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Neu hier, aus der Ecke Leipzig

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@n.feld der Geosmin-Hinweis ist interessant das kannte ich so nicht. Aber ich glaub du machst da gerade einen Sprung den ich nicht ganz mitgehe.

Zitat von n.feld

ob das dann noch als "Rote Beete essen" zählt

Ob das "zählt" - das klingt fast so als wär Rote Beete pur die einzig legitime Variante. Aber wir würden ja auch nicht sagen, dass Kaffee mit Milch "kein Kaffee ist" weil die Bitterstoffe abgepuffert werden. Das ist doch kein Argument gegen die Zubereitung. Was mich bei der genetischen Sache aber wirklich beschäftigt: wenn jemand Geosmin tatsächlich stärker wahrnimmt, dann hilft überdecken vielleicht kurzfristig, aber irgendwann kommt der Eigengeschmack trotzdem durch - je nachdem wie viel Rote Beete im Verhältnis zum Apfel ist. Das kenn ich von mir selbst, ich hab Phasen wo mich der Erdton einfach mehr stört als sonst, und ich hab keine Erklärung dafür. Ist es die Charge, bin ich müder, hab ich weniger Hunger... keine Ahnung. Vielleicht ist die eigentliche Frage gar nicht überdecken vs. überschreiben sondern - gewöhnt man sich mit der Zeit dran, oder bleibt das immer eine Aushandlung mit dem Gemüse. Ich esse das jetzt seit gut zwei Jahren regelmäßig und ich find es immer noch nicht so, dass ich drüber nachdenken muss. Aber ob das Gewöhnung ist oder ob mein Ausgangs-Empfinden einfach anders war, kann ich nicht sagen.

@leni_k Die Frage ob man sich dran gewöhnt ist interessanter als sie klingt, weil sie zwei Sachen vermischt. Sensorische Gewöhnung ist ein bekannter Effekt, Rezeptoren werden weniger sensitiv bei wiederholter Exposition. Das wäre eine Erklärung. Aber es gibt auch einfach kognitive Neubewertung - man findet das Erdeige nicht mehr störend weil man es inzwischen als "gehört dazu" eingeordnet hat. Ob das dann Gewöhnung ist oder nur ein anderer Umgang mit demselben Signal, lässt sich von innen heraus nicht unterscheiden.

Zitat von leni_k

ob mein Ausgangs-Empfinden einfach anders war

Das halte ich für den realistischeren Erklärungsansatz als Gewöhnung. Wer Geosmin von Anfang an weniger intensiv wahrnimmt, muss sich nicht gewöhnen. Wer es stark wahrnimmt, gewöhnt sich vermutlich auch nach zwei Jahren nicht vollständig - der überbrückt nur. Was mich dabei beschäftigt: deine Beobachtung mit den Phasen, wo der Erdton mehr stört, klingt nach schwankender Wahrnehmungsschwelle. Das wäre konsistent mit dem, was man über Ermüdung und Geschmacksempfindlichkeit weiß, also grob, dass Schlafmangel und Stress Wahrnehmungsschwellen verschieben. Meine Hausärztin hat das mal erwähnt im Kontext von Bitterwahrnehmung, nicht spezifisch für Rote Beete, aber das Prinzip gilt. Das würde bedeuten, dass "ich vertrags heute nicht so gut" manchmal tatsächlich Gemüse-unabhängig ist.

ey @n.feld jetzt wird mir grad selbst schwindelig bei dem Level an Detailgenauigkeit, ehrlich gesagt.

Zitat von n.feld

sensorische Gewöhnung ist ein bekannter Effekt, Rezeptoren werden weniger sensitiv

- ok das klingt schlüssig aber irgendwie auch so als würde man sein eigenes Gemüse auseinandernehmen statt es einfach zu essen, digga. was mich aber viel mehr interessiert ist das mit deiner Hausärztin und dem Schlafmangel. ich merk das selbst ständig - wenn ich ne scheiß Nacht hatte und dann morgens so nen Fitness-Smoothie mit Beete trinke, schmeckt das nach gar nix. andere Tage schmeckt mir das mega geil. ich dachte immer das liegt an der Qualität aber wenn das wirklich an meinem Schlafzustand liegt dann ist das ja wild. heißt das dann dass ich eigentlich gar nicht weiß ob mir das Zeug schmeckt oder nicht sondern nur wann ich fit genug bin um es zu schmecken? das wird mir gerade zu kopflastig ehrlich. ich kauf mir morgen einfach frische Beete vom Markt, nehme die mit zur Arbeit, und dann ess ich die wenn ich ausgeschlafen bin. wenn das Unterschied macht dann sag ich dir bescheid. aber dieses ganze Rezeptor-Ding lässt mich grad nicht los

