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Rote Bete kombinieren – was passt wirklich, was ist nur Influencer-Quatsch?

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Ich bin da grad über etwas gestolpert das mich ein bisschen beschäftigt. Ich mach das jetzt seit ein paar Monaten Rote Bete regelmäßig essen, und merke dass ich immer wieder bei denselben Kombinationen lande. Apfel, Feta, etwas Walnuss, das ist mein Standard-Salat geworden. Funktioniert, schmeckt, aber langsam wird's mir zu eintönig. Jetzt hab ich letzte Woche beim Scrollen irgendwo gelesen, Rote Bete mit Orange und Ingwer sei die beste Kombination überhaupt, Stichwort Entzündungshemmung oder sowas. Ehrlich gesagt ist mir der Gesundheits-Marketingkram dabei egal - mich interessiert ob das geschmacklich wirklich Sinn macht oder ob das eine von diesen Kombinationen ist die nur auf Fotos gut aussieht. Ich hab's noch nicht ausprobiert weil mir der Aufwand nach der Schicht oft zu groß ist. Wenn ich abends um acht nach Hause komme will ich nicht anfangen Ingwer zu reiben. Was ich aber echt gut fand - ein Kumpel hat mir empfohlen, Rote Bete mit Linsen zu kombinieren. Das hab ich dann tatsächlich gemacht, rote Linsen, fertige Knolle grob gewürfelt, etwas Kreuzkümmel. Das hat überraschend funktioniert, sättigend und nicht so süßlich wie der Apfel-Feta-Kram. Mich würde interessieren was ihr so ausprobiert habt das wirklich funktioniert - nicht als Instagramrezept sondern als Alltagsessen. Und auch was gar nicht geht, das hilft mir genauso. Ich hab mal Rote Bete in ein Nudelgericht gemacht weil ich dachte das kann nicht schief gehen. Kann ich so nicht unterschreiben, das war so ein Totalausfall. Also: was kombiniert ihr, was hat sich bei euch im Alltag wirklich durchgesetzt?

@rote_socke_83 die Pasta-Sache kann ich mir gut vorstellen, das Problem ist wahrscheinlich die Süße der Knolle, die mit dem Stärkegehalt der Nudeln irgendwie nicht harmoniert - kein Säuregegengewicht, nichts Bitteres. Das Linsen-Kreuzkümmel-Ding hingegen macht aus geschmacklicher Logik total Sinn, weil Kreuzkümmel diese erdige Schwere der Roten Bete aufgreift statt dagegen anzuarbeiten. Zur Orange-Ingwer-Kombination: ich hab das tatsächlich schon gemacht, nicht wegen Influencern, sondern weil ich mal zu viele Orangen im Haus hatte. Funktioniert gut, aber ich würd sagen die Säure der Orange ist der eigentliche Hebel, nicht der Ingwer. Den Ingwer kann man weglassen und es schmeckt kaum anders. Der ist halt gut fürs Foto. Was ich noch nicht gesehen hab in diesem Thread - habt ihr mal Rote Bete mit etwas Trockenobst probiert? Ich mein Datteln oder Feigen, nicht als Gesundheitsstrategie, rein geschmacklich. Ich hatte das mal in einem Salat bei einem Freund, mit Rucola und etwas Ziegenkäse, und das hat überraschend funktioniert weil die Datteln die Süße der Knolle nicht verdoppeln sondern irgendwie anders betonen. Ob das Alltagstauglich ist wenn man um acht nach Hause kommt - wahrscheinlich nicht, da geb ich dir recht. Die Frage ist eigentlich: was ist der Mindestaufwand bei dem man noch ein halbwegs interessantes Ergebnis bekommt. Das Linsen-Ding klingt da schon ziemlich optimiert.

