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Konzentrat aus dem Bioladen vs. günstiger Supermarkt – lohnt sich der Preisunterschied?

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mir ist heute beim Einkaufen aufgefallen dass zwischen dem Rote-Beete-Konzentrat aus dem Bioladen und dem was bei Rewe im Regal steht ein Preisunterschied von fast dem Doppelten liegt. Ich hab beide Flaschen kurz nebeneinander gehalten und die Zutatenliste verglichen - und wenn ich ehrlich bin, da steht bei beiden eigentlich dasselbe drauf. Rote Beete, Konzentrat, vielleicht noch Zitronensaft oder sowas. Fertig. Jetzt frag ich mich schon ob das Marketing ist oder ob da wirklich ein Unterschied steckt. Bio-Anbau, klar, das versteh ich noch. Aber ob das bei einem Konzentrat das mehrfach erhitzt und eingedickt wird am Ende noch groß eine Rolle spielt - da bin ich net so sicher. Meine Frau sagt ich soll nicht immer alles so kleinlich sehen aber ich bau halt auch keine Elektroanlage ohne zu wissen was welches Kabel kann. Was mich außerdem interessiert: ob die Nitratmenge da irgendwie unterschiedlich ist. Das ist ja eigentlich der Punkt warum man das überhaupt trinkt, zumindest für mich. Wenn das im günstigen Produkt genauso drin ist, seh ich keinen Grund 12 Euro statt 6 zu zahlen. Ich hab mal in einem Podcast gehört dass die Nitratkonzentration stark von der Sorte und den Anbaubedingungen abhängt, aber auf der Packung steht da natürlich nix drüber. Hat hier jemand das schon verglichen oder irgendwo Infos gefunden wo man sieht was tatsächlich drin ist? Ich will halt net einfach blind dem teureren Produkt hinterherlaufen nur weil die Flasche schöner aussieht.

@rennradhorst das mit dem Podcast-Hinweis zu Sorte und Anbaubedingungen ist der Punkt der mich am meisten interessiert. Weil wenn das stimmt, dann ist die Bio-Frage fast egal. Dann wäre entscheidend welche Rübensorte drin ist und auf welchem Boden die gewachsen ist - und das steht auf keiner Packung drauf, egal ob Bioladen oder Rewe. Ich hab das mal mit Holz verglichen. Eiche ist nicht gleich Eiche. Zwei Bretter gleiches Holz eine aus Frankreich eine aus Polen, können sich komplett anders verhalten. Und auf dem Baumarkt-Etikett steht auch nur "Massivholz Eiche". Das bringt nix wenn du wissen willst was du wirklich kaufst. Beim Konzentrat ist das vermutlich genauso. Die können beide "Rote Beete Konzentrat" draufschreiben und trotzdem ist der Nitratgehalt völlig verschieden. Ohne Labortest kriegst du das nicht raus. Ich bin ehrlich gesagt skeptisch ob der Bioladen-Aufpreis da irgendwas garantiert. Die haben auch kein Nitrat-Messgerät an der Kasse. Die zahlen mehr für den Anbau, klar, aber ob das im Endprodukt messbar ankommt - keine Ahnung. Ich würd nicht mal wissen wie ich das prüfen soll ohne selbst was einzuschicken. Und das ist mir dann doch zu viel Aufwand für einen Saft den ich eh nur gelegentlich runterkippe.

@rennradbernd der Holz-Vergleich trifft es eigentlich ganz gut. Ich würd noch weitergehen: du kaufst auch kein Motoröl nur weil "5W-40" draufsteht und hoffst das Beste. Wenn du weißt dass das Öl für einen bestimmten Motor sein muss guckst du genauer hin. Aber hier fehlt uns halt das Äquivalent zum Datenblatt. Und das ist das eigentliche Problem.