--
weniger reden mehr heben

@derbasti

Zitat von derbasti

heißt das dann dass ich eigentlich gar nicht weiß ob mir das Zeug schmeckt oder nicht

das ist eigentlich die ehrlichste Frage die heute hier gestellt wurde, und ich glaub die Antwort ist: jain. du weißt schon ob dirs schmeckt, aber halt immer nur in diesem einen Moment. das gilt doch für fast alles was wir essen? ich find Kaffee manchmal zu bitter und manchmal perfekt - gleiche Bohne gleiche Maschine. was mich bei deinem Plan aber leicht nervt, ehrlich gesagt: "nehme die mit zur Arbeit wenn ich ausgeschlafen bin" - das klingt als wärst du auf der Suche nach dem idealen Testmoment. den gibt's nicht. du wirst nie wissen obs die Beete war oder dein Biorhythmus oder dass du grad Hunger hattest. ich hab das irgendwann aufgehört so zu denken und einfach gegessen. was ich aber noch nicht gesagt hab: bei mir hats auch damit zu tun, was ich davor gegessen hab. nach was Fettigem schmeck ich die Rote Beete ganz anders als auf nüchternen Magen vor dem Laufen. das ist vielleicht noch eine Variable die @n.feld in sein Herbst-Samstag-Testprotokoll einbauen kann 😄

@leni_k Das mit der Vormahlzeit als Variable ist tatsächlich nicht nichts. Fett puffert Geschmacksintensität ab, das ist physiologisch plausibel. Aber ich würde das nicht als weiteren Faktor ins Protokoll aufnehmen, sondern eher als Argument, das Protokoll ganz zu lassen.

Zitat von leni_k

den gibt's nicht

Das stimmt, und ich glaube, ich habe das bisher falsch gerahmt. Ich wollte einen sauberen Vergleich, aber was ich eigentlich will, ist eine Ersteinschätzung von frischer Ware. Das sind zwei verschiedene Ziele. Für letzteres reicht ein normaler Samstagsmorgen mit normalem Hunger. Was mich bei deinem Kaffee-Beispiel aber wirklich beschäftigt: du sagst gleiche Bohne, gleiche Maschine. Aber Kaffee hat eine relativ enge Geschmackspalette im Vergleich zu Geosmin, das je nach Charge und Anbaubedingungen erheblich variiert. Ich weiß nicht wie stark das bei Rote Beete aus derselben Region schwankt - konkret gesagt, ob zwei Knollen vom selben Marktstand wirklich vergleichbar sind oder ob da schon mehr Varianz drin ist als ich annehme. Das ist keine rhetorische Frage, ich weiß es tatsächlich nicht.

Zitat von leni_k

den gibt's nicht

ja das ist eigentlich das vernünftigste was hier heute gesagt wurde. und ich les das jetzt schon ne Weile mit. @n.feld ich sag dir mal was aus der Praxis. ich bin Elektriker, wenn ich ne Leitung messe dann mess ich sie - ich mach kein "Testprotokoll" für optimale Bedingungen. entweder liegt da Spannung an oder nicht. bei Gemüse ist das doch ähnlich. entweder schmeckts dir oder nicht. dieser ganze Aufwand mit Herbst-Samstag-Vergleich und Vormahlzeit-Variable und Geosmin-Hypothese - da muss ich lachen, ehrlich. was mich aber bei dem Markt-Varianz-Punkt wirklich beschäftigt: ich hab selbst schon erlebt dass zwei Knollen vom gleichen Stand komplett anders schmecken. eine süßer, eine erdiger. meine Frau meint das liegt am Boden, irgendwas mit Feuchtigkeit im Sommer. ob das stimmt weiß ich nicht. aber das zeigt halt - selbst wenn du den perfekten Testmoment hättest, sagt dir eine Knolle nix über die nächste. und das ist auch genau der Punkt warum ich Extrakte und Konzentrate für Quatsch halte. die tun so als wäre da irgendwas standardisiert und messbar. ist es aber nicht mal beim frischen Gemüse selbst.

@ms_77

Zitat von rennrad_rolf

frisch vom Markt roh gerieben ist das was anderes

- das deckt sich jetzt mit deiner Beobachtung, und ich finde das eigentlich interessanter als den ganzen Protokoll-Strang vorher. Der Elektriker-Vergleich ist nicht falsch, aber er hinkt an einer Stelle. Spannung liegt an oder nicht, das ist binär. Geschmack ist kein binäres Signal, und genau da ist der Unterschied. Ich will nicht den perfekten Testmoment, ich will nur nicht systematisch von schlechtem Ausgangsmaterial auf das Gemüse schließen. Das ist kein Protokoll, das ist Grundlogik. Was mich bei deiner Knollen-Varianz-Beobachtung aber wirklich beschäftigt: du sagst deine Frau vermutet Bodenfeuchtigkeit. Das klingt plausibel, weil Geosmin-Konzentration tatsächlich von Bodenmikrobiologie abhängt, das hab ich mal irgendwo gelesen, nicht nachgeprüft. Wenn das stimmt, dann ist nicht nur Charge zu Charge variabel, sondern möglicherweise auch innerhalb derselben Ernte je nach Lage im Beet. Das würde bedeuten, dass "frisch vom Markt" kein einheitlicheres Produkt ist als vakuumverpackt, nur ein anderes Spektrum der Varianz. Und dann ist die Frage, was man mit dieser Erkenntnis macht. Wahrscheinlich: nichts. Einfach kaufen, essen, schauen obs passt.

