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Blutdruck messen nach der Ausfahrt – wann macht das überhaupt Sinn?

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Mich beschäftigt gerade was das ich bisher nie so hinterfragt hab. Ich hab seit ein paar Monaten so ein Handgelenk-Messgerät, billiges Ding aus dem Drogeriemarkt, und mess damit manchmal nach der Feierabend-Runde. Werte schwanken da natürlich wie verrückt. Direkt nach dem Absteigen irgendwas um die 150/90, zwanzig Minuten später schon deutlich niedriger. Jetzt frag ich mich: was sagen mir diese Werte eigentlich? Mein Hausarzt misst immer morgens in der Praxis, nüchtern, nach fünf Minuten sitzen. Klar, da ist das Ergebnis ein anderes als wenn ich grad vom Rad komm. Hab letztens mit einem Typen aus meinem Verein geredet, der macht das schon seit Jahren systematisch, morgens und abends immer zur gleichen Zeit, notiert das alles. Ehrlich gesagt find ich das schon fast übertrieben. Aber er meinte, erst durch das konsequente Messen hat er gemerkt dass sein Wert abends immer auffällig hoch war, egal ob er Sport gemacht hat oder nicht. Und dann hat er mit seinem Arzt drüber geredet. Das hab ich so nicht auf dem Schirm gehabt. Ich selbst merk, dass ich nach stressigen Tagen in der Werkstatt - Lieferdruck, Kundenkram - abends schlechtere Werte hab. Auch wenn ich die gleiche Strecke gefahren bin wie sonst. Aber ich weiß halt nicht ob das Gerät überhaupt taugt oder ob ich falsch mess. Wer von euch misst regelmäßig, und habt ihr irgendwann rausgefunden wann der "richtige" Zeitpunkt ist? Und ob Handgelenk-Geräte überhaupt brauchbar sind oder ob das Geldverschwendung ist?

@rennradbernd Handgelenk-Gerät aus dem Drogeriemarkt - das ist mir zu unzuverlässig, Punkt. Ich sag dir das nicht um dich zu nerven sondern weil ich da selbst Zeit mit verschwendet hab. Die Dinger reagieren auf Bewegung, auf Körperhaltung, auf alles mögliche. Wenn du direkt nach dem Absteigen misst und der Arm noch zittert vom letzten Anstieg, kannst du den Wert vergessen. Das eigentliche Problem ist aber was anderes. Du weißt nicht ob das Gerät taugt misst trotzdem nach jeder Ausfahrt und versuchst dann Muster rauszulesen. Das ist ein bisschen so als würdest du mit einer defekten Waage abnehmen und dir jeden Tag Sorgen machen wenns mal mehr anzeigt. Der Typ aus deinem Verein macht das richtig - gleiche Zeit, gleiche Bedingungen, immer. Nicht nach dem Sport, nicht wenn man gerade Stress hatte. Morgens nach dem Aufstehen, ruhig sitzen, dann messen. Das ist das einzige was halbwegs vergleichbar ist. Meine Hausarztin hat mir das auch mal so erklärt, ziemlich klar: Sportwerte direkt danach interessieren sie gar nicht, die sagen ihr nichts über den echten Ausgangswert. Was mich bei deinem Post aber mehr triggert: du sagst nach stressigen Tagen schlechtere Werte, egal welche Strecke. Das ist der interessante Part. Da steckt mehr drin als die Frage welches Gerät du nimmst.

