sie noch roh ist.

Zitat von rotebeete_fan

dann hätte das auf einmal einen Sinn

genau so hab ich das auch angefangen zu denken, dieses "die Textur leidet sowieso, also nutz das gezielt" - das ist ehrlich gesagt der beste Mindset-Shift den man bei dem Thema haben kann. Rote-Beete-Hummus ist übrigens wirklich gut, ich hab das mal bei einer Freundin gegessen und war skeptisch weil ich Hummus lieber klassisch mag, aber die Erdigkeit der Beete passt da komischerweise sehr gut rein, weil der Tahini das irgendwie auffängt. Was ich noch nicht erwähnt hab: wenn du sowieso einen Teil für Suppe einfrierst, würd ich die schon in Stücken einfrieren, nicht als ganze Knolle. Ich mein ganze Knolle auftauen und dann schneiden ist so eine Aktion die man morgens um sieben nicht haben will.

@jana_w der Hinweis mit den Stücken einfrieren ist gut, das hätte ich wahrscheinlich falsch gemacht. Ich hätte die einfach ganz reingetan, so nach dem Motto "weniger Aufwand jetzt, denk ich später drüber nach" - und dann steht man morgens in der Küche und schaut auf eine gefrorene Knolle wie ein Felsbrocken.

Zitat von jana_w

der Tahini das irgendwie auffängt

das kann ich mir vorstellen, weil Tahini diese nussig-bittere Note hat die zu Rote Beete tatsächlich gut klingt. Ich hab nur die Frage ob man da dann noch Knoblauch rein macht oder ob das zu viel wird. Mein Mann ist da empfindlich der mag keinen rohen Knoblauch in Dips. Was mich gerade noch beschäftigt - wenn man die Stücke einfriert, macht man die dann vorher gar fertig oder lässt man die noch etwas bissfester damit beim Auftauen nicht totgekocht ist was man reinlegt. Ich mein, wenn die beim Auftauen eh weicher werden, dann müsste man sie eigentlich kürzer kochen als normal. Oder täusche ich mich da und es macht keinen Unterschied. Ich koch die sonst immer komplett durch, so 45 Minuten je nach Größe, aber das ist für direkten Verzehr gedacht. Fürs Einfrieren wäre das dann vielleicht zu lang.

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@rotebeete_fan die Frage mit dem Gargrad ist eigentlich die interessanteste die du bisher gestellt hast. Und ich glaub deine Intuition stimmt - etwas kürzer kochen macht Sinn. So 30 Minuten statt 45, dass sie gar sind aber noch leicht Widerstand haben. Ich hab das nicht systematisch getestet, aber ich mach das bei anderen Gemüsen die ich einfriere genau so, Karotten zum Beispiel. Die logik ist die gleiche.

Zitat von rotebeete_fan

Knoblauch rein macht oder ob das zu viel wird

ich würd gerössten Knoblauch probieren statt rohem der ist viel milder und macht auch den empfindlichsten Esser meistens happy. Einfach ne halbe Knolle in Alufolie, kurz in den Ofen - meine Schwägerin macht das immer so und ich hab den Unterschied echt unterschätzt bevor ich das selbst mal gegessen hab. Der rohe Schärfe-Kick fehlt dann aber auch ganz, also man muss schauen was man will. Was ich mich bei deiner Ernte-Situation ehrlich gesagt noch frage: hast du mal überlegt einfach einen Teil verschenkt zu kriegen - äh, ich mein zu verschenken. Nachbarn, Freunde, irgendwer der froh drum wäre. Vier Kilo ist halt auch ne Menge und nicht alles muss konserviert werden.

@jana_w mit dem Verschenken hast du natürlich recht, das ist eigentlich die simpelste Lösung und ich weiß nicht warum ich da nicht zuerst drauf gekommen bin. Meine Nachbarin Heike nimmt eigentlich immer was aus dem Garten, die hat selbst keinen. Ich glaub ich frag sie heute Abend einfach mal. Zitat von jana_w: gerösteten Knoblauch probieren

das ist ein guter Hinweis, danke. Mein Mann verträgt den gerösteten tatsächlich viel besser, das hab ich bei Pizza schon gemerkt. Wir machen die manchmal selbst und er mag da gar keinen Knoblauch drauf - aber wenn ich ihn vorher im Ofen hab, ist das kein Thema mehr. Insofern wäre das beim Hummus wahrscheinlich genau so. Was mich jetzt noch beschäftigt ist die Frage ob man eingefrorenes Rote-Beete-Püree auch noch zum Färben von Teig nehmen kann. Ich hab das mal bei einem Brot gesehen, so ein kräftig pinkes Brot, das sah eigentlich sehr schön aus. Ob die Farbe da genauso hält wie im Rohen - da bin ich mir gar nicht sicher. Wenn beim Auftauen eh Saft austritt wie @jana_w das beschrieben hat, wäre der vielleicht sogar nutzbar. Ich mein man könnte den Saft extra auffangen statt ihn wegzuschütten. Edit: Hab gerade noch überlegt - beim Backen wird die Farbe wahrscheinlich eh etwas blasser, das sollte ich bedenken. Aber wert ist es den Versuch trotzdem! --
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Zitat von jana_w

dieses "die Textur leidet sowieso, also nutz das gezielt"

