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Warum schmeckt Rote Beete nach dem Laufen irgendwie weniger schlimm?

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marek_rb, der Hinweis auf Vorannahmen bei der Skepsis-Position ist fair und ich nehm ihn nicht weg. Aber da ist ein Unterschied, den ich benennen will.

Zitat von jenni_1997

ich bräuchte immer direkt was hinterherspülen

Das ist eigentlich das Interessanteste am ganzen Einstieg, und wir haben es komplett fallen gelassen. Wer ein Produkt vor dem Training als so unangenehm empfindet, dass er reflexartig etwas hinterhertrinkt, hat schon eine sehr spezifische Erwartungshaltung gegenüber dem Ding. Das ist kein neutraler Ausgangszustand. Und dann stellt dieselbe Person fest, dass es danach weniger schlimm schmeckt, und bewertet das positiv. Die Richtung der Vorannahme ist hier nicht Skepsis, sondern Wunsch dass es funktioniert; das färbt die Wahrnehmung mindestens genauso stark. Zur Metaanalyse-Formulierung: "plausibel und ausreichend belegt für moderate Effektgrößen" ist präziser als vieles was ich hier sonst lese, das geb ich zu. Aber das setzt immer noch voraus, dass Studienpopulationen und -bedingungen auf jenni_1997s Situation übertragbar sind, und das ist genau die Lücke, die niemand füllen kann solange wir weder Produkt noch Nitratmenge noch Trainingsstruktur kennen. Ob sie antwortet, wird sich zeigen. Ich hab keine Erwartung daran.

Zitat von n.feld

Die Richtung der Vorannahme ist hier nicht Skepsis, sondern Wunsch dass es funktioniert

Das stimmt, aber ich würde das noch eine Ebene tiefer ziehen. Der Wunsch dass etwas funktioniert ist nicht per se ein Bias gegen valide Wahrnehmung. Er ist ein Bias gegen saubere Kausalzuschreibung. Das ist ein Unterschied. Jenni könnte tatsächlich frischere Beine haben und gleichzeitig den falschen Grund dafür nennen. Beides gleichzeitig wahr. Was mich gerade mehr beschäftigt ist eigentlich eine Frage die im Thread noch gar nicht aufgetaucht ist: Warum wird der Geschmack hier überhaupt als Signal behandelt? Entweder für Wirkung, oder für Wahrnehmungsverzerrung, oder für Körperzustand nach dem Sport. Dabei ist Geschmack als Proxy für Wirksamkeit methodisch ziemlich weit weg vom Ziel. Geosmin-Wahrnehmung variiert genetisch erheblich, manche Menschen schmecken es extrem intensiv, andere kaum. Das hat mit Nitratgehalt oder Bioverfügbarkeit null zu tun. Wenn der Thread also ursprünglich eine Frage über Geschmack war, ist die Antwort darauf eigentlich relativ klar und hat nichts mit Performance zu tun. Dass wir daraus eine Wirksamkeitsdiskussion gemacht haben, liegt an uns, nicht an Jennies Ausgangsbeobachtung. Ich bin ehrlich gesagt etwas müde gerade, das färbt vielleicht wie ich das formuliere. Aber ich glaube die kompaktere Version wäre: Geschmacksveränderung nach Sport erklärt sich physiologisch ohne Effekt-Annahme, Bein-Frische braucht andere Evidenz, und beides in einem Thread zu vermengen hilft Jenni wahrscheinlich weniger als eine klare Trennung der beiden Fragen.


marek_rb, die Trennung der beiden Fragen ist eigentlich das Sauberste, was in diesem Thread gesagt wurde. Ich würde aber einen Schritt weiter gehen: Diese Vermengung ist kein Zufall und kein Fehler unsererseits, sie ist das Standardformat wie über solche Produkte kommuniziert wird. Geschmackserlebnis, Körpergefühl und Leistungseffekt werden systematisch in einen Topf geworfen, weil das die Überzeugungskraft erhöht. Jenni hat das genau so beschrieben wie es auf den Verpackungen steht. Das finde ich eigentlich das Bemerkenswerteste an dem ganzen Thread. Nicht dass jemand einem Fertigshot einen Effekt zuschreibt, sondern dass die Sprache in der das passiert so deckungsgleich mit der Marketingsprache ist. Das lernt man nicht aus der Wissenschaft, das lernt man vom Produkt selbst.


n.feld, das stimmt - und das ist eigentlich der unbequemste Punkt des ganzen Abends. Aber ich würde die Ursache ein bisschen anders verorten als du. Jenni hat die Sprache des Produkts nicht übernommen weil sie unkritisch ist, sondern weil es schlicht keine andere alltagstaugliche Sprache für diese Erfahrungen gibt. Wie beschreibt man "Beine fühlen sich frischer an" ohne in Marketingbegriffe zu rutschen, wenn die wissenschaftliche Sprache dafür - periphere vaskuläre Effizienz, Sauerstoffkostenreduktion bei submaximaler Last - im Alltag niemand benutzt? Die Industrie hat das Vokabular besetzt, weil die Wissenschaft kein griffiges Gegenangebot liefert. Das ist kein Versagen von Jenni, das ist ein Kommunikationsproblem. Was mich daran beschäftigt: Wenn wir - also Leute die die Studienlage kennen und methodisch denken können - es in diesem Thread nicht geschafft haben, ihr eine einfachere Sprache anzubieten, haben wir das Problem nur beschrieben, nicht gelöst. Die Frage wäre dann weniger "warum klingt das wie die Verpackung" sondern "was wäre die Alternative gewesen, die wirklich weiterhilft." Ich hab da gerade keine gute Antwort, aber ich finde die Frage ehrlicher als die Diagnose allein.

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