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Betanio PLUS - nach 6 Wochen mein ehrliches Fazit

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also ich hab das jetzt lang genug getestet um was sagen zu können. Betanio PLUS - das Konzentrat mit Rote Beete Basis plus noch irgendwas drin, Magnesium glaub ich und Elektrolyte. Hab das auf Empfehlung von nem Typen aus unserer Radgruppe ausprobiert, der schwört drauf. Preis erst mal: nicht günstig. Für die Menge die ich verbrauch hab ich so um die 35 Euro hingeblättert. Und dann die ehrliche Frage - hätte ich das Geld nicht einfach für normalen Rote Beete Saft aus dem Edeka ausgeben können? Also bei mir war das so: die ersten zwei Wochen hab ich NICHTS gemerkt. Gar nix. Hab kurz gedacht ok, wieder so ein Ding. Dann irgendwann - war ne Samstagsausfahrt, gut 95km, ziemlich warm - hab ich gemerkt dass ich in der zweiten Hälfte nicht so eingebrochen bin wie sonst. Gut, könnte alles mögliche gewesen sein. Schlaf, Essen vorher, whatever. Was mich wirklich stört ist die Transparenz auf der Packung. Da steht "proprietäre Mischung" und dann Mengenangaben die irgendwie nichts aussagen. Ich will wissen wieviel Nitrat da eigentlich drin ist - weil darum geht's ja bei Rote Beete. Ist halt die aktive Sache. Ohne das kann ich nix vergleichen. Und da frag ich mich ob das Absicht ist. Wetten dass der günstige Saft vom Discounter manchmal mehr Nitrat hat? Kann ich nicht beweisen aber das Gefühl hab ich. Kurz gesagt: ich nehm es noch zu Ende weil ich schon bezahlt hab. Ob ichs nochmal kauf... eher nicht solange die nicht sagen was wirklich drin ist. Gibt jemand hier der sowas schonmal verglichen hat - also Konzentrat vs. normaler Saft, mit konkreten Werten? Edit: Kleine Korrektur - es war ne 95er Tour, nicht unbedingt die Länge, die den Unterschied gemacht hat, sondern eher die Hitze und dass ich einfach nicht so schnell in die

@derbär die Sache mit "proprietäre Mischung" bringt mich echt auf die Palme. Hab das in meiner Lehrveranstaltung letztens kurz angesprochen - also nicht Betanio speziell aber generell diese Praxis - und unser Betreuer hat gemeint das ist eigentlich legal aber halt so eine Grauzone wo Hersteller einfach nichts riskieren wollen. Klingt nach Marketing-Schutz, nicht nach Verbraucherinfo. Was ich mich grad frage: wenn du eh nicht weißt wieviel Nitrat drin ist, wie hast du dann überhaupt entschieden dass die 6 Wochen "genug zum Testen" sind?? Ich mein das ohne Vorwurf, ich frag mich das bei mir selbst auch immer. Ohne Baseline-Wert ist das halt irgendwie... ins Blaue schießen.

Zitat von derbär

hätte ich das Geld nicht einfach für normalen Rote Beete Saft ausgeben können

das frag ich mich bei mir auch die ganze Zeit. Ich hab mal so einen simplen Saft aus dem Billa mitgenommen und einfach probiert. Kein Plan ob da mehr oder weniger Nitrat drin war keine Ahnung ob das irgendwas gebracht hat. Schmeckt zumindest nicht schlimmer als das teure Zeug 😅

Das Problem ist halt dass man für einen echten Vergleich irgendwie Blutabnahmen bräuchte oder zumindest reproduzierbare Trainingsbedingungen, und wer macht das schon als Hobbyläuferin unter Semesterstress

@miramira du triffst da was Wichtiges. Die Frage nach reproduzierbaren Bedingungen ist genau das was mir in der Praxis immer wieder auffällt. Ich hab Patienten die mir sagen "fühlt sich besser an" nach vier Wochen irgendwas - aber die haben gleichzeitig mehr geschlafen, weniger Stress gehabt, anders gegessen. Da kann man nichts rausziehen.