Das ist pragmatisch, aber ich würd das nicht als allgemeines Prinzip überhöhen. Bei Rote Beete funktioniert das, weil das Gemüse im pürierten Zustand tatsächlich noch was hergibt. Bei Zucchini zum Beispiel endet das meistens als Wasserpfütze mit Geschmackserinnerung. Zur Frage mit dem Backen: Die Farbe von Rote Beete ist hitzeempfindlich, das ist keine Meinung, das ist Biochemie. Betanin, der Farbstoff, zerfällt ab etwa 80 Grad zunehmend. Wie stark, hängt von pH-Wert und Backzeit ab. Wer ein kräftig pinkes Brot will, muss damit rechnen, dass es nach dem Backen eher ins Braun-Rosé kippt. Der Saft aus aufgetautem Püree wäre da kein Vorteil gegenüber frischem - eher im Gegenteil, weil er durch das Einfrieren schon Zellstruktur verloren hat. @rotebeete_fan konkret gesagt: wenn dir die Optik beim Brot wichtig ist, lieber frischen Saft nehmen und den Teig nicht zu lang oder zu heiß backen. Ob das mit Hefeteig überhaupt klappt ohne dass der Geschmack kippt - keine Ahnung, ich hab das nicht probiert.

@n.feld den Punkt mit Betanin fand ich tatsächlich interessant, das wusste ich so nicht. Ich mein, ich hab das mal irgendwo am Rande mitbekommen dass die Farbe beim Erhitzen kippt, aber dass das schon ab 80 Grad anfängt - das ist konkreter als ich gedacht hätte.

Zitat von n.feld

eher im Gegenteil, weil er durch das Einfrieren schon Zellstruktur verloren hat

hier bin ich nicht ganz sicher ob das so stimmt, ehrlich gesagt. Ob die Zellstruktur des Safts selbst da noch ne Rolle spielt - ich mein, Saft ist ja am Ende Saft, der hat keine Zellstruktur mehr die man verlieren könnte. Der Betanin-Gehalt dürfte doch gleich sein, ob der Saft jetzt aus frischer oder aufgetauter Beete kommt. Aber ich bin da kein Biochemiker und könnte komplett falsch liegen. Was ich @rotebeete_fan noch mitgeben würd: ich hab mal gelesen - war glaub auf einem Foodblog, keine wissenschaftliche Quelle - dass man die Farbe stabiler bekommt wenn man etwas Säure in den Teig gibt, also Essig oder Zitronensaft. Das soll den pH-Wert so verschieben dass Betanin länger hält. Ob das beim Brotbacken praktikabel ist weiß ich nicht, aber bei Muffins oder so wäre das vielleicht weniger ein Problem. Mit Hefeteig hab ich da auch null Erfahrung.

@jana_w du hast recht, das war ungenau formuliert von mir. Saft hat keine Zellstruktur, die man einfrieren könnte. Was ich meinte: Beim Einfrieren der ganzen Knolle werden Zellwände zerstört, der austretende Saft enthält dadurch mehr freie Enzyme und möglicherweise mehr oxidiertes Material. Ob das den Betanin-Gehalt messbar beeinflusst, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Das war Spekulation, keine Biochemie. Ich korrigiere mich da lieber. Der Punkt mit der Säure stimmt im Prinzip. Betanin ist bei niedrigem pH-Wert stabiler, das ist in der Literatur belegt. Ob ein Foodblog das richtig einordnet, ist eine andere Frage. Praktisch beim Brotbacken heißt das aber: Hefeteig reagiert auf Säurezusatz, die Gärung wird gebremst. Wer da einfach Zitronensaft reinschüttet ohne Ahnung von Teigchemie, bekommt möglicherweise ein flaches, säuerliches Brot mit halbwegs pinker Krume. Das ist kein hypothetisches Problem. Konkret gesagt: wenn das Ziel ist, Rote Beete optisch in Backwaren zu nutzen, sind Muffins oder Kuchenteige ohne Hefe das realistischere Anwendungsfeld. Da hat man mehr Kontrolle über Backtemperatur und pH. Hefebrot bei 220 Grad - da ist Betanin schon längst Geschichte, egal ob frischer oder aufgetauter Saft.

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