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Rote Bete vor dem Training – wann essen, wie viel, aus dem Glas oder frisch?

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Ich steck gerade mitten in der Vorbereitung auf meine erste Granfondo und komme nicht drumherum mir zu überlegen wann ich was esse. Und Rote Bete ist halt das Thema das mich gerade am meisten beschäftigt weil ich da selbst schon was gespürt hab - oder bilde ich mir das ein, keine Ahnung. Konkret: ich hab die letzten Wochen beides getestet, frische Knolle und das Zeug aus dem Glas. Frisch ist geschmacklich definitiv eine andere Liga, das kann ich so nicht unterschreiben wenn jemand sagt das ist egal. Schmeckt einfach weniger säuerlich, mehr nach Erde, weniger nach Einmachglas. Aber das kostet Zeit, und nach Spätschicht um halb zwölf nachts koche ich keine Rote Bete mehr. Was mich aber gerade wirklich umtreibt: der Zeitpunkt. Ich hab gelesen - war irgendein Artikel auf einer Radsportseite, keine Ahnung wie seriös - dass man Rote Bete oder den Saft davon ungefähr zwei bis drei Stunden vorher essen soll damit das Nitrat überhaupt was bringt. Meine Trainingseinheiten sind morgens also müsste ich um halb sechs irgendwie Rote Bete frühstücken. Das klingt schon komisch. Macht das jemand hier wirklich so? Und macht es dann überhaupt noch Unterschied ob das frisch oder aus dem Glas ist, wenn der Nitratgehalt eh nicht draufsteht? Ich frag das weil Betanio PLUS den Preis für mich auf Dauer nicht rechtfertigt wenn ich dasselbe mit echter Knolle hinbekomme. Aber "dasselbe" ist halt die große Frage - ich weiß nicht wie viel Nitrat in meiner Knolle steckt und ich weiß nicht obs auf den Zeitpunkt wirklich so ankommt. Wer das schon länger macht: wie habt ihr das für euch gelöst?

Zitat von rote_socke_83

ich weiß nicht wie viel Nitrat in meiner Knolle steckt

Das ist genau der Punkt, der mich an dieser ganzen Diskussion nervt. Die Varianz beim Nitratgehalt in frischen Knollen ist enorm - je nach Anbaubedingungen, Sorte, Lagerzeit. Ich hab dazu mal eine Übersicht in einer Ernährungswissenschaft-Publikation gelesen (war glaube ich über das Journal of Food Composition and Analysis, bin aber nicht mehr sicher ob das die exakte Quelle war), die zeigte Schwankungen von grob 250 bis über 2000 mg Nitrat pro Kilo Frischgewicht. Das ist kein kleiner Unterschied. Zum Timing: die 2-3 Stunden stammen meines Wissens aus Studien mit konzentriertem Saft, nicht mit ganzer Knolle. Die Frage ist, ob die Magenpassage und der Verarbeitungsweg bei fester Nahrung denselben Peak-Zeitpunkt ergibt. Hast du da eine Quelle für, die das konkret für feste Rote Bete untersucht hat? Ich hab da selbst gesucht und wenig Überzeugendes gefunden. @rote_socke_83 zum Betanio PLUS-Vergleich: ich hab das selbst getestet und der einzige Vorteil den ich dem Konzentrat zugestehe ist die Reproduzierbarkeit. Du weißt was drin ist, zumindest ungefähr. Mit der frischen Knolle beim Frühstück um halb sechs bist du im Prinzip am Raten wie viel Nitrat du gerade zuführst. Was mich aber interessiert: hast du die Trainingseinheiten, bei denen du "etwas gespürt hast", irgendwie dokumentiert, also Pace, Herzfrequenz, subjektive Belastung? Weil ohne das ist das schwer einzuordnen.

