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Rote-Bete-Saft vor der Ausfahrt – Konzentrat oder einfach Supermarkt-Saft?

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moin zusammen - ich fahr jeden Samstag meine lange Runde, so 80-120km je nach Wetter und Laune. Seit gut nem Jahr probier ich rum was vor der Tour sinnvoll ist und bin über Rote Bete gestolpert. Erst dachte ich ehrlich gesagt: ja klar, wieder so ein Ding das alle abfeiern. Hab dann aber angefangen mit dem normalen Saft aus dem Supermarkt, der 1-Liter-Tetra für unter zwei Euro. Und ich merk da echt was - ob das Placebo ist kann mir wurscht sein solange die Beine rollen. Nach vielleicht vier fünf Wochen regelmäßig hab ich das Gefühl die letzten 20km kosten mich weniger als vorher. Kein Wundermittel aber halt merkbar. Jetzt hat mein Kollege auf der Arbeit (der hat mich überhaupt erst auf Ernährung gebracht) gesagt ich soll mal Betanio PLUS ausprobieren - das ist so ein Konzentrat, viel teurer, soll höher dosiert sein. Hab ich gemacht, paar Wochen getestet. War ok aber ich hab KEINEN riesigen Unterschied zum günstigen Saft gemerkt. Wirklich nicht. Vielleicht minimal aber dafür zahl ich keinen dreifachen Preis ne. Was ich mich frage - hat von euch jemand das mal richtig verglichen? Also wirklich bewusst abgewechselt? Ich red nicht von irgendwelchen Labortests, einfach eigene Erfahrung beim Sport oder auch so im Alltag. Weil ich les immer "Konzentrat hat mehr Nitrat" aber ob das am Ende wirklich so viel bringt... Und noch was das mich interessiert - trinkt ihr das nüchtern vor dem Sport oder einfach so zwischendurch? Ich machs immer morgens vor der Tour, ungefähr ne Stunde davor. Verträglichkeit war bei mir kein Thema, Magen macht da brav mit.

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Schaltwerk ölen ist auch Ernährung.

@derbär das deckt sich ziemlich genau mit dem, was ich auch beobachtet hab. Ich hab Betanio PLUS damals ein paar Wochen vor langen Läufen getestet - Halbmarathon-Vorbereitung, also eher Ausdauer als Intensität - und der subjektive Eindruck war: ja, irgendwas, aber ob das das Konzentrat war oder einfach der Trainingsfortschritt, konnte ich nicht sauber trennen.

Zitat von derbär

ich les immer "Konzentrat hat mehr Nitrat" aber ob das am Ende wirklich so viel bringt

Das ist eigentlich der springende Punkt. Die Studien, die ich kenne - konkret hab ich mal eine Metaanalyse von Hoon et al. aus 2013 überflogen, die in PLOS ONE veröffentlicht wurde - zeigen Effekte vor allem bei trainierten Ausdauersportlern, und die sind teilweise ziemlich gering, im Bereich von Sekunden auf 10km. Für Freizeitradler wie uns könnte der Schwellenwert auch mit normalem Saft erreichbar sein, wenn die Nitratkonzentration im Saft nicht total im Keller ist. Das ist aber das Problem: Supermarkt-Saft hat keine Angabe über den tatsächlichen Nitratgehalt auf der Packung, und der variiert je nach Anbaubedingungen, Sorte, Lagerung erheblich. Was mich bei deiner Beschreibung interessiert: hast du den Timing-Aspekt mal variiert? Die 60 Minuten vorher, die du machst, sind eigentlich gut belegt als Fenster für die Konversion zu Stickstoffmonoxid. Aber ich hab mal gelesen - irgendwo in einem Blog von einem Sporternährungsberater, also mit Vorsicht zu genießen - dass manche mit 90 Minuten besser fahren.

