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Hobbyathlet vor erstem Wettkampf – wann fängt sinnvolle Ergänzung an?

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Zitat von rote_socke_83

ob er sich noch erinnert wie das war bevor er zur Banane kam

das frag ihn wirklich, das ist die interessanteste Frage die du heute hast. Ich würd wetten der erinnert sich kaum noch dran - nicht weil der das verdrängt hat, sondern weil das irgendwann einfach weg ist wenn man lange genug fährt. Das Gehirn sortiert das als irrelevant aus. Was mich bei deinem letzten Post aber net loslässt: du sagst "man kommt net direkt zur Banane, man muss erst durch den ganzen Kram durch". Ich bin mir da net so sicher. Ich kenn auch Leute die von Anfang an mit nem Apfel und einem Käsebrot losgefahren sind und nie in der Supplement-Spirale gelandet sind. Die haben nie Betanio PLUS gekauft, nie einen Podcast über Nitrat-Kinetik gehört, die haben einfach gegessen was sie kennen. Und die kommen genauso an. Vielleicht ist der Weg durch den Kram net zwingend - vielleicht ist er nur der Weg für Leute wie uns die zu viel lesen und zu wenig einfach machen. Das ist jetzt ein bisschen ironisch gemeint aber auch net ganz.

@rennradhorst

Zitat von rennradhorst

vielleicht ist der Weg durch den Kram net zwingend

das sitzt gerade mehr als mir lieb ist. Weil wenn das stimmt, dann hab ich die letzten Wochen hauptsächlich Zeit damit verbracht ein Problem zu lösen das ich mir selbst gebaut hab. Nicht das Granfondo-Problem, das Supplement-Recherche-Problem. Ich kenn den Typ den du beschreibst - der mit dem Käsebrot. Mein Schwager macht das so, fährt seit Jahren Touren, isst was er kennt, kommt heim, fertig. Ich hab den nie gefragt wie er das macht weil ich dachte der hat einfach kein Konzept. Vielleicht ist das Konzept dass er kein Konzept braucht. Was mich aber dabei aufhält: der Schwager fährt nie mehr als 70, 80 Kilometer. Der kennt das Vier-Stunden-Fenster auch net. Also ist das wirklich dasselbe? Ich mein - ab einer gewissen Distanz hilft das Käsebrot-Prinzip vielleicht trotzdem, aber du musst dann doch irgendwo wissen wann du greifst. Oder? Das ist die Frage die ich noch nicht beantworten kann. Und da bin ich wieder beim Kollegen Richtung Attendorn. Der ist kein Overthinkder, der erklärt mir nix - aber ich kann einfach zuschauen. Das ist wahrscheinlich mehr wert als dieser ganze Thread zusammen, so blöd das klingt.

Zitat von jana_w

ich schwöre drauf aber ich weiß nicht warum

@rote_socke_83 jetzt hast du das selbst auch zitiert und ich glaub das ist kein Zufall. Aber ich will da mal kurz drauf eingehen weil ich finde jana_w meint damit was anderes als du grad draus machst. "Ich weiß nicht warum" ist net dasselbe wie "es ist egal warum". Jana_w fährt seit zwei Jahren konsequent hat die 17-Kilometer-Runde hundertmal gemacht - die hat einen Körper der das kennt. Das "warum" ist für die irrelevant geworden weil das Fundament steht. Bei dir steht das noch net. Was mich an deinem letzten Post aber wirklich aufhält: du sagst der Thread ist vielleicht mehr wert als zuzuschauen beim Kollegen. Ich glaub das genau andersrum. Nicht weil der Thread schlecht war - aber lesen und reden erzeugt ein Gefühl von Wissen das sich echter anfühlt als es ist. Du weißt jetzt mehr Begriffe. Du weißt net mehr wie sich Kilometer 130 anfühlt. Ich hab mal einen Azubi gehabt der konnte die halbe VDE-Norm auswendig und hat dann auf der Baustelle den Neutralleiter verwechselt. Das Wissen war da, die Praxis net. Attendorn übernächstes Wochenende ist das einzige was jetzt zählt. Alles andere ist Vorbereitung auf die Vorbereitung.

