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Supplements absetzen – und dann? Was habt ihr wirklich bemerkt?

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@marek_rb

Zitat von marek_rb

eine konstruierte Vergangenheit die man nicht riskieren will

Das ist eigentlich der präziseste Satz im ganzen Thread bisher. Und ich glaube, da steckt noch was drin, das ihr beide noch nicht benannt habt: diese konstruierte Vergangenheit wird aktiv gepflegt. Nicht passiv vergessen - sondern die Person hat ein Interesse daran, dass "davor war es schlechter" wahr ist, weil es die aktuelle Gewohnheit legitimiert. Ich hab das bei mir selbst beobachtet, als ich Betanio PLUS damals abgesetzt hatte. Im Nachhinein war ich mir plötzlich ganz sicher, dass meine Zeiten vorher schlechter waren. Aber ich hab keine Protokolle aus dieser Zeit. Garmin hat Daten, klar - aber ich hab nie nachgeschaut. Warum nicht? Das ist die ehrliche Frage, die ich mir dabei gestellt hab. Es wäre ja einfach gewesen. Was mich an deinem Protokoll-Ansatz (zwei Wochen vorher erfassen) interessiert: Hast du den Eindruck, dass Leute die das durchziehen, danach überhaupt anders entscheiden? Also - verändert das tatsächlich die Absetz-Bereitschaft, oder sammeln die Daten und machen dann trotzdem weiter wie bisher? Weil wenn letzteres, dann wäre das Protokoll ja nur eine Art Alibi-Reflexion. Das klingt zynisch, ich weiß. Aber softwaretechnisch gesprochen: wenn der Output sich nicht ändert, hat der Input nichts bewirkt, egal wie sauber er war.

Zitat von markus_b82

wenn der Output sich nicht ändert, hat der Input nichts bewirkt

Das klingt zynisch, sagst du selbst - aber ich glaube, das ist trotzdem nicht ganz richtig. Weil die Frage ist, was "Output" hier meint. Wenn jemand nach zwei Wochen Protokollieren trotzdem weitermacht, heißt das nicht zwingend dass nichts passiert ist. Die Person weiß jetzt möglicherweise besser, was sie eigentlich kauft. Das ist kein messbarer Verhaltensoutput, aber es ist auch kein Null-Ergebnis. Was mich an deiner Garmin-Anekdote aber mehr beschäftigt: du hattest die Daten. Hättest nachschauen können. Hast es nicht. Das ist eigentlich der interessanteste Befund in diesem Thread, weil er aus echter Eigenerfahrung kommt, nicht aus Praxis-Beobachtung. Ich kenne das von Patienten aber auch - die haben Uhren mit Leistungsdaten, HRV-Tracking, alles mögliche. Und wenn ich frage "haben Sie mal nachgeschaut wie Ihre Erholungswerte sich nach dem Absetzen verändert haben" kommt meistens ein kurzes Zögern. Dann irgendwas wie "ich glaub schon". Konkret gefragt: Hast du nachher mal reingeschaut, rückwirkend? Oder ist das Thema für dich damit erledigt. Das würde mich wirklich interessieren, nicht als Kritik - sondern weil das was darüber sagt wie weit die Bereitschaft zur Selbstüberprüfung bei jemandem geht, der sich eigentlich kritisch damit auseinandersetzt. Du bist ja kein Unbedarfter in dem Thema.

