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Rote Bete roh essen – wer macht das wirklich und wie?

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Ich bin grad dabei meine Ernährung für die Granfondo konkreter zu planen und dabei komm ich immer wieder zu derselben Frage zurück. Die meisten Rezepte die ich kenne - Ofen gekocht eingelegt - die hab ich inzwischen alle irgendwie ausprobiert. Aber roh? Da habe ich mich bisher kaum rangetraut. Mein Kollege (der mich überhaupt erst auf das Thema gebracht hat) isst die Dinger angeblich roh gerieben in einen Salat. Ich hab das mal kurz probiert, war ehrlich gesagt ein bisschen wie Erde essen. Nicht schlimm aber auch kein Erlebnis das ich freiwillig wiederhole. Jetzt hab ich neulich in einem anderen Forum jemanden gesehen der schreibt, roh sei vom Nitratgehalt deutlich interessanter als gekocht weil beim Garen angeblich einiges verloren geht. Kann ich weder bestätigen noch widerlegen, ich hab keine Ahnung woher der das hat. Klingt plausibel aber solche Behauptungen ohne Beleg nehme ich erstmal mit Vorsicht. Was mich mehr interessiert ist die Praxis. Wie esst ihr das roh überhaupt so dass es halbwegs genießbar ist? Ich mein - mit was kombiniert man das, muss man da irgendwas dazu geben damit der Geschmack nicht so dominiert? Apfel hab ich schon als Tip gelesen, klingt komisch aber ich schließ nix aus. Und die zweite Frage, die mich schon länger beschäftigt: verträgt man roh eigentlich schlechter? Ich bin vom Magen her kein zartes Pflänzchen aber die gekochte Variante ist mir manchmal schon etwas schwer vorgekommen. Ob das roh noch anders ist, keine Ahnung. Falls jemand das regelmäßig macht - wie sieht das bei euch aus, einfach drüber reiben und fertig oder steckt da mehr dahinter.

@rote_socke_83 der Punkt mit dem Nitratgehalt roh vs. gekocht ist tatsächlich nicht so einfach abzuhaken. Ich hab das vor einigen Monaten nachgelesen - konkret in einer Übersichtsarbeit (Clifford et al., 2015, British Journal of Nutrition), die sich mit Bioverfügbarkeit beschäftigt. Das Nitrat selbst ist relativ hitzestabil, was beim Kochen eher verloren geht ist ein Teil ins Kochwasser. Also wer die Knolle kocht und das Wasser wegschüttet, verliert da tatsächlich was. Ob das im echten Alltag den Unterschied macht - keine Ahnung, das hängt wohl an Mengen, Kochzeit, Knolle selbst. Zur Praxis: Ich reib das roh und misch es mit Apfel und etwas Zitronensaft, das dämpft den Erdgeschmack merklich. Kein Wundermittel, aber mit gutem Olivenöl und Feta wird das für mich halbwegs alltagstauglich. Die "Erde essen"-Beschreibung kenn ich, das liegt glaub ich auch an der Sorte und wie frisch die Knolle ist. Ältere Ware aus dem Supermarkt schmeckt deutlich intensiver-erdiger als was vom Wochenmarkt. Zur Verträglichkeit: Das ist interessant, weil ich bisher keine systematische Erklärung gefunden hab warum die rohe Variante magenempfindlicher sein soll. Logisch klingt es - mehr Zellstruktur, mehr Rohfaser - aber ich hab dazu ehrlich gesagt keine Quelle die das belastbar zeigt. Bei mir persönlich ist der Unterschied nicht groß gewesen, aber ich bin kein guter Testfall weil ich generell keinen empfindlichen Magen hab.

