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Neu hier, Rennradfahrer aus BaWü

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@rennradrenate die Frage am Ende trifft mich grad etwas.

Zitat von rennradrenate

wie viel Aufwand ist man bereit zu investieren um zu wissen was man schluckt

Ehrlich gesagt - bei mir ist die Antwort: nicht viel. Und ich sag das ohne mich zu schämen. Ich investier den Aufwand lieber woanders. Ich check ob mein Rahmen einen Haarriss hat. Ich schau ob meine Bremsen noch ziehen. Das sind Sachen wo ich den Unterschied kenn wenn ich falsch lieg. Beim Supplement ist es anders. Selbst wenn ich jetzt alle Hausaufgaben mach - mmol nachschauen Hersteller anfragen Öko-Test-Artikel rauskramen - am Ende fahr ich die gleiche Tour wie ohne. Und ich weiß trotzdem nicht obs das Zeug war oder dass ich Donnerstag früher ins Bett gegangen bin. Was mich dabei stört ist nicht mal der Aufwand selbst. Es ist dass die ganze Transparenz-Diskussion am Grundproblem nix ändert: selbst ein korrekt deklariertes Produkt mit nachgewiesener Nitrat-Menge bringt mir persönlich nix wenn ich den Effekt nicht messen kann. Das ist kein Argument gegen Transparenz - die brauch ich trotzdem. Aber es ist der Punkt wo ich dann wirklich aufhör und denk: warum tu ich mir das an. Ich fahr seit zwanzig Jahren ohne das Zeug halbwegs ordentlich. Vielleicht bin ich einfach zu alt um noch gläubig zu werden bei dem Thema.

@rennradbernd

Zitat von rennradbernd

vielleicht bin ich einfach zu alt um noch gläubig zu werden

Das klingt nach Resignation, und ich glaub das meinst du gar nicht so. Zwanzig Jahre Rennrad ohne Konzentrat und ohne Glaubenssatz - das ist doch kein Manko. Was mich an deinem Beitrag aber wirklich beschäftigt ist der Satz mit dem Rahmen und den Bremsen. Du weißt bei technischen Sachen, wann ein Fehler Konsequenzen hat. Beim Supplement fehlt dir dieser Rückkopplungs-Mechanismus. Das ist, glaube ich, der eigentliche Punkt - nicht ob du zu skeptisch oder zu wenig informiert bist. Ich kenn das von mir selbst. Ich habe irgendwann aufgehört, den Rote-Bete-Shot als "Wundermittel" zu framen, und fang seither an, ihn einfach als Teil der Verpflegung zu sehen - so wie ein Riegel auf langen Touren. Nicht weil ich den Effekt messen kann, sondern weil mich meine Hausärztin gefragt hat ob ich irgendwas an meiner Ernährung geändert hab, und ich dann gemerkt habe, dass ich das Thema konkreter angehen will. Das war der eigentliche Antrieb - nicht Überzeugung, eher Neugier. Ob das auf dich passt, weiß ich nicht. Du hast offensichtlich einen anderen Zugang zu dem Thema, und der ist nicht falsch. Ich würd dir nicht sagen, dass du es probieren sollst. Aber "zu alt um gläubig zu werden" - das würd ich so nicht stehen lassen. Das ist was anderes als gesunder Skeptizismus.

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Rennrad ist kein Hobby, das ist Therapie.

@rennradrenate

Zitat von rennradrenate

zu alt um gläubig zu werden - das würd ich so nicht stehen lassen

Du hast recht, das war falsch formuliert. Ich mein damit nicht Resignation. Ich mein eher - ich hab meinen Rhythmus gefunden. Und der funktioniert. Was ich damit sagen wollte: nach zwanzig Jahren weiß ich ungefähr was mein Körper braucht, und das ist meistens kein Konzentrat aus dem Sportladen. Aber dein Punkt mit dem "Riegel auf langen Touren" hat mich kurz erwischt. Weil das stimmt - einen Riegel nehm ich auch einfach so ohne groß nachzudenken ob der jetzt messbar was bringt. Da frag ich mich nicht ob da 5 mmol Traubenzucker drin sind. Ich ess ihn weil ich Hunger hab und weiterfahren will. Vielleicht ist das der Unterschied den ich bisher nicht klar gesehen hab. Ich mach bei Riegeln keinen Riesenaufwand draus - beim Rote-Bete-Zeug schon. Warum eigentlich? Weil der als "Supplement mit Effekt" vermarktet wird und der Riegel halt als Snack. Dabei ist die Frage "bringt das was" bei beidem eigentlich gleich berechtigt. Das beschäftigt mich gerade mehr als ich zugeben wollte.

@rennradbernd

Zitat von rennradbernd

Ich mach bei Riegeln keinen Riesenaufwand draus - beim Rote-Bete-Zeug schon.

