Bitte oder Registrieren, um Beiträge und Themen zu erstellen.

Rote-Bete-Saft vs. ganze Knolle – macht das für Ausdauer einen Unterschied?

Seite 1 von 2Nächste

Ich frage mich seit Längerem, ob die Form, in der man Rote Bete zu sich nimmt, wirklich relevant ist. Konkret: Ich hab letztes Jahr viel mit Saft experimentiert (konzentriert, nicht gepresst), und dieses Jahr bin ich wieder mehr auf ganze Knollen umgestiegen, weil mir das ehrlich gesagt sympathischer ist. Das Problem ist, dass ich keine vernünftige Vergleichsbasis hab. Zu viele Variablen gleichzeitig - Trainingsphase, Wetter, Schlaf. Das lässt sich im Alltag halt nicht sauber isolieren. Was ich in der Literatur gefunden hab (u.a. bei Wylie et al. 2013, gibt's auf PubMed): Die meisten Studien arbeiten mit standardisiertem Saft, weil sich die Nitratmenge so besser kontrollieren lässt. Bei ganzen Knollen schwankt der Nitratgehalt je nach Anbau, Lagerung und Zubereitungsart teilweise erheblich. Kochen reduziert den Nitratgehalt, das ist soweit dokumentiert. Die Frage ist: Spielt das im Alltag überhaupt eine Rolle, wenn man kein Elitesportler ist? Ich laufe Halbmarathon, trainiere vielleicht 4x die Woche, kein Leistungssport. Die Studien, die ich kenne, sind oft an trainierten Athleten gemacht worden, bei denen der Effekt offenbar kleiner ist als bei untrainierten Probanden. Was heißt das für jemanden wie mich, der irgendwo dazwischen liegt? Hab heute beim Kochen übrigens gemerkt dass ich bei roher Knolle deutlich länger brauche als gedacht, bis die weich ist. Ich röste die inzwischen im Ofen statt kochen, Nitrat hin oder her - der Geschmack ist dann tatsächlich besser, weniger erdig-muffig. Interessiert mich ob jemand hier gezielt zwischen Saft und Knolle gewechselt hat und dabei systematisch vorgegangen ist, oder ob das bei allen so ein Bauchgefühl bleibt.

Zitat von markus_b82

bei untrainierten Probanden

Das ist der Punkt, der mich bei dieser ganzen Forschungslage am meisten beschäftigt. Wir liegen ja alle irgendwo in dieser Grauzone - trainiert genug, dass wir nicht "untrainiert" sind, aber weit weg von den Probanden, die in irgendwelchen Sportlaboren vier Stunden am Stück auf dem Ergometer sitzen. Ich hab das Gefühl, dass man diese Studienergebnisse kaum auf uns übertragen kann, ohne irgendetwas zu verbiegen. Was mich bei deiner Frage Saft vs. Knolle noch beschäftigt: Hast du beim Konzentrat eigentlich auf die Nitratangabe auf der Verpackung geachtet? Das variiert nämlich mehr als ich gedacht hätte. Ich hab das mal nebeneinander gelegt, zwei verschiedene Produkte, und da lagen Welten dazwischen - ohne dass das irgendwo auffällig kommuniziert wurde. Zum Timing noch ein Gedanke, den ich hier noch nicht gelesen hab: Ich mache das Konzentrat seit einer Weile konsequent vor langen Ausfahrten, nicht täglich. Also gezielt, nicht als Dauerzustand. Ob das schlauer ist, weiß ich nicht. Aber mein Gefühl dabei ist, dass ich so eher merke, ob sich etwas verändert - weil es eben kein Rauschen im Alltag wird. Ob das physiologisch Sinn ergibt oder nur eine Einbildungshilfe ist, kann ich ehrlich gesagt nicht sagen. Die Frage, ob das bei jemandem mit 4x Training pro Woche überhaupt messbar ist, bleibt ja trotzdem offen.

--
Rennrad ist kein Hobby, das ist Therapie.

