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Vereinskollege schwört auf Rote-Bete-Shots – bringt das wirklich was?

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Ich les den Thread jetzt schon eine Weile mit und muss an einer Stelle kurz einhaken, weil mich das wissenschaftlich direkt betrifft.

Zitat von rennradrenate

bei jemandem der ohnehin schon sehr nitratreich isst, tut sich weniger

Das ist tatsächlich belegt - aber nur ein Teil der Geschichte. Was im Forum fast nie vorkommt: der Effekt ist bei gut trainierten Ausdauersportlern ohnehin deutlich kleiner als bei Untrainierten oder Personen mit niedrigem Ausgangs-Nitratstatus. Langsmer et al. (2012, J Physiol) haben das ziemlich klar gezeigt. Wer VO2max-Werte im oberen Bereich hat, profitiert kaum noch messbar. Das hat nichts mit dem Produkt zu tun - das ist Physiologie. Was mich an dieser ganzen Betanio-Diskussion stört, ist das Übliche: Die Studien, auf die sich diese Hersteller beziehen, stammen meistens aus Populationen mit moderatem Fitnessniveau. Dann wird das auf ambitionierte Hobbyfahrer übertragen und als Leistungsversprechen verkauft. Das ist nicht falsch zitiert, aber das ist auch nicht ehrlich. @rennradbernd zu deiner Frage ob das messbar wäre: Powermeter wäre tatsächlich der sauberste Weg - aber dann bräuchtest du wirklich Wochen kontrollierter Baseline, wie Renate schon gesagt hat. Was realistischer ist: Laktatstufentests vor und nach einer Supplementationsphase. Macht man aber nicht zuhause. Ich kenn das aus dem Uni-Kontext, da ist sowas planbar - im Vereinsalltag nicht. Was mich hier eigentlich beschäftigt: niemand redet über Dosierung. Wie viel Nitrat war denn in deinem Betanio-Shot?

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Meinungen hier sind privat, nicht Institutsposition.

@tobi_w, der Langsmer-Hinweis ist konkret, danke - das ist genau die Art Information, die in solchen Diskussionen fast nie auftaucht. Ich habe das so pauschal nicht gewusst, also nehme ich das mit. Was mich bei deinem Beitrag aber beschäftigt: du sagst, gut trainierte Ausdauersportler profitieren kaum noch messbar. Wie definiert das diese Studie eigentlich? VO2max-Wert ist ja das eine, aber im Hobbybereich ist das Spektrum riesig. Mein Vereinskollege, der die Shots nimmt, fährt Granfondos mit vernünftigen Zeiten - ob der in die Kategorie "gut trainiert" fällt oder nicht, das weiß ich ehrlich gesagt nicht.

Zitat von tobi_w

niemand redet über Dosierung

Das ist der Punkt, bei dem ich fast lachen musste - weil ich genau das in meinem ersten Beitrag hier auch angesprochen habe, und trotzdem ist die Frage offen geblieben. Beim Betanio weiß ich es nicht, ich kenne das Produkt nicht aus eigener Erfahrung. Bei dem Konzentrat, das ich selbst eine Zeit lang genommen habe, stand die Nitratmenge nicht mal auf der Packung. Ich hab dann die Herstellerseite gesucht und da stand irgendeine Angabe in mg pro 100ml, aber ob das dem entspricht was in klinischen Kontexten eingesetzt wird - keine Ahnung. Das ist übrigens das, was mich an der ganzen Supplement-Kategorie mehr stört als an Rote Bete als Lebensmittel. Beim Gemüse weiß ich, dass Nitratgehalt je nach Anbau schwankt, das ist Natur. Beim Konzentrat zahle ich Geld und bekomme trotzdem keine verlässliche Angabe.

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Rennrad ist kein Hobby, das ist Therapie.

@tobi_w das mit dem VO2max ist interessant, aber ehrlich gesagt macht mich das auch ein bisschen misstrauisch. Nicht gegenüber dir - sondern gegenüber dem ganzen System. Wenn die Studien an Untrainierten gemacht werden und dann das Produkt an ambitionierte Hobbyfahrer vermarktet wird, das ist doch eigentlich Etikettenschwindel. Nicht illegal, aber halt nicht ehrlich wie du selbst sagst. Was mich bei deinem Beitrag aber am meisten beschäftigt: du fragst nach der Dosierung vom Betanio. Das weiß ich tatsächlich nicht mehr. Ich hab die Flasche irgendwann weggeworfen und ich bin ehrlich gesagt nicht sicher ob da überhaupt eine Nitrat-Angabe drauf stand. Ich hab damals einfach gekauft was der Kollege empfohlen hat, Inhalt war mir egal. Das ist eigentlich das Beschämende daran. Ich würd bei Holzleim im Laden auch auf die Zusammensetzung schauen bevor ich den nehm.

Zitat von rennradrenate

beim Konzentrat zahle ich Geld und bekomme trotzdem keine verlässliche Angabe

das ist für mich eigentlich der Knackpunkt. Nicht ob Rote Bete wirkt oder nicht. Sondern dass man als Käufer nicht mal nachprüfen kann was man da schluckt. Ich frag mich ob das irgendwo reguliert wird - also ob es da überhaupt Vorgaben gibt was auf so einer Flasche draufstehen muss. @tobi_w, du kennst das aus dem Uni-Kontext, weißt du das zufällig?

@rennradbernd, die Regulierungsfrage ist berechtigt, und ich kann dir sagen was ich weiß - aber das ist nicht viel. Nahrungsergänzungsmittel fallen in der EU unter die Lebensmittelverordnung, nicht unter Arzneimittelrecht. Das bedeutet konkret: keine Zulassungspflicht, keine verpflichtende Wirksamkeitsprüfung vor dem Inverkehrbringen. Was auf die Packung muss, ist geregelt - Zutaten ja, aber Nitratmengen in mg sind nach meinem Kenntnisstand nicht vorgeschrieben. Das könnte @tobi_w besser einschätzen als ich.

Zitat von rennradbernd

ich hab damals einfach gekauft was der Kollege empfohlen hat, Inhalt war mir egal

Das ist eigentlich der Satz, der mich in diesem Thread am meisten beschäftigt. Nicht weil ich das verurteile - ich hab das am Anfang ähnlich gemacht. Aber wenn ich das mit dem Holzleim-Vergleich weiterdenke: du schaust auf die Zusammensetzung, weil du weißt was du damit vorhast und was schiefgehen kann. Bei Supplements fehlt dieses Wissen den meisten - nicht aus Dummheit, sondern weil man nicht weiß, wonach man schauen soll. Nitratwerte lesen kann man erst, wenn man weiß dass Nitrat der relevante Wirkstoff ist. Das hat mir meine Hausärztin erklärt, sonst wäre ich da auch blind reingegangen. Was mich daran wirklich beschäftigt: das ist kein Versagen der Käufer. Das ist ein Informationsproblem, das die Branche sehr bequem findet.

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