Zitat von miramira

dafür bräuchte man eigentlich Blutabnahmen

Ja, oder zumindest Plasma-Nitrat/-Nitrit, das wäre das Minimum um überhaupt zu sehen ob das Zeug absorbiert wird. Es gibt Studien dazu - die Gruppe um Andrew Jones in Exeter hat da einiges publiziert, die haben das mit standardisierten Dosen gemacht und tatsächlich messbare Anstiege im Plasma gesehen. Aber die haben halt mit definierten Nitrat-Mengen gearbeitet, 310-620 mg Nitrat pro Gabe ungefähr. Bei einem Produkt das "proprietäre Mischung" draufschreibt weißt du schlicht nicht ob du in diesem Fenster bist. Konkret gefragt an derbär: steht irgendwo auf der Verpackung ein Hinweis auf Rote-Beete-Konzentrat in Gramm? Manchmal ist die Nitratmenge indirekt rückrechenbar wenn man weiß wieviel Konzentrat drin ist und einen Richtwert für den Nitratgehalt der Pflanze nimmt. Ungefähr, natürlich - Sorte, Anbaubedingungen spielen rein. Aber besser als nichts. Das ist mir generell zu vage bei diesen Produkten. Man zahlt Aufpreis für was - für die Marke, die Kapsel, das Design? Den Nitratgehalt kriegt man gratis mit normalem Saft wenn man Pech hat sogar höher.

@mh_82 die Rückrechnungs-Idee find ich eigentlich g'scheit, aber ich frag mich ob das in der Praxis wirklich was bringt. Also ich mein - wenn der Nitratgehalt schon je nach Sorte und Anbaubedingungen so stark schwankt, dann ist "Konzentrat in Gramm" auch nur eine Schätzgrundlage, oder? Ich hab in der Lehrveranstaltung mal mitgenommen dass Rote Beete aus dem Gewächshaus teilweise deutlich weniger Nitrat hat als Freilandware. Wenn das Konzentrat dann aus welcher Quelle auch immer kommt... keine Ahnung ob die Rechnung dann noch stimmt. Was mich bei dem ganzen Thread gerade mehr beschäftigt: selbst wenn man die Nitratmenge irgendwie abschätzt - man weiß ja trotzdem nicht ob man persönlich ein "Responder" ist. Hab das irgendwo gelesen, dass es da tatsächlich individuelle Unterschiede gibt bei der Umwandlung zu NO, und das hat scheinbar auch mit der Mundflora zu tun. Also wer viel Mundspülung benutzt blockiert den Prozess teilweise. Das klingt so absurd aber ich glaub das war aus einem echten Paper, nicht irgendein Blog.

Zitat von mh_82

gleichzeitig mehr geschlafen, weniger Stress gehabt, anders gegessen

ja genau das ist mein Problem bei mir selbst. Ich trenn das nie sauber. In Prüfungszeiten schläft man schlechter, isst chaotischer - und genau dann testet man irgendwas Neues weil man hofft es hilft. Das ist eh der dümmste Zeitpunkt für sowas aber es passiert trotzdem immer so.

Zitat von miramira

das hat scheinbar auch mit der Mundflora zu tun

Das stimmt, und das ist kein Blog-Mythos. Es gibt tatsächlich publizierte Arbeiten dazu, u.a. von Wylie et al. - die haben gezeigt dass Chlorhexidin-Spülung den Nitrat-zu-Nitrit-Schritt im Mund deutlich reduziert und den Plasma-Nitrit-Anstieg nach Rote-Beete-Saft abschwächt. Hab ich bei einem Patienten genau das Problem gehabt, der hat täglich Mundspülung benutzt und sich gewundert warum er nichts merkt. Der Zusammenhang war ihm völlig neu. Das mit dem Responder-Status ist auch real. Es gibt Hinweise dass ältere Sportler und Trainierte weniger stark reagieren als Untrainierte - was insofern interessant ist, weil die Zielgruppe für solche Produkte ja oft ambitionierte Hobbyathleten sind, also Leute die schon einiges an Grundfitness haben. Konkret gefragt: @miramira, du hast das aus einem Paper - hast du da noch die Quelle? Würde mich interessieren ob das die Lundberg-Gruppe war oder wer anderes. Was mich bei dem ganzen Thema mehr stört als der Responder-Status: selbst die saubersten Studien zu Nitrat arbeiten meist mit Wettkampf-naiven Probanden unter Laborbedingungen. Was das für jemanden bedeutet der seit Jahren Radfahren macht und sich in seiner Gruppe gut auskennt - da bin ich skeptisch ob man die Effektgrößen direkt übertragen kann.

