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Rote Beete aus dem Glas vs. frisch – lohnt sich der Aufwand wirklich?

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Also ich frag mich das schon ne Weile, seitdem mir mein Kumpel vom Betrieb immer wieder von Roten Beete erzählt und ich das Zeug jetzt öfter esse. Früher kannte ich das nur aus dem Glas so diese dunkelroten Scheiben in dem süßlich-sauren Saft, und ich hab da nie groß drüber nachgedacht, ob man das auch anders machen kann. Jetzt hab ich letzte Woche auf dem Wochenmarkt hier in Bochum frische Rote Beete gekauft, mit den grünen Blättern dran und dem ganzen Drum und Dran. Die Frau am Stand hat gesagt, ich soll die einfach kochen mit Schale und dann abrubbeln, damit die Farbe nicht so ausblutet. Hab ich gemacht. Das Küchentuch ist jetzt Geschichte, kann ich euch sagen - das Ding sieht aus wie nach einem Horrorfilm. Ich hab 35 Jahre lang Metallteile bearbeitet und kenn mich mit Dreck aus, aber das hier war nochmal was anderes. Und jetzt zur eigentlichen Frage: geschmacklich war der Unterschied für mich ehrlich gesagt nicht riesig. Vielleicht ein bisschen erdiger, ein bisschen weniger süß als aus dem Glas, aber ob das jetzt den ganzen Aufwand rechtfertigt? Ich weiß nicht. Mal ehrlich, für ne Radtour vorbereitung will ich nicht eine Stunde in der Küche stehen und hinterher alles rot eingefärbt haben. Hat hier jemand ne Technik die wirklich funktioniert, ohne das die halbe Küche aussieht wie ein Schlachthof? Oder ist das bei frischer Roter Beete einfach so und man muss das akzeptieren. Und lohnt sich der Geschmacksunterschied für euch wirklich, oder greift ihr auch meistens zum Glas?

Zitat von ??

Einmalhandschuhe Problem gelöst

ja klar, wenn man die immer parat hat. Aber ehrlich - ich bin nicht so einer der drei Paar Handschuhe für ein Gemüse auspackt. Das ist mir zu viel Gedöns für sowas. Was mich aber gerade interessiert: hat hier jemand die Beete mal im Ofen gemacht statt im Topf? Mein Schwager hat das letztens erzählt, angeblich klebt die Farbe dann weniger, weil sie nicht im Wasser rumkocht. Keine Ahnung ob das stimmt oder ob er das auch nur irgendwo aufgeschnappt hat. Ich hab das noch nicht probiert. Und noch ne andere Frage - wenn ich die Dinger aus dem Glas nehm, sind die ja eigentlich schon fertig. Die sind halt nur süßer und weniger erdreich im Geschmack, wie ich gemerkt hab. Aber für nen schnellen Salat oder wenn ich nach Spätschicht heimkomm und noch was essen will, bevor ich ins Bett fall - da frag ich mich echt ob frisch kochen dann überhaupt sinn macht. Vielleicht is das einfach ne Frage von wieviel Zeit man hat und nicht von gut oder schlecht

Zitat von rainer_wob frisch kochen dann überhaupt sinn macht

Das ist faktisch die einzig relevante Frage in diesem Thread, und sie beantwortet sich meiner Meinung nach durch den Verwendungszweck. Für Spätschicht-Hunger: Glas. Kein Mensch braucht da den Mehraufwand. Die Ofen-Variante, die dein Schwager erwähnt hat, funktioniert tatsächlich. Ich hab das vor ein paar Monaten ein paarmal gemacht, in Alufolie eingewickelt bei 180 Grad, ungefähr 60 bis 70 Minuten. Die Farbe bleicht weniger aus weil kein Wasser im Spiel ist, das stimmt. Aber der Zeitaufwand ist höher als im Topf, nicht geringer. Das verschweigen die Leute gern. Was mich bei deinem zweiten Beitrag aber ehrlich gesagt leicht nervt: du fragst, ob frisch überhaupt Sinn macht, und lieferst dir die Antwort schon selbst. Geschmacklich "nicht riesig" anders, mehr Aufwand, mehr Chaos. Sehe ich anders als die Marktfrau-Fraktion hier, die einem immer erzählt, frisch sei automatisch besser. Das kommt auf die Zubereitung an, nicht auf das Etikett. Konkret gesagt: der erdige Geschmack, den du beschreibst, ist kein Fehler der frischen Knolle. Das ist Geosmin, ein Stoffwechselprodukt von Bodenbakterien. Der Gehalt schwankt je nach Boden und Sorte. Glasware wird durch den Einlegeprozess davon befreit, deshalb schmeckt sie "sauberer". Ob man das bevorzugt ist Geschmackssache, keine Qualitätsfrage. Edit: Kleine Korrektur - "bleitet" sollte natürlich "bleicht" sein. Tippfehler von mir.

