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Hobbyathlet vor erstem Wettkampf – wann fängt sinnvolle Ergänzung an?

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@rote_socke_83 [quote=rote_socke_83ich weiß nicht ob ich langsamer werde und es merke, oder ob ich langsamer werde und denke ich fahre noch normal[/quote]

Das ist keine blöde Frage, das ist eigentlich das Kernproblem bei langer Belastung - und ich glaub dein Garmin kann dir da mehr sagen als du denkst. Nicht nachher, sondern live. Wenn du auf Attendorn anfängst bei gleichem Herzfrequenzbereich signifikant langsamer zu werden, ist das ein messbares Signal. Das setzt allerdings voraus dass du weißt wie deine Herzfrequenz bei 24-25 km/h auf flachem Terrain bei dir normalerweise liegt. Hast du das irgendwo? Was mich an "locker aber nicht schleichen" übrigens wirklich beschäftigt: das ist keine Antwort über Tempo, das ist eine Antwort über Einstellung. Ich kenn das von Lauftraining. Jemand der seit Jahren lange Distanzen fährt hat da intern eine ganz andere Kalibrierung was "locker" bedeutet als jemand der zum ersten Mal vier Stunden auf dem Rad sitzt. Die meinen das ehrlich, aber die beiden Referenzrahmen sind schlicht nicht kompatibel. Was ich konkret fragen würde, wenn ich du wäre: nicht den Schnitt, sondern ob ihr zusammen fahrt oder ob er wartet wenn du abreißt. Das ist die einzige Information die wirklich zählt. Alles andere ist Theorie bis Kilometer 80.

kleines Update - ich meld mich nochmal weil sich in den letzten Tagen was getan hat.

Zitat von markus_b82

ob ihr zusammen fahrt oder ob er wartet wenn du abreißt

das hab ich ihn tatsächlich gefragt. Antwort war: "ich fahr mein Tempo, aber ich lass dich nicht stehen." Das klingt erst mal beruhigend, aber ich bin mir nicht sicher ob das stimmt wenn er wirklich locker meint was er mit locker meint. Attendorn ist gelaufen. Ich sag's direkt: ich bin nicht eingbrochen. Aber ich war auf den letzten 25 Kilometern so weit weg im Kopf dass ich tatsächlich mal kurz vergessen hab auf welchem Gang ich war. Nicht dramatisch, aber merkwürdig. Dieser Moment den rennradhorst beschrieben hat - das leicht verschobene Gefühl - das kenn ich jetzt. Das ist real. Was mich seither aber mehr beschäftigt als der Körper: ich hab Betanio nicht mitgenommen, wie geplant. Und ich hab trotzdem durchgehalten. Das ist jetzt kein Beweis dass es Humbug ist - aber es verschiebt meine Frage. Nicht mehr "wirkt das", sondern "wofür brauche ich das eigentlich wenn ich die Grundlage auch ohne hinkriege". Das ist eine andere Ausgangslage als vor drei Wochen. Und ja, Käse auf dem Brötchen war ab Kilometer 90 keine Option mehr. Der Kollege hatte Bananen dabei. Natürlich.

@rote_socke_83

Zitat von rote_socke_83

nicht mehr "wirkt das", sondern "wofür brauche ich das eigentlich wenn ich die Grundlage auch ohne hinkriege"

Das ist eigentlich die schärfere Frage. Und ehrlich gesagt die interessantere - aus meiner Arbeit kenn ich das: Leute kommen mit einem Symptom rein, wir behandeln das Symptom, und irgendwann stellt sich raus dass das eigentliche Problem woanders lag. Das Supplement war bei dir vielleicht die falsche Antwort auf eine noch nicht richtig gestellte Frage. Was mich aber konkret interessiert: du sagst du warst auf den letzten 25 Kilometern "so weit weg im Kopf". Hast du in dem Moment noch gegessen oder getrunken? Ich frag das weil du vorher geschrieben hast dass du nie im Fahren gegessen hast und das erst üben wolltest. Ob du das auf Attendorn tatsächlich gemacht hast steht da nicht. Weil wenn nicht - dann ist die Frage ob Betanio irgendwas gebracht hätte schlicht offen. Du hast eine Variable verändert (Betanio weg) aber vielleicht gleichzeitig eine andere nicht kontrolliert (Verpflegung während der Fahrt). Das ist mir zu vage um da eine Aussage rauszuziehen. Und der Käse-Kollege mit den Bananen - das ist eigentlich das beste Ergebnis aus der ganzen Geschichte.

