Bitte oder Registrieren, um Beiträge und Themen zu erstellen.

Post-Workout-Mahlzeit nach langen Ausfahrten – wann esst ihr wirklich?

VorherigeSeite 3 von 4Nächste

@rennradrenate und @jana_w - das ist eigentlich der Punkt der mich jetzt wirklich interessiert, weil er sich von allem anderen hier unterscheidet. Was ihr beide beschreibt - dieser "abweisende" Zustand nach intensiver Belastung - hat einen ziemlich konkreten physiologischen Hintergrund, nämlich dass nach hochintensiven Einheiten der Blutfluss zur Verdauung aktiv reduziert wird, Sympathikus-Dominanz und so weiter. Das ist nicht esoterisch, das ist dokumentiert. Ich hab dazu mal was bei Jeukendrup gelesen (er hat viel zu GI-Belastung im Ausdauersport geschrieben), und da geht es genau um diesen Unterschied: moderate Intensität vs. hohe Intensität hat messbar andere Auswirkungen auf die Magenentleerungsrate. Was das für dein konkretes Timing bedeutet, @rennradrenate: es wäre plausibel, dass nach einer Hammertour dasselbe "30-45 Minuten"-Fenster einfach physiologisch nicht greift, weil der Körper noch gar nicht in einem Zustand ist wo Verdauung sinnvoll läuft. Das würde auch erklären warum du sagst, nach intensiven Touren kommt das Signal später.

Zitat von jana_w

dass da das gleiche Fenster das nach einer Grundlagenrunde Sinn macht, einfach nicht passt

Das würde ich so unterschreiben, aber ich würde es nicht als "Typ-Problem" framen sondern als Intensitäts-abhängiges Timing. Die Frage wäre dann eher: was isst du in den ersten Minuten nach der intensiven Tour überhaupt, wenn feste Nahrung sich schlecht anfühlt? Flüssiges geht schneller durch den Magen, das ist zumindest ein praktischer Ansatz. Ich mach nach harten Intervall-Einheiten oft erstmal Molke in Wasser, kein Feststoff, und dann nach 30-40 Minuten erst was Richtiges. Ob das optimal ist - keine Ahnung ehrlich gesagt.

@markus_b82 das mit Jeukendrup und Magenentleerungsrate ist eigentlich das erste Mal in diesem Thread dass ich denke - okay das ist ein konkreter Mechanismus, nicht nur Erfahrungsaustausch. und das verändert die Frage für mich. weil wenn Flüssiges nach der Hammertour tatsächlich besser durchkommt als Festes, dann ist die eigentliche Frage ja nicht mehr "wann" sondern "was". und da frag ich mich ob Rote-Bete-Saft - also wirklich frisch, nicht das Konzentrat-Zeug - da nicht eigentlich ein ziemlich guter Kompromiss wäre. flüssig, geht schnell, keine schwere Verdauungsarbeit. ich mach das manchmal nach längeren Yoga-Sessions einfach weil ich eh immer welche im Kühlschrank hab, nicht wegen irgendwelcher Theorie.

Zitat von markus_b82

was isst du in den ersten Minuten nach der intensiven Tour überhaupt wenn feste Nahrung sich schlecht anfühlt

das ist eigentlich eine Frage die ich @rennradrenate stellen würde, nicht markus_b82 sie beantwortet. weil die hat ja gesagt ihr Körper reagiert qualitativ anders, nicht nur "mehr erschöpft". und ich frag mich ob sie da schon intuitiv was angepasst hat ohne es so zu benennen. also ich find - manchmal ist die Lösung schon da und man hat nur noch keinen Namen drauf gehabt.

--
less is more ?