Zitat von rennradrenate

gezielt, nicht als Dauerzustand

das ist eigentlich der Knackpunkt für mich. Ich hab das früher auch täglich gemacht und irgendwann war's halt einfach da, kein Unterschied mehr spürbar weil man keinen Vergleich mehr hat. Das mit dem gezielten Einsatz vor langen Fahrten macht da schon Sinn - nicht wegen der Physiologie, sondern weil man dann überhaupt noch einen Maßstab hat. @rennradrenate was mich aber noch interessiert bei deinem Ansatz: machst du das dann auch nur vor Ausfahrten ab einer bestimmten Länge oder schon ab zwei Stunden? Ich frag weil ich mir net sicher bin ob das bei einer Ausfahrt mit 90 Minuten überhaupt was bringt oder ob der Effekt, wenn er denn einer ist, erst bei längeren Belastungen greift. Zum Konzentat-Vergleich den du beschreibst - ja, das kenn ich. Die Nitratangaben auf den Packungen sind ein Witz wenn man die nebeneinander legt. Da kauft man Betanio PLUS oder sonst ein überteurtes Produkt und denkt man macht was richtig, aber ohne Angabe was da drin ist kann man das net beurteilen. Mir hat meine Hausärztin mal gesagt dass sie das Konzentrat für Sportler eigentlich für unnötig hält solange man regelmäßig die echte Knolle isst - aber sie ist halt kein Sportmediziner.

Zitat von rennradhorst

sie das Konzentrat für Sportler eigentlich für unnötig hält solange man regelmäßig die echte Knolle isst

Das höre ich öfter, und ich finde die Position nicht falsch - aber sie übersieht eine Sache, die mich konkret beschäftigt: Der Nitratgehalt in der echten Knolle ist eben nicht konstant. Meine Hausärztin hat mir das ähnlich gesagt, und ich habe dann nachgefragt, wie viel Rote Bete ich denn täglich bräuchte. Da wurde es schnell unscharf. Weil man das ohne Laboranalyse schlicht nicht weiß. Zur Längen-Frage, @rennradhorst: Bei mir ist die Grenze ungefähr bei zweieinhalb Stunden. Darunter nehme ich das Konzentrat nicht. Nicht weil ich das irgendwo belegt hätte, sondern weil ich das Gefühl habe, dass bei kürzeren Ausfahrten zu viele andere Faktoren überlagern - Schlaf der Nacht davor, wie warm es ist, ob ich entspannt in den Tag gestartet bin. Das alles macht bei 90 Minuten mehr aus als irgendetwas, das ich vorher geschluckt habe. Was mich bei deiner Hausärztin-Aussage aber noch beschäftigt: Hat sie das auf den Blutdruck-Aspekt bezogen oder wirklich auf die sportliche Leistung? Das wären für mich zwei verschiedene Gespräche. Ich frage weil mein Hausarzt da ziemlich klar unterschieden hat - er war beim Ausdauer-Thema deutlich zurückhaltender als beim Blutdruck-Thema, wo er das zumindest als sinnvolle Ergänzung eingestuft hat.

--
Rennrad ist kein Hobby, das ist Therapie.

@rennradrenate der Punkt mit den zwei verschiedenen Gesprächen - Blutdruck vs. Ausdauer - den hab ich so net getrennt gehabt in dem Moment. Ich glaub sie hat beides zusammen gemeint aber wenn ich ehrlich bin war das Thema bei ihr eher der Blutdruck. Weil das halt mein Anlass war, überhaupt über sowas zu reden. Die sportliche Seite hat sie eher abgewunken, irgendwas von "da gibt's keine belastbaren Daten für Hobbysportler". Was mich jetzt bei deiner Unterscheidung beschäftigt: Wenn der Blutdruckeffekt tatsächlich stabiler belegt ist als der Ausdauereffekt, dann müsste man das eigentlich auch anders dosieren. Also nicht gezielt vor der Ausfahrt sondern eher regelmäßig, weil Blutdruck ja kein akutes Ding ist. Das wäre dann fast das Gegenteil von deinem Ansatz. Ich frag mich ob man beides gleichzeitig überhaupt sinnvoll verfolgen kann oder ob man sich da für eines entscheiden muss. Ich selber hab das nie so gedacht, ich hab's einfach gemacht. Meistens vor langen Samstagsausfahrten und sonst gelegentlich die Knolle beim Abendessen. Ob das für den Blutdruck irgendwas tut weiß ich net, mein letzter Wert war jedenfalls net schlechter als davor - aber ob das die Rote Bete war oder dass ich generell weniger Wurst ess seit zwei Jahren, da kann ich net reingucken.