@mh_82

Zitat von mh_82

Du hast eine Variable verändert aber vielleicht gleichzeitig eine andere nicht kontrolliert

ok das ist der Punkt der mich hier am meisten erwischt ehrlich gesagt. weil ich das von unserem Methodikseminar kenne - irgendwer macht was, denkt er hat ein Ergebnis, und dann stellt sich raus dass er drei Sachen gleichzeitig verändert hat und nix davon isoliert war. ist halt kein Experiment, ist einfach eine Ausfahrt. @rote_socke_83 mich würd wirklich interessieren ob du auf Attendorn tatsächlich im Fahren gegessen hast oder ob das am Ende doch wieder Anhalten war. weil das klingt für mich wie der eigentliche blinde Fleck in deinem Update. und zu dem Kopf-weg-Moment - ich hab das beim Halbmarathon mal erlebt, so ab Kilometer 17, und ich hab damals echt kurz gebraucht um zu kapieren dass ich seit einer Weile auf Autopilot war. keine Ahnung ob das dasselbe ist was du beschreibst aber das "leicht verschoben" kenn ich. bei mir war das so ein Gefühl als ob die Strecke vor mir irgendwie... länger wäre als sie sein sollte. schwer zu beschreiben. was mich bei deiner neuen Frage aber wirklich aufhält - "wofür brauch ich das wenn ich die Grundlage auch ohne hinkriege" - keine Ahnung ob das die richtige Schlussfolgerung ist. du hast einmal durchgehalten. das ist kein Nullpunkt, das ist ein Datenpunkt. ob Betanio auf Tour zwei irgendwas verändert weißt du ja noch nicht.

@miramira

Zitat von miramira

du hast einmal durchgehalten. das ist kein Nullpunkt, das ist ein Datenpunkt

Das stimmt - aber ich würd noch enger fassen warum. Ein Datenpunkt ohne Kontrollbedingung ist halt trotzdem schwer zu interpretieren. Nicht wertlos, aber schwer. Was mich bei dem ganzen Update von @rote_socke_83 aber wirklich beschäftigt ist was noch gar nicht drin war: er hat jetzt eine neue Ausgangslage, aber keine neue Frage. "Wofür brauche ich das" ist eigentlich noch zu breit. Konkreter gefragt: an welcher Stelle der Tour hätte Betanio theoretisch angesetzt - also wo genau war der Moment wo weniger Sauerstoffverbrauch bei gleicher Leistung überhaupt relevant gewesen wäre? Weil wenn der Kopf-weg-Moment bei Kilometer 130 ein Glukose-Problem war - und das klingt nach meiner Einschätzung wahrscheinlicher als ein Nitrat-Problem - dann ist die Frage ob Betanio da überhaupt die richtige Stellschraube ist. Nitrat setzt an der Effizienz im submaximalen Bereich an, nicht am Kohlenhydratstoffwechsel. Das sind zwei verschiedene Mechanismen. Ich hab das letzte Woche einem Patienten erklärt der ähnlich gefragt hat - der dachte Rote Beete hilft gegen den Einbruch, und dann haben wir rausgefunden dass er schlicht zu wenig Kohlenhydrate während der Belastung zugeführt hat. Da hilft kein Nitrat der Welt. @rote_socke_83 hast du irgendwie getrackt was du auf Attendorn wann gegessen hast?

@mh_82

Zitat von mh_82

an welcher Stelle der Tour hätte Betanio theoretisch angesetzt

ok das ist eigentlich die Frage die ich mir selbst noch nie so konkret gestellt hab wenn ich über Nitrat nachdenke. ich hab immer so ein diffuses "mehr Ausdauer" im Kopf gehabt aber nie wirklich: wo genau, bei welcher Intensität, in welchem Fenster. und das bringt mich zu was das mich gerade mehr beschäftigt als die Verpflegungsfrage bei @rote_socke_83 - nämlich ob die meisten Hobbyathleten überhaupt wissen bei welcher Belastungszone ihre Einnahme theoretisch wirken soll. weil wenn Nitrat submaximale Effizienz verbessert, dann ist die Frage ja auch: fährt oder läuft man überhaupt lang genug in diesem Bereich um das zu merken. ich bin beim Halbmarathon eigentlich die meiste Zeit ziemlich am Limit, nicht submaximalt. keine Ahnung ob das dann überhaupt die richtige Belastungszone ist wo Rote Beete ansetzen würde. das hab ich so noch nie gelesen oder gehört irgendwo und ich find das grad irgendwie... relevant für meine eigene Überlegung ob ich das nächste Mal wirklich nochmal anfang mit dem Konzentrat oder ob ich das einfach lass.

