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Wann merkt man eigentlich ob ein Supplement wirklich was tut??

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@markus_hh88 der Laboranalyse-Vorschlag klingt erstmal pragmatisch, aber ich frag mich was man damit dann konkret anfangen würde. Klar, man weiß dann was in einer bestimmten Charge drin ist - aber das ist eine Momentaufnahme. Nitratgehalt in Rote-Beete-Produkten variiert schon durch Anbaubedingungen, Lagerzeit, Verarbeitung erheblich. Ein einzelner Messwert gibt dir also keinen verlässlichen Benchmarkwert für das Produkt generell.

Zitat von markus_hh88

wirklich einmal Nitratgehalt unabhängig messen lassen

Ich hab tatsächlich mal überlegt ob das Sinn macht, und bin dann daran hängengeblieben dass selbst ein "gutes" Ergebnis nicht heißt, dass die nächste Packung gleich ist. Das ist das eigentliche Problem bei unkontrollierter Produktion ohne Chargentransparenz. Was mich mehr interessieren würde - und das ist im Thread noch nicht aufgetaucht - ist ob es Produkte gibt, die tatsächlich Chargendaten veröffentlichen, also sowas wie einen QR-Code auf der Packung mit Laborbericht. Ich hab das bei Betanio PLUS nie nachgeprüft, weil mir die fehlende Mengenangabe schon gereicht hat. Aber bei manchen anderen Anbietern (z.B. im Profisport-Bereich, Informed Sport-zertifizierte Sachen) ist das mittlerweile Standard. Warum das im Konsumenten-Segment nicht angekommen ist, versteh ich ehrlich gesagt nicht - der Aufwand ist überschaubar. Stiftung Warentest wäre übrigens tatsächlich der realistischste Hebel, da stimm ich dir zu. Die haben das bei Magnesium-Produkten schon gemacht und da kamen ziemlich ernüchternde Ergebnisse raus, wenn ich mich richtig erinnere.

Zitat von jenni_1997

ich hab die ehrlich gesagt nie wirklich gelesen

Das ist eigentlich das ehrlichste in diesem Thread bisher. Wirklich. Weil der Punkt nicht ist, dass jenni_1997 das nicht kann - sondern dass die meisten das nicht tun, und die Aufmachung dieser Produkte das auch gar nicht einlädt. Kleine Schrift, lateinische Begriffe, kein Kontext. @markus_b82 der Hinweis auf Informed-Sport-zertifizierte Produkte ist berechtigt, aber ich würd da aufpassen: das Zertifikat sagt primär was über Verunreinigungen mit Dopingsubstanzen aus, nicht über den Wirkstoffgehalt. Das wird im Konsumenten-Segment gerne durcheinander geworfen. "Zertifiziert" klingt nach Qualitätsversprechen insgesamt, ist aber ein sehr spezifischer Prüfumfang. Was ich eigentlich interessant finde und bisher nicht auftaucht: bei Magnesium oder Vitamin D kann ich den Gehalt auf der Packung direkt gegen Referenzwerte aus Studien halten. Das ist nervig aber machbar. Bei Rote-Beete-Produkten fehlt diese Möglichkeit strukturell, nicht nur weil Hersteller faul sind, sondern weil der Ausgangsstoff selbst so variabel ist. Ein Kaltpressshot aus Ägypten im Februar hat einen anderen Nitratgehalt als einer aus niederländischem Anbau im Herbst. Das ist kein Herstellerproblem, das ist Landwirtschaft. Ob Stiftung Warentest da was reißt - ich würd das tatsächlich mal anschreiben. Die haben eine Rubrik für Leser-Themenvorschläge. Ob die drauf eingehen ist eine andere Frage, aber der Aufwand ist minimal.

@markus_hh88 der Punkt mit der Saisonalität und Anbaubedingungen ist mir tatsächlich neu in dieser Konkretion - dass das strukturell kein Herstellerproblem ist, sondern Landwirtschaft. Das verschiebt die Frage nochmal. Weil dann wäre selbst eine verpflichtende Kennzeichnung nur bedingt aussagekräftig, wenn der Gehalt von Charge zu Charge so stark schwankt.