@n.feld okay, das mit dem Geosmin hab ich jetzt dreimal gelesen weil ich das Wort nicht kannte. Interessant, mal ehrlich, das hätte mir früher keiner erklärt. Die Marktfrau schon gar nicht. Aber ich hak da kurz ein - du sagst, das ist keine Qualitätsfrage sondern Geschmackssache, und da geb ich dir recht, nur frag ich mich dann: warum machen die ganzen Saftanbieter wie Betanio und wie die alle heißen so einen Riesenaufstand ums "Naturbelassene" und "Frische", wenn der entscheidende Stoff eh je nach Boden schwankt? Die verkaufen einem das ja wie die heilige Hostie, frisch gepresst aus der Erde direkt ins Glas oder wat. Wenn die Menge Geosmin eh variiert, kauft man im Zweifel die Katze im Sack, ne. Draußen ist heut übrigens noch ganz anständiges Wetter, fast schade dass ich hier sitze. Aber zurück - ich glaub was mich wirklich stört ist dieses "frisch ist automatisch besser" als Glaubenssatz. Das kenn ich aus dem Betrieb auch, da hieß es immer, das alte Verfahren ist das bessere, nur weil es alt ist. Und manchmal stimmte das, manchmal auch überhaupt nicht. Kommt halt drauf an was man braucht und nicht drauf was irgendwer einem verkaufen will.

Zitat von n.feld

warum machen die ganzen Saftanbieter so einen Riesenaufstand ums "Naturbelassene"

@n.feld ja genau, das is ja das Ding. Die verkaufen dir ne Geschichte, nicht das Produkt. Kenn ich von überall - bei uns im Betrieb genauso, da kommt dann irgendwer mit nem neuen System daher und redet dir ein du brauchst das weil es "moderner" ist, obwohl die alte Maschine noch läuft wie am ersten Tag. Aber was mich gerade umtreibt - und das is ne echte Frage, nicht Besserwisserei - wenn das Geosmin so sehr variiert, wie merkst du denn selbst beim Einkaufen ob die frische Beete auf dem Markt viel oder wenig davon hat. Ich mein, du kannst die ja nicht aufschneiden und testen bevor du bezahlst. Der Glasbehälter hat zumindest die Konsistenz, da weißt du was du kriegst. Beim frischen Teil is das Glücksspiel, oder täusch ich mich da. Und ehrlich gesagt - der Wetterbericht sagt für die nächsten zwei Wochen Regen, da hab ich eh gerade keine Lust auf lange Radtouren wo ich vorher ne halbe Stunde Gemüse verarbeite. Vielleicht is das einfach ne saisonale Frage. Im Sommer wenn mans schneller essen muss, Glas. Im Herbst wenn Zeit is kann man experimentieren. Oder is das totaler Unsinn.

@n.feld ich glaub ich hab gerade nen Gedanken den ich noch nicht losgeworden bin hier im Thread. Du hast ja erklärt warum das Glas "sauberer" schmeckt, und das leuchtet mir ein. Aber jetzt frag ich mich was anderes: wenn ich die frische Beete kaufe und die zu Saft verarbeiten will, also wirklich roh reinpressen oder so, dann hat die Geosmin-Geschichte doch plötzlich ne andere Bedeutung. Weil der Erdgeschmack im Saft viel stärker durchkommt als wenn ich die gekocht ess, oder? Das is zumindest mein Eindruck von dem bisschen was ich probiert hab. Im Glas schmeckt das halt mild, im Rohsaft wär das dann womöglich auf einmal richtig präsent. Und genau da versteh ich die Safthersteller erst recht nicht mehr. Die sagen "naturbelassen frisch gepresst" und meinen das als Verkaufsargument, aber wenn das Geosmin je nach Charge variiert, kann die eine Flasche super schmecken und die nächste riecht man schon beim Aufmachen. Ich kenn sowas aus dem Betrieb mit Materialchargen - da konnte auch nie einer garantieren dass zwei Lieferungen vom selben Hersteller identisch sind auch wenn auf dem Zettel das gleiche stand. Vielleicht sollte ich einfach mal ne Flasche von dem Betanio-Zeug kaufen, nur um zu wissen wovon mein Kumpel redet. Aber allein schon der Preis den ich da gesehen hab, da fang ich lieber an selbst zu experimentieren.

Zitat von rainer_w

vielleicht sollte ich einfach mal ne Flasche von dem Betanio-Zeug kaufen

naja, spar dir das Geld. Ich hab da mal nachgefragt bei meiner Hausärztin weil mein Kumpel ja ständig davon redet und die hat mir erzählt dass die Studien zu dem Saft hauptsächlich von... naja, von denen selbst finanziert werden. Überraschung. Die Frau meint, wenn dir normale Rote Beete schmeckt dann brauchst du da nix extra für auszugeben. Was mich aber gerade beschäftigt ist ne andere Ecke - du fragst wie man beim Einkauf merkt ob die frische Beete viel Geosmin hat. Ehrlich gesagt: gar nicht, hast recht. Aber ich denk, vielleicht is das auch gar nicht das Problem sondern eher wie alt die Dinger sind. Ich mein, auf nem Wochenmarkt wo die Frau die selbst anbaut oder zumindest lokal kauft, sind die halt frischer als das Zeug was drei Tage im Supermarkt rumlag bevor ich's kaufe. Und vielleicht schmeckt man da weniger den Erdgeschmack weil die Beete noch "aktiver" is, keine Ahnung ob das Sinn macht. Aber jetzt mal praktisch - hast du schon probiert ob man die Beete einfach kalt essen kann, so roh in Scheiben? Ich denk da an son Carpaccio-Ding, hab ich irgendwo gesehen. Wäre ja weniger Gedöns in der Küche und weniger Flecken. Oder is das dann geschmacklich völlig daneben.

