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Rote Beete roh essen - verträgt das jeder oder bin ich zu empfindlich?

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Ich habe mich ja bisher hauptsächlich damit beschäftigt, meine Rote Beete aus dem Garten zu kochen oder einzulegen, wie der Hausarzt mir geraten hat wegen des Blutdrucks. Aber letzte Woche habe ich mal versucht, eine rohe Knolle zu raspeln und in einen Salat zu geben. Das Aroma ist natürlich intensiver, viel erdiger als die gekochte Variante, und ehrlich gesagt hat mir das geschmeckt. Allerdings - und das ist der Grund, warum ich hier schreibe - habe ich danach den ganzen Nachmittag ein komisches Gefühl im Magen gehabt. Nicht wirklich Schmerzen, aber irgendwie ein Druck, und später war ich auch ziemlich aufgebläht. Das kenne ich von der gekochten Beete überhaupt nicht. Da kann ich problemlos eine Portion essen und es geht mir gut. Jetzt frage ich mich, ob das an der rohen Form liegt oder ob ich da einfach zu viel genommen habe. Es war keine kleine Menge, ich gebe zu, dass ich da etwas großzügig war. Meine Nachbarin meinte, dass rohe Rote Beete schwerer zu verdauen sei, aber ich bin mir nicht sicher, ob das stimmt oder ob sie das nur so sagt. Hat von euch jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Kann man sich an rohe Beete gewöhnen, oder sollte ich dabei bleiben, sie zu kochen? Der Geschmack roh ist wirklich verlockend, aber wenn mein Magen nicht mitspielt, hat das keinen Sinn.

@elvira_k

Zitat von elvira_k

ob das an der rohen Form liegt oder ob ich da einfach zu viel genommen habe

Ehrlich gesagt ist das wahrscheinlich beides zusammen. Roh ist halt wirklich eine andere Hausnummer für den Darm - das Zeug ist faserig, die Zellwände sind noch komplett intakt und der Körper muss da deutlich mehr Arbeit reinstecken. Das ist kein Zeichen dass du zu empfindlich bist, das ist eigentlich normal. Was mich bei deinem Beitrag aber mehr beschäftigt: du schreibst "es war keine kleine Menge". Wieviel ist das gewesen? Weil ich glaube dass da der Hund begraben liegt, noch vor der Frage roh vs. gekocht. Wenn man das erste Mal raspelt, neigt man dazu zu denken - Salat, also viel - und dann ist da auf einmal eine halbe Knolle drin. Ich hab das selber erlebt hatte nach einer etwas größzügigen Portion roher Beete auch diesen Druckgefühl im Bauch. Nicht schlimm, aber unangenehm. Seitdem nehm ich beim ersten Anlauf deutlich weniger. Ob man sich dran gewöhnen kann - gute Frage. Ich glaube schon, aber langsam rangehen wäre mein Tipp. Nicht wegen irgendwelcher Ernährungslehre sondern weil das einfach Sinn macht. Klein anfangen, schauen wie der Körper reagiert. Und die Nachbarin hat gar nicht so Unrecht, auch wenn sie's vielleicht nicht begründen kann.

@rote_socke_83

Zitat von rote_socke_83

Klein anfangen, schauen wie der Körper reagiert

- ja, das macht Sinn. Ich glaube da bin ich zu ungeduldig vorgegangen. Wenn ich ehrlich bin, habe ich die Knolle einfach in den Spiralschneider gesteckt, ohne vorher zu überlegen wie viel das wird. Das war dumm von mir. Das Interessante ist aber - und das hat mir gerade bewusst gemacht - dass ich bei meinen eingelegten Roten Beeten aus dem Garten völlig entspannt bin. Da nehme ich mir einfach zwei, drei Scheiben und fertig. Aber irgendwie denke ich bei rohem Gemüse anders. Es fühlt sich an wie wenn man Salat macht, und dann wird man leicht großzügig. Das ist wahrscheinlich ein Kopfproblem, nicht wirklich ein Körperproblem. Meine Frage wäre jetzt eher - wie klein ist klein? Eine Handvoll raspelt? Oder noch weniger? Ich möchte das gerne ausprobieren, aber nicht nochmal diesen Druckgefühl haben. Der Hausarzt hat mir nie gesagt, dass rohe Beete schlecht für den Blutdruck sind, er hat nur gemeint mehr Rote Beete insgesamt. Vielleicht ist gekocht für meine Zwecke ja völlig ausreichend und ich stelle mich da nur an, weil der Geschmack so verlockend ist.

@elvira_k

Zitat von elvira_k

wie klein ist klein?