@markus_b82

Zitat von markus_b82

bist du im Prinzip am Raten wie viel Nitrat du gerade zuführst

Ja das stimmt. Aber ehrlich gesagt rate ich bei meiner Ernährung vor dem Training eh die ganze Zeit. Ich weiß auch nicht ob die Haferflocken die ich morgens esse gerade aus einer Charge kommen die 15% mehr Kohlenhydrate hat oder was auch immer. Irgendwann muss man akzeptieren dass man kein Labor ist. Die Frage mit der Dokumentation trifft mich aber. Ich hab keine sauberen Daten. Garmin-Aufzeichnungen ja, aber ich hab nicht systematisch notiert wann ich was gegessen hab. Das ist mein Fehler - ich weiß das. Ich kann dir nicht sagen "an dem Tag mit Rote Bete war mein Puls bei 145 statt 152", das wäre gelogen. Was ich sagen kann: subjektiv hab ich an zwei drei Einheiten das Gefühl gehabt dass ich länger ohne dieses Ziehen in den Beinen gefahren bin. Ob das Rote Bete war, Schlaf, Wetter, Zufall - keine Ahnung. Was mich bei dir jetzt aber beschäftigt: du sagst Betanio PLUS hat für dich die Reproduzierbarkeit als einzigen echten Vorteil. Heißt das, du merkst beim Training selbst keinen Unterschied ob du es nimmst oder nicht? Weil das wäre für mich eigentlich die interessantere Info als jede Publikation aus dem Journal of whatever.

@rote_socke_83

Zitat von rote_socke_83

ob du es nimmst oder nicht

Ehrliche Antwort: nein, ich merke keinen subjektiv klaren Unterschied. Und das ist eigentlich das Problem mit dieser ganzen Selbstbeobachtung - ich bin nicht in der Lage, Placebo von Effekt zu trennen, du auch nicht, die meisten hier auch nicht. Das ist keine Kritik, das ist einfach wie Wahrnehmung funktioniert. Was ich aber sagen kann: ich hab über einen Zeitraum von ungefähr acht Wochen meine Halbmarathon-Intervalleinheiten mit und ohne Betanio PLUS gelaufen, nicht doppelblind natürlich, aber ich hab zumindest die Ernährung tagebuchartig mitgeschrieben. Die Pace-Differenzen waren im Rauschen. Vielleicht 5-8 Sekunden pro Kilometer in einer Richtung, aber ohne klares Muster. Kann Tagesform sein, Schlaf, Temperatur - an einem heißen Juliabend läuft man halt schlechter. Was mich bei deiner Antwort aber stört: der Vergleich mit den Haferflocken zieht nicht wirklich. Kohlenhydratkontrolle ist für Ausdauersport tatsächlich weniger kritisch als ein konsistentes Nitrat-Timing, wenn man dem Mechanismus glaubt. Die Varianz bei Haferflocken ist auch nicht so massiv. Was mich jetzt aber interessiert, weil du Garmin-Daten hast: schau mal ob du HRV-Daten hast. Die sind zwar auch nicht perfekt interpretierbar, aber wenn du an mehreren Tagen nach Rote-Bete-Konsum deutlich andere Ruhewerte siehst, wäre das zumindest ein Indikator der nachfragt.

@markus_b82

Zitat von markus_b82

schau mal ob du HRV-Daten hast

Hab ich, ja. Garmin zeigt mir das seit ich die neuere Uhr hab. Aber ehrlich gesagt weiß ich nicht was ich damit anfangen soll - ich seh da Zahlen, manchmal höher manchmal niedriger, und ich weiß nicht ob ein Wert von 68 statt 74 jetzt bedeutet dass ich mehr schlafen soll oder ob meine Frau einfach das Fenster zu früh aufgemacht hat. Das ist glaub ich mein eigentliches Problem mit dem ganzen Ansatz. Du sagst HRV ist "nicht perfekt interpretierbar" und das ist wohl die Untertreibung des Jahres wenn man kein Sportphysiologe ist. Ich bin Schichtleiter in der Logistik, kein Wissenschaftler. Irgendwann kommt der Punkt wo mehr Daten nicht mehr Klarheit bedeuten. Was mich bei deinem 8-Wochen-Test aber wirklich beschäftigt: du hast die Ernährung tagebuchmäßig mitgeschrieben und trotzdem kein klares Muster gesehen. Das ist eigentlich die ehrlichste Aussage die ich in diesem Thread gehört hab. Und gleichzeitig macht mich das ein bisschen fertig, weil du damit eigentlich sagst: selbst mit halbwegs sauberer Herangehensweise bleibt am Ende Rauschen. Ich frag mich ob das nicht einfach bedeutet dass der Effekt - wenn er überhaupt real ist - für Hobbyfahrer wie mich schlicht zu klein ist um ihn rauszufiltern. Profi ist was anderes, aber ich fahr keine Tour de France.

