Supplements im Freizeitsport - wann kippt "macht Sinn" in reinen Hype?
Zitat von markus_b82 am Juli 3, 2026, 09:04 Uhr@rennradhorst
Zitat von rennradhorstDas ist bei Rädern genauso, bei Werkzeug, bei allem wo man emotional involviert ist.
Stimmt, aber ich glaub da ist ein Unterschied den ich benennen will: beim Rad rechtfertige ich den Kauf meistens im Nachhinein mit "macht mehr Spaß" und das ist auch wahr. Beim Supplement rechtfertige ich es mit "wirkt", und das ist eine empirische Behauptung, keine Präferenz. Die eine Aussage kann ich gar nicht falsch machen, die andere schon. Das ist nicht dasselbe. Was mich an deinem Saft-Ansatz aber wirklich interessiert: du sagst du weißt was drauf steht. Aber weißt du auch die Nitratmenge in mg pro 100ml? Weil das variiert bei Rote-Beete-Saft erheblich, je nach Ernte, Sorte, Lagerung. Eine Studie von Wylie et al. (2013, ich glaub Applied Physiology) hat gezeigt dass der Nitratgehalt in handelsüblichen Säften teils um Faktor 3-4 schwankt. "Rote Beete, fertig" auf der Flasche ist ehrlicher als "standardisierter Extrakt", ja - aber es ist trotzdem keine Dosierungsangabe. Du weißt nur was die Zutat ist, nicht wie viel davon relevant ist. Das nervt mich an der ganzen Kategorie, egal ob teures Konzentrat oder Bio-Saft aus dem Regal: der Verbraucher hat eigentlich keine Chance, das sauber einzuordnen, ohne selbst in die Primärliteratur zu gehen. Und das macht dann eben die meisten Kaufentscheidungen zu dem, was derbär ganz am Anfang beschrieben hat - Bauchgefühl mit nachträglicher Rationalisierung.
Zitat von rennradhorstDas ist bei Rädern genauso, bei Werkzeug, bei allem wo man emotional involviert ist.
Stimmt, aber ich glaub da ist ein Unterschied den ich benennen will: beim Rad rechtfertige ich den Kauf meistens im Nachhinein mit "macht mehr Spaß" und das ist auch wahr. Beim Supplement rechtfertige ich es mit "wirkt", und das ist eine empirische Behauptung, keine Präferenz. Die eine Aussage kann ich gar nicht falsch machen, die andere schon. Das ist nicht dasselbe. Was mich an deinem Saft-Ansatz aber wirklich interessiert: du sagst du weißt was drauf steht. Aber weißt du auch die Nitratmenge in mg pro 100ml? Weil das variiert bei Rote-Beete-Saft erheblich, je nach Ernte, Sorte, Lagerung. Eine Studie von Wylie et al. (2013, ich glaub Applied Physiology) hat gezeigt dass der Nitratgehalt in handelsüblichen Säften teils um Faktor 3-4 schwankt. "Rote Beete, fertig" auf der Flasche ist ehrlicher als "standardisierter Extrakt", ja - aber es ist trotzdem keine Dosierungsangabe. Du weißt nur was die Zutat ist, nicht wie viel davon relevant ist. Das nervt mich an der ganzen Kategorie, egal ob teures Konzentrat oder Bio-Saft aus dem Regal: der Verbraucher hat eigentlich keine Chance, das sauber einzuordnen, ohne selbst in die Primärliteratur zu gehen. Und das macht dann eben die meisten Kaufentscheidungen zu dem, was derbär ganz am Anfang beschrieben hat - Bauchgefühl mit nachträglicher Rationalisierung.
Zitat von rennradhorst am Juli 3, 2026, 09:40 UhrZitat von markus_b82der Nitratgehalt in handelsüblichen Säften teils um Faktor 3-4 schwankt
ok das haut mich jetzt ehrlich gesagt ein bisschen um. Den Punkt hatte ich net auf dem Schirm. Ich hab mir halt gedacht, Zutatenliste klar, Preis ok, passt. Aber wenn die Schwankung so groß ist dann hab ich de facto genauso wenig Kontrolle wie mit dem Konzentrat-Kram, nur mit weniger Aufwand beim Ärgern. Was mich aber dazu noch beschäftigt: du sagst der Verbraucher müsste selbst in die Primärliteratur gehen um das einzuordnen. Das stimmt wohl, aber wer macht das realistisch? @markus_b82 du machst das offenbar, ich les auch mal was, aber die meisten Leute im Sportbereich haben weder die Zeit noch den Bock dafür. Die verlassen sich auf den Personal Trainer, den Podcast, den Kumpel. Und dann bekommt man von dir die Info dass selbst die "ehrliche" Variante ohne Milligramm-Angabe im Grunde genauso im Nebel stochert. Ich frag mich ob das dann net heißt: für den normalen Freizeitsportler ist das gesamte Nitrat-Thema eigentlich gar net zugänglich ohne erheblichen Aufwand. Net weil die Leute dumm sind sondern weil die nötige Info schlicht net da ist wo man hinschaut. Und dann ist die "rationale" Kaufentscheidung die @markus_b82 sich vorstellt eigentlich eine Illusion für die meisten.
