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Konzentrat selbst herstellen - lohnt sich das oder ist es Fummelei?

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ich hab mich die letzten Wochen ein bisschen damit beschäftigt ob man das Rote-Beete-Konzentrat nicht einfach selbst machen kann. Hintergrund ist halt dass mir die fertigen Produkte aus dem Bioladen auf Dauer zu teuer sind, und das Betanio PLUS-Zeug erst recht - da schau ich auf die Zutatenliste und denk mir, da steck ich lieber den Aufwand rein. Also hab ich das letzte Wochenende mal einen Versuch gestartet. Rote Beete frisch gekauft, entsaftet mit meinem alten Entsafter den ich sonst kaum benutze, dann den Saft eingekocht auf dem Herd. Klingt simpel. War es net. Erstens hat das ewig gedauert bis der Saft wirklich konzentriert war zweitens ist mir die Küche danach ausgschaut wie nach einem Unfall - das kennt ihr ja. Und drittens bin ich mir net sicher ob das Einkochen nicht genau die Stoffe kaputtmacht die ich eigentlich will. Nitrate oder was auch immer da drin ist. Meine Hausärztin hat da auch keine klare Antwort gegeben, sie meint nur "zu viel Hitze ist immer problematisch bei sowas". ich hab das dann ein paar Tage lang morgens genommen, kleines Schnapsglas voll - und muss sagen der Eigengeschmack ist nochmal intensiver als beim gekauften Konzentrat. Fast schon unangenehm erdig. Der Fertigkram ist da irgendwie glattgebügelter. Meine Frage an euch: hat das wirklich jemand dauerhaft so gemacht, also selbst eingekocht und regelmäßig genutzt? Und wie habt ihr das mit der Hitzefrage gelöst? Ich les da widersprüchliches. Manche sagen kalt lassen, manche sagen Einkochen ist kein Problem. Ich will da net einfach irgendwas aus dem Internet übernehmen sondern hören ob jemand hier das wirklich praktisch ausprobiert hat.

@rennradhorst die Hitzefrage interessiert mich ehrlich gesagt auch, aber ich frag mich grad ob das überhaupt der entscheidende Punkt ist. Wenn du den Saft erst entsaftest und dann einkochst, verlierst du doch schon beim Entsaften was. Der Druck, die Hitze vom Motor, die Oxidation danach. Das passiert beim Fertigkonzentrat genauso, nur halt industriell und mit mehr Kontrolle. Was mich bei deiner Beschreibung mehr trifft ist das mit dem Aufwand. Küche wie nach einem Unfall - ja, das kenn ich. Ich hab mal Holzlasur angemischt und gedacht ich mach das kurz in der Küche weil draußen Regen war. Gleiche Geschichte. Manche Sachen gehören halt nicht ins Haus. Aber zurück: du sagst der Eigengeschmack beim selbst Eingekochten ist intensiver. Ich frag mich ob das nicht einfach bedeutet dass da mehr drin ist - also auch mehr von dem was du willst. Oder mehr von dem was du nicht willst. Weiß man halt net so genau. Ich hätte ehrlich gesagt schon beim ersten Schritt aufgehört. Nicht weil mir der Aufwand zu groß ist - ich bin Schreiner, ich kenn Arbeit - sondern weil ich dann trotzdem nicht weiß was am Ende wirklich drin ist. Beim gekauften Konzentrat hab ich wenigstens die Nährwerttabelle. Ob die stimmt ist eine andere Frage, aber zumindest steht was drauf. Ob jemand das wirklich dauerhaft so macht würd mich auch interessieren. Ich hab da so mein Zweifel.

@rennradbernd der Punkt mit der Nährwerttabelle - da hast du nicht Unrecht. Ich kenn das aus der Logistik da heißt es auch: was nicht dokumentiert ist, existiert nicht. Beim selbst Einkochen hast du halt null Referenz. Du weißt nicht mal ob die Charge letzte Woche genauso war wie diese Woche, weil die Rüben selbst schon unterschiedlich sind je nach Ernte.

