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Hallo zusammen - Fragen zur Roten Beete

guten Tag ich bin die Brigitte und neu hier im Forum. Bin 68, Rentnerin aus Sachsen und koche schon mein ganzes Leben gerne. Bei uns zu Hause gibt es regelmäßig Rote Beete - das ist bei uns schon immer so gewesen, meine Mutter hat die auch schon eingekocht. Jetzt liest man ja überall, dass Rote Beete so gesund sein soll und meinem Mann bei seinem Bluthochdruck helfen könnte. Ich bin da ehrlich gesagt etwas skeptisch gegenüber so einem Hype. Aber ich dachte mir ich schaue mich mal hier im Forum um, ob da wirklich was dran ist oder ob das nur Geschäftemacherei mit teuren Pulvern und Kapseln ist. Ich koche lieber selbst, das ist günstiger und schmeckt besser. Habt ihr Erfahrungen damit, ob das Ganze tatsächlich was bringt oder ist das eher Unsinn? Bin neugierig auf eure Gedanken.

@brigitte_f Willkommen im Forum - und ich finde es ehrlich gesagt erfrischend, dass jemand mit dieser Haltung reinkommt.

Zitat von brigitte_f

ob das nur Geschäftemacherei mit teuren Pulvern und Kapseln ist

Kurz gesagt: da haben Sie die Kernfrage schon selbst gestellt, und sie ist berechtigt. Die Forschung zum Thema Nitrat und Blutdruck ist tatsächlich solide - das ist keine Erfindung. Der Mechanismus läuft über Nitrat, das im Körper zu Stickstoffmonoxid umgewandelt wird, was die Gefäße etwas weitet. Das ist keine Spekulation, sondern z.B. gut belegt in Arbeiten der Gruppe um Ahluwalia am Barts (Queen Mary University London), da gibt es mehrere kontrollierte Studien. Was mich aber bei der ganzen Diskussion immer beschäftigt: die Effekte, die dort gemessen werden, stammen oft aus Konzentrationen, die man mit normaler Kost - auch großzügiger Roter-Beete-Kost - kaum täglich erreicht. Und bei Personen mit bereits behandeltem Bluthochdruck, also jemanden der schon Medikamente nimmt, ist die Datenlage nochmal weniger eindeutig. Das bedeutet nicht, dass Rote Beete "nichts bringt" - aber der Sprung von "Studienergebnis" zu "Betanio PLUS für 39 Euro im Monat" ist eben genau das, was mich wissenschaftlich stört. Was ich Ihnen konkret empfehlen würde: wenn Ihr Mann Bluthochdruck hat und Medikamente nimmt, sollte das auf jeden Fall mit dem behandelnden Arzt besprochen werden, weil Nitrat und bestimmte Medikamente interagieren können. Das ist kein Grund zur Panik, aber es ist ein realer Punkt, der in der Laiendiskussion fast nie auftaucht. Und dass Sie selbst kochen statt Kapseln kaufen - das ist, soweit die aktuelle Forschung zeigt, mindestens genauso sinnvoll, vermutlich sinnvoller.

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Meinungen hier sind privat, nicht Institutsposition.

@brigitte_f moin und willkommen - schön dass jemand mit echtem Küchenbackground hier reinkommt statt mit nem Amazon-Warenkorb voll Kapseln. @tobi_w hat das gut aufgedröselt mit dem Mechanismus, da sag ich nichts dagegen. Aber ich häng mich mal an einen Punkt den er am Rande erwähnt hat und der mich bei Ihrem Mann interessiert: ob er schon Medikamente nimmt oder ob das noch "behandlungsfreie" Hypertonie ist, macht einen riesigen Unterschied. Nicht wegen Wechselwirkungen - das stimmt zwar, aber das soll der Arzt klären. Sondern weil man in der frühen Phase noch wirklich was mit Ernährung bewegen kann. Das hab ich selbst gemerkt, vor zwei Jahren. Das Ding ist: Ihr Ansatz mit selbst kochen und einlegen ist wahrscheinlich nützlicher als alles was in Kapselform kommt, weil man dabei ganz andere Mengen isst und das über Wochen und Monate. Ein Glas eingelegte Rote Beete ab und zu ist halt was anderes als täglich ne frische Knolle im Ofen. Eine Frage hätt ich noch: wie legt Ihre Mutter die früher eingemacht - also mit Essig oder eher mild? Ich frag weil ich vermute dass da der Nitratgehalt je nach Methode ziemlich unterschiedlich ausfällt. Hab da noch keine klare Antwort für mich gefunden ehrlich gesagt.