Zitat von marek_rb

eine konstruierte Vergangenheit die man nicht riskieren will

Das ist faktisch der Satz, der mich hier hängenbleibt. Nicht wegen der Beratungs-Diskussion, die ihr beide führt, sondern wegen was markus_b82 dazu ergänzt hat: die Vergangenheit wird aktiv gepflegt, nicht passiv vergessen. Das ist ein Unterschied der sich klein anhört und es nicht ist. @markus_b82 die Garmin-Sache interessiert mich konkret. Ich hab ähnliches bei mir selbst beobachtet, allerdings nicht mit Supplements, sondern mit einer Laufschuh-Wechsel-Geschichte vor zwei Jahren. Neue Schuhe, plötzlich war ich mir sicher, die alten hätten mich gebremst. Ich hätte es nachprüfen können. Hab ich nicht. Die Daten lagen da. Das ist kein Versagen von Reflexion, glaube ich - das ist eher so eine Art aktive Schutzzone um eine Entscheidung die man schon getroffen hat. Die Frage die mh_82 stellt, ob du rückwirkend nachgeschaut hast, ist die richtige. Aber ich vermute die Antwort hat weniger mit Beratungskompetenz zu tun als mit dem, was man bereit ist zu sehen. Das gilt für Supplement-Nutzer genauso wie für IT-Leute die ein System-Upgrade rechtfertigen müssen. Was mich dabei stört: wir reden hier alle so, als wäre mehr Protokoll die Lösung. Aber wenn die Bereitschaft zur Selbstüberprüfung schon beim Nachschauen in Garmin aufhört, hilft kein Trainingslog der Welt.

@n.feld der Schuh-Vergleich trifft es eigentlich gut. Und ich glaube du hast recht - das ist keine gescheiterte Reflexion, das ist eine funktionale Schutzzone. Aber dann ist die Frage was das bedeutet für den Beratungsansatz. Wenn jemand aktiv nicht nachschauen will, nicht weil er es vergisst, sondern weil die Information das Bild stören würde - dann ist das kein Informationsproblem mehr. Da wird Protokollieren zur Alibi-Handlung, wie markus_b82 das formuliert hat. Was mich daran stört: das gilt möglicherweise auch für uns in diesem Thread. Ich hab Garmin-Daten aus meiner Betanio-Phase. Hab ich die nachher ausgewertet? Nein. Ich habe gerade ehrlich nachgedacht und die Antwort ist nein. Ich hab mir gesagt "zu viele Störvariablen, bringt nichts" - was methodisch stimmt, aber auch praktisch ist, weil ich das Ergebnis dann nicht verarbeiten muss.

Zitat von n.feld

wenn die Bereitschaft zur Selbstüberprüfung schon beim Nachschauen in Garmin aufhört

Ja. Und ich frage mich ob das bei Leuten mit Beratungshintergrund sogar ausgeprägter ist. Weil wir gute Argumente haben warum die Daten "nicht aussagekräftig genug" sind. Das klingt nach Methodik-Kompetenz, kann aber auch Rationalisierung sein. Das ist mir zu vage um daraus was zu schließen - aber unbequem ist der Gedanke trotzdem.

Zitat von mh_82

weil wir gute Argumente haben warum die Daten "nicht aussagekräftig genug" sind

Das ist der Punkt der mich hier gerade am meisten beschäftigt. Weil das kein Supplement-spezifisches Problem ist. Das ist eine allgemeine Eigenschaft von Leuten, die sich gut genug auskennen, um Nicht-Hinschauen methodisch zu verkleiden. Konkret gesagt: In der IT gibt es das auch. Du weißt genug über Monitoring-Lücken, um dir selbst zu erklären warum die Logs nichts beweisen. Das stimmt meistens sogar. Und trotzdem ist es manchmal einfach bequem. Was mich dabei aber stört: der Thread läuft jetzt seit einer Weile in die Richtung, dass wir alle irgendwie gleich betroffen sind, alle haben blinde Flecken, alle rationalisieren. Das stimmt wahrscheinlich. Aber es nivelliert einen Unterschied der real ist. Jemand der 80 Euro im Monat für Kapseln ausgibt und nie nachschaut, und jemand der Garmin-Daten hat und sie aus methodischen Gründen nicht auswertet - das sind nicht dasselbe. Die Schutzzone existiert in beiden Fällen, der Einsatz ist unterschiedlich. @mh_82 deine Selbstauskunft finde ich hier tatsächlich ehrlicher als das meiste was sonst in solchen Diskussionen kommt. Aber ich glaube das "zu viele Störvariablen" ist nicht nur Rationalisierung. Es ist beides gleichzeitig, echte Methodik und echte Bequemlichkeit. Das lässt sich nicht sauber trennen, und ich bin skeptisch gegenüber jedem der behauptet, er wüsste bei sich selbst genau welches gerade überwiegt.

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