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Rote Beete vor dem Lauf - aber was nehmt ihr danach?

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ok also ich fahr ja schon eine Weile auf Rote Beete Shots ab vor dem Training - schmeckt nach wie vor wie Erde aber whatever, fühlt sich für mich richtig an. Aber ich merke grad dass ich eigentlich nie so richtig drüber nachgedacht hab was ich danach mache. also direkt nach dem Lauf. heute war ich ne Stunde draußen, so 10km, kam rein und hab erstmal gar nichts gegessen weil ich keinen Hunger hatte. dann irgendwann nach nem dreiviertel Stunde ein paar Reiswaffeln und ein Joghurt. ist das ok? keine Ahnung ehrlich gesagt 😅

ich les immer von diesem "anabolen Fenster" oder wie das heißt, dass man in den ersten 30 Minuten unbedingt Protein essen soll sonst ist alles für die Katz. aber dann sag ich mir wieder - ich mach Ausdauer keine Gewichte ob das überhaupt dasselbe ist weiß ich nicht. meine Kollegin trinkt immer direkt nach dem Sport so einen Proteinshake und schwört drauf. ich bin da echt gespalten weil ich find flüssiges Zeug nach dem Lauf irgendwie seltsam, der Magen dreht sich da schon bisschen. lieber was Festes aber dann kommt der Hunger halt oft erst viel später. und bei Ausdauersport - braucht man da eigentlich mehr Kohlenhydrate als Protein danach? weil ich hab das Gefühl ich red immer nur über Protein aber nach nem langen Lauf will mein Körper eigentlich Nudeln oder Brot oder so, nicht irgendwelche Shakes. was macht ihr so direkt nach dem Training? interessiert mich wirklich was bei Läufern so der Standard ist - nicht was irgendwelche Fitness-Accounts empfehlen sondern was ihr wirklich esst wenn ihr vom Sport heimkommt

Zitat von jenni_1997

ich les immer von diesem "anabolen Fenster"

Das ist eine gute Frage, aber das anabole Fenster ist bei Ausdauersport tatsächlich ein anderer Kontext als beim Krafttraining. Die Metaanalyse von Aragon & Schoenfeld (2013, JISSN) hat das ganz gut aufgedröselt - für Kraftsportler ist das Timing relevant wenn man nüchtern trainiert, für Ausdauerläufer ist die Glykogenwiederauffüllung die eigentliche Priorität. Dein Körper schreit nach dem 10km-Lauf nicht nach Protein, sondern nach Kohlenhydraten. Das Gefühl mit den Nudeln ist da kein Zufall. Was mich bei deiner Beschreibung eher interessiert: Du hattest nach dreiviertel Stunde noch keinen Hunger. Das ist bei Läufern ziemlich normal, weil die Durchblutung nach intensivem Ausdauersport noch nicht vollständig vom Muskel zurück zum Verdauungstrakt verlagert ist. Flüssiges wäre da eigentlich physiologisch sinnvoller - nicht wegen Protein, sondern wegen schnellerer Magenentleerung. Aber wenn dir flüssig nach dem Lauf schlecht liegt, dann liegt es dir eben schlecht. Reiswaffeln und Joghurt nach 45 Minuten ist ehrlich gesagt nicht das schlechteste für eine Stunde lockerem Laufen. Joghurt hat Protein und etwas Kohlenhydrate, Reiswaffeln liefern den Rest. Ich habe das selbst getestet, früher nach langen Einheiten - das Problem war nie was ich aß, sondern dass ich zu wenig insgesamt gegessen habe über den Tag. Was war dein Tempo ungefähr, also war das eher locker oder schon intensive Einheit?

@marek_rb

Zitat von marek_rb

das Problem war nie was ich aß, sondern dass ich zu wenig insgesamt gegessen habe über den Tag

das ist der erste Satz in dem ganzen Thread der mich nicht nervt. Weil das einfach stimmt. Ich kenn das von früher als ich noch regelmäßig Rad gefahren bin - abends ne längere Tour, danach kein Hunger, und am nächsten Morgen war ich dann so platt dass ich kaum die Augen aufgekriegt hab. Nicht wegen irgendwelchem Fenster oder Extrakt. Einfach zu wenig insgesamt. @jenni_1997 das mit den Reiswaffeln und Joghurt - is mir schnuppe was irgendwelche Fitness-Accounts dazu sagen, das klingt nach echtem Essen. Keine Ahnung warum alle immer gleich zu Pulver und Shots greifen wenn normales Essen auch funktioniert. Was mich aber bei der ganzen Diskussion beschäftigt: du hast vorher den Rote-Beete-Shot getrunken - vor dem Lauf. Jetzt fragst du was danach. Da frag ich mich ob das für dich irgendwie zusammenhängt oder ob das zwei komplett getrennte Dinge sind in deinem Kopf. Weil wenn du sagst "der Shot fühlt sich richtig an" vor dem Training - das ist ja auch kein messbares Ergebnis, das ist Gewohnheit. Und die Reiswaffeln danach sind vielleicht genauso Gewohnheit. Ob da irgendwas optimiert werden muss bezweifel ich mal stark.