@markus_b82 der Punkt mit dem variierenden Nitratgehalt im Supermarkt-Saft ist wichtig zu wissen, das wird tatsächlich kaum diskutiert. Ich hatte das auch nicht auf dem Schirm, bis ich mal nachgefragt habe - konkret gesagt war es meine Hausärztin, die mich darauf hingewiesen hat, dass die Anbaubedingungen da wirklich erheblich reinspielen, besonders Stickstoffdüngung im Boden. Was mich bei diesem Timing-Aspekt interessiert: ich mache es seit längerem ähnlich wie @derbär, also etwa eine Stunde vorher, aber ich hab ehrlich gesagt nie systematisch variiert. Bei mir war es so, dass ich mal durch Zufall 90 Minuten vorher getrunken habe - weil ich früher aufgestanden bin und nicht warten wollte - und das Gefühl auf den ersten 30 Kilometern war gut. Ob das wirklich daran lag, kann ich natürlich nicht sagen. Was ich mich bei dem ganzen Konzentrat-vs-Saft-Vergleich aber frage: trinkt ihr das Konzentrat pur oder verdünnt? Ich hab das Betanio mal pur probiert und fand die Intensität des Geschmacks fast unangenehm, verdünnt war es besser - aber ob das die Resorption beeinflusst, weiß ich nicht. Das wäre mir neu.

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Rennrad ist kein Hobby, das ist Therapie.

@rennradrenate die Frage zur Resorption bei Verdünnung finde ich interessant, hab dazu aber nichts Belastbares gefunden. Was ich weiß: der eigentliche Schritt, bei dem Nitrat zu Nitrit wird, passiert durch Bakterien im Speichel, und der läuft unabhängig davon, ob du das Zeug pur oder mit Wasser trinkst. Insofern würde ich da keine Magie erwarten - aber eine Quelle, die das explizit für Konzentrate untersucht, kenn ich nicht. Falls du was findest, gern her damit. Was mich bei deiner Beschreibung mit dem 90-Minuten-Timing aber stört: das ist halt ein einzelner Datenpunkt unter womöglich veränderten Bedingungen. Früheres Aufstehen heißt auch: anderer Schlaf, anderes Frühstück, vielleicht ausgeruhter. Das ist schwer rauszurechnen. Ich hab das Konzentrat übrigens auch pur getrunken, weil ich dachte das Wasser würde irgendwas verdünnen (was wahrscheinlich Unsinn ist). Der Geschmack ist wirklich intensiv, fast wie Erde nach Regen. Irgendwann hab ich einfach aufgehört das zu überlegen und einfach mit einem kleinen Schluck Wasser hinterher getrunken. Hat sich nicht anders angefühlt. Was mich bei dem ganzen Thema eigentlich mehr beschäftigt als das Timing: ich hab nie kontrolliert, was ich kurz vorher gegessen hab. Ich weiß inzwischen, dass Mundspülungen mit Antiseptika die Umwandlung im Speichel blockieren - meine Hausärztin hat das mal beiläufig erwähnt und ich hab zunächst nicht geglaubt, dass das relevant ist. Aber wenn man morgens zuerst Mundwasser nimmt, dann Rote-Bete-Saft trinkt, könnte das den Effekt tatsächlich abschwächen. Hat das von euch jemand auf dem Schirm gehabt beim Testen?

Zitat von markus_b82

Mundspülungen mit Antiseptika die Umwandlung im Speichel blockieren

das wusste ich nicht, ehrlich gesagt. Ich mein, ich hab das mit dem Speichel und den Bakterien grob auf dem Schirm, aber den Mundwasser-Punkt - nein, der war mir nicht bewusst. Und ich benutze morgens tatsächlich manchmal so ein Antibakterielles, das ist so eine Gewohnheit die ich seit Jahren hab. @markus_b82 jetzt frag ich mich ob das bei mir irgendwann reingespielt hat. Ich kann das nicht mehr rückwirkend rekonstruieren, aber es ist so ein Detail das man einfach nie auf dem Schirm hat weil Mundwasser und Rote-Bete-Saft mental in völlig verschiedenen Schubladen liegen. Ich trink das Konzentrat morgens und ob ich vorher Mundwasser benutzt hab oder nicht - daran hab ich nie gedacht. Was mich dabei beschäftigt: wie lange hält dieser Blockade-Effekt an? Also wenn ich morgens Mundwasser nehme und dann eine Stunde später das Konzentrat trinke, ist das dann noch relevant? Das hat mir meine Hausärztin mal nicht erklärt weil ich sie damals gar nicht danach gefragt hab. Ich müsste das mal gezielt ansprechen. Oder ob jemand von euch da was gelesen hat - nicht irgendein Blog sondern was Handfesteres.