Zitat von rennradbernd

mehr drin ist - also auch mehr von dem was du willst. Oder mehr von dem was du nicht willst

Genau das ist der Haken. Intensiverer Geschmack heißt nicht automatisch mehr Nitrat. Das kann auch einfach mehr Erdgeschmack sein mehr Gerbstoffe, was auch immer. Man hat keinen blassen Schimmer was man da wirklich konzentriert hat. Was mich bei @rennradhorst beschäftigt ist eigentlich was anderes. Wenn der Aufwand so hoch ist und man am Ende trotzdem unsicher ist ob das überhaupt wirkt - warum dann nicht einfach mehr Rote Beete essen? Also wirklich essen, nicht pressen, nicht einkochen. Die Rüben selbst sind ja billig, gegart oder roh geraspelt. Klar ist das kein Konzentrat aber wenn man eh schon zweifelt ob Einkochen die Stoffe kaputtmacht, ist Essen doch die logischere Alternative. Ich hab das mal ne Weile so gemacht, einfach abends zur Pasta dazu, und der Aufwand ist quasi null. Ob das dann "genauso wirkt" - ka. Aber zumindest weiß ich was ich esse.

@rote_socke_83 der Punkt mit dem Essen statt Pressen - das hab ich mir heute abend auch kurz durch den Kopf gehen lassen. Ist eigentlich naheliegend. Aber ich merk dass ich da irgendwie einen Haken hab: wenn ich Rote Beete einfach esse, glaub ich dem Ganzen irgendwie weniger. Was natürlich blödsinnig ist, ich weiß. Die Rübe ist die Rübe egal ob ich sie kau oder press. Vielleicht ist das schon ein bisschen die Konzentrat-Logik die man sich eingeredet hat - dass "konzentriert" automatisch "wirksamer" bedeutet. Ob das stimmt, ka. Was mich aber bei deiner Idee wirklich stört: ich krieg Rote Beete als Beilage halt schlecht täglich durch. Meine Frau mag das net besonders und wenn ich das jeden Abend auf den Tisch stelle ist Stimmung. Das klingt banal aber das ist halt Alltag. Mit dem kleinen Schnapsglas morgens vor der Arbeit hat sie kein Problem weil sie's net sieht. Das mit den unterschiedlichen Chargen - das trifft eigentlich den wunden Punkt bei meinem Selbstversuch. Ich hab zwei Mal eingekocht mit Rüben vom selben Marktstand und die zweite Charge hat ganz anders geschmeckt. Erdiger, bitterer. Ob die Rüben anders waren oder ich anders eingekocht hab - keine Ahnung. Da hat man bei einer Flasche aus dem Laden wenigstens ein gleichbleibendes Produkt, auch wenn man net weiß obs wirklich was taugt.

@rennradhorst das mit der Frau und dem Schnapsglas - ich lach gerade, ehrlich gesagt, weil ich das so gut kenne. Ich hab meinem Freund auch irgendwann einfach nicht mehr erzählt was ich morgens trinke, weil die Diskussion sich nicht lohnt. Aber was mich bei deinem Post wirklich beschäftigt ist dieser Satz:

Zitat von rennradhorstwenn ich Rote Beete einfach esse, glaub ich dem Ganzen irgendwie weniger

das ist so ehrlich und ich glaub das ist der eigentliche Kern von diesem ganzen Konzentrat-Ding. Das Ritual macht was mit einem. Das kleine Schnapsglas morgens ist halt eine Handlung, ein Signal an sich selbst - das hat psychologisch einfach mehr Gewicht als eine Beilage die man nebenbei kaut. Ich mein, ob das dann "besser wirkt", keine Ahnung. Aber ich würde den Ritual-Aspekt nicht komplett wegrubbeln. Das ist kein Placebo-Vorwurf, das ist einfach wie Menschen funktionieren. Was mich bei deiner Hitzefrage übrigens noch beschäftigt - ich hab mal in einem Podcast gehört, ich glaub das war Holistic Performance oder sowas ähnliches, dass Nitrate hitzeempfindlicher sind als lange gedacht, aber nicht unbedingt bei kurzer Kochzeit. Das Problem beim Einkochen ist halt dass man stundenlang reduziert. Wie lange hast du das eigentlich auf dem Herd gelassen? Das würde mich interessieren, weil das vielleicht erklärt warum die zweite Charge so anders war. Edit: kleine Präzisierung bei der Nitrat-Sache - wollte nicht so absolut klingen.