Zitat von markus_b82der Nitratgehalt in handelsüblichen Säften teils um Faktor 3-4 schwankt
ok das haut mich jetzt ehrlich gesagt ein bisschen um. Den Punkt hatte ich net auf dem Schirm. Ich hab mir halt gedacht, Zutatenliste klar, Preis ok, passt. Aber wenn die Schwankung so groß ist dann hab ich de facto genauso wenig Kontrolle wie mit dem Konzentrat-Kram, nur mit weniger Aufwand beim Ärgern. Was mich aber dazu noch beschäftigt: du sagst der Verbraucher müsste selbst in die Primärliteratur gehen um das einzuordnen. Das stimmt wohl, aber wer macht das realistisch? @markus_b82 du machst das offenbar, ich les auch mal was, aber die meisten Leute im Sportbereich haben weder die Zeit noch den Bock dafür. Die verlassen sich auf den Personal Trainer, den Podcast, den Kumpel. Und dann bekommt man von dir die Info dass selbst die "ehrliche" Variante ohne Milligramm-Angabe im Grunde genauso im Nebel stochert. Ich frag mich ob das dann net heißt: für den normalen Freizeitsportler ist das gesamte Nitrat-Thema eigentlich gar net zugänglich ohne erheblichen Aufwand. Net weil die Leute dumm sind sondern weil die nötige Info schlicht net da ist wo man hinschaut. Und dann ist die "rationale" Kaufentscheidung die @markus_b82 sich vorstellt eigentlich eine Illusion für die meisten.
Zitat von markus_b82 am Juli 3, 2026, 10:06 Uhr@rennradhorst
Zitat von rennradhorstdie "rationale" Kaufentscheidung ist eigentlich eine Illusion für die meisten
Ja, aber ich würd das nicht als Argument gegen Rationalität lesen, sondern als Argument für bessere Regulierung. Das ist ein entscheidender Unterschied. Wenn die nötige Information schlicht nicht vorhanden ist, ist das kein Versagen des Verbrauchers - das ist ein Marktversagen. Und das ist lösbar, zumindest theoretisch. In der EU gibt es für Nahrungsergänzungsmittel keine Pflicht, Wirksamkeit vor der Markteinführung nachzuweisen. Das ist bei Medikamenten komplett anders. Ein Hersteller kann "Rote-Beete-Extrakt" draufschreiben, eine Menge weglassen und trotzdem legal verkaufen, solange er keine konkreten Heilsversprechen macht. Das ist keine Nische, das ist der Normalzustand. Was mich an deiner These aber ein bisschen stört: du implizierst, dass der Freizeitsportler deshalb schutzlos ist. Das glaub ich nicht ganz. Man muss nicht die Primärliteratur lesen um eine sinnvolle Entscheidung zu treffen, man muss nur eine einzige Frage stellen: steht die Dosierung drauf, ja oder nein? Wenn nein, kauft man de facto eine Blackbox. Das ist kein kompliziertes Kriterium, das ist ein Filter den jeder anwenden kann. Ob die Leute das machen, ist natürlich eine andere Frage. Das eigentlich Deprimierende ist: selbst wenn du den Filter anwendest, findest du bei Rote-Beete-Produkten in 80% der Fälle keine verwertbare Antwort. Ich hab das damals quer durch ein paar Marken durchgetestet. Cambridge-Nitrate, Beet It, Betanio - die Transparenz ist, freundlich gesagt, sehr unterschiedlich.