@jana_w die Frage zur Dauer des Blockade-Effekts ist gut, und ich hab da tatsächlich was Handfesteres: es gibt eine Arbeit von Govoni et al. (2008), veröffentlicht in Nitric Oxide - Biology and Chemistry, die sich genau damit beschäftigt hat. Wenn ich mich richtig erinnere, war der Effekt nach einmaligem Mundwasser-Gebrauch noch über mehrere Stunden nachweisbar, weil die orale Bakterienflora Zeit braucht um sich zu erholen. Eine Stunde Abstand dürfte also nicht reichen. Das ist zumindest die Richtung, die diese Studie angedeutet hat - ich kann das gerade nicht nochmal nachschlagen, aber du kannst nach dem Autorennamen und "nitrate oral bacteria" suchen, dann findest du das. Was mich dabei beschäftigt: das heißt im Umkehrschluss, dass ein Teil der Testvarianz, die wir alle in unseren subjektiven Beobachtungen haben, schlicht durch so eine morgendliche Mundpflege-Routine erklärbar wäre. Und das ist der Typ von Confounder, den man nicht mal auf dem Radar hat.

Zitat von jana_w

Mundwasser und Rote-Bete-Saft mental in völlig verschiedenen Schubladen

Ja, genau das. Und ich würd wetten dass die meisten, die sagen "bei mir wirkt das Konzentrat irgendwie unregelmäßig", nie daran gedacht haben. Ich selbst auch nicht, bis meine Hausärztin das als Randnotiz fallen gelassen hat.

@markus_b82 okay, das mit den mehreren Stunden - das ist eigentlich unangenehm zu lesen. Ich mein, ich hab ja schon öfter so ein subjektives "heute läuft's irgendwie nicht" gehabt und dann nie gewusst woran ich das festmachen soll. Und jetzt kommt da so ein Faktor rein der total banal klingt - Mundwasser - und ich kann rückwirkend gar nicht mehr ausschließen dass das manchmal genau das war.

Zitat von markus_b82

Typ von Confounder, den man nicht mal auf dem Radar hat

das trifft's eigentlich. Weil man beim Testen ja irgendwie versucht die Variablen zu kontrollieren - Timing, was man gegessen hat, Schlaf - aber an die Mundhygiene denkt einfach niemand. Das ist ja auch kein Sportthema, das ist Badezimmer-Routine. Was mich jetzt noch interessiert: gilt das auch für normales Fluorid-Zahncreme-Spucken, also ohne Mundwasser, oder ist das wirklich nur das Antiseptikum im Mundwasser das die Bakterien plattmacht? Weil das wäre nochmal ein Unterschied - ob ich einfach Zähneputzen soll vor dem Konzentrat oder ob ich die halbe Morgenroutine umbauen muss. Govoni et al. werde ich suchen danke für den Hinweis. draußen ist es grad noch so warm für Juli abends, ich sitz am Rechner und frag mich ob ich morgen früh einfach mal das Mundwasser weglasse. Klingt nach einem echten Test.

@jana_w zur Frage mit der Zahnpasta - soweit ich das einschätzen kann, ist es tatsächlich das Antiseptikum, das den Unterschied macht. Normale Fluorid-Zahncreme hat keine relevante antibakterielle Wirkung auf die Nitrat-reduzierenden Bakterien im Mundraum, zumindest nicht in dem Maß wie Chlorhexidin oder andere Wirkstoffe in Mundwässern. Das hab ich nicht aus einer Primärquelle, sondern aus einem Review-Artikel den ich vor Monaten überflogen hab - ich glaube es war irgendwas in Appetite oder Free Radical Biology, ich bin mir nicht sicher genug um das als Beleg hinzustellen. Aber die Richtung klingt plausibel: Zähneputzen allein dürfte kein Problem sein. Es wäre sonst auch ziemlich absurd, weil man dann praktisch morgens gar nichts machen dürfte vor dem Saft.

