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Natürliche Ernährung reicht doch - oder warum kaufen wir trotzdem Kapseln?

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Zitat von markus_b82

HRV als Morgen-Messung

Das hab ich mal kurz angeguckt vor ein paar Monaten, als jemand im Radclub davon geredet hat. Dann hab ich gelesen dass man die HRV-Werte morgens direkt nach dem Aufwachen messen soll, immer zur selben Zeit, liegend. Und da war für mich schon Schluss mit der Idee. Frühschicht heißt Wecker um 4:30, Spätschicht um 9:00 - das ist kein "morgens zur selben Zeit". Der Wert wäre von Tag zu Tag so unterschiedlich dass ich nicht mal wüsste ob ich die Schichtvarianz messe oder meinen Körper. Was mich an deinem Protokoll-Ansatz aber wirklich reizt ist der Dienstags-Punkt. Nicht weil Dienstag irgendwas besonderes ist, sondern weil du sagst "immer der gleiche Wochentag, immer das gleiche Warmup". Das hätte ich als Schichtler eigentlich auf meine freien Tage übertragen können - ich hab fast immer mittwochs frei, egal welche Schicht. Da hätte ich ein Fenster das ich nie genutzt hab. Ich schau gerade aus dem Fenster und denk - grauer Samstag, typisch Ruhrpott, aber egal. Das ist so ein Moment wo man merkt dass man sich die falschen Gedanken gemacht hat. Nicht "Kapsel oder Rote Beete" sondern überhaupt erstmal verstehen was da passiert. @markus_b82 hast du bei deinen Intervallen irgendwann das Gefühl gehabt dass du zu viel misst und zu wenig fährst? Ich frag weil ich das von mir kenne

@rote_socke_83

Zitat von rote_socke_83

hast du bei deinen Intervallen irgendwann das Gefühl gehabt dass du zu viel misst und zu wenig fährst

Ja, und das war tatsächlich eine Phase die ich irgendwann bewusst abgebrochen hab. Ich hatte eine Tabelle die ich nach jeder Einheit gepflegt hab - Schlafstunden, Ruhepuls, gefühlte Anstrengung, Wetter, was ich vorher gegessen hatte. Irgendwann hab ich gemerkt dass ich nach der Einheit länger an der Tabelle gesessen bin als das Warmup gedauert hat. Das ist dann kein Messwerkzeug mehr, das ist Prokrastination mit guten Vorsätzen. Was mir geholfen hat war eine harte Reduktion: drei Werte, nicht mehr. HF-Median im letzten Intervall-Block, subjektive Belastung auf einer Skala von 1-5, und ob ich geschlafen hab oder nicht. Alles andere hab ich gestrichen. Der Erkenntnisgewinn war nicht schlechter, aber der Aufwand ist auf unter zwei Minuten gesunken. Dein Mittwochs-Fenster klingt eigentlich nach genau dem was du brauchst, vorausgesetzt du nimmst dir vor es wirklich gleich zu halten - selbes Warmup, selbe Streckenlänge, selbe Startzeit wenn irgendwie möglich. Nicht perfekt, aber konsistent genug dass du nach acht bis zehn Mittwochs wenigstens eine Tendenz siehst. Was ich nicht weiß: ob dein Körper nach Früh- vs. Spätschicht-Woche so unterschiedlich reagiert dass selbst der Mittwoch zu viel Varianz reinbringt. Das wäre eigentlich das erste was ich schauen würde - nicht Nitrat-Timing, sondern ob der Mittwoch nach Frühschicht-Woche reproduzierbar anders aussieht als nach Spätschicht-Woche. Wenn ja, hast du schon was gelernt ohne eine einzige Kapsel.

@markus_b82 und @rote_socke_83 ich lese das jetzt schon eine Weile mit und hab mich bisher rausgehalten weil der Thread schon gut läuft - aber der letzte Punkt von markus_b82 ist genau das was ich beruflich immer wieder sehe und selten so klar formuliert höre.

