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Rote Bete und Magen – wie lange braucht man bis man's verträgt?

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ich frag mich das gerade wirklich. Hab jetzt seit ungefähr sechs Wochen regelmäßig Rote Bete drin im Alltag, mal als Saft von Betanio PLUS, mal die ganze Knolle gekocht zum Abendessen. Die ersten zwei Wochen war mein Magen ehrlich gesagt ziemlich ungnädig. Nicht dramatisch, aber so ein dumpfes Drücken nach dem Essen, manchmal auch Blähungen. Hab das meiner Frau erzählt und sie hat nur gelacht. Jetzt ist es besser. Viel besser sogar. Ich merk kaum noch was. Die Frage die ich mir stelle: war das einfach Gewöhnung? Oder hab ich in den ersten Wochen unbewusst zu viel davon gegessen weil ich dachte viel hilft viel? Betanio PLUS hat da ja keine genaue Empfehlung drauf die wirklich handfest ist. Da steht was von "täglich" aber wieviel genau ist halt Auslegungssache. Ich kenn das Phänomen ein bisschen von Hülsenfrüchten - da braucht der Körper auch eine Weile bis er die Enzyme aufgebaut hat oder was auch immer da passiert. Ob das bei Rote Bete ähnlich läuft weiß ich nicht. Meine Hausärztin hab ich das noch nicht gefragt, die ist eh skeptisch was sowas angeht. Was mich auch interessiert: Hat jemand den Unterschied gemerkt zwischen ganzer Knolle und Saft in Sachen Magenverträglichkeit? Ich hab das Gefühl dass mir die Knolle besser bekommt aber das kann auch Einbildung sein weil ich die irgendwie als "echter" wahrnehme. Saft geht halt rein wie nix und vielleicht ist das für den Magen tatsächlich heftiger. Heute ist Dienstag, komm grad von der Frühschicht, hab direkt nach dem Aufstehen 100ml Betanio genommen und bis jetzt nix gemerkt. Vor sechs Wochen hätte mich das den halben Vormittag gekostet.

@rote_socke_83 der Punkt mit dem Hülsenfrucht-Vergleich ist eigentlich gar nicht so weit hergeholt. Bei Hülsenfrüchten ist das Microbiom-Thema ziemlich gut belegt - die Darmbakterien, die kurzkettige Fettsäuren aus Ballaststoffen produzieren, brauchen schlicht Zeit um sich zu vermehren. Ob bei Rote Bete was Vergleichbares passiert, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Hast du da eine Quelle für? Ich hab bisher nix gefunden das das direkt adressiert. Was mich an deiner Beschreibung aber mehr interessiert als die Gewöhnungsfrage: du sagst, die Knolle verträgt sich besser als der Saft. Das wäre eigentlich plausibel, weil bei der ganzen Knolle die Ballaststoffe die Nitrataufnahme bremsen und damit vielleicht auch den osmotischen Effekt im Darm dämpfen. Beim Saft geht halt alles auf einmal rein. Das ist wissenschaftlich nicht haltbar als Behauptung von mir jetzt - ich spekuliere das nur aus dem was ich über Resorptionskinetik gelesen hab, konkret in einem Review zu Nitrat-Supplementen von Lansley et al. (2011) war das zumindest ein Randthema. Ich hab selbst damals beim Test mit Betanio ähnliches gehabt, die ersten Tage war der Magen komisch, aber ich hab das nie sauber getrennt ob das am Saft lag oder daran dass ich gleichzeitig mein Trainingsvolumen hochgezogen hatte. Schlechte Versuchsanordnung quasi. Deine Hausärztin wäre da vielleicht doch einen Versuch wert, auch wenn sie skeptisch ist - allein wegen der Blähungen, falls das nochmal schlimmer wird.

@markus_b82 der Punkt mit dem osmotischen Effekt ist interessant, den hab ich so noch nicht gedacht. Ich kann mir das bildlich vorstellen: die Knolle gibt den Stoff irgendwie dosierter ab weil da noch Struktur drumherum ist. Ob das stimmt, keine Ahnung, aber es fühlt sich logisch an.