@miramira der Punkt trifft mich gerade weil ich genau dasselbe nie so formuliert hatte. Ich hab Betanio immer genommen mit so einem diffusen "wird schon was bringen" im Hinterkopf nie konkret gedacht: bei welcher Intensität soll das überhaupt ansetzen. Und wenn ich ehrlich bin - ich fahr auf langen Touren die meiste Zeit auch net wirklich submaximalt. Ich fahr so dass ich ankommen kann. Das ist mal 22, mal 26 Schnitt je nach Strecke, aber ich geh da nicht ran mit irgendwas das ich als "kontrolliert submaximale Zone" beschreiben würde. Das ist einfach fahren bis es wehtut und dann bisschen runter.

Zitat von miramira

ob die meisten Hobbyathleten überhaupt wissen bei welcher Belastungszone ihre Einnahme theoretisch wirken soll

Ich glaub die wissen das nicht. Ich hab das jedenfalls nicht gewusst. Und wenn ich jetzt zurückdenke wie ich Betanio genommen hab - morgens, mal früher mal später, manchmal nach dem Frühstück - dann hab ich eigentlich nie in einem Fenster genommen das irgendeinem Mechanismus entspricht. Das war einfach: Kapseln da, also schluck ich die. Was mich dabei aber gerade neu beschäftigt: @mh_82 hat gefragt was ich auf Attendorn wann gegessen hab. Ehrliche Antwort: ich weiß es ungefähr aber nicht genau. Ich weiß dass ich zu spät angefangen hab zu essen, so Kilometer 55 oder 60 ungefähr. Der Kollege hat vorher schon zweimal gegriffen, ich hab zugeguckt und gedacht "ich brauch das noch nicht". Das war wahrscheinlich der Fehler.

@rote_socke_83 [quote=rote_socke_83ich hab zugeguckt und gedacht "ich brauch das noch nicht"[/quote]

das ist so ein klassisches Ding... ich kenn das vom Laufen. man schaut auf die anderen und denkt okay die greifen schon zum Gel aber ich fühl mich noch gut also wart ich noch. und dann ist der Moment wo man wirklich was braucht schon drei Kilometer zu spät. was mich bei deinem Update aber gerade mehr beschäftigt als die Verpflegungsfrage: du sagst du weißt "ungefähr" wann du gegessen hast. ich frag mich ob das überhaupt besser wird ohne dass man aktiv drauf achtet - also nicht tracken im Sinne von Protokoll, aber einfach... mal kurz auf die Uhr schauen wenn man greift. das wäre ja kein Aufwand. und du hättest danach wirklich was auswertbares statt "irgendwann so Kilometer 55 glaub ich". keine Ahnung ob das für dich als Schichtleiter-Mensch zu banal klingt weil du eh alles durchplanst - aber genau diese eine kleine Sache hast du scheinbar nicht gemacht. und das ist irgendwie... bezeichnend? nicht böse gemeint. was mich aber wirklich noch beschäftigt nach meinem eigenen Post vorhin - die Belastungszone-Frage die ich aufgemacht hab. @mh_82 hat das mit dem submaximalen Bereich angesprochen aber ich hab noch keine Antwort darauf gesehen ob Halbmarathon-Tempo überhaupt in dem Fenster liegt wo Nitrat greift. das interessiert mich eh mehr als ob du Betanio wieder nimmst oder nicht 😅

melde mich nochmal kurz weil mich das hier noch beschäftigt.

Zitat von miramira

ob Halbmarathon-Tempo überhaupt in dem Fenster liegt wo Nitrat greift

das ist eigentlich die Frage die ich mir selbst noch nie so gestellt hab - und ich fahr das Zeug seit über einem Jahr. Ich hab immer angenommen dass "Ausdauerbelastung" halt Ausdauerbelastung ist, egal ob 90 Minuten Halbmarathon oder fünf Stunden Granfondo. Aber wenn ich das so lese frag ich mich ob die beiden Szenarien überhaupt vergleichbar sind was den Mechanismus angeht. Beim Halbmarathon bist du die meiste Zeit am Limit, beim langen Granfondo fährst du moderat und hoffst dass der Tank reicht. Das ist physiologisch halt net dasselbe. Was mich aber bei @rote_socke_83 seinem Update wirklich aufhält - net die Verpflegungsfrage, die haben wir durch - sondern das hier: du bist durchgekommen, du weißt jetzt wie sich das anfühlt, und trotzdem ist deine erste Reaktion eine Frage über Betanio. Das ist net falsch, aber ich frag mich ob du in drei Wochen noch dieselbe Frage stellen würdest wenn du die Tour nochmal fährst. Manchmal braucht das einfach etwas Zeit bis man einordnen kann was da eigentlich passiert ist. Ich hab nach meiner ersten richtigen Granfondo auch erstmal gedacht ich muss das Supplement optimieren - und dann hat sich rausgestellt dass ich einfach noch keine Referenz hatte was "normal erschöpft" bedeutet. Heute weiß ich das. Das klingt banal, ist aber net so.

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