@jana_w das mit dem Ritual - ich versteh was du meinst, und ich find den Gedanken auch nicht verkehrt. Aber ich trenn das lieber sauber: wenn das Ritual der eigentliche Effekt ist, dann kann ich mir auch ein Glas Wasser morgens einschenken und dabei tief durchatmen. Billiger und wahrscheinlich genauso wirksam. Was mich bei deinem Podcast-Hinweis mehr interessiert ist die Kochzeit. Wenn @rennradhorst wirklich stundenlang reduziert hat - das ist halt kein schnelles Aufkochen, das ist Dauerhitze. Ich würde tippen dass da tatsächlich einiges kaputt geht, aber ich kann das nicht belegen, das ist nur Bauchgefühl. Meine Hausärztin hat mir mal bei nem anderen Thema gesagt "je länger und heißer, desto weniger bleibt von empfindlichen Verbindungen" - das war zwar nicht über Rote Beete, aber der Gedanke passt. Was mich jetzt aber wirklich beschäftigt: keiner von uns weiß ob die fertigen Konzentrate das Problem überhaupt gelöst haben. Die werden auch erhitzt beim Herstellungsprozess, das steht nirgendwo groß drauf. Betanio PLUS zum Beispiel - ich hab die noch ich kann die Zutatenliste auswendig, aber über den Prozess steht da null. "Aus Rote-Beete-Saft konzentriert." Ja super, danke, sehr aufschlussreich. Ehrlich gesagt frag ich mich ob das überhaupt entscheidbar ist ohne Labortest. Und wer macht den?

@rote_socke_83 das mit dem Labortest - ja, das ist halt die Frage die hinten raus immer stehen bleibt und die niemand wirklich auflöst. Aber ich frag mich ob das der falsche Anspruch ist. Ich mein, ich schick auch keine Probe meiner Haferflocken ins Labor um zu wissen ob die Betaglucane noch intakt sind. Zitat von rote_socke_83wenn das Ritual der eigentliche Effekt ist, dann kann ich mir auch ein Glas Wasser morgens einschenken

das stimmt theoretisch, aber ich glaub du unterschätzt was Konsistenz macht. Das Wasser-Ritual funktioniert halt nur wenn ich dem Wasser irgendwas zuschreibe. Und das tu ich nicht weil ich keinen Grund hab. Das ist kein Selbstbetrug, das ist einfach wie Motivation für Gewohnheiten funktioniert - hab ich irgendwo mal gelesen, ich glaub es war in nem Ernährungspsychologie-Beitrag, aber ich find die Quelle grad nicht mehr. Was mich bei der ganzen Konzentrat-Herstellungs-Frage eigentlich noch beschäftigt: Betanio PLUS wirbt irgendwo auf der Verpackung mit "schonend verarbeitet", ohne das irgendwie zu definieren. Ich hab das nie weiter hinterfragt, ehrlich gesagt. Jetzt wo ihr das so aufmacht - schonend im Vergleich zu was genau? Zu @rennradhorst der stundenlang einkocht? Das ist eine niedrige Latte. Vielleicht ist die eigentlich relevante Frage nicht ob selbst machen besser ist, sondern ob irgendjemand beim gekauften Produkt überhaupt Transparenz einfordert. Und die Antwort ist offensichtlich nein, weil wir alle einfach kaufen. Edit: Kleine Korrektur - mit "schonend verarbeitet" ist wahrscheinlich gemeint, dass die Temperatur beim Konzentrieren niedriger liegt als bei klassischen Verfahren. Aber genau das ist ja das Problem: ohne konkrete Angaben bleibt es Marketing-Sprech.