@markus_b82 ok der Punkt mit dem Kochwasser ist eigentlich logisch und ich hab trotzdem nie drüber nachgedacht. Ich kipp das immer weg wie bei jedem anderen Gemüse auch. Macht man halt so. Wenn da tatsächlich ein Teil vom Nitrat drin ist, dann hab ich mir die letzten Monate selbst ein Bein gestellt ohne es zu merken. Was mich an deiner Kombi interessiert - Apfel, Zitrone, Feta - ist ob das wirklich den Erdgeschmack dämpft oder ob man sich das nach einer Weile nur einredet. Ich mein das nicht böse ich kenn das von mir selbst. Wenn man was oft genug isst gewöhnt man sich dran und denkt dann "war eigentlich nie so schlimm". Kann ich so nicht immer auseinanderhalten. Den Sortenhinweis nehm ich mit. Wochenmarkt vs. Supermarkt ist bei vielen Sachen ein Unterschied den man unterschätzt. Hier in Bochum gibts samstags nen Stand wo ich manchmal Zeug mitnehme - vielleicht probier ich das nächste Woche mal gezielt mit einer frischen Knolle roh aus, nur um den Vergleich zu haben. Nicht weil ich jetzt Fan davon werde, aber der Erdgeschmack hat mich wirklich gestört und wenn der an der Qualität hängt wär das zumindest eine Erklärung. Zur Verträglichkeit, das ist interessant dass du keinen Unterschied gemerkt hast. Ich frag mich ob das mit der Menge zusammenhängt. Eine kleine Portion roh neben dem Essen ist was anderes als wenn man das als Hauptbestandteil isst.

@rote_socke_83

Zitat von rote_socke_83

ob das wirklich den Erdgeschmack dämpft oder ob man sich das nach einer Weile nur einredet

Ehrlich gesagt - das ist eine faire Frage und ich kann sie nicht mit Sicherheit beantworten. Ich bin mir selbst nicht sicher ob ich da blind geworden bin. Was ich sagen kann: Zitronensaft hat bei mir nachweislich was gemacht, weil ich das mal weggelassen hab und den Unterschied gemerkt hab. Aber ob "gemerkt" dasselbe ist wie "objektiv besser" - keine Ahnung. Was mich an deinem Menge-Gedanken interessiert: Da könnte tatsächlich was dran sein, und zwar nicht wegen dem Erdgeschmack sondern wegen der Oxalsäure. Rote Bete hat relativ viel davon, und die kann bei größeren Mengen tatsächlich Magenprobleme verursachen - das ist zumindest das, was ich mal beiläufig in einem Ernährungsmedizin-Kontext gelesen hab (konkrete Quelle hab ich gerade nicht zur Hand, müsste ich raussuchen). Ob das roh vs. gekocht einen Unterschied macht, weiß ich nicht - beim Kochen geht Oxalsäure auch ins Wasser, also könnte da tatsächlich ein Zusammenhang sein, den ich bisher nicht auf dem Schirm hatte. Das wäre übrigens mal ein Experiment das sich eher kontrollieren ließe als das Nitrat-Timing: einfach Portion verkleinern und schauen ob der Magen ruhig bleibt.

@markus_b82 das mit der Oxalsäure ist interessant weil ich das echt noch nie gehört hab. Bei mir im Verein wird immer nur über Nitrat geredet, aber Oxalsäure - naja, keine ahnung. Aber ehrlich gesagt frag ich mich jetzt eher ob das alles nicht zu viel Gedanken für was ist das am Ende ne Rote Bete ist. Mein Kollege ißt das roh weil er meint es hilft beim Training, ich bin da weiterhin skeptisch. Wenn ich das jetzt anfange zu zerlegen in Oxalsäure und Kochwasser und welche Sorte vom Wochenmarkt, dann mach ich mir selbst einen Kopf für nix. Was mich eher interessiert: @rote_socke_83 wenn du samstags zum Markt gehst - versuch doch einfach eine frische Knolle und iss davon ne kleine Portion roh, ohne viel drumherum. Nur damit du weißt wie es sich anfühlt bei dir. Dann hast du deine Antwort zur Verträglichkeit und zum Geschmack. Das ist mehr wert als irgendwelche Theorien über Oxalsäure wo keiner wirklich weiß ob das im Alltag relevant ist. Der Rest - Apfel, Zitrone, Kombi mit Feta - das sind halt Geschmacksfragen. Entweder man mag Rote Bete oder man mag sie nicht. Alles andere ist Selbstbetrug.

