Erholung nach langen Läufen – Magen leer, wann wieder essen?
Zitat von holli am Mai 29, 2026, 05:32 UhrMoment, derbasti. Das mit dem Verdauungssystem das offline geht. Stimmt ja. Aber dann stellt sich mir die Frage: Warum trinkt jenni dann überhaupt noch was danach wenn das eh nix bringt solange der Magen streikt. Ich mein, das ist doch das echte Thema. Sie wartet ne halbe Stunde, Körper entspannt sich wieder, und dann kann sie trinken. Aber bis dahin ist das anabole Fenster oder Nitrat oder whatever ohnehin weg. Also wieso überhaupt danach und nicht einfach zwei Stunden später bei der nächsten richtigen Mahlzeit. Vielleicht is die ganze Debatte drum so festgefahren weil wir alle davon ausgehen dass sofort nach dem Sport etwas passieren muss. Aber wenn der Körper sagt "ne danke nicht jetzt" dann sagt er das ja aus einem Grund. Dann sollte man das akzeptieren statt zu optimieren. jenni. Hast du denn auch Hunger nach der halben Stunde oder is dir dann einfach besser. Weil das würde mir zeigen ob das eine echte körperliche Sache ist oder eher ne Kopfsache.
Moment, derbasti. Das mit dem Verdauungssystem das offline geht. Stimmt ja. Aber dann stellt sich mir die Frage: Warum trinkt jenni dann überhaupt noch was danach wenn das eh nix bringt solange der Magen streikt. Ich mein, das ist doch das echte Thema. Sie wartet ne halbe Stunde, Körper entspannt sich wieder, und dann kann sie trinken. Aber bis dahin ist das anabole Fenster oder Nitrat oder whatever ohnehin weg. Also wieso überhaupt danach und nicht einfach zwei Stunden später bei der nächsten richtigen Mahlzeit. Vielleicht is die ganze Debatte drum so festgefahren weil wir alle davon ausgehen dass sofort nach dem Sport etwas passieren muss. Aber wenn der Körper sagt "ne danke nicht jetzt" dann sagt er das ja aus einem Grund. Dann sollte man das akzeptieren statt zu optimieren. jenni. Hast du denn auch Hunger nach der halben Stunde oder is dir dann einfach besser. Weil das würde mir zeigen ob das eine echte körperliche Sache ist oder eher ne Kopfsache.
Zitat von mk_1981 am Mai 29, 2026, 05:57 UhrWas holli da fragt. Ob es Hunger ist oder nur "besser". Ist eigentlich die präziseste Unterscheidung, die hier bisher kam. Ich würde noch einen dritten Zustand ergänzen: "besser, aber kein Hunger" ist für Läufer nach langen Einheiten der Normalfall, und der hat einen physiologischen Grund, der in diesem Thread noch nicht auftaucht. Ghrelin, das sogenannte Hungerhormon, wird während intensiver Ausdauerbelastung aktiv supprimiert. Das ist kein Zufall und kein Kopfproblem. Das ist dokumentiert, unter anderem in Arbeiten von Broom et al. Der Körper sagt nicht nur "nicht jetzt verdauen", er sagt auch aktiv "kein Hunger" als Feedback-Mechanismus. Das kann noch eine bis zwei Stunden post-exercise anhalten, je nach Intensität und Dauer. Jennies halbe Stunde Pause ohne Appetit ist also keine Fehlfunktion, sondern ziemlich normales Endokrinologie. Was mich bei hollies Frage trotzdem beschäftigt: Sie stellt "körperlich" und "Kopfsache" als Gegensatz hin. Aber das ist mir zu dünn belegt als Dichotomie. Wenn jemand nach dem Lauf keinen Hunger hat und trotzdem isst, weil er weiß dass er essen sollte, dann ist das eine Entscheidung auf Basis von Wissen, kein Placebo. Das Fenster ist übrigens auch nicht "weg" nach einer halben Stunde. Die Literatur der letzten zehn Jahre hat das deutlich entspannt, das Glycogen-Replenishment läuft über mehrere Stunden, solange die Gesamtzufuhr stimmt. Kurz gesagt: Jenni hat instinktiv das Richtige gemacht. Die Frage ob danach Rote Beete oder was anderes. Das ist sekundär, das Thema ist komplexer als es aussieht aber in diesem konkreten Fall wirklich nicht der kritische Hebel.