@rote_socke_83

Zitat von rote_socke_83

selbst mit halbwegs sauberer Herangehensweise bleibt am Ende Rauschen

Das stimmt - aber ich würd das nicht so pessimistisch lesen wie du es gerade tust. Der Punkt ist doch: wenn der Effekt für einen trainierten Hobbyfahrer tatsächlich nur 1-2% Leistungsverbesserung bedeutet, dann ist das bei einer Granfondo über 150 km vielleicht trotzdem relevant. Nicht weil du es spürst, sondern weil es sich in der Gesamtzeit niederschlägt. Das klingt jetzt nach Verkaufsprospekt, ich weiß, aber die Frage ist halt ob du die richtige Metrik misst. Was mich bei deinem HRV-Kommentar aber wirklich beschäftigt: du sagst du siehst Zahlen und weißt nicht was du damit anfangen sollst. Das ist kein Datenproblem, das ist ein Baseline-Problem. Wenn du nicht weißt was dein normaler HRV-Bereich über mehrere Wochen ist, kannst du keinen Ausreißer erkennen. Garmin baut das eigentlich ein, diese "Body Battery"-Geschichte, aber die ist auch nicht sonderlich transparent was die Berechnung angeht. Ich glaube deine eigentliche Frage ist eine andere, nämlich ob es sich lohnt überhaupt so genau hinzuschauen oder ob man einfach Rote Bete isst weil sie gut ist und gut ist. Und ich hab da ehrlich gesagt keine befriedigende Antwort. Ich schreib seit acht Wochen Ernährungstagebuch und frag mich manchmal ob ich nicht einfach mehr schlafen sollte statt Nitrat zu tracken.

@markus_b82

Zitat von markus_b82

ob ich nicht einfach mehr schlafen sollte statt Nitrat zu tracken

Das ist glaub ich der ehrlichste Satz den du hier geschrieben hast. Und irgendwie macht mich das ruhiger, nicht nervöser. Ich glaub mein Problem ist ein anderes als das was wir die ganze Zeit diskutieren. Ich fang jetzt an mein Training zu dokumentieren, Ernährung, HRV, Pace - und gleichzeitig kommt da Schicht nach Schicht, Kinder schlafen schlecht, nächste Woche Frühschicht ab fünf. Die Granfondo ist im September. Ich kann nicht alles kontrollieren und ich merke dass ich anfange das Tracking als Ersatz zu nutzen für die Dinge die ich eh nicht ändern kann. Vielleicht ist die eigentliche Frage gar nicht "frische Knolle oder Glas" sondern: wie viel Kopfraum will ich dafür opfern. Und ich sag mir gerade - ein 41-jähriger Hobbyfahrer aus Bochum der drei Schichten die Woche dreht hat vielleicht einfach nicht den Lebensrhythmus für optimiertes Nitrat-Timing. Das ist mir zu viel Aufwand für ein wahrscheinlich sehr kleines Delta. Ich werd das Betanio PLUS noch aufbrauchen was ich noch hab. Danach probier ich einfach die Knolle, ohne Stoppuhr, ohne Protokoll. Wenn ich mich bei der Granfondo gut fühl war's recht.

