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Rote Bete vor langen Ausfahrten – Konzentrat oder frisch kochen, was nutzt ihr?

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Zitat von rennradrenate

einmal ob ein bewusstes Ritual selbst schon einen Effekt hat

Das ist der Punkt, der mich bei deinem letzten Beitrag tatsächlich am meisten beschäftigt - und ich meine das nicht rhetorisch. Weil das eine Frage ist, die man eigentlich gar nicht über Nitratgehalt oder Timing lösen kann. Wenn das Ritual selbst einen Effekt hat, ist der Effekt trotzdem real, auch wenn die Ursache eine andere ist. Das ist keine Entschuldigung für schlechte Produkte, aber es macht die ganze Diskussion hier deutlich komplizierter. @rennradhorst dein Punkt mit der Pause finde ich in diesem Kontext interessant: du hast aufgehört, weil du vergessen hast nachzubestellen. Das heißt das Ritual war ohnehin nicht fest verankert. Wenn jetzt @rennradrenate, die das aktiv bevorratet und mit Ausfahrt-Bezug einnimmt, vier Wochen pausieren würde - wäre das ein ganz anderes Experiment. Weil da auch das Ritual wegfällt, nicht nur die Substanz. Die Ergebnisse wären kaum vergleichbar. Was ich mir da frage, und das ist wirklich eine offene Frage, nicht Rhetorik: gibt es überhaupt einen Weg, das für Hobbyathleten methodisch sauber zu trennen? Ohne Placebo-Kontrolle, ohne konstante Trainingsbedingungen, ohne irgendjemanden der von außen schaut? Ich glaube das geht nicht. Und dann müsste man eigentlich sagen: wir reden hier über Präferenzen, nicht über Evidenz. @jana_w ich frag mich langsam ob du den Tab noch offen hast.

Zitat von markus_b82gibt es überhaupt einen Weg, das für Hobbyathleten methodisch sauber zu trennen? naja, ehrlich gesagt glaub ich nicht dass man das muss. Oder eher - ich glaub das ist die falsche Frage für Leute wie mich. Ich lauf halt regelmäßig, nicht weil ich Daten sammeln will sondern weil mir der Kopf freier wird. Und wenn ich da ein Ritual hab - ob das jetzt morgens ein Kaffee ist oder eben ne halbe Stunde vorher was bestimmtes essen - dann ist das für mich auch keine Frage der Substanz mehr, sondern einfach Teil davon dass ich mich mental drauf einstelle. Das ist nicht Placebo im Sinne von "funktioniert nicht", das ist einfach nur... Alltag. Was mich aber bei der ganzen Diskussion nervt ist dass ihr immer noch so tut als müsste man sich am Ende entscheiden zwischen "wissenschaftlich sauber" oder "gar keine Aussage machen". Es gibt auch noch "ich probier das aus, merke was, und dann mach ich das halt so". Das ist nicht weniger wert als ne Studie. Das ist nur anders. Bei mir war's so - ich hatte mal ne Phase wo ich immer nach dem Lauf nen selbstgepressten Saft gemacht hab, Apfel, Rote Bete, Ingwer, das ganze Programm. Hab ich nach zwei Monaten sein gelassen nicht weil es nicht geholfen hat sondern weil mir der Aufwand zu doof war. Und seitdem läuft's auch noch. Also war das Ding offenbar nicht kritisch. Aber das heißt nicht dass es nix gebracht hat - es hat einfach nicht genug gebracht um den Aufwand zu rechtfertigen. Das wäre vielleicht die Frage für @rennradrenate - nicht ob das Konzentrat wissenschaftlich besser ist als frische Bete, sondern ob der Unterschied in der Praxis groß genug ist um die Umstellung zu rechtfertigen. Oder ob das jetzt eh egal ist weil es dir psychologisch hilft. Edit: Komma nach "gelassen" eingefügt - war vorher etwas verwirrend zu lesen.

Zitat von fk_1988

Aber das heißt nicht dass es nix gebracht hat - es hat einfach nicht genug gebracht um den Aufwand zu rechtfertigen

Das ist der Punkt, @fk_1988. Genau da. Bei mir war's ähnlich - hatte vor zwei Jahren angefangen, alles mögliche zu dokumentieren, Pulswerte, Schlaf, was ich vorher gegessen hab. Nach drei Monaten war ich davon so genervt dass ich's gelassen hab. Nicht weil's nix gebracht hätte, sondern weil ich keinen Kopf dafür hab, wenn ich gerade Rentner bin und eigentlich entspannen will. Das Konzentrat-Ding bei mir ist halt praktisch - Flasche raus kurz trinken, fertig. Ob das jetzt 400 oder 310 Milligramm Nitrat sind interessiert mich ehrlich weniger als dass es schnell geht. Mit frischer Bete müsste ich abends vorher planen kochen, lagern. Das ist kein Ritual für mich, das ist Arbeit. Was mich aber an der ganzen Diskussion hier beschäftigt - und das hat @markus_b82 auch angesprochen - ist dass keiner von euch wirklich testet, was *ohne* das Zeug läuft. @rennradhorst hat das versehentlich gemacht, aber der sagt ja selbst dass es bei ihm vier Wochen gebraucht hätte. Ich würde da eher sagen - wenn du nicht merkst dass was fehlt wenn du's weglässt, brauchst du's vielleicht gar nicht. Aber das zu testen kostet halt auch was, psychologisch.