@rote_socke_83 du sprichst da was an das mir selbst aufgefallen ist, nur anders. Bei mir ist es nicht der Sport sondern eher die Tageszeit und wie der Tag gelaufen ist. Ich habe da gute Erfahrungen gemacht damit, dass ich mir morgens nach dem Kaffee Zeit nehme und in aller Ruhe mess, immer auf der gleichen Couch sitzend. Das gibt mir ein Gefühl für meinen Normalwert. Zitat von rote_socke_83nach stressigen Tagen in der Werkstatt schlechtere Werte
- ja, genau das. Das ist überhaupt nicht überraschend wenn ich das richtig verstanden habe, aber die Frage ist doch: was macht man damit? @rennradbernd dein Hausarzt hat dir ja schon einen Rhythmus vorgegeben mit dem nüchtern-Messen. Das würde ich ehrlich gesagt ernst nehmen und nicht durcheinanderbringen mit den Messwerten nach der Ausfahrt. Die sind für dich selbst interessant vielleicht um zu sehen wie schnell du dich erholst, aber für die Diagnose oder Therapie? Da vertrau ich mehr auf das, was dein Arzt sieht. Das mit dem Stress und den Werten - das müsstest du vielleicht mal gezielt mit deinem Arzt besprechen. Nicht als "ich hab gemessen und da war es hoch", sondern eher: in meinem Job hab ich regelmäßig solche Phasen, und ich merke dass mich das belastet. Der Arzt kann dir dann besser sagen ob du da was ändern solltest oder ob das eine Rolle spielt bei dir. Das ist mir lieber als selbst mit Messgeräten rumzuprobieren und dann verunsichert zu sein. Edit: Kleine Klarstellung - mit "nüchtern-Messen" meine ich natürlich die standardisierten Bedingungen, die dein Arzt dir empfohlen hat. Das ist wirklich die Basis für vergleichbare Werte.

@elvira_k du sagst "vertrau mehr auf das was dein Arzt sieht" - ja, im Prinzip schon. Aber da ist ein Haken den ich bei mir gerade merke. Mein Hausarzt sieht mich vielleicht vier Mal im Jahr. Und jedes Mal wenn ich in der Praxis sitz, bin ich irgendwie ruhiger als sonst. Kein Lieferdruck, keine Kunden, nix. Der misst dann 128/82 und ist zufrieden. Ich fahr nachhause und hab wieder Stresstag und der Wert sieht ganz anders aus. Das ist kein Vorwurf an den Arzt. Aber ich überleg schon ob der überhaupt ein realistisches Bild kriegt von dem wie's mir wirklich geht.

Zitat von rote_socke_83

Das steckt mehr drin als die Frage welches Gerät du nimmst

Ja, das ist der Punkt der mir selbst gerade mehr unter den Nägeln brennt als das Gerät-Thema. Das Handgelenk-Ding ist halt das was ich hab. Ob das taugt oder nicht - is halt so, da hab ich mich schon mit abgefunden. Aber wenn ich systematisch messen will müsst ich erst mal rausfinden was ich eigentlich messen will. Nur mein Ruhewert morgens? Oder auch wie ich auf Belastung reagiere? Das sind zwei verschiedene Fragen. Und ehrlich gesagt weiß ich nicht ob ich meinem Arzt beim nächsten Termin einfach ein Notizbuch mit 60 Einträgen hinlegen soll. Ob der das überhaupt will.

@rennradbernd das ist wirklich eine gute Überlegung, die du da gerade hast. Mit dem Notizbuch zu deinem Arzt gehen - ja, das würde ich vorher ansprechen, aber nicht so wie "hier sind 60 Werte". Sondern eher: "Mir ist aufgefallen, dass meine Werte an Stresstagen deutlich anders aussehen als wenn ich Ruhe hab. Macht es Sinn, das systematischer zu dokumentieren, oder soll ich das lieber lassen?"

Das ist nämlich der Unterschied, wie ich das sehe. Du fragst deinen Arzt nicht ob deine Messwerte interessant sind, sondern ob sie für deine Behandlung relevant sind. Das ist eine andere Frage. Mein Hausarzt hat mir letztens auch geraten nicht jeden Tag zu messen wenn ich nervös werde deswegen, sondern eher ein, zwei Mal pro Woche wenn ich wirklich entspannt bin. Das hat mir ehrlich gesagt mehr geholfen als täglich auf die Anzeige zu starren. Bei dir könnte das sein dass dein Arzt sagt: okay, dann probieren wir vielleicht was gegen deinen beruflichen Stress, oder wir gucken ob die Medikation reicht und der Stress ist einfach Teil deines Alltags den du managen musst. Aber das können nur die Messungen unter "echten Bedingungen" zeigen - und die echten Bedingungen sind bei dir eben nicht nüchtern auf der Couch, sondern mit dem ganzen Lieferdruck-Kram. Vielleicht ist das ja der Punkt wo dein Arzt dir tatsächlich was Sinnvolles sagen kann, wenn du das so formulierst.