@ms_77 du hast das gut getroffen mit der Gewohnheit, aber ich würde da noch eine Linie ziehen wollen. Bei Rote Beete vor dem Training gibt es einen physiologischen Mechanismus dahinter - Nitrat wird im Speichel zu Nitrit reduziert, das dann im Gewebe zu Stickstoffmonoxid wird, was die Gefäßweitung und die mitochondriale Effizienz beeinflusst. Das ist nicht dasselbe wie ein Ritual, das sich einfach richtig anfühlt. Ob der Effekt bei jennis Trainingsniveau messbar ist, ist eine andere Frage - da wäre ich vorsichtig. Was mich aber eher beschäftigt: die zwei Dinge, die du ansprichst - Shot vorher, Reiswaffeln nachher - hängen für mich schon zusammen. Nicht kalorisch, aber konzeptuell. Wer anfängt, vor dem Training bewusst zu dosieren, fragt sich irgendwann ob er nachher auch optimieren sollte. Und dann landet man schnell in einer Spirale wo man eigentlich nur ein paar Kilos locker laufen gegangen ist und sich danach fragt ob das Recovery-Fenster schon geschlossen ist. Aus meiner Erfahrung in der Praxis sehe ich das regelmäßig. Leute die für 45 Minuten lockeres Cardio anfangen, Supplementprotokolle zu bauen die für Ironman-Vorbereitung gebaut wären. Das ist dann kein Optimieren mehr, das ist eher Beschäftigung mit dem Thema Ernährung als Selbstzweck.

Zitat von ms_77

das klingt nach echtem Essen

Ja, und das reicht für den Kontext auch.

@marek_rb

Zitat von marek_rb

Leute die für 45 Minuten lockeres Cardio anfangen Supplementprotokolle zu bauen die für Ironman-Vorbereitung gebaut wären

da muss ich lachen - aber du hast da nen Punkt den ich interessant finde. Nicht weil ich dir bei dem Nitrat-Mechanismus-Kram folge, da bin ich raus. Aber das mit der Spirale kenn ich aus nem anderen Kontext komplett. Hab einen Kunden gehabt, Elektriker-Kollege, der hat angefangen sein Werkzeug zu "optimieren". Erstmal neues Multimeter, dann Spezialzangen, dann irgendwann hat er 400 Euro für einen Kabelschneider ausgegeben den er dreimal im Jahr braucht. Der Sinn war nicht mehr das Kabel schneiden, der Sinn war das Beschäftigen mit dem Werkzeug. Und das klingt für mich nach genau dem was du beschreibst. Was mich aber bei @jenni_1997 anders einschätzen lässt - sie fragt ja eigentlich nur ob Reiswaffeln ok sind. Das ist keine Spirale, das ist eine Frage. Die Spirale fängt an wenn jemand fragt welches Rote-Beete-Konzentrat die beste Bioverfügbarkeit hat und dann noch einen Recovery-Booster draufsetzt. Ich glaub die Frage ist einfach: macht man sich Gedanken ums Essen weil man besser werden will, oder weil das Nachdenken selbst irgendwie befriedigend ist.

Zitat von ms_77

macht man sich Gedanken ums Essen weil man besser werden will, oder weil das Nachdenken selbst irgendwie befriedigend ist

Das ist eigentlich die interessanteste Frage im ganzen Thread - und die unbequemste. Ich sehe das bei Patienten regelmäßig. Jemand kommt wegen Knieproblemen, und irgendwann merkt man im Gespräch dass er mehr Zeit mit dem Tracking seiner Makros verbringt als mit Schlafen. Das Optimieren hat sich verselbstständigt. Aber @ms_77 ich würde da trotzdem noch unterscheiden. Es gibt Leute die das wirklich als Kontrolle brauchen - nicht aus Interesse an Leistung, sondern weil das Zählen beruhigt. Das ist ein anderes Thema. @jenni_1997 klingt nicht danach. Die fragt einmal pragmatisch nach und ist fertig. Was mich an der ganzen Diskussion aber stört: Wir reden die ganze Zeit über das "danach" als wäre das ein isoliertes Ereignis. Konkret gefragt: wie lang war die Pause zwischen dem Rote-Beete-Shot und dem Start des Laufs? Weil das für die Nitrat-Frage eigentlich relevanter ist als was danach gegessen wird. Aragon & Schoenfeld haben das für Kraftsport aufgedröselt, aber für Ausdauer gibt es da andere Zeitfenster - hab da vor ein paar Wochen was von Jones et al. gelesen, 2-3 Stunden vor der Einheit scheint das Fenster zu sein wo der NO-Peak am ehesten liegt. Wenn jenni den Shot kurz vorher trinkt ist der Effekt sowieso fraglich. Das ist mir zu vage um was Konkretes zu sagen ohne die Rahmendaten zu kennen.