Zitat von markus_b82

ob der Mittwoch nach Frühschicht-Woche reproduzierbar anders aussieht als nach Spätschicht-Woche

Das ist eigentlich kein Trainings-Protokoll-Problem, das ist ein Erholungsschuld-Problem. Und da muss ich aus meiner Erfahrung sagen: Schichtarbeiter akkumulieren oft eine Art "Baseline-Fatigue" die sich nicht von Woche zu Woche auflöst, auch wenn der einzelne Mittwoch frei ist. Das heißt dein Mittwochsmesswert ist vielleicht nicht "Mittwoch nach Spätschicht", sondern "Mittwoch nach drei Monaten unregelmäßigem Schlaf mit einer Spätschicht-Woche obendrauf". Der Schichteffekt ist nicht nur akut. Was mich dabei konkret beschäftigt, rote_socke_83: hast du eigentlich einen Eindruck wie deine Ruheherzfrequenz in langen Frühschicht-Phasen versus langen Spätschicht-Phasen aussieht? Nicht morgens gemessen, einfach abends auf der Couch, Garmin draufschauen. Grob, unstrukturiert. Das wäre kein Protokoll, das wäre ein erster Fingerzeig ob da überhaupt ein Signal ist das sich lohnt weiter zu verfolgen. Weil wenn da schon kein Unterschied sichtbar ist, kann man das Nitrat-Timing-Thema für die nächsten Wochen erstmal komplett in die Schublade legen.

@markus_hh88 der Punkt mit der akkumulierten Baseline-Fatigue ist interessant - hast du da eine Quelle für, ich mein konkret für Schichtarbeiter im Ausdauerkontext? Nicht weil ich es anzweifle, aber "Erholungsschuld über Monate" klingt erstmal plausibel und ich hab das trotzdem noch nie in einer Studie gesehen die das für Freizeitsportler mit Schichtarbeit operationalisiert hat. Was mich an deinem Hinweis aber wirklich beschäftigt ist diese Implikation: wenn die Baseline-Fatigue nicht wöchentlich zurückgesetzt wird, dann ist der Mittwoch nicht nur durch die letzte Schicht-Woche geprägt, sondern durch eine Art Langzeit-Zustand der sich aufbaut. Das würde bedeuten dass selbst ein stabiles Messprotokoll immer auf einem gleitenden Untergrund misst. Das ist methodisch ziemlich unangenehm. Was mich dazu bringt zu fragen ob der "Abends auf der Couch Ruhepuls checken"-Ansatz den du @rote_socke_83 vorschlägst da wirklich was liefert. Abends ist der Ruhepuls schon durch den Tagesverlauf gefärbt - Stress, Koffein, ob man zu Mittag was Schweres gegessen hat. Morgens ist er reproduzierbarer, auch wenn die Uhrzeit variiert. Ich würd sagen: lieber morgens mit variabler Uhrzeit als abends mit konstanter Uhrzeit, weil die Schlafqualität als Variable trotzdem drin ist und das ist vermutlich der interessantere Wert wenn man Schichteffekte sucht. Aber ich merke gerade dass wir uns vom ursprünglichen Thema ziemlich weit entfernt haben - was nicht schlecht ist, aber ob da noch jemand folgt der mit "Kapsel oder Rote Beete" reingekommen ist

Zitat von markus_b82

ob da noch jemand folgt der mit "Kapsel oder Rote Beete" reingekommen ist

Ich bin noch da - und ich bin genau der, der mit Kapsel oder Rote Beete reingekommen ist. Und ich sitz gerade hier und merk dass ich den Faden nicht verloren hab, sondern dass der Faden einfach woanders hingeführt hat als gedacht. @markus_hh88 dein Baseline-Fatigue-Punkt sitzt. Nicht weil ich ihn belegen kann sondern weil er sich wahr anfühlt. Ich kenn das Gefühl nach einer langen Spätschichtphase - da ist nicht nur "ich bin heute müde", da ist was anderes. Schwerer. Und das geht nicht weg nach einem Ruhetag. Das weiß ich aus dem Bauch raus seit Jahren, ich hab's nur nie mit Training in Verbindung gebracht. Was mich aber gerade trifft ist das mit der abends Ruhepuls-Idee. Ich schau tatsächlich manchmal abends auf die Uhr, weil meine Frau das auch macht - sie ist Läuferin, die ist da konsequenter als ich. Ich hab die Werte aber nie gespeichert, nie verglichen. Einfach draufgeschaut, kurz gedacht "ok" und weitergezappt. Das ist dann eigentlich die billigste Methode die ich hätte nutzen können und ich hab sie systematisch ignoriert. Ich kann so nicht unterschreiben dass morgens mit variabler Uhrzeit besser ist als abends - nicht für mich jedenfalls. Nach Frühschicht bin ich um 4:45 auf und der Körper ist schlicht noch nicht da. Was der Puls da zeigt sagt mir glaub ich mehr über den Wecker als über mich.

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