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Betanio PLUS vs. normaler Rote-Bete-Saft – lohnt der Aufpreis wirklich?

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@jana_w die Frage ist absolut berechtigt, und du triffst da einen Punkt der in der Literatur tatsächlich noch nicht vollständig aufgedröselt ist. Die Exeter-Studien (Jones et al., ich meine hauptsächlich die aus 2010 und 2012, da war Chloe Wylie auch beteiligt) haben primär auf Leistungsparameter gemessen - Sauerstoffkosten bei submaximaler Belastung, time-to-exhaustion. Speichelnitrit war ein Zwischenwert, kein Endpunkt. Das heißt: die Kette ist Nitrat im Saft, Speichelnitrit durch bakterielle Reduktion im Mund, dann systemisches Nitrit im Plasma, dann lokal NO-Produktion im Gewebe. Jeder Schritt hat eigene Varianz.

Zitat von jana_w

Aufnahme ist eine Sache, Verwertung nochmal eine andere

Genau das. Es gibt Leute mit weniger Mundflora die bestimmte Nitrat-reduzierende Bakterien haben, und bei denen ist der erste Schritt schon schlechter. Das ist kein Randthema - es gibt tatsächlich Daten dazu, ich glaube ich hab das mal bei einem Review zu "nitrate oral microbiome" quergelesen, weiß aber die genaue Quelle gerade nicht mehr auswendig. Was das aber für den Preisvergleich hier bedeutet: selbst wenn Betanio wirklich mehr Nitrat liefert als der Rewe-Saft, ist das noch kein Freifahrtschein. Wer z.B. regelmäßig Mundspülung mit Antibakterienmittel benutzt, killt genau die Bakterien die er für die Konversion braucht. Das ist wissenschaftlich gut belegt, Lundberg-Gruppe aus Stockholm hat dazu was veröffentlicht. Ich hab heute Morgen kurz nachgeschaut und finde gerade den genauen Titel nicht, aber das wäre mal ein lohnenswerter Rabbit Hole für den Thread hier.

@markus_b82 das mit der Mundspülung - das hat mich grad wirklich erwischt. ich benutze das täglich, so ein Listerine-ähnliches Zeug, weil ich dachte das ist halt Zahnhygiene und gut. dass das genau die Bakterien killt die man für die Nitrat-Konversion braucht, das ist mir nie in den Sinn gekommen. nie. und ich nehm das Betanio ja schon länger.

Zitat von markus_b82

Wer z.B. regelmäßig Mundspülung mit Antibakterienmittel benutzt, killt genau die Bakterien die er für die Konversion braucht

das würde ja bedeuten dass ich die ganze Zeit Nitrat geschluckt hab und ein Teil davon einfach... nichts gemacht hat. zumindest nicht so wie gedacht. ich weiß jetzt nicht ob ich das glauben will, ehrlich gesagt - aber ich kann auch nicht sagen dass es falsch klingt. ich frag mich ob das irgendwie testbar ist ohne großen Aufwand. also ob man die Mundspülung einfach mal zwei Wochen weglässt und dann mit den Streifen schaut obs einen Unterschied macht. das wäre ja fast schon der sinnvollste eigene Test den man hier machen könnte, vor diesem ganzen Betanio vs. Rewe-Saft-Vergleich. @derbär das wäre für dich übrigens auch relevant - hast du Mundspülung benutzt in der Zeit wo du getestet hast

Zitat von jana_w

ob man die Mundspülung einfach mal zwei Wochen weglässt und dann mit den Streifen schaut obs einen Unterschied macht

Das ist eigentlich genau der richtige Ansatz, und ich find es gut dass du da selbst drauf kommst. Kleiner praktischer Hinweis dazu: die Speichelnitrit-Streifen reagieren relativ empfindlich auf den Zeitpunkt der Messung. Am sinnvollsten wäre das ca. 2-3 Stunden nach dem Konsum, nicht direkt danach, weil der Peak im Speichel zeitverzögert kommt. Das steht zumindest sinngemäß in einem der Reviews die ich mal quergelesen habe, ich glaube es war Kapil & Webb 2010 in der European Heart Journal, bin mir aber nicht hundertprozentig sicher bei dem Titel. Was mich bei deinem geplanten Test aber noch interessiert: benutzt du die Mundspülung morgens, abends oder beides? Weil wenn du das Betanio abends nimmst und morgens spülst, wäre die zeitliche Überschneidung minimal. Wenn du es aber morgens nimmst und direkt davor oder danach spülst, ist das eine andere Sache. Die Bakterien erholen sich nach einer einzelnen Anwendung übrigens nicht sofort - da hab ich mal was gelesen das von mehreren Stunden sprach, aber das war eher ein populärwissenschaftlicher Artikel, kein Paper. @derbär das wäre für deinen ursprünglichen Vergleich tatsächlich eine relevante Variable gewesen. Falls du die Tests nochmal machen willst - das wäre ein Parameter den man kontrollieren kann, ohne viel Aufwand.