Zitat von rennradbernd

Ohne Labortest kriegst du das nicht raus

Das stimmt, aber mich würde interessieren ob überhaupt irgendjemand sowas mal gemacht hat - also nicht ein Hersteller der seine eigenen Zahlen rauswirft, sondern irgendeine neutrale Stelle. Stiftung Warentest oder so. Ich hab da spontan nix im Kopf, aber die testen ja manchmal Sachen wo man nicht damit rechnet. Was mich bei dem Thema noch beschäftigt: die meisten Leute die auf Bio-Aufpreis bestehen, machen das aus einem Bauchgefühl raus. Ich kann das verstehen, ich mach das bei manchen Sachen selbst so. Aber bei einem Konzentrat das am Ende eh durch mehrere Verarbeitungsschritte läuft, frag ich mich ob das Bauchgefühl hier überhaupt was trägt. Das ist nicht böse gemeint gegenüber Bio-Käufern, ich kauf selbst manchmal im Bioladen. Nur - bei diesem spezifischen Produkt hab ich das Gefühl dass beide Seiten im Dunkeln stochern. Einer zahlt mehr, einer weniger, aber keiner weiß wirklich was er kriegt.

Zitat von rote_socke_83

ob überhaupt irgendjemand sowas mal gemacht hat

@rote_socke_83 Stiftung Warentest hab ich auch kurz im Kopf gehabt, aber ich glaub die haben das nie wirklich auf Nitratgehalt hin verglichen. Die testen eher auf Pestizide, Schwermetalle, sowas. Was tatsächlich drin ist in Sachen Wirkstoff - das interessiert die scheinbar weniger. Was mich aber gerade mehr beschäftigt ist die Frage ob wir hier überhaupt über das richtige Problem reden. Bio gegen Nicht-Bio, Preis, Nitrat - alles schön. Aber wenn ich mir vorstell dass zwei Chargen desselben Herstellers je nach Erntejahr komplett unterschiedliche Werte haben können, dann ist der Preisvergleich zwischen Bioladen und Rewe fast schon nebensächlich. Du kaufst im Januar ein anderes Produkt als im August, auch wenn die Flasche gleich aussieht. Das kenn ich vom Holz her. Trockenes Sommerschnitt-Holz verhält sich anders als Winterholz, gleiche Sorte, gleicher Baum fast. Da rechnet man auch nicht einfach mit einem Pauschalwert. Aber beim Saft macht das irgendwie keiner. Ich glaub ehrlich gesagt dass die meisten die sowas kaufen egal welches Regal, das vor allem aus dem Gefühl raus machen dass sie was "Gesundes" tun. Und dann passt das Bioladen-Etikett halt besser zu dem Bild. Das ist net falsch, is halt so. Aber Nitrat-Optimierung ist das nicht.

@rennradbernd der Punkt mit dem Erntejahr trifft mich ehrlich gesagt mehr als ich dachte. Ich hab das bei meinem Betanio PLUS nie so bedacht. Ich kauf immer dieselbe Flasche geh davon aus dass da dasselbe drin ist wie letzten Monat - aber woher weiß ich das eigentlich?

Zitat von rennradbernd

die meisten die sowas kaufen machen das vor allem aus dem Gefühl raus

Kann ich so nicht unterschreiben zumindest nicht für mich. Ich bin da reingekommen weil ich beim Training wirklich was gespürt hab - mehr Luft auf den letzten Kilometern. Ob das Nitrat war oder Placebo oder der neue Sattel, keine Ahnung. Aber das Bauchgefühl allein wärs bei dem Preis nicht gewesen. Was mich jetzt aber beschäftigt: wenn die Charge-zu-Charge-Schwankungen so real sind wie du sagst, dann ist die ganze Diskussion über Bio vs. Rewe tatsächlich fast schon akademisch. Dann müsste man eigentlich fragen ob Hersteller überhaupt auf gleichbleibende Nitratwerte standardisieren - und wenn ja, wie. Ich hab da keine Ahnung ob das technisch überhaupt geht ohne die Rohware stark zu mischen oder anderweitig einzugreifen. Das wäre eigentlich die Frage die man mal einem Hersteller direkt stellen müsste. Nicht "ist das bio", sondern: habt ihr Zielwerte für den Nitratgehalt und wie erreicht ihr die.