Zitat von holli

wenn du nicht merkst dass was fehlt wenn du's weglässt, brauchst du's vielleicht gar nicht

Das klingt auf Anhieb plausibel, aber ich find das Argument logisch nicht sauber. "Ich merk nichts" ist kein Beleg dafür, dass nichts passiert - das ist genauso wenig belastbar wie "ich fühl mich besser". Die Abwesenheit eines subjektiven Signals sagt über die physiologische Wirkung ungefähr so viel wie ein fehlendes Symptom über einen Mangel. Draußen ist es heute wieder brütend heiß, da ist das Thema Leistungsfähigkeit bei mir sowieso gerade präsent. Was mich aber bei hollisansatz mehr stört: da wird implizit vorausgesetzt, dass der Effekt groß genug sein müsste, damit man ihn ohne Kontrollbedingungen wahrnimmt. Aber Nitrat-Effekte in der Literatur (z.B. in den Studien mit dem Beet It-Protokoll, die Bailey et al. um 2009/2010 publiziert haben) liegen bei wenigen Prozent besserer Sauerstoffeffizienz. Das spürt kein Hobbyathlet direkt. Ich jedenfalls nicht. Und genau da ist mir der Thread ein bisschen zu bequem geworden: alle reden jetzt darüber ob sich der Aufwand "anfühlt" als wäre er gerechtfertigt. Das ist eine valide Alltagsfrage, keine Frage. Aber es ist nicht die gleiche Frage wie ob es wirkt. Die werden hier gerade still fusioniert und das nervt mich ein bisschen. @fk_1988 du hast das mit dem Aufwand gut auf den Punkt gebracht - aber dein Schluss "also war das offenbar nicht kritisch" ist trotzdem ein Fehlschluss. Hast du eine Quelle für

Zitat von markus_b82

die werden hier gerade still fusioniert

Das ist eigentlich der schärfste Satz im ganzen Thread, @markus_b82, und ich sage das obwohl ich selbst da mitgemacht habe. Du hast recht, dass "fühlt sich gerechtfertigt an" und "wirkt" zwei verschiedene Fragen sind. Aber ich bin nicht sicher, ob die Konsequenz daraus ist, dass wir die Alltagsfrage beiseitelegen müssen. Was mich an deiner Formulierung stört: du sagst, Hobbyathleten spüren die paar Prozent Sauerstoffeffizienz sowieso nicht direkt. Wenn das stimmt, dann ist das auch ein Argument gegen das Protokoll - nicht nur gegen die Selbstwahrnehmung. Denn was bringt mir eine messbare Wirkung, die unterhalb meiner Wahrnehmungsschwelle liegt und die ich im Alltag nie reproduzieren kann? Das ist keine Kapitulation vor dem Placebo-Argument, das ist einfach eine pragmatische Frage. Und zu Bailey et al. - ich kenn die Studien nicht im Original, aber ich erinnere mich, dass meine Hausärztin mal sinngemäß gesagt hat, dass die Effektgrößen in solchen Protokollen für trainierte Personen kleiner ausfallen als für untrainierte. Ob das bei 2009-Daten schon so differenziert war, weiß ich nicht. Das wäre für mich relevanter als die Grundsatzdiskussion ob Hobbyathleten überhaupt methodisch sauber testen können - das können sie offensichtlich nicht, das haben wir nun mehrfach festgestellt. @fk_1988 der Einwand von @markus_b82 zu deinem Schluss ist berechtigt. Aber dein Aufwand-Argument hat mich trotzdem mehr beschäftigt als die Bailey-Fußnote.

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Rennrad ist kein Hobby, das ist Therapie.

okay ich bin noch da @markus_b82 und @rennradrenate, hab den Tab nicht zugemacht, war nur grad mitten in einem Layout-Ding.

Zitat von markus_b82

die werden hier gerade still fusioniert

ja, stimmt. und ich sag mal was dazu warum das passiert - weil die einzige Frage die wir hier *wirklich* alle beantworten können die Aufwandsfrage ist. alles andere ist entweder Literatur die wir nicht vollständig kennen oder Selbstwahrnehmung die wir selbst gerade demontiert haben. und @rennradrenate, zu deiner Frage von vorhin - also ob das ein Rhythmus ist oder nach Stimmung: ehrlich gesagt eher nach Stimmung mit Tendenz zum Rhythmus? ich röst die Bete wenn ich sie eh im Haus hab, meistens sonntags wenn ich sowieso koche. kein Trainings-Bezug. ich ess sie nicht weil Ausfahrt, ich ess sie weil sie gut aussieht und der Ofen eh an ist. und ich glaub das ist genau der Unterschied zu @rennradrenate - du hast ein Protokoll um die Bete herum gebaut, ich hab die Bete in einen Alltag eingebaut der sowieso schon existiert. ob das für die Nitratfrage relevant ist weiß ich nicht. aber es bedeutet dass ich den Effekt grundsätzlich nicht isolieren kann, nicht mal theoretisch.