@mh_82 die Quelle hab ich leider nicht mehr parat, ich glaub das war irgendwas das unser Betreuer in einem Foliensatz verlinkt hatte, da war ein Name mit L dabei könnte also Lundberg sein aber ich will das nicht beschwören. Ich schau mal ob ich das noch find. Was mich bei deinem letzten Punkt aber mehr beschäftigt: die Sache mit Trainierten vs. Untrainierten. Wenn das stimmt dass ambitionierte Hobbyathleten sowieso weniger reagieren, dann wäre das eigentlich das stärkste Argument gegen den ganzen Hype - weil genau die sind ja die Hauptkäufergruppe von sowas. Also die Leute die 35 Euro für Betanio hinlegen sind sicher nicht die die zum ersten Mal laufen gehen. Irgendwie frag ich mich dann ob das bei Profis genauso ist. Also wenn die Effekte bei Trainierten kleiner werden - warum nehmen das dann so viele Profis überhaupt noch?? Entweder weil auf dem Niveau jede kleine Marginalverbesserung zählt, oder weil es halt auch einfach gut vermarktbar ist. Wahrscheinlich beides. Ich bin eh keine ambitionierte Hobbyathleting, ich lauf halt meine Halbmarathons und versuch nicht einzubrechen 😅 keine Ahnung ob ich damit in die "Trainiert genug um kaum zu reagieren"-Kategorie fall oder nicht. Das kann man ja auch nicht einfach selbst einschätzen.

@miramira die Frage mit den Profis ist eigentlich die interessanteste hier. Meine Vermutung: bei Elite-Athleten geht es nicht um "spürbares Wohlbefinden" sondern um 1-2% auf der Zeituhr. Das ist ein anderer Kontext als du oder derbär. Wenn Wylie und Jones in ihren Studien bei gut Trainierten Effekte von ~1% auf den VO2 bei submaximaler Last finden - das klingt nach wenig, ist aber bei 40km Zeitfahren real.

Zitat von miramira

warum nehmen das dann so viele Profis überhaupt noch

Ich würd das nicht überbewerten. Ein Teil davon ist schlicht Sponsoring. Und ein anderer Teil: auf Top-Niveau probiert man alles was legal und halbwegs belegt ist, weil man eben nicht weiß welche 0,5% den Unterschied machen. Das ist keine Evidenz dafür dass es für dich funktioniert. Was mich bei deiner Selbsteinschätzung beschäftigt - du schreibst du "läufst deine Halbmarathons". Konkret gefragt: wie regelmäßig trainierst du gerade? Das ist keine spitze Frage, aber "trainiert genug um weniger zu reagieren" ist kein festes Kriterium. Die Studien haben das oft über VO2max-Werte operationalisiert, nicht über Wettkampfformat. Ein Halbmarathon-Finisher kann sehr unterschiedliche Fitnesslevel haben. Und ob Lundberg oder Larsen - falls du den Foliensatz noch findest, wäre ich wirklich neugierig. Ich such das gerade selbst parallel, hab aber heute Abend noch zwei Patienten.