@mh_82

Zitat von marek_rb

2-3 Stunden vor der Einheit scheint das Fenster zu sein

ok da steig ich kurz ein weil mich das ehrlich interessiert - nicht wegen dem Nitrat-Kram an sich sondern wegen dem was das bedeutet. Wenn das Fenster 2-3 Stunden vorher ist und jenni den Shot kurz vor dem Lauf trinkt dann ist das ja im Grunde... Gewohnheit. Punkt. Und das ist kein Vorwurf das sag ich wertfrei. Aber dann frag ich mich warum man überhaupt den Shot kauft wenn man ihn nicht im richtigen Zeitfenster trinkt. Das ist doch Quatsch auf nem anderen Level - nicht mal das Placebo funktioniert dann richtig wenn man weiß dass der Zeitpunkt falsch ist. @mh_82 du bist doch Arzt oder sowas - was ich mich da wirklich frag: woher weiß jenni überhaupt wann sie den Shot getrunken hat, also wie lang vor dem Lauf. Das hat sie gar nicht geschrieben. Vielleicht macht sie alles richtig und wir reden hier aneinander vorbei seit 20 Minuten.

Zitat von ms_77

woher weiß jenni überhaupt wann sie den Shot getrunken hat

Das ist tatsächlich der einzige produktive Punkt den du gerade machst. Und du hast Recht - das hat sie nicht geschrieben. Ich hab da einfach das Schlechteste angenommen, weil das in der Praxis meistens der Fall ist. Leute trinken den Shot auf dem Weg zur Umkleide, nicht zwei Stunden vorher beim Frühstück. Ich bin übrigens kein Arzt, das wäre schön - Physiotherapeut. Nur damit das klar ist. Was mich aber an deinem Beitrag stört: du sagst "nicht mal das Placebo funktioniert wenn man weiß dass der Zeitpunkt falsch ist." Das stimmt so nicht. Placebo und Wirkungsmechanismus sind zwei verschiedene Ebenen. Jemand der nicht weiß dass sein Timing suboptimal ist, profitiert trotzdem vom Placebo. Das ist keine Kritik, nur eine Korrektur. Konkret gefragt: @jenni_1997 hast du eigentlich mal notiert wann genau du den Shot trinkst? Nicht für uns - für dich selbst. Weil wenn du das nicht weißt, kannst du gar nicht beurteilen ob du irgendeinen Effekt hast, egal ob physiologisch oder nicht.

@mh_82

Zitat von mh_82

Placebo und Wirkungsmechanismus sind zwei verschiedene Ebenen

ok das nehm ich an, war ungenau von mir. Aber dann dreht sich das doch im Kreis. Wenn jenni nicht weiß ob der Zeitpunkt stimmt und der Placebo-Effekt trotzdem funktioniert unabhängig davon - wozu dann überhaupt über das Fenster reden. Entweder sie will wissen ob da was Echtes passiert, oder sie will das Ritual. Beides ist legitim aber das sind halt verschiedene Fragen. Was mich bei deinem letzten Beitrag aber wirklich aufhält: du sagst du hast das Schlechteste angenommen weil das in der Praxis meistens so ist. Das kenn ich. Ich sitz manchmal bei nem Kunden und der sagt mir er hat die Sicherung selbst getauscht, und bevor er ausgeredet hat denk ich schon - falsche Stärke, falscher Typ, halb reingedreht. Meistens lieg ich richtig. Aber manchmal nicht. Und dann hab ich ne halbe Stunde umsonst gesucht weil ich nicht gefragt hab. @jenni_1997 hat einfach nicht geantwortet seit sie den Thread aufgemacht hat. Vielleicht macht sie alles richtig, vielleicht trinkt sie den Shot beim Frühstück zwei Stunden vorher und lacht sich grad kaputt über uns. Sag mir einer.

Zitat von ms_77

Vielleicht trinkt sie den Shot beim Frühstück zwei Stunden vorher und lacht sich grad kaputt über uns

Ja, möglich. Und dann wäre das hier tatsächlich 40 Minuten Diskussion über eine Frage die sich von selbst beantwortet hat. Aber @ms_77 - mich beschäftigt gerade was anderes. Du sagst "beides ist legitim", also Ritual oder echter Effekt. Das klingt vernünftig, ist es aber nicht ganz. Weil die zwei Ziele unterschiedliche Konsequenzen haben. Wenn jenni das Ritual will, ist jede weitere Optimierungsdiskussion tatsächlich Zeitverschwendung. Wenn sie wissen will ob da was Echtes passiert, müsste sie mindestens mal vier Wochen konsequent protokollieren - Zeitpunkt, Einheit, Befinden danach. Ohne das ist keine Aussage möglich. Das sage ich nicht als Anspruch, das ist einfach die Mindestvoraussetzung für irgendwas Auswertbares. Was mich in der Praxis nervt ist dass die meisten Leute genau das nicht unterscheiden. Die stellen sich die Frage "bringt das was" aber sie meinen eigentlich "fühlt sich das richtig an". Und dann kaufen sie weiter den Shot weil die Antwort auf die zweite Frage Ja ist, obwohl sie dachten sie stellen die erste. Habt ihr da eigentlich Quellen zu - ob Selbstprotokollierung bei sowas überhaupt valide Daten liefert oder ob der Confirmation Bias das sofort zerstört? Mich würde interessieren ob da jemand was Vernünftiges zu gelesen hat.

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