Zitat von rennradhorstdie "rationale" Kaufentscheidung ist eigentlich eine Illusion für die meisten
Ja, aber ich würd das nicht als Argument gegen Rationalität lesen, sondern als Argument für bessere Regulierung. Das ist ein entscheidender Unterschied. Wenn die nötige Information schlicht nicht vorhanden ist, ist das kein Versagen des Verbrauchers - das ist ein Marktversagen. Und das ist lösbar, zumindest theoretisch. In der EU gibt es für Nahrungsergänzungsmittel keine Pflicht, Wirksamkeit vor der Markteinführung nachzuweisen. Das ist bei Medikamenten komplett anders. Ein Hersteller kann "Rote-Beete-Extrakt" draufschreiben, eine Menge weglassen und trotzdem legal verkaufen, solange er keine konkreten Heilsversprechen macht. Das ist keine Nische, das ist der Normalzustand. Was mich an deiner These aber ein bisschen stört: du implizierst, dass der Freizeitsportler deshalb schutzlos ist. Das glaub ich nicht ganz. Man muss nicht die Primärliteratur lesen um eine sinnvolle Entscheidung zu treffen, man muss nur eine einzige Frage stellen: steht die Dosierung drauf, ja oder nein? Wenn nein, kauft man de facto eine Blackbox. Das ist kein kompliziertes Kriterium, das ist ein Filter den jeder anwenden kann. Ob die Leute das machen, ist natürlich eine andere Frage. Das eigentlich Deprimierende ist: selbst wenn du den Filter anwendest, findest du bei Rote-Beete-Produkten in 80% der Fälle keine verwertbare Antwort. Ich hab das damals quer durch ein paar Marken durchgetestet. Cambridge-Nitrate, Beet It, Betanio - die Transparenz ist, freundlich gesagt, sehr unterschiedlich.
Zitat von rennradhorst am Juli 3, 2026, 10:31 UhrZitat von markus_b82steht die Dosierung drauf, ja oder nein
ok das ist ein fairer Filter, den nehm ich ernst. Aber ich steck da grad gedanklich bei was anderem fest: du sagst das ist ein Marktversagen und theoretisch lösbar durch Regulierung. Stimmt wohl. Nur - wer drückt das durch? Die EU hat beim Thema Nahrungsergänzung seit Jahren keinen richtigen Zahn reingekriegt, das seh ich schon wenn ich schau was in der Apotheke um die Ecke so im Regal steht, da steht auf jedem dritten Produkt irgendwas von "trägt zur normalen Muskelfunktion bei" und das reicht scheinbar völlig. Was mich aber wirklich umtreibt: du hast Beet It erwähnt. Das ist das einzige Produkt wo ich mal tatsächlich eine Nitratangabe gesehen hab, auf irgendeiner englischen Verpackung. War das bei dir auch das einzige in der Liste das du als halbwegs transparent eingestuft hast, oder war da auch Murks? weil wenn selbst die einigermaßen bekannten Marken das net hinkriegen frag ich mich ob das überhaupt ein Regulierungsproblem ist oder ob die Hersteller das absichtlich so lassen. Ich mein - wenn du die Dosierung transparent machst kann der Kunde direkt vergleichen und plötzlich ist dein überteurtes Konzentrat eben doch nur dasselbe wie der Saft vom Discounter.
Zitat von markus_b82steht die Dosierung drauf, ja oder nein
ok das ist ein fairer Filter, den nehm ich ernst. Aber ich steck da grad gedanklich bei was anderem fest: du sagst das ist ein Marktversagen und theoretisch lösbar durch Regulierung. Stimmt wohl. Nur - wer drückt das durch? Die EU hat beim Thema Nahrungsergänzung seit Jahren keinen richtigen Zahn reingekriegt, das seh ich schon wenn ich schau was in der Apotheke um die Ecke so im Regal steht, da steht auf jedem dritten Produkt irgendwas von "trägt zur normalen Muskelfunktion bei" und das reicht scheinbar völlig. Was mich aber wirklich umtreibt: du hast Beet It erwähnt. Das ist das einzige Produkt wo ich mal tatsächlich eine Nitratangabe gesehen hab, auf irgendeiner englischen Verpackung. War das bei dir auch das einzige in der Liste das du als halbwegs transparent eingestuft hast, oder war da auch Murks? weil wenn selbst die einigermaßen bekannten Marken das net hinkriegen frag ich mich ob das überhaupt ein Regulierungsproblem ist oder ob die Hersteller das absichtlich so lassen. Ich mein - wenn du die Dosierung transparent machst kann der Kunde direkt vergleichen und plötzlich ist dein überteurtes Konzentrat eben doch nur dasselbe wie der Saft vom Discounter.