@jana_w

Zitat von jana_w

weil wir alle einfach kaufen

Das trifft eigentlich. Aber ich frag mich ob das wirklich das Problem ist. Ich kauf auch Olivenöl ohne zu wissen ob kaltgepresst auf der Flasche irgendwas bedeutet das kontrolliert wird. Irgendwann hört man auf zu fragen weil die Antwort eh nicht kommt. Was mich an deinem letzten Punkt aber mehr beschäftigt: "schonend verarbeitet" ist halt eine Marketing-Formulierung die rechtlich nichts bedeutet. Das ist mir zu vage. Ich hab das bei Betanio PLUS auch nie weiter angefasst, aber wenn ich das jetzt so lese - das ist eigentlich genau die Art Formulierung die ich aus der Logistik kenne wenn jemand nicht sagen will wie etwas wirklich läuft. "Prozessoptimiert" "qualitätsorientiert". Sagt alles und nichts. Die eigentliche Frage die ich gerade hab: gibt es überhaupt ein Konzentrat-Produkt das irgendwo offen dokumentiert bei welcher Temperatur und wie lange verarbeitet wurde? Ich hab da noch keins gesehen. Vielleicht weil die Antwort ungemütlich wäre. Kalt draußen heute, ich sitz grad mit nem Kaffee und denk mir dass das alles irgendwie symptomatisch ist für Lebensmittelkennzeichnung allgemein. Steht viel drauf, steht wenig drin.

@rote_socke_83 das mit dem Olivenöl trifft mich gerade mehr als ich wollte, ehrlich gesagt. Ich kauf das auch einfach, kaltgepresst steht drauf, ich nick und leg es in den Korb. Das ist halt Alltag. Aber bei Lebensmitteln die ich aktiv als "Supplement" nehme, also mit der Intention dass die was tun sollen, fühlt sich das anders an. Obwohl es das vielleicht nicht ist. Was ich gerade noch denk - und das ist vielleicht ein neuer Winkel hier - selbst wenn irgendein Hersteller die Verarbeitungstemperatur offen dokumentieren würde, könnten wir damit dann wirklich was anfangen? Ich mein, ich weiß nicht ab wann Nitrate in Rote Beete konkret abbauen. 60 Grad? 80? Keine Ahnung. Das Wissen fehlt mir um die Angabe zu bewerten. Ich hätte eine Zahl und könnte trotzdem nichts damit machen. Das ist ein bisschen frustrierend wenn ich das so auftipp.

Zitat von rote_socke_83

gibt es überhaupt ein Konzentrat-Produkt das irgendwo offen dokumentiert

ich hab das gerade kurz gegoogelt - nix gefunden, zumindest nicht in zwei Minuten. Was ich interessant find: manche Hersteller verlinken auf irgendwelche Uni-Studien wo ihr Produkt getestet wurde, aber das ist ja nicht das gleiche wie Prozess-Transparenz. Das eine ist Marketing-Rückendeckung, das andere wäre wirklich Offenlegung. Und ich glaub die meisten verwechseln das.

@jana_w das mit der Zahl die man nicht einordnen kann - das kenn ich. Ich hab letztens beim Kundengespräch auch so einen Moment gehabt, da hat mir jemand einen Messwert hingehalten und gefragt ob das gut oder schlecht ist. Ohne Referenzwert sagt dir die Zahl halt nix. Gleiche Sache. Aber was mich bei eurem ganzen Hin und Her zwischen Ritual und Wirkung und Transparenz grad beschäftigt: irgendwie reden wir alle so als ob die Antwort irgendwo da draußen liegen würde und man sie nur finden müsste. Ich glaub die liegt da net. Ich hab nach meinem Selbstversuch keine Antwort - ich hab einfach entschieden dass mir der Aufwand zu groß ist und das fertige Konzentrat für mich praktikabler ist. Net weil ich weiß dass da mehr Nitrat drin ist. Sondern weil ich's durchhalte.

Zitat von jana_w

selbst wenn irgendein Hersteller die Verarbeitungstemperatur offen dokumentieren würde

ich glaub ehrlich gesagt auch nicht dass das käme, selbst wenn wir alle laut fragen würden. Die Kennzeichnungspflicht bei Lebensmitteln hat so viele Lücken dass man da jahrelang drüber streiten kann. Das ist net Böswilligkeit das ist einfach wie Lebensmittelrecht in der EU halt funktioniert - viel Formales, wenig Substanzielles bei sowas. Was mich aber noch interessieren würd: hat jemand von euch mal direkt beim Hersteller nachgefragt? Ich hab das bei Betanio PLUS nie gemacht, aber ich überleg grad ob das überhaupt eine sinnvolle Antwort bringen würde oder nur Marketing-Blabla zurückkommt.

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