Ich sag dir was ich gemacht hab: ungefähr zwei Esslöffel geraspelt, fertig. Das klingt nach fast nichts, ist aber tatsächlich genug um zu merken ob der Körper mitspielt. Ich glaub bei sowas denkt man zu sehr in Mahlzeiten-Dimensionen, dabei ist das erstmal eher ein Test als ein Essen. Und dein Punkt mit dem Kopfproblem - da triffst du was Interessantes. Roh klingt irgendwie nach "gesünder", und dann legt man mehr drauf weil man unbewusst meint man tut sich was Gutes. Das ist eigentlich absurd wenn man drüber nachdenkt. Die gleiche Menge Spinat würdest du wahrscheinlich nicht einfach so roh in dich reinschaufeln. Ob gekocht für deinen Blutdruck ausreicht - kann ich dir nicht sagen, bin kein Arzt und will das auch nicht spielen. Aber ich hab mal irgendwo gelesen dass das Nitrat beim Kochen teilweise flöten geht, je nach Temperatur und Dauer. Wie viel davon stimmt weiß ich ehrlich gesagt nicht genau. Vielleicht einfach mal den Hausarzt fragen ob's für seinen Zweck egal ist - der hat dir ja sowieso schon mehr Rote Beete empfohlen, also ist der Ansprechpartner. Der Spiralschneider ist übrigens das Problem. Das Ding macht aus einer halben Knolle so viel Material dass man denkt man hat wenig auf dem Teller.

@rote_socke_83 der Spiralschneider-Punkt ist gold wert haha. Das Teil ist einfach eine Mengen-Illusion-Maschine. Aber mich interessiert noch was anderes - @elvira_k du schreibst dass du bei deinen eingelegten Scheiben völlig entspannt bist. Das ist eigentlich der Schlüssel, oder? Weil eingelegte Beete sind ja auch gekocht, die Fasern sind aufgebrochen, und du kennst die Menge weil sie schon portioniert ist. Roh ist halt psychologisch anders - selbst wenn es die gleiche Menge wäre, es FÜHLT sich nach weniger an weil es voluminöser aussieht. Mich würde interessieren ob du vielleicht einfach damit leben kannst dass für dich gekocht die praktischere Variante ist. Nicht weil roh schlecht ist sondern weil dein Alltag das einfach leichter macht. Bei mir ist es ähnlich - ich könnte theoretisch auch rohes Gemüse vorschneiden und mitnehmen zur Arbeit, mach ich aber nicht weil ich weiß dass ich es vergesse und dann sitzt mir das schlechte Gewissen im Nacken. Lieber koche ich was Einfaches das ich auch wirklich esse. Der Hausarzt wollte mehr Beete, nicht mehr rohe Beete. Das ist ein Unterschied.

@fk_1988

Zitat von fk_1988

Der Hausarzt wollte mehr Beete, nicht mehr rohe Beete.

Ja, das ist eigentlich der klarste Satz in diesem ganzen Thread. Ich glaub manchmal denken wir uns selbst in Probleme rein die gar nicht da sind. Der Arzt sagt "mehr Rote Beete" und wir fangen an zu optimieren ob das jetzt roh oder gekocht oder als Saft oder geraspelt oder mondbestraht sein soll. Was mich bei @elvira_ks Situation ein bisschen wurmt: sie hat was das funktioniert - die eingelegten Scheiben aus dem eigenen Garten, kein Magenthema, kennt die Menge. Das ist eigentlich perfekt. Und jetzt baut sie sich zusätzlichen Druck auf weil roh irgendwie nach mehr klingt. Ich kenn das Gefühl, das ist so eine Art Ernährungs-Ehrgeiz der sich einschleicht ohne dass man ihn eingeladen hat. Ehrlich gesagt frag ich mich gerade ob das bei Sportlern noch schlimmer ist. Ich merk das bei mir selbst - seit ich für die Granfondo trainiere, fang ich an alles zu kategorisieren. Roh ist besser als gekocht, frisch ist besser als aus dem Glas, früher essen ist besser als später. Am Ende macht man sich das Leben unnötig kompliziert. Punkt. Manchmal ist die Antwort einfach: was du verträgst und was du wirklich isst, ist das Richtige. Nicht was theoretisch die meisten Nährstoffe liefert aber danach unangenehm ist.

@rote_socke_83 das mit dem Ernährungs-Ehrgeiz trifft es. Aber ich glaub das ist noch ne Stufe schlimmer wenn man Sport macht, weil da kommt dann noch dazu dass man denkt "wenn ich das jetzt optimiere, bin ich schneller" oder so. Und plötzlich ist eine einfache Beete nicht mehr einfach, sondern eine Optimierungsaufgabe. Was mich aber gerade beschäftigt - du schreibst "was du verträgst und was du wirklich isst, ist das Richtige". Das ist auf jeden Fall wahr, aber ich frag mich ob @elvira_k da nicht auch noch was anderes mitschleppt. Sie hat ja vom Hausarzt die Empfehlung gekommen, und jetzt probiert sie rum ob sie das "besser" machen kann. Das ist ja auch ein bisschen so ein Ding - man will dem Arzt recht geben oder es für sich selbst noch ein bisschen optimieren. Ich kenne das von meiner Frau, die hat Cholesterin und versucht jetzt auch überall Haferflocken reinzupacken, obwohl ihr normale Ernährung völlig reichen würde. Vielleicht wäre die Frage gar nicht "roh oder gekocht" sondern einfach "reicht mir das was ich jetzt mache oder nicht". Weil wenn die eingelegten Scheiben den Blutdruck-Effekt bringen - und daran gibt's keinen Grund zu zweifeln - dann ist die Sache eigentlich gelöst. Roh zu essen weil es intensiver schmeckt ist eine andere Baustelle.