Zitat von markus_b82

die Bakterien erholen sich nach einer einzelnen Anwendung übrigens nicht sofort

okay das ist der Punkt der mich grade am meisten beschäftigt ehrlich gesagt. ich spüle morgens, nehme das Betanio auch morgens - also das wäre im schlimmsten Fall genau die falsche Reihenfolge. oder ich spüle danach, was ich glaube ich manchmal mache weil mir der Geschmack vom Saft zu intensiv ist danach. draußen ist es heute übrigens schon wieder absurd schwül für Leipzig, totally unrelated. was mich jetzt aber wirklich umtreibt: wenn die Bakterien mehrere Stunden brauchen um sich zu erholen dann wäre mein Test ja nicht "Mundspülung zwei Wochen weglassen und schauen" - sondern ich müsste auch innerhalb des Tages die Reihenfolge ändern. also Betanio, dann mindestens ein paar Stunden warten, dann wenn überhaupt spülen. das klingt nach mehr Umbau als ich dachte. @markus_b82 ich frag mich ob du weißt wie empfindlich das eigentlich ist - also ob eine Anwendung pro Tag schon reicht um die Konversion nennenswert zu stören, oder ob das eher bei mehrmals täglich so richtig reinschlägt. weil wenn schon einmal morgens reicht um die Bakterien für den halben Tag lahmzulegen, dann ist das ja strukturell ziemlich blöd für jeden der beides macht ohne drüber nachzudenken. und das sind vermutlich nicht wenige hier im Thread.

Zitat von jana_w

ich spüle morgens, nehme das Betanio auch morgens

Das hat mich jetzt wirklich aufgeweckt, ehrlich gesagt. Ich mache das genauso - Konzentrat morgens, und ich bin mir ziemlich sicher dass ich danach auch manchmal kurz spüle weil der Geschmack intensiv ist. Das habe ich nie als Variable auf dem Schirm gehabt. @markus_b82 eine Frage die ich mir gerade stelle: gilt das eigentlich auch für normales Zähneputzen? Weil Zahnpasta hat ja auch antibakterielle Inhaltsstoffe, wenn auch schwächer als eine Mundspülung. Wenn die Bakterien mehrere Stunden brauchen um sich zu erholen, wäre Zähneputzen direkt vor dem Saft ja theoretisch auch nicht ideal. Das klingt vielleicht kleinkrämerisch, aber wenn man schon anfängt die Variable sauber zu halten, dann wäre das doch relevant. Was mich beim ganzen Thread beschäftigt - wir reden hier über Betanio vs. Rewe-Saft, aber das eigentliche Problem scheint zu sein dass die meisten von uns nie die Rahmenbedingungen kontrolliert haben. Nicht nur das Produkt ist die Variable, sondern auch wann, wie, und womit man davor oder danach im Mund rumspült. Ich habe da gute Erfahrungen gemacht mit dem Konzentrat vor langen Ausfahrten - aber ich kann jetzt nicht mehr sagen ob das trotz meiner Zahnhygiene-Routine war oder ob es ohne besser gewesen wäre. Ich finde den Test den jana_w beschreibt trotzdem sinnvoll. Nur würde ich auch die Zahnpasta-Frage mitklären wollen bevor man anfängt.

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Rennrad ist kein Hobby, das ist Therapie.

