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Vereinskollege schwört auf Rote-Bete-Shots – bringt das wirklich was?

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Bei uns im Verein gibt's einen der seit zwei Jahren bei jedem Ausfahrt mit diesen Rote-Bete-Shots ankommt. Schwört Stein und Bein drauf. Seit er die trinkt ist er angeblich schneller, erholt sich besser, schläft besser - irgendwann hab ich mir gedacht okay ich probier's halt. Hab mir dann einen Monat lang dieses Betanio-Zeug oder wie das heißt besorgt, war ja nicht billig. Und was soll ich sagen - ich hab nix gemerkt. Rein gar nix. Vielleicht war's Einbildung dass ich mal eine Ausfahrt etwas flotter war, aber das hätte auch am Wetter gelegen. War ein schöner Dienstag, gute Beine, keine Ahnung. Jetzt frag ich mich ob das überhaupt wissenschaftlich sauber ist was die da versprechen. Mein Kollege hat mir dann irgendwelche Studien geschickt, aber ehrlich gesagt - wer steckt da das Geld rein? Die Hersteller selbst? Das glaub ich sofort. Was mich eigentlich am meisten beschäftigt: warum glauben wir dem Typen im Verein mehr als unserem Hausarzt? Meine Hausärztin hat gesagt Rote Bete essen ist prima, als Konzentrat aus der Flasche sieht sie das skeptisch. Aber der Vereinsheini mit seiner Strava-Bestzeit hat natürlich mehr Überzeugungskraft. Ich glaub da steckt viel Psychologie drin. Wenn du weißt dass du was geschluckt hast gehst du anders ans Training ran. Trittst mehr in die Pedale weil du denkst jetzt muss doch was kommen. Das is halt so. Rote Bete als Gemüse mach ich gern, die Frau kocht das manchmal. Aber diese konzentrierten Fläschchen für 40 Euro den Monat - da lach ich lieber drüber. Wie macht ihr das? Habt ihr sowas wirklich mal systematisch getestet oder läuft das bei euch auch eher nach Bauchgefühl und Vereinsempfehlung?

@rennradbernd, eine Sache hat mich bei deinem Beitrag wirklich beschäftigt, und das ist der Punkt mit der Dosierung. Ein Monat ist aus meiner Sicht zu kurz, um das fair zu beurteilen - aber das ist nicht mal das Hauptproblem. Die Frage ist doch: wie viel Nitrat steckt wirklich in diesen Fläschchen? Bei mir war es so, dass ich erst nach einem längeren Gespräch mit meiner Hausärztin verstanden habe, dass die Wirkung sehr stark von der tatsächlichen Nitratmenge abhängt, und da weichen die Produkte erheblich voneinander ab. Manche Konzentrate haben kaum mehr drin als ein normaler Rote-Bete-Saft aus dem Supermarkt. Das steht natürlich nicht auf der Vorderseite der Flasche.

Zitat von rennradbernd

wer steckt da das Geld rein?

Das ist eine berechtigte Frage. Wobei ich sagen muss - das gilt für Pharmastudien genauso. Da muss man immer schauen, wer Auftraggeber war. Das ist wichtig zu wissen, macht aber den Inhalt nicht automatisch wertlos. Was ich konkret gesagt noch loswerden will: dein Kollege schwört drauf, du hast nix gemerkt - das sagt mir weniger über das Produkt als über den Unterschied zwischen euch beiden. Trainingsstand, Ausgangswerte beim Blutdruck, Ernährung sonst. Ich vermute, bei jemandem der ohnehin schon sehr nitratreich isst, tut sich weniger. Aber das Betanio kenne ich nicht, keine Ahnung ob das ein seriöses Produkt ist oder nicht.

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Rennrad ist kein Hobby, das ist Therapie.

@rennradrenate der Punkt mit den Ausgangswerten ist interessant, den hab ich so noch nie gehört. Klingt plausibel - wenn ich eh viel Gemüse ess dann bringt mir das Konzentrat halt nix Zusätzliches. Das würd auch erklären warum mein Kollege schwört und ich nix gespürt hab.