@derbär der letzte Satz - "entweder man mag Rote Bete oder man mag sie nicht, alles andere ist Selbstbetrug" - kann ich so nicht unterschreiben. Das klingt nach einer Vereinfachung die ich nicht teile. Ob Zitronensaft den Geschmack tatsächlich verändert oder nicht ist keine Frage von Selbstbetrug sondern von Säure die chemisch was mit Gerbstoffen macht. Das ist kein Hexenwerk. Was ich dir aber zugebe: der Praxistipp ist richtig. Einfach machen statt überlegen. Das ist eigentlich auch mein Ding normalerweise, ich bin da irgendwie ins Theoretisieren gerutscht. Was mich trotzdem noch beschäftigt - und das hat @markus_b82 mit der Oxalsäure aufgemacht - ist der Unterschied zwischen "ich vertrag das nicht" und "ich hab einfach zu viel gegessen". Ich kenn das von anderen Sachen. Zu viel Kohl auf einmal ist auch kein Spaß, aber das liegt ja nicht am Kohl als solchem. Die Frage ob das bei Rote Bete roh anders liegt als gekocht ist für mich als jemand der das gezielt vor dem Training einsetzen will schon nicht ganz egal. Wenn ich da mit 200g roh anfange und mein Magen streikt kurz vor der Ausfahrt, dann bringt mir das gar nix. Ich glaub der nächste Schritt ist wirklich der Selbstversuch mit kleiner Menge, wie du sagst. Aber unter realen Bedingungen - nicht einfach so zum Frühstück sondern so wie ich das vor einer Einheit tatsächlich essen würde.

@rote_socke_83 der Punkt mit den "realen Bedingungen" vor einer Einheit ist eigentlich der einzige der hier wirklich zählt, und ich würde noch einen Schritt weitergehen: der Zeitpunkt relativ zur Belastung macht da wahrscheinlich mehr aus als roh vs. gekocht. Was ich meine - wenn du das 30 Minuten vor der Ausfahrt isst, hast du mit roher Knolle schlicht mehr unverdaute Zellstruktur im Magen als mit gekochter. Das ist keine Oxalsäure-Frage, das ist Mechanik. Ich hab das selbst mal mit einem rohen Apfel vor einem langen Lauf unterschätzt und das war keine gute Entscheidung.

Zitat von rote_socke_83

nicht einfach so zum Frühstück sondern so wie ich das vor einer Einheit tatsächlich essen würde

Genau das. Und ich würde noch ergänzen: nicht am selben Tag wie eine wichtige Einheit. Erster Versuch lieber an einem lockeren Regenerationstag, wo es egal ist wenn der Magen meckert. Das klingt übervorsichtig aber ich find es einfach sinnvoller als sich das Wochentraining zu ruinieren nur weil man zu früh zu viel roh gegessen hat. @derbär zur "alles Selbstbetrug"-These - ich geb dir recht dass man da schnell overthink-t, aber rote_socke_83s Einwand mit der Säure und den Gerbstoffen ist kein Einbildungsargument. Hast du da eigentlich eine Quelle für den Gegenstandpunkt, oder ist das Bauchgefühl aus dem Verein?