@fk_1988

Zitat von fk_1988

Roh zu essen weil es intensiver schmeckt ist eine andere Baustelle.

Das ist eigentlich das erste Mal in diesem Thread dass jemand sagt: der Geschmack darf auch einfach der Grund sein. Ohne dass man das dann gleich gesundheitlich rechtfertigen muss. Ich find das ehrlich gesagt befreiend. @elvira_k hat geschrieben dass ihr der Geschmack roh gefällt - das ist doch legitim. Das muss nicht Nitrat-Optimierung sein das kann einfach "schmeckt mir" sein. Was mich bei deinem Cholesterin-Beispiel mit deiner Frau stört: das ist was anderes als bei elvira_k. Haferflocken überall reinpacken obwohl es nicht nötig ist - ok, das klingt nach Zwang. Aber elvira_k hat ja tatsächlich ein Interesse am Geschmack, sie fragt nicht ob sie muss sondern ob sie kann. Das ist ne andere Ausgangslage. Ich glaub wir haben den Thread jetzt gut durchgekaut aber ich frag mich gerade ob elvira_k das Ergebnis hier als Erlaubnis lesen kann einfach das zu machen was ihr schmeckt - und dabei auf die Menge zu achten. Mehr steckt da nicht drin. Alles andere ist Theorie.

@rote_socke_83 Sie haben einen guten Punkt, und ich muss sagen, dass mich das gerade erleichtert hat zu lesen. Ich bin tatsächlich jemand, der gerne alles richtig machen will - das war früher in der Buchhaltung so, und offensichtlich bleibe ich dabei auch bei so einfachen Dingen wie einer Beete.

Zitat von rote_socke_83

der Geschmack darf auch einfach der Grund sein

- ja, das ist mir gar nicht so klar gewesen. Mein Hausarzt hat mir gesagt ich soll mehr Rote Beete essen und irgendwie habe ich das unbewusst als Auftrag interpretiert das auch optimal zu machen. Aber Sie haben recht, die eingelegten Scheiben aus meinem Garten funktionieren wunderbar, mein Magen ist zufrieden, und das ist das was zählt. Wenn ich ehrlich bin, war das mit dem rohen Aroma auch mehr eine Neugier als ein echtes Bedürfnis. Und wenn die Neugier mir ein mulmiges Gefühl im Bauch beschert, dann ist das kein Problem das ich lösen muss, sondern einfach eine Antwort - nämlich nein danke. Manchmal ist das auch ok. Was mich gerade beschäftigt ist eher praktisch: im Garten habe ich dieses Jahr besonders viele Knollen gehabt, und ich habe schon ziemlich viel eingekocht. Ob ich überhaupt noch mehr verarbeiten sollte oder ob ich einfach zufrieden sein kann mit dem was ich habe. Das ist eigentlich eine ganz andere Frage als die nach roh oder gekocht.

@elvira_k

Zitat von elvira_k

Ob ich überhaupt noch mehr verarbeiten sollte oder ob ich einfach zufrieden sein kann mit dem was ich habe

Das ist ehrlich gesagt die sympathischste Frage die heute hier aufgetaucht ist. Nicht "wie optimiere ich" sondern "reicht das was ich habe". Das kommt nicht oft vor. Ich kenn das Problem mit dem Überfluss im Garten übrigens aus zweiter Hand - meine Schwiegermutter hat jeden Herbst dasselbe Thema mit Zucchini und Tomaten, und am Ende landet ein Teil davon bei uns weil sie nicht mehr weiß wohin damit. Irgendwann ist auch beim Einkochen eine Grenze erreicht wo man mehr Zeit reingibt als man jemals rausholt. Was ich mich bei deinem letzten Satz frage: hast du schon mal versucht die rohen Knollen einfach so zu lagern statt sie zu verarbeiten? Kühl und dunkel halten die sich ja eine Weile. Dann kannst du in Ruhe schauen ob du im Herbst nochmal roh probieren willst - diesmal mit zwei Esslöffeln statt einer halben Knolle. Kein Druck, kein Projekt, einfach wenn die Lust da ist. Oder du schenkst welche weg. Auch eine Lösung.

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