@elvira_k da sagst du was das mich gerade beschäftigt. "Echte Bedingungen" - genau das. Bei mir ist der Lieferdruck kein Ausnahme-Zustand, das ist einfach Montag bis Freitag. Wenn mein Arzt nur die entspannten Praxis-Werte sieht, kriegt er eigentlich ein Bild von einem Menschen den's so gar nicht gibt. Aber ich weiß nicht ob ich das beim nächsten Termin so rüberbring. Der hat zehn Minuten, vielleicht zwölf. Bis ich erklärt hab was ein Schreinereibetrieb mit vier Leuten und Lieferkette-Stress bedeutet, ist die Zeit schon um. Was mich bei deinem Vorschlag ehrlich gesagt etwas zögern lässt: du sagst "ein, zwei Mal pro Woche wenn du entspannt bist". Aber wenn ich nur dann mess wenn ich entspannt bin, bild ich mir meinen Normalwert genauso schön wie der Arzt in der Praxis. Das ist doch dann das gleiche Problem, nur selbst gemacht. Vielleicht wär der sinnvollere Weg tatsächlich: immer zur selben Zeit messen, egal wie der Tag war. Dann sieht man wenigstens den Unterschied über die Woche. Ob das mein billiges Handgelenk-Ding tauglich rausbringt - keine Ahnung, aber das is halt das Gerät das ich hab.

@rennradbernd du hast recht, das ist ein echtes Dilemma. Aber ich glaub du machst da zwei verschiedene Dinge durcheinander, und das ist wichtig.

Zitat von rennradbernd

Wenn ich nur dann mess wenn ich entspannt bin, bild ich mir meinen Normalwert genauso schön wie der Arzt in der Praxis.

Das ist nicht das gleiche. Der Arzt sieht dich vier Mal im Jahr unter künstlichen Bedingungen - das ist eine Momentaufnahme. Wenn du aber wirklich systematisch misst, immer morgens zur gleichen Zeit und immer unter deinen echten Alltagsbedingungen, dann kriegst du über Wochen ein Muster. Du siehst dann nicht einen schönen Wert sondern: wie sieht mein Blutdruck aus wenn ich normal lebe, mit meinem Job, meinem Stress, meinen Gewohnheiten. Das ist etwas ganz anderes. In meinem Garten zum Beispiel - da messere ich nicht nur wenn das Wetter schön ist und die Pflanzen gut aussehen. Ich schau mir auch an wie es ihnen in Trockenzeiten geht, ob sie dann eingehen oder nicht. Erst dann weiß ich was normal ist für diese Pflanze. Bei dir wäre das: dein Normalzustand ist nicht "ruhig in der Praxis", dein Normalzustand ist "Montag bis Freitag mit Lieferdruck". Und das ist das was dein Arzt eigentlich sehen sollte. Mit dem Handgelenk-Gerät - ja, das ist nicht ideal. Aber wenn du es konsequent nutzt, immer gleich, dann sind die absoluten Zahlen vielleicht nicht hundertprozentig genau, aber die Unterschiede zwischen den Tagen, die siehst du trotzdem. Und das ist eigentlich das was zählt. Ich würde das einfach machen und beim nächsten Termin deinem Arzt sagen: "Ich hab über vier Wochen immer morgens gemessen, hier sind die Werte" - nicht als Notizbuch sondern vielleicht nur die Durchschnitte pro Woche oder so. Dann kann er dir sagen ob das was aussagt oder nicht.

