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Rote Bete roh probiert – warum hat mich das niemand gewarnt?

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also ich hab das jetzt endlich mal gemacht. roh. direkt so aus der Hand gegessen nach dem Schälen - nur um zu checken wie groß der Unterschied zu gekocht wirklich ist. echt jetzt - das ist eine komplett andere Sache. viel erdiger, fast ein bisschen bitter, und dieser Biss... also weich ist das Ding nicht. hab das Samstag nach der Tour gemacht, war noch so im Tunnel vom Fahren und dachte halt mal probieren kostet nix. Geruch ist auch anders. Frisch geschält riecht die Knolle nach Erde und irgendwie nach... Keller? Klingt komisch aber so ists. Gekochte Bete ist ja eher süßlich, das kenn ich. Aber roh ist das wirklich was anderes im Mund. Was mich dann WIRKLICH überrascht hat: die Farbe unter den Nägeln danach. hab gedacht ich hab was mit der Hand und dann fiel mir ein... ach ja. wer also ne Verabredung hat direkt danach - Handschuhe anziehen beim Schälen. bin ich jetzt auch drauf reingefallen. zur Verträglichkeit kann ich noch nix Festes sagen weil ich das erst zweimal roh hatte. beim ersten Mal war da so ein leichtes Grummeln aber das könnte auch die Tour gewesen sein, weiß ich nicht. was ich mich frag: lohnt sich roh überhaupt wenn man an dem Nitrat-Ding interessiert ist? ein Kollege meinte, gekocht geht da viel verloren - aber der ist auch jemand der bei jedem Lebensmittel gleich in Extremen denkt. ich bin da skeptisch. vielleicht macht der Unterschied im Alltag kaum was aus wenn man eh regelmäßig isst. hat hier jemand das wirklich über längere Zeit roh gegessen und gemerkt obs einen Unterschied macht zum gekochten?

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Schaltwerk ölen ist auch Ernährung.

Zitat von derbär

lohnt sich roh überhaupt wenn man an dem Nitrat-Ding interessiert ist

Ich sag dir, das ist genau die Frage wo ich selbst noch nicht wirklich schlau draus bin. Die Logik "roh = mehr drin" klingt erstmal plausibel, aber Nitrat ist kein Vitamin C das bei Hitze einfach verschwindet. Das ist stabiler. Meine Hausärztin hat mal so nebenbei erwähnt dass die Bioverfügbarkeit eher von dem abhängt was der Körper draus macht im Mund - also Speichel, Bakterien und so. Nicht wirklich von roh vs. gekocht. Ob das stimmt, keine Ahnung, war kein tiefes Gespräch. Was mich bei deinem Post aber mehr erwischt hat: die Sache mit dem Grummeln. Weil ich genau das auch hatte beim ersten Mal roh, und hab's auch auf die Radtour geschoben. Ist vielleicht gar nicht die Knolle. Oder doch. Man weiß es halt nicht wenn man zwei Variablen auf einmal hat - anstrengende Tour plus unbekanntes Essen. Das mit der Farbe unter den Nägeln ist übrigens nach wie vor mein Lieblingsmoment wenn ich Leuten erzähl dass ich Rote Bete esse. Die Reaktionen sind Gold wert. Einmal beim Kollegen in der Schicht gedacht ich hab mich irgendwo geschnitten und dann erstmal gesucht wo die Wunde ist. Peinlich genug. Dein Kollege mit dem "bei jedem Lebensmittel in Extremen denken" - kenn ich den Typ. Kann ich so nicht unterschreiben dass gekocht wertlos ist. Das ist mir zu schwarz-weiß.

