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Rote Bete vor dem Sport – bringt das wirklich was oder rede ich mir das ein?

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Ich bau die ja schon ewig im Garten an und esse die das ganze Jahr über, eingelegt, als Salat, gekocht - das ist nu mal so mein Ding. Aber seit ich hier gelesen hab dass rote Bete beim Sport was bringen soll wegen dem Nitrat und so, hab ich das nochmal anders im Blick. Mein Mann läuft seit zwei Jahren regelmäßig, so 5 bis 10 km ein paarmal die Woche. Ich hab ihm gesagt er soll vorher einfach ein paar Scheiben rote Bete essen, frisch aus dem Keller. Keine Kapseln kein Konzentrat, das echte Gemüse. Er macht das jetzt seit dem Frühsommer und sagt er merkt was. Ob er sich das einredet, keine Ahnung - ich kanns nicht messen. Was mich stört ist dass alle immer gleich zu diesen abgepackten Säften greifen die teuer sind und nach irgendwas Künstlichem schmecken. Ich sag dir, das frische Gemüse hat das doch genauso drin! Meine Hausärztin hat gemeint es gibt tatsächlich Hinweise dass Nitrat aus nitratreichen Gemüsen die Durchblutung unterstützt. Hat sie nicht groß ausgeführt aber sie hat es nicht abgetan. Nu ja, ich bin keine Sportlerin - ich gehe spazieren und arbeite im Garten, das reicht mir. Aber ich find das Thema interessant weil ich halt die Bete habe und mich fragt ob man das gezielter einsetzen kann. Und wer jetzt sagt Ernährung macht sowieso nur 10 Prozent aus, mag ja sein. Trotzdem würd ich lieber die 10 Prozent mit echtem Gemüse füllen als mit irgendwelchen Kapseln aus dem Drogeriemarkt. Hat hier jemand konkrete Erfahrung mit dem echten Gemüse gemacht, nicht den Fertigprodukten?

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Selbstgemacht schlägt Gekauft — immer.

@renate_b63 der Punkt mit dem frischen Gemüse ist berechtigt, aber ich würde da noch eine kleine Einschränkung einwerfen. Der Nitratgehalt in frischer Rote Bete schwankt ziemlich stark - je nach Sorte, Boden, Lagerung. Wer die Bete selbst anbaut und frisch aus dem Keller holt, hat da tatsächlich gute Karten, weil das Gemüse nicht wochenlang im Kühlregal gelegen hat. Nitrat baut sich ab, je länger das Gemüse gelagert wird.

Zitat von renate_b63

alle immer gleich zu diesen abgepackten Säften greifen die teuer sind

Da bin ich grundsätzlich bei dir. Ich hab das selbst getestet, damals mit verschiedenen Produkten verglichen, und der Preisunterschied zu einfachem Saft aus der Apotheke oder selbst gepresstem Saft ist kaum zu rechtfertigen. Was mich bei deinem Mann-Beispiel aber interessiert: Wie viel isst er davon vor dem Lauf, und wie lang vorher? Die Studienlage zeigt hier - ich denke an Arbeiten aus der Exeter-Gruppe - dass man eher 150 bis 200g Saftäquivalent braucht, und das mindestens 2 bis 3 Stunden vor der Belastung, damit der Nitrat-Nitrit-NO-Weg überhaupt anspringt. Ein paar Scheiben frische Bete als Beilage liegt da möglicherweise darunter, mengenmäßig. Das heißt nicht, dass es nichts bringt. Aber wenn dein Mann sagt er merkt was, würde mich interessieren ob das auch dann so ist wenn er sie mal weglässt.