Das ist eigentlich eine ziemlich kluge Beobachtung, und ich glaube der Grund hat weniger mit dem Produkt zu tun als mit der Kategorie. Ein Riegel ist Essen. Ein Shot aus dem Sportladen ist ein Versprechen. Und Versprechen prüft man anders als Essen. Bei mir war es so, dass ich irgendwann aufgehört hab, das zu trennen. Der Rote-Bete-Saft steht jetzt einfach neben dem Quark und den Nüssen - keine andere Schublade. Ob das die "richtige" Einordnung ist, weiß ich nicht. Aber es hat den Aufwand deutlich reduziert. Was mich an deinem letzten Beitrag aber noch beschäftigt - und das ist kein Widerspruch, eher eine echte Frage: du sagst, nach zwanzig Jahren weißt du was dein Körper braucht. Ich glaub dir das. Aber woher weißt du es? Ich frag das wirklich, nicht rhetorisch. Weil ich bei mir gemerkt habe, dass ich vieles für "eingespielten Rhythmus" gehalten hab, was dann meine Hausärztin anders bewertet hat. Leicht erhöhter Blutdruck, obwohl ich mich fit gefühlt hab. Das hat mich damals wirklich überrascht. Nicht weil dein Rhythmus falsch ist - ich kenn dich ja nicht. Sondern weil das Körpergefühl manchmal trügerisch ist, auch nach zwanzig Jahren.

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Rennrad ist kein Hobby, das ist Therapie.

@rennradrenate und @rennradbernd - ich les den Thread jetzt erst, war die letzten Tage voll in der Arbeit.

Zitat von rennradrenate

Körpergefühl manchmal trügerisch ist, auch nach zwanzig Jahren

Das kann ich so unterschreiben, und ich sag das als jemand der auch dachte er kennt seinen Körper. Mir hat der Arzt vor zwei Jahren erhöhten Blutdruck festgestellt, obwohl ich mich fit gefühlt hab. Seit dem schaue ich halt genauer hin. Aber was mich bei dem ganzen Thread-Verlauf ehrlich stört: ihr dreht euch um die Transparenz-Frage und die mmol-Werte und das ist alles berechtigt. Das Ding ist aber - ich hab Betanio PLUS drei Monate selbst genommen, und mein Blutdruck ist in dem Zeitraum ein bisschen runtergegangen. Ob das das Produkt war, mehr Radfahren, oder dass ich generell weniger Wurst gegessen hab weil ich eh gerade aufgepasst hab - keine Ahnung. Kann ich nicht sagen. Hab ich trotzdem nem Kumpel empfohlen, und der fragt mich bis heute warum. Was ich aber sagen kann: der Nitrat-Effekt als solcher ist real, das glaub ich schon. Ob man dafür das teure Konzentrat braucht - da bin ich bei @rennradbernd. Wahrscheinlich nicht. Ich kauf jetzt meistens den Saft vom Discounter, kaltgepresst, und der kostet nen Bruchteil. Der Punkt mit dem Körpergefühl und dem Blutdruck ist aber wirklich wichtig. @rennradbernd lass den halt regelmäßig messen wenn du über 45 bist, ernsthaft. Nicht weil ich Angst machen will, sondern weil ich selbst überrascht war.

kleines Update von meiner Seite, weil ich den Thread jetzt ein paarmal gelesen hab und @rennradwolf etwas geschrieben hat, das mich nicht loslässt.

Zitat von rennradwolf

Hab ich trotzdem nem Kumpel empfohlen, und der fragt mich bis heute warum.

Das ist eigentlich der ehrlichste Satz in diesem Thread. Weil er zeigt, wie Supplement-Empfehlungen in der Praxis funktionieren - nicht über Studien, nicht über mmol-Werte, sondern über Vertrauen. Und ich sage das ohne Vorwurf, ich hab das selbst so gemacht. Meiner Kollegin damals genauso. Was mich seither aber beschäftigt, und das ist neu für mich: ich hab letzte Woche zum ersten Mal wirklich nachgeschaut, wie mein Blutdruck sich in den Wochen entwickelt hat, wo ich das Konzentrat regelmäßig genommen hab - und in den Wochen, wo nicht. Ich hab das nämlich tatsächlich nicht systematisch gemacht, obwohl ich ein Messgerät daheim hab. Ergebnis war ernüchternd unklär. Die Werte schwanken bei mir sowieso je nach Stress, Schlaf, ob ich vor der Messung noch schnell die Treppe hochgegangen bin. Was ich damit sagen will: selbst mit dem Gerät daheim, mit dem guten Vorsatz, mit der Hausärztin im Rücken - ich komm zu keinem sauberen Ergebnis. Das ist frustrierend. Draußen ist heute endlich mal wieder trocken, ich fahr nachher noch raus, und ich werde wahrscheinlich vorher ein Glas Saft trinken. Nicht weil ich überzeugt bin, sondern weil es sich eingeschliffen hat. Und das ist vielleicht der Punkt, über den ich noch nicht wirklich nachgedacht hatte: ab wann wird Gewohnheit zum eigenen Faktor, unabhängig davon ob das Mittel wirkt.

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Rennrad ist kein Hobby, das ist Therapie.

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