Zitat von jana_w

manchmal ist die Lösung schon da und man hat nur noch keinen Namen drauf gehabt

Das klingt schön, aber ich bin da skeptisch - nicht jede intuitive Anpassung ist auch die richtige. Manchmal hat man einfach Glück dass die Intuition zufällig mit dem zusammenpasst was physiologisch Sinn macht. Was mich an deinem Rote-Bete-Saft-Vorschlag aber wirklich beschäftigt: das Nitrat in frischem Saft ist eine Sache, aber nach hochintensiver Belastung ist die Frage ob du da überhaupt noch einen Nitrat-Effekt willst oder ob das nicht eher fürs Pre-Workout relevant ist. Ich hab dazu was bei Bailey et al. gelesen (2009, die Exeter-Gruppe), da ging es um akute Nitrat-Supplementierung vor der Belastung, nicht danach. Ob der Mechanismus post-workout überhaupt greift, weiß ich ehrlich gesagt nicht - hast du da eine Quelle für? Das mit "flüssig geht schneller durch den Magen" stimmt übrigens, aber das gilt nicht pauschal für alle Flüssigkeiten. Kalorienreiche Getränke verlangsamen die Magenentleerung wieder, das ist das gleiche Prinzip das bei Sportgetränken mit zu hoher Kohlenhydratkonzentration zum Problem wird. Rote-Bete-Saft hat da relativ wenig Kalorien, also wäre das theoretisch okay - aber ich würde das nicht als gesetzt betrachten ohne mehr Kontext zur Intensität. @rennradrenate - die eigentliche Folgefrage wäre für mich: trinkst du auf der Tour selbst schon was Kalorisches, oder nur Wasser? Weil wenn du vier Stunden mit Gel oder Riegel unterwegs warst, ist die Ausgangslage nach der Tour eine komplett andere als wenn du nüchtern gefahren bist.

@markus_b82 Zitat von markus_b82Ob der Mechanismus post-workout überhaupt greift, weiß ich ehrlich gesagt nicht - hast du da eine Quelle für? hab ich nicht, war auch nie die Behauptung. ich hab gesagt ich mach das weil ich die Rote Bete eh im Kühlschrank hab, nicht wegen Nitrat-Theorie. das ist ein ziemlich wichtiger Unterschied. aber dein Punkt mit den kalorienreichen Flüssigkeiten und Magenentleerung - das ist tatsächlich neu für mich und ich kapier warum das relevant ist. also ich find, das verschiebt die Frage noch mal. weil dann ist "flüssig" nicht einfach die Antwort sondern kommt drauf an was flüssig. was mich da interessiert: du nimmst Molke in Wasser. das hat auch Kalorien, wenn auch wenig. wie hast du da die Menge gewählt, einfach so oder steckt da was dahinter? und zu @rennradrenate's eigentlicher Frage - du hast sie gefragt ob sie kalorisch unterwegs war oder nüchtern. das finde ich gerade die interessanteste Variable die wir noch gar nicht hatten. weil wenn sie vier Stunden mit Gels gefahren ist dann kommt sie ja nicht mit leerem Tank an. dann ist das "Fenster" vielleicht einfach schon offen gewesen die ganze Zeit und der Hunger nach 90 Minuten ist gar nicht zu spät sondern einfach... normal. --
less is more? Edit: kleine Klarstellung - wenn sie nüchtern gefahren ist, würde ich die 90 Minuten natürlich anders bewerten. das ist dann wirklich eine andere Ausgangslage.

@jana_w

Zitat von jana_w

dann ist das "Fenster" vielleicht einfach schon offen gewesen die ganze Zeit

Das ist eigentlich der klarste Gedanke der letzten Stunde hier. Wenn jemand vier Stunden mit Gels fährt, hat er über die Tour verteilt schon 200, 300 kcal reingeschaufelt - dann ist die Frage nach dem Post-Workout-Fenster tatsächlich eine andere als bei jemand der nüchtern oder nur mit Wasser unterwegs war. Das Fenster-Konzept stammt ja ursprünglich aus Kontexten wo man mit entleerten Glykogenspeichern aus dem Training kommt, nicht aus einem Zustand wo die Kohlenhydratzufuhr schon während der Belastung lief. Zur Molke-Frage: die Menge war ehrlich gesagt nicht besonders wissenschaftlich gewählt, irgendwas um die 20g Protein in möglichst viel Wasser, weil ich das irgendwann bei Stellingwerff zu Protein-Timing im Ausdauersport gelesen hab. Ob das die optimale Menge ist - keine Ahnung. Ich hab das so beibehalten weil es sich nicht schlecht angefühlt hat, mehr steckt da nicht dahinter. Was mich aber jetzt wirklich interessiert, und das hat noch niemand gefragt: @rennradrenate, weißt du überhaupt wie viel Kohlenhydrate du auf der Tour aufnimmst? Also konkret in Gramm, nicht "ein Riegel irgendwann". Weil das würde die ganze Diskussion über ihr Timing deutlich konkreter machen als alles was wir hier bisher hatten.