Zitat von marek_rb

der Nitratgehalt in frischer Rote Bete schwankt ziemlich stark

okay das wusste ich echt nicht so genau. ich hab immer gedacht frisch ist frisch und damit gut. aber wenn das wirklich so von Sorte zu Sorte unterschiedlich ist... wie soll man da als normaler Mensch überhaupt wissen was man kriegt? @marek_rb dein Punkt mit der Menge find ich aber fast noch interessanter. also ich mein - ein paar Scheiben als Beilage ist ja nix. ich stell mir vor wie renate_bs Mann sich da ein kleines Tellerchen hinschiebt und denkt er hat alles richtig gemacht haha. ich hab bei meinen Shots immer das Gefühl gehabt die Konzentration ist wenigstens messbar irgendwie, auch wenn mir der Geschmack die Schuhe auszieht. was ich mich jetzt frage ist ob man das bei frischem Gemüse einfach mengenmäßig gar nicht realistisch kompensieren kann. also 150-200g Saftäquivalent... das sind dann was, 300-400g Bete am Stück? bevor man laufen geht? ich würd das nicht überleben 😅

@jenni_1997 die 300-400g Schätzung ist gar nicht so weit weg. Ich hab mal grob nachgerechnet, frische Rote Bete liegt je nach Sorte irgendwo zwischen 100 und 400mg Nitrat pro 100g. Das schwankt enorm, @marek_rb hat das ja schon angesprochen. Bei einem durchschnittlichen Wert von sagen wir 200mg/100g bräuchte man tatsächlich gut 300g um auf die Mengen zu kommen die in den Exeter-Studien verwendet wurden. Das ist vor einem Lauf ziemlich viel auf einmal. Ich kenn das aus der Praxis - Patienten die kurz vor Belastung große Mengen rohes Gemüse essen, haben danach manchmal schlicht Magenprobleme. Das ist dann kein Ernährungsfehler, sondern schlechtes Timing.

Zitat von jenni_1997

die Konzentration ist wenigstens messbar irgendwie

Das finde ich eigentlich das stärkste Argument für die Konzentrate, auch wenn ich den Marketingkram drumrum nervig finde. Du weißt was drinsteckt. Bei frischer Bete aus dem Garten weißt du das eben nicht, und das ist kein Vorwurf an @renate_b63, das ist einfach so. Was mich aber noch interessiert: Hat jemand Erfahrung damit, die Menge über den Tag zu verteilen statt alles kurz vorher? Also ob man bei mehrstündiger Vorlaufzeit vielleicht 2-3 Portionen verteilen kann. Dazu hab ich bisher nichts Konkretes gefunden.

@mh_82 die Frage mit dem Verteilen über den Tag ist interessant, weil ich da tatsächlich mal was gelesen hab - war ein Review zu Nitrat-Timing, glaube aus dem Journal of Applied Physiology, aber ich müsste das raussuchen um die genaue Quelle zu nennen. Der Grundgedanke war, dass der Plasma-Nitrit-Peak nach Nitrataufnahme ungefähr 2-3 Stunden liegt und dann wieder abfällt. Mehrere Portionen über den Tag könnten den Spiegel theoretisch länger oben halten, aber ob das dieselbe Wirkung hat wie ein einzelner hoher Peak kurz vor der Belastung - das ist wissenschaftlich nicht haltbar einfach zu bejahen, weil die Studienlage da dünn ist. Was mich bei der ganzen Diskussion ehrlich gesagt ein bisschen amüsiert: wir reden über Optimierung auf Hundertstel-Ebene, und @renate_b63s Mann läuft 5-10 km ein paarmal die Woche. Das ist völlig legitim - aber der Effekt, den Nitrat in kontrollierten Studien zeigt, ist bei gut trainierten Athleten teils kleiner als bei weniger Trainierten. Hast du da eine Quelle für, @marek_rb, oder war das in den Exeter-Arbeiten auch ein Thema? Ich meine das mal gesehen zu haben, aber ich will nicht was behaupten was ich nicht belegen kann. Das mit dem Magenproblem bei großen Mengen kurz vorher, @mh_82, deckt sich mit meinen Erfahrungen. Ich hab das einmal vor nem längeren Lauf ausprobiert, frische Bete, zu viel, zu spät - das war kein Vergnügen.