Zitat von markus_b82

ich hab das nie sauber getrennt ob das am Saft lag oder daran dass ich gleichzeitig mein Trainingsvolumen hochgezogen hatte

Das ist eigentlich mein Problem auch. Ich hab in den sechs Wochen gleichzeitig die Ausfahrten länger gemacht, anderes Essen, mehr Stress auf der Arbeit wegen Urlaubsvertretung. Wie soll man da sauber trennen was was gemacht hat. Kann ich so nicht unterschreiben dass ich das "getestet" hab, das war eher trial and error ohne Kontrolle. Was mich aber gerade beschäftigt: ich hab die Menge nie wirklich konstant gehalten. Mal 100ml Betanio, mal mehr, mal dazwischen die Knolle. Vielleicht ist das Muster gar nicht die Gewöhnung sondern einfach die Unregelmäßigkeit. Wenn der Körper nie weiß was kommt, reagiert er vielleicht empfindlicher. Das kenn ich von Kaffee - wenn ich tage lang keinen trinke und dann wieder anfange ist der Magen auch kurz mies. Zur Hausärztin: ich frag sie vielleicht mal zwischen Tür und Angel. Aber ich erwart da nicht viel, die hat schon beim Thema Kreatin nur die Augen verdreht.

@rote_socke_83 der Kaffee-Vergleich ist eigentlich interessant, weil da ein anderer Mechanismus dahintersteckt - bei Kaffee ist das eher eine Toleranzfrage auf Rezeptorebene, nicht Mikrobiom. Aber die Grundidee, dass Unregelmäßigkeit den Magen mehr reizt als die Substanz selbst, die könnte trotzdem stimmen. Hab dafür keine Quelle parat, das ist auch nur eine Vermutung. Was mich an deiner Schilderung aber gerade mehr beschäftigt: du hast nie eine Baseline gehabt. Kein einziger Zeitraum wo wirklich alles andere konstant war. Das macht es faktisch unmöglich, dem Betanio irgendetwas zuzuschreiben - weder positiv noch negativ. Ich sag das nicht um zu nörgeln, ich hab dasselbe Problem bei mir selbst gehabt.

Zitat von rote_socke_83

die hat schon beim Thema Kreatin nur die Augen verdreht

Das kenn ich. Meine hat beim Thema Nitrat-Supplementierung auch erstmal gefragt ob ich "irgendeinen Grund" dafür hab. Aber ich würd trotzdem nicht komplett drauf verzichten wenn die Blähungen wiederkommen, weil es eben auch andere Ursachen geben kann die man abklären sollte, unabhängig von Rote Bete. Eine Sache die ich noch nicht gesehen hab hier im Thread: hast du mal geschaut ob du Betain-empfindlich bist? Das ist ein anderer Wirkstoff in Roter Bete, der auch Magenreaktionen auslösen kann, unabhängig vom Nitrat. Da gibt es tatsächlich individuelle Unterschiede.

@markus_b82 Betain-empfindlich - das ist ein Begriff den ich so gar nicht kannte. Ich hab jetzt kurz gegoogelt und ehrlich gesagt finde ich da nicht viel was handfest ist. Gibt es da irgendwas Konkretes das du gelesen hast oder ist das auch eher eine Vermutung? Weil das wäre dann ja ein drittes Thema neben Nitrat und Ballaststoffen. Ich dachte immer Rote Bete ist im Grunde Rote Bete - aber anscheinend ist da mehr drin als ich gedacht hab.

Zitat von markus_b82

hast du mal geschaut ob du Betain-empfindlich bist

Das Problem ist: wie soll ich das überhaupt rausfinden ohne sowas gezielt zu testen. Ich kann ja schlecht drei Wochen nur Betain nehmen und schauen was passiert. Ich bin kein Labormensch ich fahr Rad und versuch halbwegs vernünftig zu essen. Punkt. Was mich gerade beschäftigt - wenn Betain tatsächlich eigenständig Magenreaktionen auslösen kann, dann wäre das ja auch in der ganzen Knolle drin. Dann würde meine Beobachtung dass die Knolle besser verträglich ist gar nicht mehr passen. Es sei denn die Menge im Saft-Konzentrat ist wirklich deutlich höher. Weiß das jemand hier überhaupt?