@rennradhorst

Zitat von rennradhorst

lesen und reden erzeugt ein Gefühl von Wissen das sich echter anfühlt als es ist

das ist der Satz der mich grad am meisten erwischt. Nicht weil er neu ist - ich hab sowas schon gedacht - sondern weil er für mich persönlich gerade einen konkreten Preis hat. Ich hab in den letzten Wochen gefühlt zehn Stunden in Podcasts, Threads und Produktseiten gesteckt. In der Zeit hätte ich zweimal die Strecke Richtung Hattingen fahren können länger als sonst, einfach um zu schauen was passiert. Was mich dabei aber wirklich aufhält: ich bin Schichtleiter. Ich plan Abläufe. Ich optimier Prozesse bevor ich sie laufen lasse. Das ist mein Beruf, das ist wie mein Kopf tickt. Ich kann nicht einfach "mach mal" - ich will vorher wissen was ich tue. Das ist keine Ausrede, das ist schlicht wie ich funktioniere. Und das ist vielleicht das eigentliche Problem warum ich hier lande statt auf dem Rad. Der Azubi mit der VDE-Norm - den kenn ich. Ich hab selbst so einen gerade. Der erklärt mir die Lagerverwaltungssoftware auswendig aber kommt nicht auf die Idee dass er einfach mal einen Kommissioniergang mitmachen soll. Ich frag mich ob ich das bei mir selbst genauso deutlich gesehen hätte ohne diesen Thread. Ehrlich gesagt: wahrscheinlich net so schnell.

@rote_socke_83

Zitat von rote_socke_83

ich plan Abläufe, ich optimier Prozesse bevor ich sie laufen lasse

das kenn ich - aber da ist ein Unterschied den ich jetzt erst so klar sehe. Bei einem Ablauf den du planst weißt du vorher was die Variablen sind. Du weißt wie viel Strom fließt, du weißt welches Material, du weißt die Toleranzen. Beim Körper auf 160 Kilometern weißt du das net. Du kannst da net optimieren bevor du die Parameter kennst, weil du die Parameter erst beim Fahren lernst. Das ist kein Prozess den du vorher durchdenken kannst, das ist eher wie wenn du zum ersten Mal eine Baustelle betrittst die jemand anderes angefangen hat - du weißt erst was da los ist wenn du drin bist. Was mich bei dir aber gerade wirklich beschäftigt, und das kam noch net rein: du sagst du hast jetzt gesehen dass du bei dir selbst genauso blind warst wie bei dem Azubi. Das ist eigentlich mehr als die meisten aus so einem Thread rausziehen. Die meisten lesen, nicken, und machen danach genau dasselbe wie vorher. Ob du das wirklich anders machst merkt man erst übernächstes Wochenende in Richtung Attendorn. Nicht hier. Ich bin gespannt was der Kollege auf deine Frage nach der Banane sagt, ehrlich gesagt.

@rennradhorst

Zitat von rennradhorst

Ob du das wirklich anders machst merkt man erst übernächstes Wochenende

ja, das stimmt. Und ich merk gerade dass ich das eigentlich gar net beantworten kann bevor ich es gemacht hab. Was mich aber bei deinem letzten Satz aufhält - du sagst du bist gespannt was der Kollege auf die Bananen-Frage sagt. Ich hab da so ein Gefühl dass der einfach lacht und sagt "Banane halt, was soll ich sagen". Die Typen die das Einfache gefunden haben können das meistens net mehr erklären. Das ist vielleicht das eigentliche Problem wenn man von denen lernen will. Was mir gerade noch reinkommt, und das ist wirklich neu für mich: ich hab die ganze Zeit gedacht das Attendorn-Wochenende ist ein Test. Aber ein Test hat ein Ergebnis das man auswerten kann. Ich glaub das ist wieder der Schichtleiter-Kopf. Vielleicht ist es einfach eine Fahrt. Kein Test, kein Protokoll, keine Kontrollbedingung. Einfach 5 bis 6 Stunden Rad und schauen was passiert. Das fällt mir ehrlich gesagt schwerer zuzulassen als ich dachte.

@rote_socke_83

Zitat von rote_socke_83

einfach 5 bis 6 Stunden Rad und schauen was passiert

das ist eigentlich der erste Satz in diesem ganzen Thread wo du net irgendwas optimieren oder messen willst. Das klingt simpel aber ich glaub das ist für dich wirklich was anderes. Du lässt das Ergebnis offen. Was mich dabei aufhält - und das ist mir grad erst eingefallen - ist dass "schauen was passiert" für Leute wie uns trotzdem net bedeutet ausschalten. Du wirst auf Kilometer 80 trotzdem irgendwas im Kopf haben. Die Frage ist nur ob du das als Daten sammelst oder einfach als Erleben durchlässt. Ich hab das nie wirklich trennen können wenn ich ehrlich bin. Ich bin auf langen Ausfahrten immer irgendwann der Elektriker der im Hinterkopf die nächste Woche durchplant und dann auf einmal merkt dass er seit 40 Minuten nix mehr getrunken hat. Was ich dir für Attendorn vielleicht noch mitgeben würd: sag dem Kollegen vorher dass du zum ersten Mal so weit fährst. Net als Warnung, einfach damit der weiß wo du stehst. Die meisten erfahrenen Typen passen dann automatisch auf ohne groß drüber zu reden. Die merken das eh - aber wenn du's sagst, musst du nicht so tun als wärst du dabei wenn du in Wirklichkeit grad kämpfst. Das ist übrigens was das ich von nem älteren Vereinskollegen gelernt hab, der hat mir das damals einfach so gesagt. Hat mir mehr gebracht als jeder Tipp über Ernährung.