@markus_b82 der Punkt mit dem Trainingsgrad ist wichtig, da hast du recht. Ich meine das auch aus den Exeter-Arbeiten zu kennen - gut Trainierte haben teilweise geringere Effekte weil der Körper den NO-Haushalt schon effizienter reguliert. Aber ich will das nicht aus dem Kopf zitieren, das sollte jemand mit der echten Quelle bestätigen.

Zitat von markus_b82

wir reden über Optimierung auf Hundertstel-Ebene

Das stimmt, und ich sehe das in der Praxis genauso. Aber ich würde das nicht komplett abtun. Wenn jemand wirklich wissen will ob die Rote Bete was tut, muss er das systematisch angehen - gleiche Strecke, gleiche Bedingungen, mal mit mal ohne, ein paar Wochen. Alles andere ist Gefühl. Das sag ich auch Patienten wenn sie mich nach sowas fragen. Was mich bei dem Timing-Punkt noch beschäftigt: wenn der Plasma-Nitrit-Peak nach 2-3h abfällt, was passiert dann bei einer Einheit die länger als 90 Minuten geht? Beim Radfahren oder Halbmarathon zum Beispiel. Startet man dann in den Peak und läuft raus, oder gibt es da irgendwas zu Mehrfachgaben unter Belastung? Das hab ich nirgends konkret gelesen. @marek_rb, weißt du da was?

Zitat von mh_82

was passiert dann bei einer Einheit die länger als 90 Minuten geht

Das ist faktisch die interessanteste Frage in diesem Thread, und ich hab dazu auch nichts Konkretes gefunden. Wenn der Peak nach 2-3h abfällt, startet man bei einem Halbmarathon vielleicht optimal rein und läuft dann ohne Unterstützung weiter. Ob das trotzdem nützt, weil die initiale Effizienzsteigerung schon Körner gespart hat, wäre zumindest eine plausible Hypothese. Aber das ist Spekulation, keine Datenlage. @markus_b82 den Punkt mit dem Trainingsgrad finde ich übrigens wichtiger als die ganze Timing-Diskussion hier. Wenn der Effekt bei weniger Trainierten größer ist, dann wäre das für Freizeitsportler wie renate_bs Mann eigentlich die relevante Information. Nur hat sie mit dem frischen Gemüse aus dem Keller eben keinen kontrollierten Nitratgehalt, und ohne den wird das nie mehr als Gefühl. Das halte ich für das eigentliche Problem dieser ganzen Diskussion. Ich bin kein Arzt und kein Ernährungswissenschaftler, aber die Frage nach Mehrfachgaben unter Belastung klingt nach etwas, das man schlicht noch nicht systematisch untersucht hat. Wäre interessant zu wissen ob @marek_rb da was kennt, er scheint die Exeter-Literatur am besten zu kennen.

@n.feld du fragst ob das systematisch untersucht wurde - das klingt für mich nach: wahrscheinlich nicht weil da kein Geld drin steckt für die Supplement-Industrie. Die wollen dir Kapseln verkaufen, keine Antworten auf Fragen die den Kauf überflüssig machen.

Zitat von n.feld

wird das nie mehr als Gefühl

da stimm ich dir ausnahmsweise zu. aber ich frag mich ob das für renates Mann überhaupt ein Problem ist. der läuft 5-10 km. wenn er sich besser fühlt und das Gemüse aus dem eigenen Garten kommt - sag mir einer was daran falsch ist. da brauch er keine Plasma-Nitrit-Kurve. was mich an dem ganzen Thread mehr stört ist das hier alle so tun als wäre das eine wissenschaftliche Konferenz. @mh_82 und @markus_b82 reden über Exeter-Studien und Peaks und Halbmarathon-Timing und der Mann von renate läuft dreimal die Woche um den Block. die Frage ob man Mehrfachgaben unter Belastung erforscht hat - das ist doch für den völlig egal. ich hab letzte Woche meinen Schwager gefragt was er sich dabei denkt wenn er 40 Euro für Rote-Bete-Konzentrat ausgibt. er hat mir was von "Bioverfügbarkeit" erzählt. ich hab dann kurz gegoogelt. das Wort taucht auf jeder Supplement-Seite auf immer ohne echte Zahl dahinter. frisches Gemüse aus dem Garten - gut. alles andere hier ist Kaffeesatzleserei mit Fachvokabular