Zitat von markus_b82

die Säure der Orange ist der eigentliche Hebel, nicht der Ingwer

Ja, das klingt plausibel - und ich frag mich jetzt ob das nicht auch der Grund war warum mein Nudelversuch so grandios gescheitert ist. Keine Säure nichts Knackiges, nur Süße auf Stärke. Hätte ich früher drauf kommen können. @markus_b82 die Dattel-Geschichte interessiert mich trotzdem. Ich hab jetzt kurz überlegt ob ich das als Alltagsrezept sehe und ehrlich gesagt, Feigen kaufe ich nie wenn die nicht gerade im Angebot sind. Datteln schon eher, die hab ich manchmal wegen den Kindern im Haus. Aber ist das dann nicht irgendwie zu viel Süße insgesamt? Rote Bete hat ja schon Eigenschaft dahin, und dann noch Datteln drauf - ich kann mir vorstellen dass das schnell klebt, im Mundgefühl mein ich. Was mir gerade einfällt, weil du das mit dem Ziegenkäse erwähnt hast: ich hab den normalen Feta immer als neutral genug empfunden aber Ziegenkäse hat ja diese leichte Säure. Das wäre dann wieder der Hebel den du beschreibst. Vielleicht ist das die eigentliche Regel - immer irgendwas dabei das schneidet, Säure oder Bitter. Und wenn das fehlt läuft's ins Süßliche weg. Den Rucola hatte ich übrigens auch mal kurz dabei, bin aber wieder weg davon weil der zuhause immer so schnell schlapp macht.

@rote_socke_83

Zitat von rote_socke_83

ist das dann nicht irgendwie zu viel Süße insgesamt

Das ist eigentlich der interessante Punkt, und ich glaub du hast recht - aber mit einer Einschränkung. Bei Datteln kommt es sehr auf die Menge an. Wenn man nur zwei, drei Stücke draufgibt, wirken die eher als Kontrast-Akzent als als zusätzliche Süßequelle. Der Freund hatte das sehr sparsam eingesetzt, fast so wie man Nüsse dosiert. Klebt dann nicht. Deine These mit dem "Schneidenden" finde ich übrigens gut zusammengefasst - ich würd das eher als Gegengewicht formulieren, aber der Gedanke ist derselbe. Säure oder Bitterstoffe sind der Anker. Ohne das läuft Rote Bete tatsächlich in diese eine Richtung weg. Was mich bei deinem Rucola-Kommentar interessiert: hast du mal Radicchio probiert? Der macht schon zwei Tage länger mit, ist bitterer als Rucola und würde von der Logik her besser passen. Ich hab das noch nicht bewusst kombiniert, aber wenn ich gerade drüber nachdenke, klingt das eigentlich sinniger als der Rucola-Standard. Die Feta-Ziegenkäse-Unterscheidung ist übrigens nicht trivial. Normaler Feta variiert je nach Hersteller enorm in Salzigkeit und Säure - der aus dem Glas in Salzlake ist da eine andere Welt als der trockenere Block. Hast du da eine Quelle für welchen du nimmst, oder einfach was gerade im Kühlschrank ist.

@markus_b82 das mit dem Radicchio ist interessant weil ich das ehrlich noch nie bewusst bei Rote Bete gedacht hab. Hab das Zeug eigentlich nur in Wintersalaten gegessen. Aber jetzt wo du das sagst - ja, das könnte passen. Muss ich nächste Woche mal testen wenn ich wieder einkaufen gehe. Das andere mit dem Feta-Block vs. Glas - naja, ich nehm einfach was im Kühlregal gerade liegt, ehrlich gesagt. Meistens die Variante in Salzlake weil die billiger ist. Aber vielleicht ist das auch der Grund warum mir die Kombination manchmal gut schmeckt und manchmal eher meh. Wenn der Feta dann zu salzig ist wirds schnell unagenehm. Was mich aber gerade beschäftigt - ihr redet alle über frische Kombinationen und Salate. Hat einer von euch das auch mal warm gemacht? Ich mein nicht so Omas gekochte Rote Bete mit Sauerrahm sondern eher so wie @rote_socke_83 mit den Linsen. Weil da scheint mir der Punkt mit dem Gegengewicht ja noch wichtiger zu sein wenn alles warm ist und die Geschmäcker stärker werden. Oder verliert die Rote Bete da zu viel wenn man die kocht?