Zitat von rennradrenate

was bringt mir eine messbare Wirkung, die unterhalb meiner Wahrnehmungsschwelle liegt

das find ich eigentlich den interessantesten Satz seit langem hier. weil er das Konzentrat-Argument ein bisschen von innen aushöhlt, ohne dass du das so gemeint hast glaub ich.

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less is more ?

Zitat von jana_w

von innen aushöhlt, ohne dass du das so gemeint hast

Doch, ich hab das so gemeint - aber nicht als Argument gegen die Rote Bete, sondern gegen die Art wie wir hier über Konzentrat diskutieren. Das ist ein Unterschied. Was mich an deiner Antwort aber wirklich weiterbringt ist das mit dem Sonntags-Kochen. Du hast die Bete in einen Alltag eingebaut der eh schon läuft, kein Protokoll drum herum. Ich frag mich jetzt ob das nicht die ehrlichere Herangehensweise ist - nicht weil Protokolle schlecht sind, sondern weil dein Weg die Konsequenz hat, dass du nicht aufhören kannst ohne es zu merken. Du hast kein Ritual das man weglassen kann. Die Bete ist einfach da, weil der Ofen an ist. Bei mir ist das anders strukturiert, und ich glaube das erzeugt auch eine Art Erwartungshaltung die ich vorher unterschätzt habe. Wenn ich morgens das Konzentrat nehme, erwarte ich was. Und das verändert schon, wie ich die ersten Kilometer wahrnehme. Das ist kein neues Problem, das ist Sportpsychologie-Grundkurs. Aber konkret gesagt: ich hab das bei mir noch nie so direkt formuliert wie gerade eben.

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Rennrad ist kein Hobby, das ist Therapie.

Zitat von rennradrenate

ich hab das bei mir noch nie so direkt formuliert wie gerade eben

okay das ist tatsächlich der erste Moment im ganzen Thread wo ich das Gefühl hab dass hier was aufgeht das vorher nicht da war. und ich find's ein bisschen ironisch dass das ausgerechnet über mein chaotisches Sonntags-Kochen passiert. aber @markus_b82 - jetzt zitier ich dich doch nochmal weil mich das nicht loslässt:

Zitat von markus_b82

die werden hier gerade still fusioniert

ich glaub du hast recht dass die Fragen fusioniert werden, aber ich glaub nicht dass das aus Denkfaulheit passiert. ich glaub das passiert weil "wirkt es" ohne Alltagskontext eine Frage ist die für uns hier strukturell nicht beantwortbar ist - und die Leute dann halt mit der Frage weitermachen die sie beantworten können. das ist nicht dasselbe wie die Fragen gleichzusetzen. was mich gerade mehr beschäftigt als die Nitrat-Frage: @rennradrenate du sagst du erwartest was wenn du das Konzentrat nimmst. ich frag mich ob das auch umgekehrt funktioniert - also ob du an Tagen wo irgendwas nicht stimmt das Konzentrat trotzdem nimmst und dann weniger erwartest. oder ob die Erwartung immer gleich hoch ist egal wie du drauf bist. weil wenn die Erwartung variiert, dann ist das eigentlich der interessantere Hebel als alles was wir über Nitrat geredet haben.

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less is more ?

Zitat von jana_w

ob du an Tagen wo irgendwas nicht stimmt das Konzentrat trotzdem nimmst und dann weniger erwartest

Jetzt fragst du was, @jana_w. Das ist nämlich genau das Problem - ich nehm das Zeug morgens immer, egal wie ich drauf bin. Wenn ich schlecht geschlafen hab oder die Knie zwicken, nehm ich's trotzdem. Und dann merke ich natürlich sofort dass die Ausfahrt blöd läuft. Aber ich weiß dann nicht ob das vom Schlaf kommt oder weil ich unbewusst weniger erwartet hab von mir selbst. Das mit der Erwartung ist halt tückisch. @rennradrenate hat das gerade gut gesagt - sie erwartet was wenn sie das Konzentrat nimmt. Aber ob die Erwartung sinkt wenn's ihr eh nicht gut geht - das kann sie selbst nicht wissen. Und das ist kein kleines Detail, das ist das ganze Ding. Bei mir war's so - ich hab vor Jahren angefangen, nach dem Laufen immer einen Apfelsaft zu trinken. Nicht weil ich was drüber gelesen hätte, sondern weil mein Körper das verlangt hat. Aber nach ner Weile hab ich gemerkt dass ich auch ohne Saft ganz normal regeneriere. Ich hab das Ritual einfach irgendwann weggelassen und seitdem ist mir kein Unterschied aufgefallen. Das heißt aber nicht dass der Saft nichts gebracht hat damals - sondern nur dass mein Körper inzwischen anders läuft. Vielleicht ist das die echte Frage hier. Nicht ob die Rote Bete wirkt, sondern ob dein Körper sie noch *braucht* oder ob sie nur noch ein Ritual ist das sich richtig anfühlt.

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