@markus_b82 die Frage nach den Gramm Kohlenhydraten finde ich auf einer seite... warte, nein. ich mein: die Frage ist konkret okay. aber ich glaub dass rennradrenate das wahrscheinlich gar nicht weiß - und das ist ja auch nicht böse gemeint. die meisten Hobbyfahrer zählen das nicht. die nehmen einen Riegel wenn sie Hunger kriegen, fertig. was mich da aber gerade mehr beschäftigt: wenn das Fenster-Konzept aus dem Kontext kommt wo Glykogenspeicher leer sind - dann hat das doch auch Konsequenzen für alle hier die gar keinen Leistungssport machen. also ich mit Yoga und langem Spaziergang, fk_1988 mit Lagerabeit plus Abendrunde - da sind die Speicher wahrscheinlich sowieso nie wirklich leer. dann ist das ganze Timing-Gerede für uns schlicht am falschen Objekt. nicht falsch, nur... für jemand anderen gedacht.

Zitat von markus_b82

Weil das würde die ganze Diskussion über ihr Timing deutlich konkreter machen

ja aber ich frag mich ob rennradrenate das wirklich wissen will oder ob sie eher wissen will ob ihr Körpergefühl zuverlässig ist. das sind zwei sehr verschiedene Antworten die du gerade anbietest. die eine ist Tabelle und Gramm, die andere ist... eigentlich schon im Thread. und ich glaub sie hat letztere schon. was ich von mir sagen kann - ich hab null Ahnung wie viel Kohlenhydrate in meiner Roten Bete nach dem Sport stecken und ich werd das auch nicht nachschauen 😅

--
less is more ?

Zitat von jana_w

ich hab null Ahnung wie viel Kohlenhydrate in meiner Roten Bete nach dem Sport stecken und ich werd das auch nicht nachschauen

Das ist ehrlich, und ich nehm dir das nicht übel - aber genau das macht den Punkt deutlich, den du selbst aufgemacht hast. Du sagst, das Fenster-Konzept ist "für jemand anderen gedacht". Das stimmt wahrscheinlich. Nur folgt daraus nicht, dass Gramm-Fragen irrelevant sind, sondern dass die Ausgangsfrage im Thread für verschiedene Nutzerprofile komplett verschiedene Antworten hat. Was mich aber gerade mehr beschäftigt als die Kohlenhydratfrage: du hast geschrieben, rennradrenate will vielleicht gar keine Tabelle, sondern Bestätigung dass ihr Körpergefühl zuverlässig ist. Das ist eine interessante Unterscheidung - aber ich glaube, die beiden Fragen schließen sich nicht aus. Körpergefühl kann zuverlässig sein und trotzdem auf falschen Annahmen basieren. Wenn ich beim Laufen das Gefühl habe, ich bin "gut erholt", obwohl meine HRV drei Tage im Keller war, dann ist das Gefühl real, aber nicht akkurat. Was ich @rennradrenate tatsächlich noch fragen würde - nicht als Kritik, sondern weil es die einzige offene Variable ist: hat sich dein Timing nach intensiven Touren in den letzten Jahren verändert? Also nicht ob es sich anders anfühlt, das hast du beschrieben, sondern ob du aktiv anders reagierst. Weil wenn ja, dann hast du dich schon angepasst, ohne es zu benennen - und das wäre eigentlich die Antwort auf deine ursprüngliche Frage.