Zitat von rote_socke_83

wäre das ja auch in der ganzen Knolle drin

Ja, das stimmt - und das ist eigentlich der Punkt, der meine eigene Betain-These ein bisschen ins Wanken bringt, wenn ich ehrlich bin. Ich hab das zu vorschnell in den Raum gestellt. Zur Konzentrationsfrage: ich hab letztens in den Produktinfos von Betanio PLUS nachgeschaut, da steht nichts Konkretes zur Betain-Menge drin. Das ist schon etwas nervig, weil man dann einfach nicht rechnen kann. Bei einer ganzen Knolle, mittlere Größe, liegt der Betain-Gehalt irgendwo um 150-200mg laut USDA-Datenbank, das hab ich mal rausgefischt als ich das für was anderes gebraucht hab. Was in 100ml Betanio PLUS steckt - keine Ahnung, da bräuchte man die tatsächlichen Laborwerte. Hast du da eine Quelle für, @rote_socke_83? Ich hab nix gefunden das die beiden direkt vergleicht. Das Problem mit deiner Selbstbeobachtung "Knolle verträgt sich besser" ist halt: du hast nie zu identischen Zeitpunkten verglichen, unterschiedliche Mengen, unterschiedliche Tageszeiten vermutlich auch. Das ist wissenschaftlich nicht haltbar als Schluss. Ich sag das nicht um zu nerven - ich steck selbst in derselben Zwickmühle wenn ich über meine eigenen Erfahrungen mit dem Produkt nachdenke. Was ich noch nicht weiß und was mich gerade beschäftigt: reagiert der Magen auf Betain eigentlich dosisabhängig oder ist das eher ein binäres Ding - entweder man verträgt es oder nicht. Das wäre eigentlich entscheidend für die ganze Konzentrations-Diskussion.

Zitat von markus_b82

reagiert der Magen auf Betain eigentlich dosisabhängig oder ist das eher ein binäres Ding

Das ist eigentlich die Frage die mich auch gerade festhält. Ich hab keine Ahnung ob das einer von beiden weiß hier im Forum. Aber rein aus dem Bauch raus würd ich sagen: dosisabhängig macht mehr Sinn. Weil sonst müsste ich ja bei jeder Portion Knolle gleich reagieren - und das tu ich nicht. Manchmal nix, manchmal leichtes Drücken. Kann aber auch an der Tagesform liegen, was ich vorher gegessen hab, keine Ahnung. Was ich noch interessant find: @markus_b82 du hast die USDA-Datenbank erwähnt. Das ist eigentlich ein Anhaltspunkt den ich nie gedacht hätte zu nutzen. Ich hab das eben kurz aufgemacht - stimmt, da steht was um die 128mg pro 100g Rote Bete, roh. Gekocht dürfte das nochmal anders aussehen je nach Garmethode. Ob Betanio PLUS da drüber oder drunter liegt, weiß ich nicht, die machen da echt keine Angaben. Das find ich bei dem Preis schon eine Zumutung ehrlich gesagt. Zur USDA-Zahl noch: die ist für rohe Bete. Ich ess die eigentlich immer gekocht. Ob Betain hitzeempfindlich ist hab ich keine Ahnung. Das wäre dann nochmal eine Variable die das ganze Vergleichen zusätzlich unbrauchbar macht.

@rote_socke_83 die Frage ob Betain hitzeempfindlich ist, hab ich eben kurz recherchiert - und das ist tatsächlich nicht so eindeutig wie man denken würde. Betain gilt als relativ hitzestabil verglichen mit zum Beispiel Vitamin C, aber "relativ" ist da das entscheidende Wort. Ich hab in der USDA-Datenbank selbst keinen direkten Vergleichswert roh vs. gekocht gefunden, die listen das nicht konsequent aufgeschlüsselt. Wenn du da was findest, wär ich neugierig.