Kleines Update von mir, nachdem ich den Thread hier grad gelesen hab. Ich muss ehrlich sagen, das mit @n.feld und seinen ganzen Überlegungen zum Testprotokoll - da fühle ich mich grad ein bisschen angefressene. Nicht auf ihn persönlich, aber auf diese ganze Art zu denken. @n.feld, du fragst ob zwei Knollen vom gleichen Marktstand vergleichbar sind und ob da Varianz drin ist. Natürlich ist da Varianz drin das ist Naturprodukt! Aber weißt du was - ich habe das alles schon durch. Ich bin früher Buchhalterin gewesen, ich kenne Präzision und Messbarkeit. Und genau deshalb kann ich dir sagen: bei der Roten Beete funktioniert das nicht so. Der Hausarzt hat mir nicht gesagt "iss exakt 150 Gramm mit nachgewiesener Geosmin-Konzentration von unter 10 Mikrogramm", der hat mir gesagt, iss mehr davon, weil es dem Blutdruck hilft. Punkt. Was mich bei deiner ganzen Logik wirklich beschäftigt ist - du redest über Varianz und Testbedingungen, aber du hast noch gar nicht selbst frische Beete vom Markt gegessen! Du kennst das Gemüse ja noch gar nicht wirklich. Und dann schreibst du, dass man einfach kaufen und essen und schauen soll ob es passt - das ist genau das, was ich dir von Anfang an gesagt habe. Nur dass du hundert Umwege gemacht hast um dahin zu kommen. Mein Garten läuft grad super dieses Jahr, und ehrlich gesagt bin ich da auch erleichtert wenn jemand nicht alles wissenschaftlich zerlegen muss, sondern einfach isst.

@elvira_k ich versteh die Ungeduld, ehrlich gesagt, aber ich find den Punkt den du machst ein bisschen ungerecht. n.feld hat doch am Ende genau das gesagt - einfach kaufen und essen. Dass er da Umwege gemacht hat ist doch kein Problem, manche Leute denken halt so. Was mich mehr beschäftigt ist was du schreibst über deinen Hausarzt.

Zitat von elvira_k

iss mehr davon weil es dem Blutdruck hilft

- das klingt so simpel, aber ich frag mich wie viel mehr da wirklich hintersteckt. Ich hab das mal in einem Podcast gehört, da ging es um die Nitrat-zu-Nitrit-Umwandlung und dass die Menge die man essen müsste um wirklich was am Blutdruck zu bewirken, ziemlich hoch ist. Nicht unmöglich, aber mehr als "ein bisschen öfter". Ich trink ja Konzentrat wegen dem Laufen, das ist was anderes weil da die Konzentration höher ist - aber ob frische Knolle vom Garten denselben Effekt hat, das weiß ich ehrlich gesagt nicht. Und das ist auch der Punkt wo ich n.feld eigentlich recht geben würde - nicht bei dem ganzen Testprotokoll-Kram, das war zu viel - aber bei dem Impuls, es nicht einfach als gegeben hinzunehmen. Mein Hausarzt sagt mir auch Sachen die ich dann nochmal google, das ist ja kein Misstrauen sondern einfach Interesse.

@jana_w

Zitat von jana_w

das ist ja kein Misstrauen sondern einfach Interesse

ja okay das klingt vernünftig. aber dann ist das halt der Punkt wo ich aussteige. weil wenn ich anfange jeden Arzt-Rat erstmal zu googeln und dann noch Podcast-Fragmente draufzulegen, dann hör ich auf dem Weg irgendwo bei Nitrat-Kapseln für 40 Euro auf und denk mir ich mach das jetzt wissenschaftlich. so läufts doch meistens. was mich bei dem Konzentrat-Argument wirklich beschäftigt: du sagst da ist die Konzentration höher. aber woher weiß der Hersteller das eigentlich. ich mein konkret - wer hat die Charge gemessen, wann, bei welcher Knolle. wenn schon zwei Knollen vom gleichen Stand unterschiedlich schmecken, wie standardisiert ist dann bitte das Konzentrat. das steht halt irgendne Zahl auf der Flasche und die Leute glaubens einfach. ich frag meinen Kunden auch nicht "vertraust du mir dass die Sicherung hält" - ich zeig ihm die Messwerte. aber bei Supplements kaufen die Leute die Verpackung. das ist das was mich daran aufregt. @elvira_k und ihr mit dem Garten - das ist mir eigentlich sympathisch, ehrlich. einfach anbauen und essen. das ist wenigstens konkret.

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