Zitat von rennradrenate

bei jemandem der ohnehin schon sehr nitratreich isst, tut sich weniger

Aber weißt du was mich daran stört? Das ist genau das Argument das diese Hersteller auch benutzen wenn nix wirkt. "Du hast den falschen Ausgangswert", "du hast zu wenig genommen", "du brauchst länger". Immer gibt's ne Erklärung warum man weiterkaufen soll. Is halt so bei dem Zeug. Draußen ist's grad neblig übrigens, kein Wetter für große Erkenntnisse. Was ich mich frag - weiß eigentlich irgendjemand hier wie man das selbst testen würde? Also nicht nach Gefühl sondern irgendwas messbares. Mein Puls beim Anstieg, Wattzahlen wenn man einen Tacho mit Powermeter hat. Ich hab keinen aber ich kenn Leute im Verein die sowas haben. Die fahren aber auch alle auf Strava und vergleichen sich mit jedem Windbeutel auf der Strecke, also da ist Objektivität sowieso Mangelware.

@rennradbernd, das Argument mit den Hersteller-Ausreden verstehe ich, und ich gebe dir recht - das ist ein echtes Muster in der Branche. Aber ich würde das trotzdem trennen. Ein Argument kann missbraucht werden und trotzdem stimmen. Zur Messung: Powermeter ist natürlich das Sauberste, was Hobbyfahrer realistisch hinbekommen können. Aber auch da muss man sehr kontrolliert vorgehen - gleiche Strecke, gleiche Tageszeit, gleiche Schlafdauer, kein Infekt. Das ist bei Berufstätigen im Alltag kaum sauber hinzukriegen. Ich hab das nie systematisch gemacht, ehrlich gesagt. Ich merke Dinge eher über längere Zeiträume - weniger Schwere in den Beinen nach langen Ausfahrten, schnellere Erholung bis zum nächsten Tag. Das ist subjektiv, das weiß ich.

Zitat von rennradbernd

irgendwas messbares

Ruhepuls wäre noch eine Option, die viele unterschätzen. Wenn man den über Wochen morgens notiert, sieht man manchmal was. Nicht spektakulär, aber wenigstens ein eigener Datenpunkt. Meine Hausärztin hat mir das damals empfohlen als ich angefangen hab, meinen Blutdruck besser im Blick zu behalten. Was mich an deinem letzten Satz beschäftigt: Strava und Objektivität schließen sich wirklich aus, da hast du einen Punkt. Zu viele Variablen, zu viel Ego.

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Rennrad ist kein Hobby, das ist Therapie.

@rennradrenate Ruhepuls, okay - das ist mal was das ich tatsächlich noch nicht probiert hab. Ich hab ein altes Garmin irgendwo in der Schublade, das misst das morgens wenn man will. Aber ich bin halt der Typ der das drei Tage macht und dann vergisst.

Zitat von rennradrenate

zu viele Variablen, zu viel Ego

Ja, und genau da liegt für mich das eigentliche Problem. Nicht mal bei den Supplements - sondern dass wir alle viel zu wenig wissen was in unserem Körper gerade wirklich los ist. Ich mein, ich weiß nicht mal wie mein Blutdruck aussieht wenn ich nach nem langen Arbeitstag auf's Rad steig. Holz schleifen, Knie auf dem Boden, dann direkt auf's Rad - das ist kein sauber kontrollierter Ausgangszustand. Meine Hausärztin hat mir letztes Jahr beiläufig gesagt ich soll auf Salz achten wegen leicht erhöhtem Druck. Hab ich dann zwei Wochen gemacht. Dann wieder vergessen. So läuft das halt in der Praxis auch bei Leuten die sich für diszipliniert halten. Was mich bei deinem Powermeter-Punkt beschäftigt: ich glaub die meisten die sowas haben, nutzen die Daten gar nicht vernünftig aus. Die schauen auf die Zahl, freuen sich wenn sie höher ist als letzte Woche und kaufen dann trotzdem den nächsten Shot. Der Powermeter gibt dir Daten aber er gibt dir halt keine Antworten.