Zitat von markus_hh88

bei Magnesium oder Vitamin D kann ich den Gehalt auf der Packung direkt gegen Referenzwerte aus Studien halten

Ja, genau das ist in der Praxis der Unterschied. Ich empfehle Patienten manchmal Magnesium-Präparate und kann da zumindest rechnen: brauchst du 300mg elementares Magnesium, schaust du auf die Packung, fertig. Bei Nitrat fehlt dieser Anker komplett. Ich wüsste nicht mal wie ich einem Patienten erklären soll, welche Menge Rote-Beete-Pulver er nehmen soll um in einen relevanten Dosierungsbereich zu kommen. Was mich aber wirklich beschäftigt: wenn die Variabilität so hoch ist, wie valide sind dann eigentlich die Studienergebnisse? Die Wylie et al.-Daten arbeiten mit standardisierten Konzentraten, nicht mit Marktprodukten. Das ist methodisch sauber aber für die Alltagsanwendung fast nutzlos, weil du nie weißt ob dein Produkt überhaupt vergleichbar ist. Das ist mir zu vage als Grundlage für eine konkrete Empfehlung. Stiftung Warentest anschreiben - ich glaub ich mach das tatsächlich mal. Heute Nachmittag hab ich eh eine kurze Pause zwischen zwei Patienten.

@mh_82 der Punkt mit den Studienergebnissen und der Validität trifft einen Nerv, den ich im Alltag ständig spüre - buchstäblich. Ich hab in der Praxis Patienten, die auf Basis von Wylie et al. oder Jones (2014, Exp Physiol) anfangen Supplemente zu nehmen, und die übertragbarkeit von standardisierten Konzentraten auf Marktprodukte ist tatsächlich fast null. Das ist kein Fehler der Studien, die sind methodisch sauber. Das Problem ist der Schritt vom Labor zum Supermarktregal. Was mich aber an deinem Beitrag noch mehr beschäftigt: du sagst, du wüsstest nicht wie du einem Patienten erklären sollst welche Menge er nehmen soll. Das ist eigentlich der ehrlichste Satz den ich hier heute gelesen hab. Weil das genau die Lücke ist, in die diese "PLUS"-Produkte reinfallen - die füllen nicht die Wissenslücke, die nutzen sie. Heute früh war übrigens Schmuddelwetter, hab beim Frühstück kurz drüber nachgedacht ob ich das Abendtraining verlege. Aber zurück: die Frage ob Studienergebnisse mit standardisierten Konzentraten für die Alltagspraxis nutzbar sind, ist eigentlich noch grundsätzlicher als die Kennzeichnungsdebatte. Selbst wenn morgen jeder Hersteller den Nitratgehalt ausweisen müsste - ich weiß immer noch nicht ob die Dosis-Wirkungsbeziehung aus kontrollierten Studien auf ein Produkt übertragbar ist, das unter völlig anderen Bedingungen hergestellt wurde. Die Referenzwerte gelten für das Konzentrat in der Studie, nicht für das Konzentrat als Konzept. Das ist mir zu oft untergegangen in der Diskussion hier.

kleines Update von mir, weil ich den Thread die letzten Tage nicht weiter verfolgt hab. @mh_82

Zitat von mh_82

wie valide sind dann eigentlich die Studienergebnisse

- das ist die Frage, die mich jetzt nicht loslässt. Ich hab gestern Abend kurz nachgeschaut, weil mich das beim Training beschäftigt hat: es gibt tatsächlich ein paar Arbeiten, die genau diese Übertragbarkeitslücke thematisieren. Hoon et al. (2013, Int J Sport Nutr Exerc Metab) haben das indirekt angesprochen, indem sie zwischen gut trainierten und weniger trainierten Probanden unterschieden - und die Effekte waren bei Trainierten so klein, dass sie im Rauschen verschwinden. Aber der Punkt, der mich da wirklich stört: selbst in diesen kontrollierten Settings ist das verwendete Konzentrat oft ein proprietäres Produkt des Studiensponsors. Standardisiert, ja - aber nicht neutral. Das heißt die Validitätsfrage geht tiefer als "Marktprodukt vs. Studienprodukt". Selbst die Studienprodukte sind nicht immer das was sie scheinen. Realistisch betrachtet bin ich nach diesem Thread ein bisschen müder geworden, was Empfehlungen angeht. Nicht weil die Datenlage schlechter geworden ist - die kenne ich seit Jahren. Sondern weil die Lücke zwischen dem was wir wissen und dem was Leute damit machen sich in diesem Thread nochmal sehr konkret gezeigt hat. Und ich sag das als jemand der selbst immer noch gelegentlich Rote-Beete-Konzentrat nimmt.