Zitat von jana_w

ob ich die halbe Morgenroutine umbauen muss

Das wäre halt der Punkt wo ich sagen würde: nein, wahrscheinlich nicht. Einfach das Mundwasser weglassen an dem Tag, oder nach dem Konzentrat verwenden wenn man's unbedingt will. Ob das dann aber wirklich einen messbaren Unterschied in deiner Ausfahrt macht - das hängt daran, wie stark das bei dir bisher reingespielt hat, und das weißt du ja selbst nicht. Was mich bei deinem Gedanken mit dem "morgen früh einfach testen" eigentlich beschäftigt: ein einmaliger Test sagt da wenig. Das ist wieder genau das gleiche Problem wie mit dem 90-Minuten-Timing. Du hast zu viele andere Variablen am gleichen Tag.

Zitat von rennradrenate

die Anbaubedingungen da wirklich erheblich reinspielen

das kommt mir gerade wieder in den Sinn, weil ich grad nochmal drüber nachdenke was @markus_b82 mit "ein einmaliger Test sagt da wenig" meint - und er hat ja recht, ehrlich gesagt. Ich glaube das ist das eigentliche Problem bei allem was wir hier diskutieren. Wir testen alle irgendwie, aber jeder unter komplett anderen Rahmenbedingungen, verschiedener Saft, verschiedene Knollen, verschiedene Morgenroutine - und dann verglichen wir trotzdem munter die Ergebnisse als wäre das irgendwie vergleichbar. Was mich dabei beschäftigt: wenn schon der Nitratgehalt im Saft selbst so stark schwankt je nach Anbau, und dann kommt noch der Mundwasser-Faktor oben drauf, dann ist die Fehlerquelle eigentlich riesig. Ich mein, ich schwöre auf Betanio PLUS und sag das auch weiterhin - aber ob ich gerade an einem "guten" Nitrat-Tag war als ich das Gefühl hatte es wirkt besonders gut, oder ob ich zufällig kein Mundwasser benutzt hatte, oder ob der Supermarkt-Saft gerade eine besonders nitratreiche Charge war - das kann ich rückwirkend null auseinanderhalten. @markus_b82 ich frag mich ob es eigentlich sinnvoll wäre für so eine persönliche Testreihe erst mal ein paar Wochen lang alle Variablen die man kontrollieren kann wirklich konstant zu halten, bevor man überhaupt anfängt was zu vergleichen. Also nicht Konzentrat vs. Saft, sondern erst die Baseline sauber kriegen. Klingt banal aber ich hab das nie so gedacht.

@jana_w

Zitat von jana_w

erst die Baseline sauber kriegen

Ja, das ist eigentlich der richtige Gedanke - aber ich glaub der Aufwand ist im Alltag kaum realistisch. "Alle Variablen konstant halten" klingt gut, aber selbst wenn du jeden Morgen zur gleichen Zeit aufstehst, gleich schläfst, gleiches Frühstück - der Trainingszustand ändert sich trotzdem von Woche zu Woche. Und dann ist die Frage, was du überhaupt als Outcome misst. Subjektives Gefühl auf der Ausfahrt? Das ist zu rauschig. Was ich mir vorstellen könnte: du nimmst eine einzige Variable raus - das Mundwasser - und lässt alles andere so wie es ist. Nicht um den perfekten Test zu machen, sondern um zumindest diesen einen Confounder auszuschließen. Das ist kein sauberes Experiment, aber es ist besser als vorher. Ich hab das selbst nie systematisch gemacht, aber seit dem Gespräch mit meiner Hausärztin lass ich das Mundwasser morgens einfach weg wenn ich laufe. Ob's was bringt - keine Ahnung, ich hab keinen Vorher-Nachher-Vergleich. Das eigentliche Problem ist: wir haben alle keine Baseline, weil wir nie eine angelegt haben. Und die nachträglich zu rekonstruieren ist nicht möglich. Ich finde das ehrlich gesagt etwas frustrierend - nicht wegen Rote Bete speziell, sondern weil das bei so ziemlich jeder Selbstbeobachtung im Sport gilt. Man testet halt unter Alltagsbedingungen, nicht im Labor.

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