@rennradbernd, der Satz mit dem Powermeter trifft was Richtiges, aber ich würde das noch weiter ziehen. Das Problem ist nicht nur, dass man Daten hat ohne sie zu verstehen - es ist, dass man die falsche Frage stellt. Die meisten schauen ob die Leistung gestiegen ist. Aber die eigentlich interessante Frage wäre: wie schnell erholt sich die Leistung nach Belastung? Das merkt man im Alltag viel eher als einen Wattrekord.

Zitat von rennradbernd

ich weiß nicht mal wie mein Blutdruck aussieht wenn ich nach nem langen Arbeitstag auf's Rad steig

Das kenne ich gut, und das ist bei mir der Punkt gewesen wo ich angefangen habe, das ernster zu nehmen. Nicht nach dem Sport messen, sondern morgens, immer zur gleichen Zeit. Das klingt banal, aber nach ein paar Wochen sieht man Muster - an Schultagen ist meiner anders als samstags, das hat mich damals wirklich überrascht. Was du über Salz und zwei Wochen sagst - das ist ehrlicher als die meisten zugeben würden. Ich glaube, die wenigsten halten irgendwas länger durch ohne äußeren Anlass. Bei mir war der Anlass halt die Hausärztin, die das explizit mit dem Rennradfahren verknüpft hat. Das hat was verändert. Nicht die Disziplin, sondern der Zusammenhang war plötzlich konkret. Ob Rote Bete da reinspielt, das weiß ich wirklich nicht mit Sicherheit. Ich trenne das inzwischen: es tut mir gut, weil es insgesamt eine sinnvolle Ernährungsgewohnheit ist - nicht weil die Flasche einen Leistungsversprechen draufhat.

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@rennradrenate

Zitat von rennradrenate: "es tut mir gut, weil es insgesamt eine sinnvolle Ernährungsgewohnheit ist"

ja, das ist eigentlich der einzige Satz in diesem ganzen Thread der mich wirklich überzeugt. Nicht weil's Rote Bete ist - sondern weil du sagst du isst's weil's Gemüse ist und nicht weil irgendein Fläschchen Leistungsversprechen draufsteht. Das ist ein Unterschied. Was mich an deinem Schultagsbeispiel beschäftigt: du hast das gemerkt weil du über Wochen gemessen hast. Das machen die wenigsten. Mein Kollege mit den Shots misst nix, der fühlt sich nur besser. Das ist ne komplett andere Sache. Ich frag mich grad ob das vielleicht das eigentliche Problem ist. Nicht das Supplement - sondern dass man überhaupt keinen Ausgangspunkt hat. Wenn ich nicht weiß wie mein Körper ohne ist kann ich auch nicht beurteilen ob sich was verändert hat. Das klingt banal aber ich hab das selber nie so konsequent durchgedacht. Bei der Arbeit würd ich das anders angehen. Wenn ich ein Holz bearbeite und nicht weiß wie's vorher ausgesehen hat, kann ich auch nicht sagen ob ich besser geworden bin. Irgendwie hab ich das auf den eigenen Körper nie so angewendet. Mein Garmin liegt noch in der Schublade. Edit: Wobei fair gesagt sein muss - bei sowas wie Ernährung ist es natürlich schwerer zu messen als bei Trainingsleistung. Aber genau deswegen wäre es umso wichtiger, wenigstens für ein paar Wochen eine Baseline zu haben, bevor man anfängt zu supplementieren.

@rennradbernd, das Holz-Vergleich ist gut, den merke ich mir ehrlich gesagt. Aber was mich bei deinem letzten Absatz wirklich beschäftigt: du sagst, das Garmin liegt in der Schublade. Das ist nicht Faulheit - das ist fast schon rational, wenn man keinen Grund hat anzufangen. Der Anlass fehlt. Deine Hausärztin hat einmal Salz erwähnt, dann war das Thema wieder weg. Das ist zu wenig um eine Gewohnheit zu bauen. Ich hab das damals anders erlebt, weil meine Ärztin mich konkret gebeten hat, ihr beim nächsten Termin eine Tabelle mitzubringen. Nicht "mach das mal so", sondern ein Datum, ein Ziel. Das klingt kleinlich, aber es hat funktioniert. Ich bin Lehrerin ich weiß wie viel Unterschied ein konkreter Auftrag macht - bei Kindern und offenbar auch bei mir.