@markus_b82

Zitat von markus_b82

Körpergefühl kann zuverlässig sein und trotzdem auf falschen Annahmen basieren

okay das ist eigentlich ziemlich gut formuliert - aber ich glaub du machst damit was anderes als du denkst. weil "falsche Annahmen" setzt voraus dass es eine richtige Annahme gibt gegen die man messen kann. und bei rennradrenate ist die Annahme ja nicht "ich hab's in einer Studie gelesen" sondern "meine Hausärztin hat mir das gesagt und ich funktioniere seitdem besser". das ist keine falsche Annahme, das ist eine andere Erkenntnisquelle. was mich an deiner letzten Frage aber wirklich beschäftigt - ob sie sich in den letzten Jahren aktiv angepasst hat ohne es zu benennen. ich find das ist eigentlich die interessanteste Wendung die dieser Thread genommen hat. weil das würde ja bedeuten dass der Körper schon lernt, auch ohne dass man ihm dabei zuschaut. und dann ist "hat sie das richtig gemacht" vielleicht einfach die falsche Richtung. ich kenn das von mir - ich hab irgendwann angefangen nach dem Sport weniger Kaffee zu trinken, komplett unreflektiert. hab das erst nach Monaten gemerkt. keine Ahnung ob das physiologisch sinnvoll war aber es ist passiert. sowas interessiert mich mehr als ob rennradrenate jetzt die Gramm-Frage beantworten kann.

--
less is more ?

Zitat von holli

Zwei Wochen ist Anfängerkram

Das ist eine Behauptung, die ich so stehen lassen muss - hast du da eine Quelle für? Nicht weil ich dir nicht glaube, aber das ist genau das Muster das mich bei solchen Diskussionen nervt: eine Zeitspanne wird in den Raum gestellt, als wäre sie Konsens. @jana_w dein Kaffee-Beispiel ist interessant, aber ich würd da aufpassen - "komplett unreflektiert passiert und vielleicht physiologisch sinnvoll" ist genau die Denkfalle. Das könnte genauso gut ein Zufalls-Korrelat von irgendwas anderem sein, das sich in dem Zeitraum verändert hat. Ich bin da nicht grundsätzlich skeptisch gegenüber unbewusster Anpassung, die gibt es, das ist auch bei Jeukendrup irgendwo ein Randthema. Aber "der Körper lernt ohne dass man zuschaut" als generelles Prinzip - das ist eine sehr starke Aussage. Was mich aber gerade an dem ganzen Faden mehr beschäftigt: wir reden jetzt seit einer Weile über Erkenntnisquellen - Studie, Hausärztin, Körpergefühl, unbewusste Anpassung. Aber die ursprüngliche Frage von rennradrenate war doch konkret: macht es einen Unterschied, ob die Tour intensiv oder ruhig war. Die Antwort darauf ist eigentlich klar, und der Mechanismus ist dokumentiert. Warum sind wir da weggekommen?

@markus_b82

Zitat von markus_b82

Warum sind wir da weggekommen?

weil die Antwort auf rennradrenates konkrete Frage halt schon da war - du hast sie selbst in Post 21 gegeben, Sympathikus-Dominanz, Magenentleerung, Jeukendrup. fertig. danach gab's nichts mehr zu klären, also haben wir angefangen über Erkenntnisquellen zu reden. das ist doch kein Fehler, das ist einfach wie Gespräche gehen. und jetzt machst du das was mich ein bisschen nervt - du fragst warum wir vom Thema weg sind aber du hast selbst mitgemacht. das ist so als würde man mitten in einer Neukölln-Kneipe fragen warum wir nicht mehr über den Film reden der uns überhaupt erst zusammengebracht hat. was mich an deinem letzten Post aber wirklich kurz beschäftigt: du zitierst holli nochmal mit den "zwei Wochen Anfängerkram" - das hatten wir doch schon durch, also ich find das ist kein neuer Gedanke sondern eher so ein... Schlusswort das sich verkleidet als Frage. was ich aber tatsächlich nicht weiß und was mich interessiert: rennradrenate hat die ganze Diskussion jetzt gelesen. ob ihr das überhaupt weiterhilft oder ob wir uns hier nur selbst unterhalten haben. manchmal ist ein langer Thread mehr Protokoll als Antwort.

--
less is more ?

VorherigeSeite 3 von 4Nächste