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Wer keine Quelle hat, hat keine Aussage.
Was holli da fragt. Ob es Hunger ist oder nur "besser". Ist eigentlich die präziseste Unterscheidung, die hier bisher kam. Ich würde noch einen dritten Zustand ergänzen: "besser, aber kein Hunger" ist für Läufer nach langen Einheiten der Normalfall, und der hat einen physiologischen Grund, der in diesem Thread noch nicht auftaucht. Ghrelin, das sogenannte Hungerhormon, wird während intensiver Ausdauerbelastung aktiv supprimiert. Das ist kein Zufall und kein Kopfproblem. Das ist dokumentiert, unter anderem in Arbeiten von Broom et al. Der Körper sagt nicht nur "nicht jetzt verdauen", er sagt auch aktiv "kein Hunger" als Feedback-Mechanismus. Das kann noch eine bis zwei Stunden post-exercise anhalten, je nach Intensität und Dauer. Jennies halbe Stunde Pause ohne Appetit ist also keine Fehlfunktion, sondern ziemlich normales Endokrinologie. Was mich bei hollies Frage trotzdem beschäftigt: Sie stellt "körperlich" und "Kopfsache" als Gegensatz hin. Aber das ist mir zu dünn belegt als Dichotomie. Wenn jemand nach dem Lauf keinen Hunger hat und trotzdem isst, weil er weiß dass er essen sollte, dann ist das eine Entscheidung auf Basis von Wissen, kein Placebo. Das Fenster ist übrigens auch nicht "weg" nach einer halben Stunde. Die Literatur der letzten zehn Jahre hat das deutlich entspannt, das Glycogen-Replenishment läuft über mehrere Stunden, solange die Gesamtzufuhr stimmt. Kurz gesagt: Jenni hat instinktiv das Richtige gemacht. Die Frage ob danach Rote Beete oder was anderes. Das ist sekundär, das Thema ist komplexer als es aussieht aber in diesem konkreten Fall wirklich nicht der kritische Hebel.
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Wer keine Quelle hat, hat keine Aussage.
Zitat von holli am Mai 29, 2026, 06:04 Uhrmk_1981. Das mit dem Ghrelin interessiert mich. Aber ehrlich. Wenn der Körper aktiv sagt "kein Hunger" und ich zwinge mir trotzdem was rein weil die Theorie das vorsieht. Ist das nicht das Gegenteil von auf seinen Körper hören. Ich mein, derbasti hat ja recht gehabt. Verdauung is offline. Dann kann ich trinken oder nicht trinken. Der Körper macht das sowieso nicht mit wenn er nicht will. Also warum kämpfen. Was mich aber gerade beschäftigt. Und das hab ich selbst gemacht damals mit dem Blutdruck. Man misst und trackt und überlegt. Und irgendwann vergisst man einfach zu spüren. Jenni wird immer nervöser ob sie was trinken soll statt einfach zu warten bis sie Hunger hat. Das ist so ähnlich wie bei mir morgens die Werte zu checken. Nach ner Woche war ich abhängig vom Gerät statt von mir selbst. Vielleicht is das eigentliche Problem gar nicht was nach dem Sport in den Körper kommt. Sondern dass wir ständig denken es müsse etwas sein.
mk_1981. Das mit dem Ghrelin interessiert mich. Aber ehrlich. Wenn der Körper aktiv sagt "kein Hunger" und ich zwinge mir trotzdem was rein weil die Theorie das vorsieht. Ist das nicht das Gegenteil von auf seinen Körper hören. Ich mein, derbasti hat ja recht gehabt. Verdauung is offline. Dann kann ich trinken oder nicht trinken. Der Körper macht das sowieso nicht mit wenn er nicht will. Also warum kämpfen. Was mich aber gerade beschäftigt. Und das hab ich selbst gemacht damals mit dem Blutdruck. Man misst und trackt und überlegt. Und irgendwann vergisst man einfach zu spüren. Jenni wird immer nervöser ob sie was trinken soll statt einfach zu warten bis sie Hunger hat. Das ist so ähnlich wie bei mir morgens die Werte zu checken. Nach ner Woche war ich abhängig vom Gerät statt von mir selbst. Vielleicht is das eigentliche Problem gar nicht was nach dem Sport in den Körper kommt. Sondern dass wir ständig denken es müsse etwas sein.