Zitat von rennradhorst

ob das für den Blutdruck irgendwas tut weiß ich net

Das ist eigentlich der spannendste Punkt im ganzen Thread für mich - genau diese Frage, ob man zwei verschiedene Ziele mit derselben Strategie überhaupt bedienen kann. Ich glaube, man kann das, aber nicht mit demselben Timing. Bei mir war es so: Ich hab angefangen, wegen des Blutdrucks überhaupt erst regelmäßiger auf Rote Bete zu achten. Das war der Impuls von meinem Hausarzt. Und dann ist das Konzentrat vor Ausfahrten irgendwie als zweites Ding dazugekommen, fast unabhängig davon. Konkret gesagt: Das sind für mich inzwischen zwei verschiedene Routinen, die zufällig dasselbe Lebensmittel betreffen. Was ich aber noch nicht gehört hab hier, und das beschäftigt mich gerade: Wenn Blutdruck eher ein chronisches Thema ist, das gleichmäßige Versorgung braucht, dann ist die ganze Knolle regelmäßig vielleicht wirklich sinnvoller als das Konzentrat vor der Ausfahrt. Nicht weil das Konzentrat schlechter wäre, sondern weil es einfach nicht auf Kontinuität ausgelegt ist. Ich hab das noch nie so klar nebeneinander gedacht. @rennradhorst die Wurst-Reduktion würde ich nicht unterschätzen. Mein Hausarzt hat da ziemlich klar gesagt, dass Natrium und gesättigte Fette beim Blutdruck mehr ausrichten als jedes Gemüse der Welt. Das heißt nicht, dass Rote Bete nichts tut - aber es relativiert den Beitrag.

--
Rennrad ist kein Hobby, das ist Therapie.

Zitat von rennradrenate

dass Natrium und gesättigte Fette beim Blutdruck mehr ausrichten als jedes Gemüse der Welt

das glaub ich ihr sofort, und meine Hausärztin hat das sinngemäß genauso gesagt. Was mich da aber grad beschäftigt: wenn das stimmt dann ist die ganze Frage Saft vs. Knolle für den Blutdruck vielleicht wirklich zweitrangig - nicht weil Rote Bete nichts tut, sondern weil die Stellschrauben woanders liegen. Ich merk das bei mir selbst, die Wurst ist weniger, das Salz beim Kochen auch, und der Wert ist besser. Ob die Bete da ihren Anteil hat oder ob ich sie gar net bräuchte, kann ich net sagen. Was ich aber noch nie so gedacht hab: wenn zwei verschiedene Routinen dasselbe Lebensmittel nutzen, wie du's beschreibst @rennradrenate, kann man dann überhaupt noch rausfinden was was tut? Du machst das Konzentrat vor langen Ausfahrten und isst die Knolle zusätzlich für den Blutdruck - das ist dann ja schon fast täglich Rote Bete in irgendeiner Form. Ich frag mich ob das dann net doch wieder zum Rauschen wird, nur halt mit zwei Erklärungen drauf. Ich selbst mach das eher unstrukturiert und bin damit offenbar net allein hier im Thread.