Zitat von rote_socke_83

wie viel Kopfraum will ich dafür opfern

@rote_socke_83 Das ist eigentlich die Frage die ich mir auch stellen hätte sollen bevor ich acht Wochen Ernährungstagebuch geführt hab. Ich red mir das manchmal schön als "datengetriebener Ansatz" - aber wenn ich ehrlich bin, ist es auch Kontrollbedürfnis. Softwareentwickler-Berufskrankheit vielleicht. Du hast Schicht und Kinder, ich hab Code-Reviews bis abends und dann noch die Intervalle reinquetschen. Der Kopfraum ist begrenzt. Was mich bei deinem letzten Post aber trotzdem beschäftigt: du sagst "ohne Stoppuhr, ohne Protokoll" - und ich frag mich ob das wirklich ruhiger macht oder ob du nach der Granfondo wieder anfängst zu grübeln weil du keine Referenzdaten hast. Das kenn ich von mir. Nach einem Halbmarathon der nicht so lief wie ich wollte, hab ich jedes Mal das Gefühl ich hätte mehr aufschreiben sollen. Keine Ahnung ob das bei dir auch so ist. Vielleicht bist du da anders gestrickt. Was ich aber sagen würde: der Mittelweg wäre vielleicht nicht gar kein Tracking, sondern einfach weniger. Pace und Schlafstunden. Das reicht für ein Granfondo-Fazit. Den Nitrat-Teil kannst du komplett streichen ohne was zu verlieren - das hab ich jetzt wirklich aus eigener Erfahrung.

@markus_b82

Zitat von markus_b82

Den Nitrat-Teil kannst du komplett streichen ohne was zu verlieren

Das ist aus meiner Erfahrung ein bisschen zu pauschal. Nicht weil der Nitrat-Effekt so groß wäre - den hab ich hier in anderen Threads schon eingeordnet - sondern weil du da einen Punkt machst der mich stört: du kannst nach 8 Wochen mit deiner Methode keinen Effekt rausfiltern und schließt daraus, man kann den Nitrat-Teil streichen. Das ist aber kein Beweis, dass nichts da ist. Das ist ein Beweis, dass dein Setup nicht sensitiv genug war. Was übrigens für die meisten Selbstversuche gilt. Was mich an dem Thread hier eigentlich mehr beschäftigt als das Nitrat-Timing: @rote_socke_83 schildert ganz klassisch wie Optimierungsdruck entsteht wenn man zu wenig Schlaf hat und zu viele Variablen im Leben. Das sehe ich in der Praxis häufig - Leute die anfangen Supplements zu tracken weil der Rest sich unkontrollierbar anfühlt. Ist kein Vorwurf, ist eine Beobachtung. Und die eigentliche Frage bei Granfondo-Vorbereitung wäre für mich: wie ist der Schlaf die zwei Nächte davor? Wenn da Schicht kommt, macht das wahrscheinlich mehr Unterschied als frische Knolle vs. Glas. Das klingt banal aber ich sag das nicht aus Luft gegriffen.

@markus_hh88

Zitat von markus_hh88

das ist ein Beweis, dass dein Setup nicht sensitiv genug war

Das ist fair, und ich nehm das nicht persönlich. Du hast recht, dass "kein Effekt messbar" nicht dasselbe ist wie "kein Effekt vorhanden". Das hab ich tatsächlich ungenau formuliert. Was ich meinte: für jemanden ohne kontrolliertes Setup - und das trifft auf mich genauso zu wie auf @rote_socke_83 - ist der kognitive Aufwand für Nitrat-Tracking wahrscheinlich nicht verhältnismäßig. Nicht weil der Effekt null ist, sondern weil du ihn mit Hobbyisten-Mitteln sowieso nicht sauber isolierst. Was mich aber bei deinem Beitrag tatsächlich beschäftigt, ist der Punkt mit dem Schlaf davor. Hast du da eine Quelle für, konkret für Ausdauersport über mehrere Stunden? Ich hab mal einen Preprint gesehen - war über PubMed, bin mir nicht mehr sicher ob peer-reviewed - der für Kraftsport eine ziemlich klare Korrelation zwischen Schlafdauer und Leistungsabfall gezeigt hat. Ob das auf Granfondo-Belastungen übertragbar ist, weiß ich nicht. Die metabolischen Anforderungen sind ja recht unterschiedlich. Der Teil mit dem Optimierungsdruck als Kontrollersatz trifft mich gerade mehr als ich zugeben will. Ich sitz hier Dienstagabend und hab heute eigentlich drei Bugs fixen sollen, die noch nicht fertig sind. Stattdessen diskutier ich Nitrat-Timing. Das sagt vermutlich was.

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