Zitat von derbär

ob die Rote Bete da zu viel verliert wenn man die kocht

Das ist eigentlich eine gute Frage die ich mir beim Linsen-Ding auch kurz gestellt hab. Meine Erfahrung: wenn die Knolle schon vorgekocht ist und du die dann nur noch kurz mit reinwirfst, verliert sie kaum was. Das Schlimme passiert wenn sie wirklich lang im Topf bleibt - dann wird sie so weich dass sie einfach in alles reinzieht und irgendwann nur noch Hintergrundfarbe ist, kein Geschmack mehr. Das mit dem Gegengewicht bei warmem Essen - ja, da hast du recht. Ich hab das Linsen-Ding mit einem Spritzer Zitrone am Ende gerettet ehrlich gesagt. Ohne das war's gut aber irgendwie flach. Mit dem Zitronenspritzer hat's das bekommen was @markus_b82 mit Säure meint. Was mich bei deiner Frage aber wirklich interessiert: du sagst warm und dann denkst du an Suppe oder eher so ein Pfannengericht? Weil ich mir Rote Bete in der Pfanne - also wirklich angebraten - noch nie gemacht hab. Hab irgendwo gelesen dass die dann karamellisiert aber ob das dann nicht komplett in die Süße kippt ohne dass man gegensteuern kann, keine Ahnung. @markus_b82 du scheinst da mehr drüber nachgedacht zu haben als ich.

@rote_socke_83

Zitat von rote_socke_83

Rote Bete in der Pfanne - also wirklich angebraten

Das hab ich tatsächlich einmal gemacht, nicht bewusst als Experiment sondern weil die Knolle halb übrig war und ich sie nicht wegwerfen wollte. Scheiben, etwas Öl, mittlere Hitze. Die karamellisiert tatsächlich - aber das Interessante ist, dass das nicht automatisch süßer wird als die gedämpfte Variante. Eher intensiver, mit leicht röstigem Rand. Der Knackpunkt ist die Temperatur: zu heiß und sie verbrennt außen bevor sie gar ist, zu niedrig und sie dünstet nur vor sich hin ohne Röststoffe. Ob das "kippt" hängt meiner Erfahrung nach davon ab was daneben liegt. Ich hatte damals noch etwas Balsamico-Essig dazu, kurz reduziert, und das hat genau das gemacht was du mit "gegensteuern" meinst. Ohne das wäre es wahrscheinlich zu eindimensional geworden. @derbär deine Frage ob die Rote Bete beim Kochen zu viel verliert - rote_socke_83 hat das schon gut beschrieben, aber ich würd noch ergänzen: der Nitratverlust ins Kochwasser ist real, wenn man das überhaupt interessiert. Wer das Zeug wegen der Ausdauergeschichte isst, sollte das Kochwasser eigentlich nicht wegschütten. Ob das beim Pfannenbraten anders ist, weiß ich ehrlich gesagt nicht - da wäre ich jetzt neugierig ob jemand dazu was gelesen hat. Ich hab da keine verlässliche Quelle gerade im Kopf.

@markus_b82 das mit dem Nitratverlust ins Kochwasser - ehrlich, da hab ich nie drauf geachtet. Aber jetzt wo du das sagst frag ich mich ob das überhaupt ne Rolle spielt wenn man eh nicht gerade vorhat bei der Laufstrecke einen neuen PB zu laufen. Ist ja nicht so dass ich da mit wissenschaftlicher Methode ranging. Aber interessant zu wissen. Was mich gerade mehr beschäftigt ist das mit der Pfanne. @rote_socke_83 du fragst ob das kippt - ich glaub das ist genau der Punkt wo man merkt ob man Gegengewicht dabei hat oder nicht. Aber ehrlich, Balsamico reduzieren nach ner Schicht, das ist mir zu viel Aufwand. Ich würd eher so was probieren wie einfach ne Prise Salz und Pfeffer in der Pfanne lassen, vielleicht noch etwas Knoblauch. Das ist weniger theatralisch und geht schneller. Ob das dann auch funktioniert keine Ahnung aber das wäre für mich die Alltagsvariante. Mich reizt gerade das mit dem Radicchio von @markus_b82 tatsächlich. Hab das auch nur als Wintersalat im Kopf gehabt und jetzt wo ich drüber nachdenke - warum nicht auch einfach roh mit der Roten Bete? Der ist bitter, der schneidet, und der Lagerungsaspekt den du erwähnt hast ist ja auch nicht zu verachten. Das könnte ich mir nächste Woche auch mal schnell zusammenwerfen.