@rennradrenate die Zahnpasta-Frage ist tatsächlich nicht kleinkrämerisch, das ist ein legitimer Punkt. Triclosan war früher der relevante Wirkstoff, der antibakteriell aktiv war, aber der ist inzwischen in vielen europäischen Produkten rausgenommen worden. Standard-Fluoridpasta hat eine deutlich geringere antimikrobielle Wirkung als Mundspülung - zumindest nach dem was ich dazu quergelesen habe, ich hab jetzt nicht die genaue Quelle parat. Die kurze Antwort wäre also: Zahnpasta ist vermutlich nicht das Problem, Chlorhexidin- oder Cetylpyridinium-basierte Spüllösungen schon eher. Was mich aber bei dem ganzen Faden jetzt mehr beschäftigt: wir sind sehr schnell von "Betanio vs. Rewe-Saft" zu "Mundflora-Management" gerutscht, was ich auf einer seite... nee, ich sag's anders: der Mundspülungs-Effekt ist real und gut belegt, aber er erklärt nicht alles. @derbär hat in Post 1 zwei Samstage verglichen und keinen Unterschied gemerkt - das kann Mundspülung sein, das kann Nitratvarianz im Produkt sein, das kann aber auch schlicht sein dass der Effekt bei trainierten Ausdauersportlern mit ohnehin guter Sauerstoffeffizienz kleiner ausfällt. Die Jones-Gruppe hat das auch diskutiert, soweit ich mich erinnere - bei gut trainierten Athleten ist der Effekt tendenziell geringer als bei untrainierten. Also: Mundspülung ist eine Variable, aber ich würde sie nicht überschätzen. Wenn @derbär nach Weglassen der Spülung plötzlich einen riesigen Unterschied zwischen den Produkten merkt, wäre das für mich fast verdächtig konsistent.

Zitat von derbasti

konzentrieren heißt nicht dass der Wirkstoff weg ist, eher dass die Ballaststoffe raus sind

@markus_b82 der letzte Punkt von dir macht mich grad nachdenklich - dass der Effekt bei gut trainierten Ausdauersportlern kleiner ausfällt. das ist irgendwie das unbefriedigendste Ergebnis das man haben kann, oder? also: je mehr du trainierst, desto weniger bringt es dir, desto mehr zahlst du trotzdem weil du es regelmäßiger nimmst. das ist keine Kritik an deiner Einschätzung ich glaub dir das - aber das ist strukturell echt blöd. was mich daran auch stört: das bedeutet ja, dass derbastis Kumpel der "den Unterschied deutlich merkt" vielleicht einfach weniger trainiert ist als er denkt. nicht böse gemeint, aber der wahrgenommene Effekt und der tatsächliche Effekt laufen da auseinander. ich mein, ich bin keine Profi-Läuferin, ich mach Halbmarathons seit drei Jahren - bin ich da "gut trainiert" im Sinne der Exeter-Studien oder eher Mittelfeld wo der Effekt noch real ist? das weiß ich ehrlich gesagt nicht. und das ist jetzt das erste Mal in diesem Thread wo ich mir denke, vielleicht ist die relevanteste Variable nicht Mundspülung oder Produktwahl sondern einfach - für wen gilt das eigentlich.

@jana_w die Frage "für wen gilt das eigentlich" ist tatsächlich die richtige, und ich kann dir zumindest sagen wie die Exeter-Studien das grob eingeordnet haben. Die haben VO2max als Unterscheidungsmerkmal genommen, und "gut trainiert" war da oft >60 ml/kg/min. Halbmarathon-Läuferin seit drei Jahren - das kommt stark auf deine Zeiten und dein wöchentliches Volumen an, aber pauschal würde ich sagen: du bist eher im Bereich wo der Effekt noch messbar sein kann, nicht im Bereich der Elite-Ausdauersportler wo er wirklich klein wird. Ich selbst laufe Halbmarathon mit etwa 1:45-1:48, hab VO2max-Schätzung von meiner Uhr (ja ich weiß, die ist ungenau), und mein Gefühl ist dass ich da irgendwo im Mittelfeld hänge wo der Effekt real aber nicht dramatisch ist. Das deckt sich mit meinen Erfahrungen insofern als ich mit Rote-Bete-Saft keine Wunderdinge erlebt habe, aber bei langen Läufen über 18km subjektiv etwas weniger Einbruch merke - ob das Nitrat ist oder einfach bessere Grundlage, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Was mich an deiner Formulierung aber noch mehr beschäftigt:

Zitat von jana_w

der wahrgenommene Effekt und der tatsächliche Effekt laufen da auseinander

- das ist nicht nur bei Rote Bete so, das ist bei fast allem im Ausdauersport so. Ich hab vor einem Jahr angefangen Laufschuhe mit mehr Carbonplatte zu tragen und war überzeugt dass ich schneller bin. Meine Strava-Daten haben das auf vergleichbaren Strecken dann... nicht bestätigt. Gefühl ist halt kein Messwert.

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