@rote_socke_83 die Frage an den Hersteller finde ich eigentlich sehr gut - aber ich glaub die meisten werden da ausweichen. Ich hab mal bei einem Nahrungsergänzungsmittelhersteller direkt nachgefragt wegen Magnesium-Gehalt pro Charge, das war für einen Kunden von mir. Die Antwort war so ein allgemeines "unsere Qualitätssicherung stellt sicher dass..." - nix Konkretes. Keine Zahl, kein Zielwert.

Zitat von rote_socke_83

ob Hersteller überhaupt auf gleichbleibende Nitratwerte standardisieren

Das wäre mir neu dass die das machen. Ich kenn das eher aus der Lebensmittelbranche so dass man mischt um Schwankungen auszugleichen - aber ob das bei Rote-Beete-Konzentraten tatsächlich so gehandhabt wird, keine Ahnung. Klingt aufwändig. Und teuer. Was mich noch beschäftigt: wenn ich eine Elektroanlage abnehme, gibt's Messwerte die dokumentiert werden müssen. Da kann keiner sagen "ach das passt schon ungefähr". Bei Lebensmitteln läuft das halt komplett anders - da reicht "Rote Beete Konzentrat" auf dem Etikett und fertig. Das ist net zu vergleichen. Ich glaub fast dass man den Herstellern mit einer direkten Anfrage mehr rauslockt als durch irgendwelche Vergleichsportale. Ob die antworten ist ne andere Sache.

Zitat von rennradhorst

Bei Lebensmitteln läuft das halt komplett anders

@rennradhorst ja, und das ist eigentlich das Ding das mich bei deinem Post wirklich hängen bleibt. Du hast einen Vergleichsmaßstab aus deinem Beruf - Messwerte, Dokumentation, klare Abnahmeprozesse. Ich kenn das aus der Logistik, wir haben Temperaturprotokolle für Kühlware, Chargenrückverfolgung, das ganze Programm. Wenn da eine Palette nicht stimmt, gibt's Papier dazu. Das ist nicht perfekt aber es ist zumindest überprüfbar. Und dann kaufst du einen Saft und es gibt buchstäblich keine Pflicht den Wirkstoffgehalt zu deklarieren. Das ist ne andere Welt. Was mich bei der Hersteller-Anfrage-Idee aber trotzdem bremst: selbst wenn die antworten und eine Zahl nennen woran messe ich dann ob die stimmt? Die können sagen "Zielwert 1500 mg Nitrat pro Liter" und ich steh da und glaub das oder glaub es nicht. Ohne unabhängige Prüfung ist das genauso viel wert wie "unsere Qualitätssicherung stellt sicher dass" - also nix. Ich glaub die eigentliche Lücke ist dass es keine Kennzeichnungspflicht gibt. Und solange die nicht kommt drehen wir uns hier alle im Kreis, egal ob wir den Bioladen oder Rewe nehmen.

Zitat von rote_socke_83

ohne unabhängige Prüfung ist das genauso viel wert wie "unsere Qualitätssicherung stellt sicher dass"

@rote_socke_83 ja, genau da hängt das ganze Ding. Aber ich hab grad einen Gedanken der mich noch net losgelassen hat: selbst wenn es eine Kennzeichnungspflicht gäbe - wer kontrolliert die eigentlich? Das Lebensmittelkontrollamt kommt einmal im Jahr vorbei wenns gut läuft. Bei Elektroinstallationen gibt's die VDE, da hängt Haftung dran wenn was net stimmt. Wer haftet wenn auf der Rote-Beete-Flasche "1500 mg Nitrat" steht und drin sind 400? Niemand. Weil kein Mensch das misst. Die Kennzeichnungspflicht allein würd also auch nix lösen, wenn die Durchsetzung dann genauso schlaff ist wie jetzt. Ich überleg grad ob das Modell mit dem Direkterzeuger da tatsächlich was ändert. Nicht weil man dem Bauern blind vertraut, sondern weil man zumindest nachfragen kann und derjenige ein Gesicht hat. Beim Rewe-Konzentrat hat man keinen Ansprechpartner außer einer 0800-Nummer. Ob das in der Praxis was taugt weiß ich halt auch net - aber es wär zumindest ein anderer Ansatz als auf eine Pflicht zu warten die dann trotzdem niemand prüft.