Zitat von fk_1988

Balsamico reduzieren nach ner Schicht, das ist mir zu viel Aufwand

Ja, genau das ist der Punkt. Das klingt in der Theorie super aber nach acht Stunden Schicht steh ich nicht da und reduziere irgendwas. Knoblauch in der Pfanne dagegen - das geht, das mach ich eh fast reflexartig bei allem. Was mich bei deinem Radicchio-Gedanken aber wirklich erwischt: ich hab noch nie roh und Rote Bete direkt kombiniert, also ohne irgendwas dazwischen. Immer Käse, Nüsse, Dressing, irgendwas. Die Frage wäre ob der bittere Radicchio roh mit der rohen Knolle nicht einfach zu viel Dichte hat - zwei starke Eigengeschmäcker die beide nicht nachlassen. Vielleicht braucht das dann doch irgendwas Neutrales daneben, sonst boxen die beiden einfach gegeneinander. @markus_b82 das mit dem Nitratverlust ins Kochwasser - ehrlich gesagt hab ich das Kochwasser bisher immer weggekippt. Nicht aus Überzeugung sondern weil man das einfach so macht. Ob ich jetzt anfange das aufzuheben weiß ich nicht, das fühlt sich irgendwie komisch an. Aber ich frag mich ob das bei Dampfgaren anders ist. Ich hab bei meiner Schwägerin mal kurz ein Dampfgarer-Ding gesehen, nie selbst ausprobiert - könnte sein dass da weniger verloren geht weil die Knolle nicht im Wasser liegt. Das wäre eigentlich die relevante Frage wenn man das wegen der Ausdauergeschichte macht. Aber ich hab keine Quelle dafür ist nur Bauchgefühl.

@rote_socke_83

Zitat von rote_socke_83

ob das bei Dampfgaren anders ist

Das ist tatsächlich keine schlechte Intuition, und da gibt es wenigstens einen Anhaltspunkt. Ich hab das vor ein paar Monaten in einem Übersichtsartikel auf einem Ernährungsportal gelesen - leider nicht mehr die genaue Quelle parat, war irgendwas über Gemüsezubereitung und Nährstofferhalt - und da stand sinngemäß, dass wasserlösliche Verbindungen beim Dampfgaren deutlich besser erhalten bleiben als beim Kochen in Wasser. Nitrat ist wasserlöslich, also wäre das plausibel. Ob das quantitativ relevant ist, da würde ich vorsichtig sein. "Weniger verloren" heißt nicht zwingend "genug anders um es zu merken". Was mich bei deiner Radicchio-Idee, @rote_socke_83 und @fk_1988, mehr beschäftigt: ihr denkt da an roh kombiniert, aber ich glaub der Radicchio funktioniert besser wenn er kurz angewärmt ist. Nicht gegart, wirklich nur kurz - dann verliert er etwas von der harten Bitterkeit, wird zugänglicher, ohne dass er komplett weich wird. Hab das mal mit Pasta probiert, nicht mit Rote Bete, aber die Logik wäre die gleiche. Ob das dann noch "Alltagstauglich nach Schicht" ist, ist natürlich eine andere Frage. Und zum Kochwasser-Wegkippen: ich machs auch meistens so, ehrlich gesagt. Der Gedanke es aufzuheben klingt vernünftiger als er sich anfühlt wenn man gerade am Herd steht.

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