@markus_b82 jetzt fragst du mich nach Quellen und ehrlich gesagt. Ich hab keine. Das war wirklich mehr Bauchgefühl aus den Gesprächen im Verein, nicht aus irgendeinem Paper das ich gelesen hätte. Fair point. Aber was mich an deinem letzten Punkt stört - du sagst "rote_socke_83s Einwand mit der Säure und den Gerbstoffen ist kein Einbildungsargument" und das stimmt natürlich chemisch. Nur. Im Alltag ist die Frage halt trotzdem ob das wirklich relevant ist oder ob man da wieder in die Überanalyse-Falle tappt. Mein Kollege macht das nicht mit Zitrone und komplizierten Kombinationen der ißt die Knolle einfach gerieben zum Salat und sagt hinterher sein Training war besser. Kann sein dass das Placebo ist, kann auch sein dass es egal ist wie man es zubereitet. Ich weiß es nicht und das ist genau mein Punkt. Was mich viel mehr interessiert - und das hab ich noch nie geklärt - ist ob die Leute die das regelmäßig machen das vorher oder nachher essen. @rote_socke_83 sagt vor der Einheit, aber mein Kollege hat mir nie genau gesagt wann. Vielleicht ist das sogar der entscheidende Unterschied und nicht ob roh oder gekocht. Vor oder nach Training - hat das jemand von euch systematisch ausprobiert?

@derbär die Frage vor/nach Training ist tatsächlich interessant, aber ich glaub da lohnt es sich kurz auseinanderzuhalten was man eigentlich optimieren will. Wenn man das Nitrat-Argument ernst nimmt, dann gibt es dazu tatsächlich Daten - ich meine mich zu erinnern, dass in der Exeter-Gruppe (Jones et al., mehrere Paper ab ca. 2009) mit Zeitfenstern von 2-3 Stunden vor der Belastung gearbeitet wurde, weil Nitrat erst zu Nitrit und dann zu NO umgebaut werden muss und das eine gewisse Zeit braucht. Direkt vorher essen wäre demnach zu spät, nicht zu früh. Ob das auf rohe Knolle vs. Saft vs. Konzentrat übertragbar ist - keine Ahnung, die meisten Protokolle die ich kenne liefen mit Saft oder Shots.

Zitat von derbär

sein Training war besser

Das ist halt das klassische Problem. Subjektives Empfinden nach einer Maßnahme ist ohne Kontrollbedingung kaum interpretierbar. Ich sag das nicht um deinen Kollegen zu bashen, aber "hinterher besser" bei einer Einheit wo man gleichzeitig anders geschlafen hat, anders gegessen hat, anders motiviert war - das ist keine Information über die Rote Bete. Was mich bei der ganzen Diskussion etwas wundert: wir reden die ganze Zeit über Timing und Verträglichkeit, aber niemand hat gefragt wie viel. 80g? 200g? Die Exeter-Studien hatten da konkrete Protokolle. Wenn @rote_socke_83 das vor einer Granfondo-Vorbereitung ernsthaft einsetzen will, wäre das eigentlich die erste Frage.

@markus_b82 die Menge-Frage ist fair, aber ehrlich gesagt - woher soll ich wissen welche Menge sinnvoll ist wenn ich das noch nie systematisch gemacht hab. Dein Punkt mit den Exeter-Studien und den konkreten Protokollen ist mir zu abstrakt. Die haben wahrscheinlich mit Leistungssportlern gearbeitet und optimal kontrollierten Bedingungen. Ich bin Hobbyläufer aus Gelsenkirchen, nicht im Labor. @rote_socke_83 hat ja vor eine kleine Portion zu probieren und ich bleib dabei - das ist der richtige Ansatz. Einfach machen statt erst noch drei Papers lesen über Nitrat-Umbauprozesse. Du merkst schnell ob dein Magen meckert oder nicht, das brauchst du nicht vorher zu wissen. Was mich jetzt aber eher beschäftigt ist was @markus_b82 am Ende sagt - dass die meisten Studien mit Saft oder Shots gemacht wurden. Wenn das wirklich der Unterschied ist dann frag ich mich ob @rote_socke_83 mit ganzen rohen Knollen überhaupt in die richtige Richtung denkt. Vielleicht wäre so ein Rüben-Shot - genau das Zeug das mein Kollege nimmt - einfach die saubere Lösung wenn es um Timing und Dosierung geht. Wobei ich da immer noch skeptisch bin ob das nicht einfach teurer Placebo ist 😄

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