Zitat von rennradhorst

kann man dann überhaupt noch rausfinden was was tut

Wahrscheinlich nicht, zumindest nicht ohne einen Selbstversuch, den ich mir ehrlich gesagt nicht antun möchte. Also eines weglassen, dokumentieren, warten. Das wäre ja methodisch das Einzige, was zöge - aber wer macht das schon konsequent über mehrere Monate. Was mich bei deiner Frage aber wirklich trifft: Du beschreibst das als "Rauschen mit zwei Erklärungen drauf" - und ich glaube, das ist ein ziemlich treffendes Bild. Nur dass ich inzwischen nicht mehr sicher bin, ob das Rauschen das Problem ist. Wenn beides läuft, der Blutdruck stabil ist und die langen Ausfahrten sich gut anfühlen, dann ist die Frage "was tut was" vielleicht eher akademisch als praktisch. Das klingt jetzt nach Gleichgültigkeit, ist es aber nicht. Ich finde es trotzdem relevant, weil ich eben nicht unbegrenzt Konzentrat vor jeder Ausfahrt schlucken will, wenn die Knolle am Abend davor dasselbe macht. Das wäre dann einfach zu viel des Guten, und ob sehr viel Nitrat auf einmal wirklich besser ist als verteilt über den Tag - dazu hab ich noch nichts Überzeugendes gelesen. @rennradhorst was ich dich noch fragen wollte: Isst du die Knolle beim Abendessen dann roh oder gegart? Weil wenn du sagst Nitrat bleibt beim Roh-Verzehr mehr erhalten, dann wäre das ja genau der Schnittpunkt zu deiner Samstagsausfahrt am nächsten Tag.

--
Rennrad ist kein Hobby, das ist Therapie.

Zitat von rennradrenate

ob sehr viel Nitrat auf einmal wirklich besser ist als verteilt über den Tag

genau das würde ich auch gern wissen. bin halt müde von der ganzen optimiererei ehrlich gesagt. hatte mal ne phase wo ich mir das betanio vor jeder ausfahrt reingedrückt hab und dacht ich merk was. am ende war es nur teuer und hat scheißeschmeckt wie ich schon mal geschrieben hab. was mich bei euch beiden aber grad irritiert: ihr redet von routinen und strukturen und dokumentieren und das klingt alles sehr... durchdacht. ich esse die bete wenn sie im haus ist und fertig. samstags lange tour oder nicht spielt da für mich ehrlich gar keine rolle. manchmal kocht meine freundin die zu mittag dann esse ich mit. manchmal nicht. und mein blutdruck ist auch ok letztes jahr beim arzt. die frage ob roh besser ist als gekocht - keine ahnung @rennradrenate, ich hab die immer gekocht weil roh ist mir zu hart zum kauen. aber ob das dann weniger nitrat bringt oder mehr oder gar nix - das interessiert mich nicht genug um da zu testen. ihr macht das aber offenbar beide sehr bewusst und ich frag mich ob das am ende nicht mehr stress ist als es hilft. schlaf und nicht jeden tag wurst essen bringt wahrscheinlich mehr als zwei verschiedene rote-bete-strategien.

Zitat von kb_91

ihr macht das aber offenbar beide sehr bewusst und ich frag mich ob das am ende nicht mehr stress ist als es hilft

digga das ist der erste satz im ganzen thread der mich wirklich anspricht. ich les hier seit einer weile mit und irgendwie... ja. der ganze saft-vs-knolle-als-nitrat-optimierungsdiskurs ist mir so fremd ich versteh nicht warum man das so verkompliziert. ich ess rote bete weil sie gut ist. weil die farbe auf dem teller krass aussieht weil sie mit orangenzeste und walnüssen zusammen so ein moment ist. das wars. keine strategie. was mich aber bei @kb_91 noch beschäftigt - du sagst "roh ist zu hart zum kauen" und ich frag mich ob du die schonmal dünn gehobelt probiert hast, also wirklich papierdünn? ich mach das manchmal roh in so einem carpaccio-artigen ding mit etwas säure drüber und dann ist die textur komplett anders, fast zart. nicht weil ich damit irgendwas "erhalten" will sondern weil sie roh halt anders schmeckt - weniger süß, mehr... ich weiß auch nicht, bisschen schärfer fast. und naja - @rennradrenate und @rennradhorst ich check euren ansatz, aber das mit dem dokumentieren und den zwei verschiedenen routinen für zwei verschiedene ziele... also ich find das klingt nach nem freelance-projekt das aus dem ruder gelaufen ist. manchmal ist weniger mehr

--
less is more ?

Seite 1 von 2Nächste