Zitat von rennradbernd

Wenn ich nicht weiß wie mein Körper ohne ist

Genau. Und das ist das Argument das mich bei Supplements am meisten skeptisch macht - nicht die Frage ob sie wirken, sondern dass die meisten Leute ohne Ausgangswert einsteigen. Dann ist jede Beurteilung Kaffeesatzlesen. Dein Vereinskollege hat nie gemessen, du hast einen Monat genommen ohne Vergleichsbasis. Das Ergebnis sagt über das Produkt fast nichts. Ob das Garmin jetzt was ändert, weiß ich nicht. Aber ich würd's wirklich mal eine Woche lang morgens machen, bevor du irgendetwas nimmst oder lässt.

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@rennradrenate

Zitat von rennradrenate

meine Ärztin mich konkret gebeten hat ihr beim nächsten Termin eine Tabelle mitzubringen

das ist der entscheidende Unterschied glaub ich. Ein konkreter Termin, eine konkrete Erwartung. Meine Hausärztin ist gut, aber die hat beim letzten Mal gefühlt zwölf Sachen gleichzeitig erwähnt - Salz, Schlaf, Stresslevel, irgendwas mit Magnesium. Davon bleibt dann halt nix hängen weil alles gleich wichtig klingt. Was mich an deinem Lehrerinnen-Vergleich beschäftigt - du machst das ja beruflich, Leute dazu bringen Sachen tatsächlich umzusetzen. Ich mach das in der Werkstatt mit Lehrlingen auch. Wenn ich sag "mach das Werkzeug sauber" passiert nix. Wenn ich sag "Freitag um vier zeigst du mir das Hobeleisen" - dann klappts. Ist beim eigenen Körper anscheinend genauso. Das Garmin hol ich vielleicht wirklich raus. Nicht wegen den Rote-Bete-Shots, das is mir inzwischen egal. Einfach um überhaupt mal zu wissen was Sache ist. Ich glaub ich hab das jahrelang ausgeblendet weil ich dachte - ich fahr viel, ich bin fit genug, ich merk schon wenn was nicht stimmt. Aber ob das so einfach ist nach 52 Jahren, da bin ich mir grad nicht mehr so sicher.

@rennradbernd, der Satz mit den 52 Jahren trifft mich gerade etwas unerwartet, weil ich das fast wortgleich vor zwei Jahren gedacht habe. "Ich merk schon wenn was nicht stimmt" - das ist ein schöner Gedanke, aber der Körper meldet sich manchmal halt erst wenn's schon eine Weile läuft.

Zitat von rennradbernd

ich fahr viel, ich bin fit genug

Das ist bei mir auch lange die Logik gewesen. Und genau deshalb hat mich der Blutdruckbefund so überrascht. Nicht dramatisch, nichts Schlimmes - aber unerwartet. Ich dachte, wer regelmäßig Ausdauersport macht, ist da auf der sicheren Seite. Stimmt so pauschal nicht. Was ich noch sagen wollte, weil du das Garmin erwähnt hast: schreib dir auf, wann du es rausholst. Nicht als Ziel, einfach nur das Datum. Ich hab das damals so gemacht - nicht wegen Disziplin, sondern weil ich wusste, dass ich sonst wieder drei Wochen warte. Klingt albern, hat aber bei mir funktioniert. Was mich an deinem Lehrlings-Beispiel beschäftigt: "Freitag um vier" funktioniert, weil es dich auch in die Pflicht nimmt. Du musst Freitag um vier da sein und nachschauen. Vielleicht braucht man sowas für sich selbst auch - nicht Hausarzt, nicht App, sondern einfach irgendwen dem man kurz Bescheid gibt. Manche Leute machen das mit Trainingspartnern so.

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