@ms_77 okay ich versteh den Punkt aber ich find du machst es dir ein bisschen leicht. klar ist das für renates Mann als Hobbyjogger keine Lebensschicksalsfrage. aber das heißt nicht dass die Fragen hier sinnlos sind.

Zitat von ms_77

frisches Gemüse aus dem Garten - gut. alles andere hier ist Kaffeesatzleserei mit Fachvokabular

also ich mein... irgendwo dazwischen liegt doch die Wahrheit? ich bin auch kein Fan davon wenn Leute so tun als wären sie alle Wissenschaftler. aber wenn mich @mh_82 fragt was bei langen Einheiten passiert - das ist für mich als Halbmarathon-Läuferin halt keine akademische Spielerei. ich lauf nächsten Monat wieder einen und ich würd schon gern wissen ob ich den Rote-Bete-Shot zwei Stunden vorher nehme und dann nach Kilometer 10 auf mich allein gestellt bin sozusagen. und zu dem Bioverfügbarkeits-Ding mit deinem Schwager - ja das nervt mich auch wenn das nur Marketing-Bla ist ohne Zahl dahinter. aber das Wort selbst ist ja nicht falsch, oder? ich hab das in der Apotheke hier um die Ecke auch mal angesprochen und die Frau dort hat mir erklärt dass das bei Nitrat tatsächlich vom Verarbeitungsgrad abhängt. keine Ahnung ob sie recht hat aber komplett Kaffeesatz war das nicht. was mich ehrlich gesagt mehr wurmt ist dass niemand hier sagt ob er das schon mal wirklich verglichen hat. mal mit mal ohne über mehrere Wochen. ich hab das nie so systematisch gemacht.

Zitat von renate_b63

Selbstgemacht schlägt Gekauft. Immer.

Das klingt gut als Motto, ist aber genau das was hier niemand wirklich belegen kann. Und ich sag das ohne Wertung. @jenni_1997 der Punkt mit "mal mit mal ohne über mehrere Wochen" - das ist eigentlich die einzige Methode die hier irgendjemanden weiterbringt. Ich sag das Patienten auch, aber in der Praxis hält das kaum jemand durch. Man vergisst eine Woche hat schlechten Schlaf, andere Schuhe, ein anderes Tempo. Am Ende ist das Protokoll wertlos. Was mich bei deiner Frage zum Halbmarathon aber konkret beschäftigt: wenn der Nitrit-Peak nach 2-3h abfällt, hängt viel davon ab wann du startest und wie schnell du läufst. Bei 1:45 Finish-Zeit bist du unter Belastung wenn der Peak schon durch ist. Ob da noch ein messbarer Resteffekt bleibt, weiß ich schlicht nicht. Das ist mir zu vage um dir da was Konkretes zu sagen. @ms_77 ich versteh die Skepsis gegenüber dem Fachvokabular, das ist berechtigt. Aber das Thema ist für manche hier eben keine Hobby-Frage. Ich hab beruflich Leute die das wirklich wissen wollen bevor sie Geld ausgeben oder Ernährung umstellen. Für die ist "fühlt sich gut an" keine ausreichende Antwort. Was ich noch nie gesehen hab - hat jemand nach einer langen Einheit Bluttests machen lassen? Plasma-Nitrit vor und nach? Das wäre eigentlich die einzige saubere Methode für Nicht-Labor-Bedingungen.

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