@mh_82 ok die VO2max-Sache ist ein guter Punkt, das hab ich so nicht bedacht. Ich traiier grad so... naja. Drei bis vier Einheiten die Woche wenn's gut läuft, meistens zwei weil Semester. Ich hab mal bei nem Leistungstest an der Uni mitgemacht (Lehrveranstaltung, freiwillig) und da kam irgendwas raus das ich dann nicht wirklich einordnen konnte. Irgendwo zwischen "nicht schlecht" und "ausbaufähig". Keine Ahnung ob das in die Kategorie "trainiert genug um weniger zu reagieren" fällt. Was mich bei deiner Frage aber mehr beschäftigt als mein eigenes Fitnesslevel: du hast den Effekt mit ~1% auf submaximale Last erwähnt. Ich frag mich ob das bei Ausdauerläufen auf Wettkampfniveau überhaupt der relevante Bereich ist. Also ich mein bei einem Halbmarathon bist du ja nicht wirklich submaximl unterwegs wenn du's ernst nimmst. Wenn der Effekt hauptsächlich da auftritt... zählt das dann noch für mich oder eher für jemanden der lange Einheiten bei moderatem Tempo macht? Das klingt vielleicht nach einer komischen Frage aber ich blick da ehrlich gesagt nicht ganz durch was "submaximale Last" im Kontext Wettkampf konkret bedeutet. In der Vorlesung kam das kurz vor aber ich hab's nicht richtig verankert.

@miramira "submaximale Last" ist tatsächlich etwas irreführend wenn man das auf Wettkampf übertragen will. Kurz gesagt: bei einem Halbmarathon bist du für die meisten Läufer irgendwo um die 85-95% der maximalen Herzfrequenz, das ist nicht submaximale Last im Laborsinn. Die klassischen Nitrat-Studien haben oft Intensitäten um 60-80% VO2max getestet - also moderate Dauerbelastung, kein Wettkampftempo. Was das bedeutet: der Effekt auf Sauerstoffeffizienz bei niedrigerer Intensität ist gut belegt, aber bei hochintensiver Belastung ist das Bild gemischter. Es gibt Hinweise auf Vorteile auch bei intensiveren Intervallen, aber da sind die Effektgrößen kleiner und die Studien weniger einheitlich. Habt ihr da Quellen zu? Ich hab selbst ein Paper von Hoon et al. im Hinterkopf, die haben genau das bei Radfahrern verglichen - aber ich will das nicht aus dem Gedächtnis zitieren ohne nochmal nachzuschauen. Für dich konkret: wenn du einen Halbmarathon ernst nimmst und nicht nur durchjoggst, bist du in einem Intensitätsbereich wo der Nitrat-Effekt eher kleiner sein dürfte als bei jemandem der 90 Minuten lockere Grundlage macht. Das ist keine definitive Antwort, aber die Erwartungshaltung sollte realistisch sein. Das ist mir generell zu vage bei diesen Produkten - man kauft was, ohne zu wissen ob man überhaupt in dem Intensitätsbereich trainiert wo der Effekt messbar wäre.

@mh_82 ok das mit dem Intensitätsbereich macht irgendwie Sinn, ich hab das so noch nicht gehört. Also wenn der Effekt hauptsächlich bei 60-80% VO2max liegt und ich beim Halbmarathon deutlich drüber bin - dann wäre das Supplement ja eigentlich eher was für meine lockeren langen Einheiten? Das klingt komisch weil ich die sowieso nicht so systematisch mache. Die sind eher "ich hab Zeit, ich lauf halt eine Stunde irgendwo durch" ohne großes Konzept. Was mich bei dem was du geschrieben hast gerade mehr beschäftigt: du sagst "man kauft was ohne zu wissen ob man im richtigen Intensitätsbereich trainiert". Aber das setzt ja voraus dass man seinen eigenen Trainingsbereich überhaupt kennt. Ich mein - ich hab keine Pulsuhr die ich konsequent nutze, ich lauf nach Gefühl. Das ist vielleicht eh mein eigentliches Problem bei der ganzen Sache. Selbst wenn das Supplement funktionieren würde könnte ich das gar nicht vernünftig einschätzen weil ich nicht weiß bei was für einem Prozent ich meistens unterwegs bin. Das ist irgendwie frustrierend wenn man drüber nachdenkt. Die ganze Diskussion hier macht mir bewusst wie viele Variablen ich bei mir selbst gar nicht im Griff hab bevor ich überhaupt anfang irgendwas zu supplementieren. Responder-Status, Trainingszone, Mundflora von allen Dingen... keine Ahnung ob das bei anderen Hobbyläufern genauso ist oder ob ich da einfach zu wenig Struktur im Training hab

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