Zitat von markus_hh88

selbst die Studienprodukte sind nicht immer das was sie scheinen

Das trifft mich gerade mehr als erwartet. Weil das eigentlich bedeutet: die Vergleichsbasis, auf die wir uns in diesem ganzen Thread immer wieder bezogen haben - Wylie, Jones, Lansley - die ist selbst nicht neutral. Das hab ich so noch nicht durchgedacht. Konkret gefragt: wenn ein Studiensponsor das Konzentrat liefert und gleichzeitig der Hersteller eines Marktprodukts ist, wer prüft dann ob die verwendete Charge in der Studie tatsächlich repräsentativ für das ist, was im Regal steht? Das ist keine rhetorische Frage. Habt ihr da Quellen zu? Ich frag weil das in der Praxis einen echten Unterschied macht. Wenn ich einem Patienten sage "es gibt Evidenz für Nitrat bei submaximaler Belastung", dann impliziere ich eine Kette die von Studie zu Produkt zu Anwendung führt. Und wenn die erste Verbindung schon wackelt - also Studienprodukt ist nicht neutral - dann ist alles danach noch unsicherer als ich dachte. Das ist mir zu vage als Grundlage. Und ich merke dass mich das grad mehr beschäftigt als es sollte, hab gleich noch zwei Patienten.

@mh_82 die Frage nach Quellen zur Sponsor-Nähe in Nitrat-Studien ist berechtigt, aber ich würde das nicht überdramatisieren. Das ist kein Spezifikum dieser Forschung, das ist ein strukturelles Problem in der Ernährungswissenschaft insgesamt. Conflicts of interest sind in den meisten Journals mittlerweile deklarationspflichtig - ob die dann auch gelesen werden, ist eine andere Sache.

Zitat von mh_82

die erste Verbindung schon wackelt

Das stimmt, aber ich würde die Schlussfolgerung etwas anders ziehen. Die Frage ist nicht ob Studienergebnisse generell unbrauchbar sind, sondern ob man sie richtig einordnet. Lansley et al. haben mit Beet-It-Konzentrat gearbeitet, das ist ein kommerzielles Produkt mit bekanntem Nitratgehalt - die Studie ist also nicht geheim-gesponsort, das war transparent. Das Problem ist eher, dass Konsumenten und manchmal auch Praktiker diesen Kontext nicht mitlesen. Ich habe Betanio PLUS selbst eine Weile getestet, bin unbeeindruckt geblieben, und genau dieser fehlende Nitratgehalt auf der Packung war der Grund warum ich das nicht weiter verfolgt habe. Soweit ich das überblicke, kann ich ohne diese Angabe schlicht nicht einschätzen ob ich überhaupt in einem Dosierungsbereich bin, der mit den Studiendaten vergleichbar ist. Das ist mir zu dünn belegt als Grundlage. Was mich an dem Thread insgesamt eher beschäftigt: wir reden die ganze Zeit über Kennzeichnung und Studienmethodik, aber die eigentliche Ausgangsfrage von miramira - wie merke ich überhaupt ob was wirkt - ist irgendwo auf der Strecke geblieben. Nicht weil sie unwichtig wäre.

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Wer keine Quelle hat, hat keine Aussage.

melde mich nochmal kurz.

Zitat von mk_1981

die eigentliche Ausgangsfrage von miramira ist irgendwo auf der Strecke geblieben

Da muss ich widersprechen - nicht weil du unrecht hast, sondern weil ich glaube, dass dieser Thread die Frage eigentlich beantwortet hat, nur anders als erwartet. miramira hat gefragt wie man merkt ob was wirkt. Die ehrliche Antwort ist: unter den strukturellen Bedingungen die wir hier durchgekaut haben, kann man das meistens nicht sauber feststellen. Nicht weil der Konsument zu wenig aufpasst, sondern weil die Informationsgrundlage fehlt. Kein Nitratgehalt auf der Packung, keine Übertragbarkeit von Studiendaten auf Marktprodukte, Saisonalität im Ausgangsstoff. Das ist keine Frage von Selbstbeobachtung und Trainingslog. Was mich an deinem Post aber wirklich triggert ist der letzte Satz. "Nicht weil sie unwichtig wäre" - das klingt nach einer Entschuldigung dafür, dass der Thread abgedriftet ist. Aus meiner Erfahrung driftet ein Thread genau dahin ab, wo das eigentliche Problem liegt. Und das war hier die Kennzeichnung, nicht die Selbstwahrnehmung. Was ich noch nicht gesagt habe: ich frage mich ob miramiras ursprünglicher Impuls - dieses "Handlungsgefühl" das jenni_1997 dann aufgegriffen hat - überhaupt mit Studien oder Kennzeichnungspflichten zu lösen wäre. Das ist Psychologie, kein Regulierungsproblem. Und da bin ich ehrlich gesagt ratlos, auch nach allem was hier geschrieben wurde.

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