Zitat von mk_1981 am Mai 29, 2026, 06:10 UhrHolli, das Bild mit dem Blutdruckgerät ist pointiert, aber ich würde da eine Linie ziehen. Es gibt einen Unterschied zwischen Tracking als Selbstzweck, das Angst erzeugt, und Wissen, das Entscheidungen informiert ohne sie zu übernehmen. Was du beschreibst. Morgens abhängig vom Gerät werden. Ist ein psychologisches Muster, das nichts mit dem Instrument selbst zu tun hat. Das ist mir als Argument gegen Ernährungswissen grundsätzlich zu dünn belegt. Was mich aber an deiner eigentlichen Stoßrichtung trotzdem beschäftigt: Du setzt "auf den Körper hören" als höherwertig als kognitive Entscheidungen. Das impliziert, dass der Körper verlässlichere Signale sendet als das Gehirn. Das stimmt aber situativ einfach nicht. Jennies Körper hat ihr nach einem harten Lauf auch gesagt "kein Hunger". Und wenn sie das drei Stunden lang als verlässliches Signal behandelt und dann abends zu spät und zu viel isst, weil das Glycogen eben doch weg war, dann hat ihr der Körper genau nichts Nützliches mitgeteilt. Intuition und Wissen sind keine Gegensätze. Das eine kalibriert das andere. Soweit ich das überblicke, ist das eigentlich der Kern von dem was erfahrene Läufer irgendwann lernen. Nicht: "Ich esse wenn ich Hunger habe", sondern: "Ich weiß dass ich auch ohne Hunger essen sollte, also esse ich wenig und leicht, und schaue ob mein Körper das annimmt."
Jenni hat instinktiv gewartet. Gut. Aber die Frage ist doch: Was macht sie nächsten Sonntag wenn die Übelkeit wieder kommt und sie dieses Gespräch nicht hatte?
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Wer keine Quelle hat, hat keine Aussage.
Holli, das Bild mit dem Blutdruckgerät ist pointiert, aber ich würde da eine Linie ziehen. Es gibt einen Unterschied zwischen Tracking als Selbstzweck, das Angst erzeugt, und Wissen, das Entscheidungen informiert ohne sie zu übernehmen. Was du beschreibst. Morgens abhängig vom Gerät werden. Ist ein psychologisches Muster, das nichts mit dem Instrument selbst zu tun hat. Das ist mir als Argument gegen Ernährungswissen grundsätzlich zu dünn belegt. Was mich aber an deiner eigentlichen Stoßrichtung trotzdem beschäftigt: Du setzt "auf den Körper hören" als höherwertig als kognitive Entscheidungen. Das impliziert, dass der Körper verlässlichere Signale sendet als das Gehirn. Das stimmt aber situativ einfach nicht. Jennies Körper hat ihr nach einem harten Lauf auch gesagt "kein Hunger". Und wenn sie das drei Stunden lang als verlässliches Signal behandelt und dann abends zu spät und zu viel isst, weil das Glycogen eben doch weg war, dann hat ihr der Körper genau nichts Nützliches mitgeteilt. Intuition und Wissen sind keine Gegensätze. Das eine kalibriert das andere. Soweit ich das überblicke, ist das eigentlich der Kern von dem was erfahrene Läufer irgendwann lernen. Nicht: "Ich esse wenn ich Hunger habe", sondern: "Ich weiß dass ich auch ohne Hunger essen sollte, also esse ich wenig und leicht, und schaue ob mein Körper das annimmt."
Jenni hat instinktiv gewartet. Gut. Aber die Frage ist doch: Was macht sie nächsten Sonntag wenn die Übelkeit wieder kommt und sie dieses Gespräch nicht hatte?
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Wer keine Quelle hat, hat keine Aussage.