Zitat von rote_socke_83

die machen da echt keine Angaben

Das nervt mich ehrlich gesagt auch. Bei dem was Betanio PLUS kostet erwarte ich zumindest eine vollständige Nährwertdeklaration mit Betain-Gehalt. Das ist keine Spezialinfo, das ist Basisangabe. Wenn ich als Entwickler ein Produkt ohne Dokumentation ausliefern würde, wäre das schlicht nicht abnahmefähig. Gleiches Prinzip. Was mich jetzt aber wirklich interessiert, und das ist ein Punkt der im Thread noch nicht aufgetaucht ist: Betain wird ja auch als eigenständiges Supplement verkauft, Betainhydrochlorid zum Beispiel, mit konkreten Dosierungsangaben. Die liegen teilweise bei 500mg und mehr pro Portion. Wenn die ganze Knolle irgendwo um 130mg liegt und der Saft nicht transparent ist - dann ist die Frage ob du mit Betanio überhaupt in Bereiche kommst wo Betain physiologisch relevant wird, positiv wie negativ. Das würde die ganze Magenreaktions-Diskussion nochmal verschieben. Hast du da eine Quelle für die tatsächliche Wirkdosis von Betain auf den GI-Trakt?

Zitat von markus_b82

ob du mit Betanio überhaupt in Bereiche kommst wo Betain physiologisch relevant wird

Das ist eigentlich der Punkt der mich gerade aufweckt. Ich hab die ganze Zeit darüber nachgedacht ob der Magen reagiert - aber ich hab nie gefragt ob die Menge die ich nehme überhaupt irgendwas auslösen kann. Weder positiv noch negativ. Das ist ein bisschen wie wenn ich 30ml Bier trinke und mich frage warum ich nicht beschwipst bin. Zur Wirkdosis auf den GI-Trakt hab ich keine Quelle. Ich bin kein Ernährungswissenschaftler, ich fahr Rad. Punkt. Aber der Vergleich mit Betainhydrochlorid als eigenständiges Supplement - das hab ich gar nicht auf dem Schirm gehabt. Wenn die da mit 500mg oder mehr reingehen und ich mit vielleicht 130mg aus ner Knolle, dann ist das eine andere Liga. Was mich da aber noch beschäftigt: Betainhydrochlorid wird ja oft als Magensäure-Unterstützung verkauft, hab ich mal irgendwo gelesen. Wenn das stimmt, dann ist die Richtung komplett anders als ich gedacht hab. Nicht Magen-Irritation durch zu viel, sondern vielleicht sogar Unterstützung der Verdauung. Dann wäre meine Anfangsbeschwerden noch weniger mit Betain erklärbar. @markus_b82 ich glaub wir haben uns da in eine Ecke diskutiert wo wir ehrlich gesagt beide nicht wirklich Boden unter den Füßen haben.

Zitat von rote_socke_83

wir haben uns da in eine Ecke diskutiert wo wir ehrlich gesagt beide nicht wirklich Boden unter den Füßen haben

Ja. Das stimmt. Und das ist eigentlich das ehrlichste was in diesem Thread bisher gesagt wurde. Ich hätte die Betain-Schiene gar nicht erst so weit aufmachen sollen ohne vorher zu prüfen ob das überhaupt in relevanten Mengen vorliegt. Das war mein Fehler. Ich hab einen Begriff in den Raum gestellt und wir haben eine halbe Stunde daran weitergebaut ohne Fundament. Was mich aber gerade beschäftigt - und das ist tatsächlich ein anderer Winkel als bisher: Betainhydrochlorid als Magensäure-Supplement und Betain als Inhaltsstoff in Rote Bete sind chemisch nicht dasselbe. Das eine ist eine Salzsäure-Verbindung, das andere ist Trimethylglycin in freier Form. Die Wirkung auf den GI-Trakt ist entsprechend unterschiedlich. Dein Punkt mit der "Unterstützung der Verdauung" trifft da leider einen anderen Stoff. Hab das eben in einem älteren Examine-Eintrag zu Betain/TMG überflogen, die trennen das explizit. Das bedeutet: die Betain-Irritations-These ist weich, die Betain-als-Magensäure-Hilfe-These trifft einen anderen Wirkstoff, und wir sind faktisch wieder beim Anfang. Nitrat und Ballaststoffe als Ausgangshypothesen sind immer noch solider als alles was wir in den letzten paar Posts diskutiert haben. Was ich noch nicht gesehen hab hier: hat eigentlich jemand geschaut ob Betanio PLUS überhaupt nennenswert mehr Nitrat pro ml liefert als frisch gepresster Saft aus der Knolle? Weil wenn nicht, dann ist die ganze Produktdiskussion

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