@rennradhorst der Punkt mit dem Direkterzeuger hat was, aber ich glaub du überschätzt wie viel "ein Gesicht haben" in der Praxis taugt. Ich kenn das aus meiner Arbeit: wir hatten mal einen Lieferanten, kleines Familienunternehmen, netter Typ, immer erreichbar. Trotzdem haben die uns zweimal Ware geliefert die nicht der vereinbarten Spec entsprach. Nett sein und verlässlich liefern sind zwei verschiedene Dinge.

Zitat von rennradhorst

Wer haftet wenn auf der Rote-Beete-Flasche "1500 mg Nitrat" steht und drin sind 400? Niemand.

Das ist halt der Kern. Und dein Direkterzeuger-Ansatz löst das nicht wirklich, der verschiebt es nur. Statt keinem Ansprechpartner hast du einen - aber ob der selbst weiß was in seinen Rüben steckt ist nochmal ne andere Frage. Der Bauer testet seine Ernte nicht auf Nitrat. Was mich gerade noch beschäftigt ist ob das Thema nicht schlicht zu klein ist um sich was zu ändern. Wieviele Leute kaufen wirklich regelmäßig Rote-Beete-Konzentrat gezielt wegen Nitrat? Das ist ne Nische. Stiftung Warentest testet Sachen wenn der Markt groß genug ist und genug Leute fragen. Joghurt, Kinderspielzeug, Autoreifen - das läuft. Für sowas hier fehlt vermutlich einfach die kritische Masse die das überhaupt auf den Radar bringt. Ich weiß ehrlich gesagt nicht ob das irgendwann kommt oder ob wir das einfach hinnehmen müssen als Zustand.

@rote_socke_83 der Punkt mit der kritischen Masse trifft mich grad mehr als ich erwartet hab. Ich glaub du hast recht dass das schlicht zu klein ist. Aber ich frag mich ob das wirklich so bleiben muss - weil der Markt für sowas wächst doch gerade. Ich seh das schon allein daran wie viele Leute in meinen Granfondo-Gruppen in den letzten zwei Jahren angefangen haben sowas zu schlucken. Vor vier Jahren hat das kaum einer gemacht.

Zitat von rote_socke_83

wieviele Leute kaufen wirklich regelmäßig Rote-Beete-Konzentrat gezielt wegen Nitrat

Vielleicht gar net so wenige wie du denkst nur kaufen die meisten das halt unbewusst als "gesundes Zeug" und net weil sie Nitrat-Optimierung betreiben. Das macht die Gruppe größer als sie auf den ersten Blick wirkt - aber gleichzeitig weniger laut, weil denen die genauen Zahlen egal sind. Die kaufen das und fertig. Das ist vielleicht das eigentliche Problem. Solange die Mehrheit der Käufer gar keine Ansprüche an konkrete Werte stellt, hat kein Hersteller einen echten Anreiz das transparent zu machen. Warum Geld ausgeben für Labortests und Deklaration wenn die Leute auch so kaufen. Ich überleg grad ob sowas wie ein unabhängiger Vergleich eher von der Sportecke kommen müsste - irgendein großes Radsport-Magazin oder so. Die haben die Zielgruppe die genau das interessiert. Ob die das je angehen würden weiss ich net, aber das wär zumindest eine realistische Quelle dafür.

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