also das mit dem Carpaccio roh - ich hab das tatsächlich mal vor ein paar Monaten probiert, nicht weil ich so ein Feinschmecker bin, sondern weil ich keine Lust hatte die Beete zu kochen. Ganz dünn aufgeschnitten, bisschen Öl drüber, Salz. War okay, mal ehrlich. Aber der Erdgeschmack war halt voll da nix gedämpft durch Hitze oder den Essig aus dem Glas. Wer das nicht mag, der ist da schnell raus. Was mich aber grad beschäftigt ist was du sagst über "aktiver" - ich find das eigentlich gar nicht so weit hergeholt. Im Betrieb hatte ich mal nen Lieferanten für Schneidöl, und das Zeug vom Lager das schon zwei Monate rumstand war spürbar anders als das frisch gelieferte, obwohl auf beiden Kanistern das gleiche draufstand. Ob das bei Gemüse genauso funktioniert weiß ich nicht, aber das Gefühl kenn ich. Nur - und das is jetzt kein Widerspruch sondern ich denk wirklich laut nach - wenn die Frische so n Unterschied macht, dann kauft man beim Supermarkt auch frische Beete, die is halt drei Tage älter und hat mehr Weg hinter sich. Dann wär das Glas aus der Einlegerei, die lokal arbeitet, womöglich besser als ne müde Supermarkt-Knolle die so aussieht als hätte sie schon bessere Tage gesehen. Das würde dann aber das ganze "frisch ist besser"-Ding nochmal durcheinanderwürfeln.

Zitat von rainer_w

wenn die Frische so n Unterschied macht, dann kauft man beim Supermarkt auch frische Beete

ja genau, das is der Punkt wo ich selbst merke dass ich im Kreis denke. Aber ich glaub das Problem is dass "frisch vom Markt" und "frische Beete aus dem Supermarkt" zwei völlig unterschiedliche Sachen sind, auch wenn beide frisch heißen. Die eine is halt zwei Tage alt und wurde vielleicht noch nie gekühlt, die andere hat nen Kühlkette hinter sich und is schon älter bevor sie überhaupt ankommt. Was mich gerade mehr interessiert - und vielleicht hat das hier jemand anders als ich - ist ob man die Dinger eigentlich lagern kann ohne dass se anfangen zu gären oder so. Ich mein, ich kauf die frische Beete, hab dann aber keine Zeit die gleich zu verarbeiten, und dann sitzen die bei mir im Keller rum bis ich endlich Lust hab. Wie lange geht das gut ne Woche, zwei Wochen? Bei mir im Betrieb haben wir ne Lagerhalle und ich seh da jeden Tag wie schnell Zeug anfängt zu rosten oder zu oxidieren wenn mans einfach stehen lässt. Mit Gemüse ist das sicher nicht anders. Vielleicht is das ja der echte Grund warum das Glas sinnvoller is - die haben die Verarbeitung und Haltbarmachung schon gemacht, und ich kauf ne Woche später und das Ding hält noch ne Woche länger. Keine Gedanken ob die Knolle gerade noch gut is oder schon anfängt zu faulen.

Zitat von n.feld

der erdige Geschmack ist kein Fehler der frischen Knolle

ja, das stimmt, aber das bringt mich gerade auf was anderes als die Lagerungsfrage. Ich frag mich nämlich ob die Beete die ich im Keller lagere noch dieselbe is nach zwei Wochen - nicht ob sie fault sondern ob sich der Geschmack verändert. Weil wenn das Geosmin da irgendwie weiterarbeitet oder abbaut mit der Zeit, dann kauf ich auf dem Markt was und ess was ganz anderes zwei Wochen später. Das weiß ich schlicht nicht. Beim Schneidöl konnte ich das messen, da gabs Viskositätswerte. Bei ner Roten Beete im Keller hab ich kein Messmittel außer meiner Zunge. Was ich von früher weiß - meine Mutter hat die immer im Sandkasten im Keller gelagert, so wie Möhren auch. Ob das wirklich was gebracht hat oder ob sie das einfach so gemacht hat weil ihre Mutter das so gemacht hat, keine Ahnung. Die hätte mir das nie erklärt, das war einfach so. Und @n.feld, du bist der einzige hier der wirklich antwortet statt nur "Einmalhandschuhe" zu rufen - magst du sagen ob du die Dinger selbst irgendwo lagerst oder kaufst du immer direkt vor dem Verarbeiten? Ich vermut letzteres, aber vielleicht lieg ich falsch.

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