@rennradwolf die Frage zum Nitratgehalt je nach Einlegemethode ist tatsächlich interessant, und ich muss kurz überlegen was ich dazu wirklich weiß versus was ich nur vermute. Soweit mir bekannt ist - und da bin ich gerade nicht ganz sicher ob ich das gerade aus einer Quelle ziehe oder aus dem Gedächtnis rekonstruiere - ist das Nitrat wasserlöslich. Das bedeutet, beim Einlegen in Essiglake geht vermutlich ein Teil ins Einlegewasser über, je nachdem wie lange die Knollen ziehen. Ob das quantitativ wirklich relevant ist, dafür hätte ich jetzt keine Studie parat. Das wäre eine ehrliche Antwort.

Zitat von rennradwolf

Ein Glas eingelegte Rote Beete ab und zu ist halt was anderes als täglich ne frische Knolle im Ofen

Da stimme ich zu, aber ich würde noch eine Ebene drunter gehen: selbst wenn man täglich frische Knolle isst, variiert der Nitratgehalt im Gemüse selbst je nach Bodenbeschaffenheit, Lagerung und Erntezeitpunkt erheblich. Das ist aus Studien bekannt - Variationskoeffiziente von über 40% zwischen Chargen sind da keine Seltenheit. Weshalb mir die Vorstellung, man könnte die Dosis so steuern wie bei einer Kapsel, ohnehin etwas naiv vorkommt. Was ich @brigitte_f noch mitgeben würde, weil das hier noch nicht aufgetaucht ist: beim Kochen geht Nitrat teilweise ins Kochwasser über, ähnlich wie beim Einlegen. Wer also die Knollen im Ofen gart statt kocht, behält vermutlich mehr davon im Gemüse. Ob das am Ende klinisch relevant ist - ich würde das nicht überbewerten, aber es ist ein Punkt der in Küchenratgebern fast nie auftaucht.

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Meinungen hier sind privat, nicht Institutsposition.

moin @brigitte_f willkommen digga! alter das ist ja mal ne erfrischende einleitung, nicht so viel bullshit wie sonst immer wenn neue kommen. deine mutter hat das richtig gemacht damals mit dem einkochen, sowas ist zeitlos. aber jetzt muss ich ehrlich sagen - ich finds mega geil dass tobi und rennradwolf hier so wissenschaftlich werden, aber die beiden vergessen glaub ich den wichtigsten punkt: @brigitte_f kocht selbst. punkt. das ist schon 90% der lösung! ich kenne so viele leute die kaufen sich betanio plus oder sonst welche kapseln für 40 euro im monat und denken damit ist es getan, während sie sich ansonsten von tiefkühlpizza ernähren. krass ey. wenn dein mann wirklich bluthochdruck hat und du regelmäßig frische rote beete kochst - das ist besser als jedes pulver. und wenn man ganz ehrlich ist: deine mutter hat das nicht gemacht weil es "gesund" war sondern weil es schmeckt und günstig ist. und genau das ist die wahrheit die keiner hören will. eine frage hätt ich aber: wie oft macht ihr das denn aktuell? also wie regelmäßig landen die bei euch auf dem tisch? weil wenn es wirklich was bringen soll muss mans halt mindestens 2-3x die woche essen, nicht einmal im monat. hab ich letztens gelesen von nem fitnesskanal der sich damit auskennt.

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weniger reden mehr heben

@derbasti ich sag dir was mich bei deinem Post gestört hat. "hab ich letztens gelesen von nem fitnesskanal" - das ist genau die Sorte Quelle, nach der ich nie fragen würde. Kein Angriff, aber das muss ich so stehen lassen. Und diese 2-3x die Woche Zahl kommt von irgendwo, aber woher genau? Das ist mir zu vage für ne Empfehlung an jemanden dessen Mann wirklich Bluthochdruck hat. @brigitte_f ich finde den Thread gut, ehrlich. Aber ich würde den Fokus kurz verschieben weil mir noch was fehlt in der Runde: wie bereitet ihr das eigentlich zu? Ich meine konkret. Ich hab Rote Beete lange nur gekocht gegessen, so weich dass da nichts mehr beißt. War ok aber auch irgendwie fade. Dann hab ich sie mal roh geraspelt, kurz mit Zitrone und Olivenöl, und das war ein völlig anderes Lebensmittel. Ganz anderer Biss, ganz anderer Geschmack. Das Erdigige kommt bei roh viel stärker durch, aber auf eine Art die mich nicht stört. Was ich damit sagen will: die Zubereitungsform ändert nicht nur den Nitratgehalt (da hat @tobi_w recht mit dem Kochwasser), sondern auch wie viel man davon überhaupt essen will. Und das ist am Ende die praktischere Frage als irgendwelche Konzentrationsberechnungen. Ich bin gespannt wie Brigitte das macht, weil jemand der das schon jahrzehntelang kocht hat da wahrscheinlich mehr Feeling als alle hier zusammen.