@elvira_k

Zitat von elvira_k

die absoluten Zahlen vielleicht nicht hundertprozentig genau, aber die Unterschiede zwischen den Tagen, die siehst du trotzdem

das klingt erstmal logisch, aber ich bin da nicht so sicher. Wenn das Gerät bei jedem Messvorgang schon 8-10 mmHg daneben liegt - und das ist bei Handgelenkgeräten keine Seltenheit - dann sagt dir der Unterschied zwischen zwei Tagen trotzdem nichts Verlässliches. Du weißt dann nicht ob da wirklich was passiert ist oder ob das Gerät mal besser mal schlechter lag. Ich kenn das aus der Logistik. Wenn ein Scanner immer mal wieder falsch liest, nützt mir der Trend der Fehlerquote auch nix. Irgendwann muss das Grundwerkzeug stimmen, sonst baust du auf Sand. Was mich bei dem ganzen Thread hier aber eigentlich mehr beschäftigt: @rennradbernd du willst deinen Arzt überzeugen dass sein Praxiswert kein reales Bild ist. Das ist eigentlich eine ganz normale Sache die du einfach so sagen kannst. Ohne Notizbuch, ohne 60 Einträge. Einfach: "Ich hab das Gefühl dass ich bei Ihnen immer entspannter bin als sonst, kann das einen Unterschied machen?" Kein Arzt der halbwegs bei der Sache ist wird dich dafür komisch angucken. Die kennen das Phänomen, der hat sogar einen Namen dafür - Weißkittel-Effekt oder so ähnlich. Meine Hausärztin hat das bei mir selbst angesprochen ohne dass ich fragen musste. Das Gerät-Problem bleibt trotzdem. Da drück ich mich jetzt auch nicht mehr rum.

Zitat von rennradbernd

ein Bild von einem Menschen den's so gar nicht gibt

das ist eigentlich der Kern von dem ganzen Thread hier, wenn ich ehrlich bin. Und @rote_socke_83 hat mit dem Weißkittel-Effekt auch recht, das ist kein Geheimnis, mein Hausarzt hat das bei mir auch selbst erwähnt. Aber was mich gerade beschäftigt ist was anderes: ich hab damals auch eine Phase gehabt wo ich regelmäßig gemessen hab, morgens, immer gleich. Und irgendwann hab ich gemerkt dass ich anfang die Zahlen zu "optimieren" - also unbewusst an Tagen gemessen wo ich wusste dass ich ruhiger bin. Das ist net absichtlich aber das passiert einfach. Du greifst zum Gerät wenn du in der Stimmung bist. Und das verzerrt halt alles genauso wie die Praxis-Situation. Was ich @rennradbernd sagen würd: kauf dir ein vernünftiges Oberarm-Gerät, die kosten net die Welt, 30-40 Euro für ein validiertes Ding ist net zuviel für das was du damit rausholen kannst. Das Handgelenk-Problem ist halt real, das zieh ich nicht zurück. Und dann miss wirklich immer zur gleichen Zeit egal ob du grad Lieferstress hattest oder net. Nicht weil die Zahlen perfekt werden sondern weil du sonst selbst nicht weißt ob du dich selbst belügst.

@rennradhorst den Punkt mit dem unbewussten Optimieren - ja das kenn ich. Aber ich glaub das ist nochmal was anderes als das Geräteproblem. Das eine ist menschliche Schwäche, das andere ist Messtechnik. Beides gleichzeitig bekämpfen ist vielleicht schon zuviel verlangt. Was mich bei deinem Vorschlag mit dem Oberarm-Gerät stört: "validiert" klingt gut aber weißt du ob das Ding das du kaufst wirklich auf der Validiertungsliste steht? Da gibt's nämlich eine Datenbank, meine Hausärztin hat mir mal den Link geschickt, irgendwas mit ESH-Validierung. Die meisten Geräte die im Supermarkt stehen sind da schlicht nicht drauf. 30-40 Euro reicht dafür übrigens nicht immer, das will ich hier nicht unwidersprochen stehen lassen.

Zitat von rennradhorst

ob du dich selbst belügst

Ehrlich gesagt ist das die interessantere Frage als alles was wir hier über Geräte und Messzeiten diskutiert haben. @rennradbernd du hast vorhin gesagt dein Arzt kriegt ein Bild von einem Menschen der nicht existiert. Aber bist du sicher dass du dir selbst ein realistisches Bild machst? Ich frag das nicht um dich zu nerven - ich frag das weil ich mir bei mir selbst da auch nicht immer sicher bin.

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