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Rote Beete vor dem Lauf - aber was nehmt ihr danach?

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@mh_82 zur Selbstprotokollierung: da gibt es tatsächlich was Verwertbares. Bjelakovic et al. haben sich mit Subjektivitätsproblemen in Ernährungs-Selbstberichten beschäftigt, und der Confirmation Bias ist da ein echtes methodisches Problem, nicht nur ein theoretisches. Wer weiß was er nimmt und hofft dass es wirkt, protokolliert anders als jemand der verblindet ist. Das ist keine Spekulation, das ist ziemlich konsistent dokumentiert. Aber ich will kurz zurück zu dem Punkt den du am Ende machst, weil der mich heute Abend mehr beschäftigt als das Timing-Thema. Die Unterscheidung "bringt das was" vs. "fühlt sich das richtig an" - das ist eigentlich das Kernproblem in meiner Beratungsarbeit. Aus meiner Erfahrung in der Beratung ist das fast nie sauber getrennt, nicht weil die Leute sich selbst belügen, sondern weil Wohlbefinden nach dem Training ein legitimes Outcome ist. Die Frage ist nur ob es rechtfertigt was das Produkt kostet. Was mich an jennis Ausgangsfrage eigentlich interessiert hätte - und die hat sich ja aus dem Thread komplett verabschiedet - ist ob sie den Shot selbst kauft oder ob das schon so ein Fertigprodukt wie Betanio oder ähnliches ist. Weil da ist die Nitratkonzentration oft deutlich schlechter deklariert als bei frisch gepresstem Saft. Die Datenlage zu diesen Konzentraten ist leider dünn wenn man die tatsächliche Bioverfügbarkeit vergleichen will, nicht nur die aufgedruckte Menge.

Zitat von jenni_1997

schmeckt nach wie vor wie Erde aber whatever

Das ist eigentlich ein nützlicher Hinweis - nicht über den Geschmack, sondern über das Produkt. Wenn du ein Fertigprodukt nimmst, @jenni_1997, wäre interessant zu wissen welches. @anna_grf hat da was Relevantes angesprochen was ich so noch nicht auf dem Schirm hatte: die Deklaration der Nitratkonzentration bei Fertigprodukten. Ich kenn das aus der Praxis wenn Patienten mir Produkte zeigen. Aufgedruckte Menge und tatsächlich verfügbares Nitrat sind zwei verschiedene Dinge, und die Hersteller sind da nicht verpflichtet besonders transparent zu sein. Betanio zum Beispiel - das wurde hier schon mal erwähnt - deklariert Nitratgehalt pro Shot, aber ob die Bioverfügbarkeit mit frisch gepresstem Rote-Beete-Saft vergleichbar ist hab ich bisher nirgends sauber belegt gesehen. Habt ihr da Quellen zu? Ich meine konkrete Vergleichsdaten, nicht nur Produktbeschreibungen. Draußen fängt es gerade an zu regnen, passt irgendwie zum Thema. @anna_grf zu Bjelakovic - den kenn ich eher aus dem Antioxidantien-Kontext, nicht aus der Ernährungs-Selbstprotokollierung. Hast du da einen spezifischen Paper-Titel oder war das ein Review? Würde ich mir gern nochmal genauer ansehen.

Zitat von marek_rb

ob die Bioverfügbarkeit mit frisch gepresstem Rote-Beete-Saft vergleichbar ist

Genau das ist der Punkt, und ich hab da bisher tatsächlich keine saubere Vergleichsstudie gesehen. Was es gibt, sind Arbeiten zur Nitratkonzentration in frischen Rote-Beete-Säften, z.B. die Gruppe um Vanhatalo (Exeter), die hat mit standardisierten Mengen gearbeitet, 500ml Rohsaft mit dokumentiertem Nitratgehalt. Aber das ist methodisch etwas anderes als ein 70ml-Shot aus einem Konzentrat, wo die Verarbeitungstemperatur und der pH-Wert die Nitrat-zu-Nitrit-Umwandlung schon vor dem Schlucken beeinflussen können. Ob das bei Betanio oder ähnlichen Produkten kompensiert wird - keine Ahnung, und die Datenlage ist hier leider dünn. Zum Bjelakovic: das war tatsächlich kein Selbstprotokollierungs-Paper direkt, ich hab das ein bisschen zu großzügig gerahmt letzte Nacht, sorry. Der Bezug kam über ein Review zu Bias in Supplementstudien, nicht zur Ernährungs-Selbsterfassung im engeren Sinn. Für den Confirmation-Bias-Aspekt wäre Desharnais et al. (1993, Placebo-Effekte bei Trainingsinterventionen) eigentlich näher dran, obwohl das auch kein perfekter Treffer ist. Was mich gerade mehr beschäftigt: @mh_82 du sagst, Hersteller sind nicht verpflichtet besonders transparent zu sein. Das stimmt, aber die Novel-Food-Verordnung und die EFSA-Bewertungen zu Nitrat wären da eigentlich ein Ansatzpunkt. Nur wird das in der Praxis kaum genutzt, weil Rote Beete als Lebensmittel klassifiziert ist, nicht als Supplement. Das macht die Regulierungslücke erst richtig deutlich.

@anna_grf der Punkt mit der Novel-Food-Verordnung ist interessant, aber ich glaub der greift hier nicht wirklich. Rote Beete ist ein Lebensmittel, da kann man keine Mindest-Nitratmenge vorschreiben wie bei einem Arzneimittel. Das ist ja gerade das Problem. Die EFSA bewertet Nitrat eher als potenziell problematischen Stoff in der Gesamtdiät, nicht als erwünschten Wirkstoff im Sportkontext. Die Regulierung zieht in die komplett andere Richtung.

Zitat von anna_grf

die Verarbeitungstemperatur und der pH-Wert die Nitrat-zu-Nitrit-Umwandlung schon vor dem Schlucken beeinflussen können

das wäre in der Praxis eh das relevantere Problem als die Deklaration. Wir sehen in der Praxis manchmal Produktblätter die Patienten mitbringen, und da steht dann "Nitratgehalt je Shot" ohne jeden Hinweis auf die Form. Ob das noch bioverfügbares Nitrat ist oder schon zu Nitrit umgewandelt wurde oder zu was auch immer - das steht da nicht. Was mich bei der ganzen Diskussion heute Abend müde macht (im übertragenen Sinn): jenni hat eine sehr simple Frage gestellt, und jetzt sitzen hier Leute und suchen Exeter-Studien raus. Sie wollte wissen ob Reiswaffeln und Joghurt ok sind. Die Antwort ist ja.

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