@rennradhorst

Zitat von rennradhorst

sag dem Kollegen vorher dass du zum ersten Mal so weit fährst

das ist eigentlich das Konkreteste was du heute gesagt hast und ich hab kurz gezögert ob ich das mache. Nicht weil ich zu stolz wär - sondern weil ich net weiß wie der das aufnimmt. Der ist so ein Typ der einfach losfährt und dann guckt wer mitkommt. Aber du hast recht. Wenn ich das net sag und auf Kilometer 90 anfange zu kämpfen steh ich da und tu so als wäre das normal für mich. Das ist Blödsinn. Was mich bei deinem letzten Punkt aber wirklich aufhält: du sagst die erfahrenen Typen merken das eh. Ich frag mich ob das stimmt oder ob das nur gilt wenn man schon ein paar gemeinsame Fahrten hat. Der Kollege kennt mich hauptsächlich aus der Kantine und von zwei, drei Feierabend-Runden über 40 Kilometer. Der weiß net wirklich wie ich auf Belastung reagiere. Das ist was anderes als ein Vereinskollege der dich schon mal in einem schlechten Moment gesehen hat. Ich merk gerade dass ich auch da wieder anfange zu optimieren - wer weiß was, wer beobachtet wen. Schichtleiter-Kopf halt. Ich ruf den heute Abend einfach an statt zu schreiben. Dann ist das in zwei Minuten geklärt und ich hör auf hier drüber nachzudenken.

@rote_socke_83

Zitat von rote_socke_83

Ich ruf den heute Abend einfach an statt zu schreiben

das ist die beste Entscheidung die du in diesem Thread getroffen hast und ich mein das net ironisch. Schreiben ist nochmal eine Runde Kopf, Anrufen ist fertig. Was mich aber bei dem was du davor gesagt hast wirklich aufhält - du machst dir Gedanken ob der Kollege merkt wo du stehst weil er dich kaum kennt auf dem Rad. Das ist eigentlich interessant. Weil wenn du ihm sagst dass du zum ersten Mal so weit fährst, dann ist das keine Schwäche - das ist Information. Der kann dann sein Tempo anpassen ohne dass du dich irgendwann zu Tode schämst weil du absackt bist und so tust als wärst du kurz am Nase putzen. Ich kenn das Gefühl. Ich hab das mal auf einer Ausfahrt mit nem Typen aus dem Verein so gemacht - nix gesagt, auf Kilometer 95 war ich durch und hab so getan als müsst ich kurz an der Kreuzung warten. Der hat nix gefragt. Vielleicht hat er's gemerkt, vielleicht net. Beides ist unangenehm. Was ich mich beim Telefonieren an deiner Stelle fragen würde: wann plant der los, also Abfahrtszeit. Weil wenn der um sieben losfährt und du um sieben noch Betanio nimmst bist du komplett außerhalb deines Fensters. Das ist die einzige Variable die du wirklich vorher klären kannst.

@rennradhorst

Zitat von rennradhorst

wann plant der los also Abfahrtszeit

hab gerade angerufen. Der fährt um halb sieben los. Das bedeutet ich muss um spätestens vier aufstehen wenn ich Betanio vorher nehmen will und das noch irgendwie Sinn ergeben soll. Frühschicht trainiert mich da wenigstens fürs frühe Aufstehen. Was mich aber gerade mehr beschäftigt als das Timing: der Kollege hat am Telefon gefragt ob ich Clipless-Pedale hab. Hab ich. Dann hat er gesagt "gut, sonst hätten wir ein Problem auf den letzten 30". Ich hab net nachgefragt was er damit meint - aber das ist eigentlich die erste konkrete Warnung die ich von dem höre. Der redet sonst nie über sowas. Das sagt mir mehr über die Tour als jedes Gespräch in diesem Thread. Was ich ihm net gesagt hab am Telefon: dass ich noch nie so lang gefahren bin. Ich hab gesagt ich bin dabei und wann sollen wir uns treffen. Ich weiß, das widerspricht dem was du empfohlen hast. Ich bring das beim nächsten Kontakt nach. Oder auf der Tour selbst wenn's nicht mehr zu vermeiden ist. Ich bin ehrlich gesagt net sicher ob ich das vor der Abfahrt noch hinkriege ohne komisch zu klingen - der ist kein Typ für lange Vorgespräche das merkt man.

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