Zitat von rote_socke_83

die Bioverfügbarkeit eher von dem abhängt was der Körper draus macht im Mund

Das ist tatsächlich der interessantere Punkt in dieser ganzen roh-vs-gekocht-Debatte. Was deine Hausärztin da angesprochen hat, geht in Richtung der oralen Nitrat-Reduktion durch Bakterien - da gibt es einige Arbeiten dazu, u.a. aus der Gruppe von Andrew Jones (Exeter), die genau das untersucht haben. Die Kernaussage war sinngemäß: wenn du Mundspülung mit Antibiotika nimmst, kannst du den Nitrat-Effekt quasi aushebeln, weil die Bakterien fehlen die Nitrat zu Nitrit reduzieren. Das legt nahe, dass die Verarbeitungsform der Knolle weniger relevant ist als dieser orale Schritt. Konkret heißt das: roh essen bringt vermutlich nicht wesentlich mehr als gekocht, wenn die Nitratmenge ähnlich ist. Was verloren geht beim Kochen ist eher wasserlösliches Zeug, wenn man das Kochwasser wegschüttet. Dämpfen oder Backen dürfte da besser sein. Was mich beim ganzen Thread aber eher beschäftigt: @derbär schreibt "zweimal roh, einmal Grummeln" - das ist halt wirklich keine belastbare Aussage über Verträglichkeit. Ich hab das selbst über mehrere Wochen beobachtet (damals beim Testen von Betanio PLUS parallel zu frischer Knolle) und gemerkt, dass sich mein Verdauungssystem nach ca. 10 Tagen schlicht dran gewöhnt hatte. Vorher war da auch dieses leichte Ziehen. Ob roh da schlechter abschneidet als gekocht, konnte ich nicht isolieren weil ich zu viele Variablen gleichzeitig hatte - mein Trainingspensum war in dem Zeitraum auch unregelmäßig. Hast du da eine Quelle für den Hausärztinnen-Hinweis, @rote_socke_83? Würde mich interessieren ob das aus einem spezifischen Kontext kam.

@markus_b82 ehrlich gesagt: nein, ich hab keine Quelle. Das war wirklich ein Halbsatz am Rand einer U-Untersuchung für mein Jüngeres - da redet man halt nicht über Studiendesigns. Ich hab's mitgenommen weil es plausibel klang mehr nicht. Und jetzt kommst du mit Andrew Jones und Exeter und ich steh da wie jemand der "meine Hausärztin meinte" als Trumpfkarte ausgespielt hat. Punkt. Was mich an deiner Antwort aber tatsächlich triggert: die Sache mit dem Dämpfen. Das hab ich bisher nie so gedacht. Ich koch die Dinger immer komplett durch, im Topf, Wasser weg, fertig. Wenn da wirklich ein Unterschied ist - nicht beim Nitrat sondern beim Rest - dann wäre das eigentlich die einfachste Stellschraube die ich noch nicht ausprobiert hab.

Zitat von markus_b82

10 Tagen schlicht dran gewöhnt hatte

Das glaub ich dir. Aber ich frag mich ob das Gewöhnen wirklich Gewöhnung ist oder ob man nach 10 Tagen einfach aufhört drauf zu achten. Ich kenn das von mir selbst - wenn ich was neu einführe beobachte ich mich die ersten zwei Wochen wie ein Wissenschaftler und danach läuft das unter Autopilot. Dann "merke" ich automatisch weniger. @derbär: dein Kollege mit den Extremen hat übrigens in einer Sache recht - das Kochwasser wegschütten und dann fragen warum nix passiert ist tatsächlich ein bisschen konsequent zu Ende gedacht. Auch wenn er's wahrscheinlich anders meinte.

Zitat von rote_socke_83

ob das Gewöhnen wirklich Gewöhnung ist oder ob man nach 10 Tagen einfach aufhört drauf zu achten

Das ist eigentlich eine faire Kritik, und ich geb's zu - ich hab da keinen wirklich sauberen Beobachtungsrahmen gehabt. Kein Tagebuch, kein Protokoll, nur subjektive Wahrnehmung. Insofern ist mein "10 Tage" auch nur eine Hausnummer. Was mich bei deinem Post aber mehr beschäftigt ist der Autopilot-Effekt den du beschreibst. Den kenn ich aus der Softwareentwicklung eigentlich gut - wenn man ein neues Tool einführt, merkt man die ersten zwei Wochen jeden kleinen Bug. Danach normalisiert sich die Wahrnehmung, nicht unbedingt das Produkt. Ob das auf Körpersignale übertragbar ist? Keine Ahnung, aber die Analogie liegt nahe. Zum Dämpfen: ich hab das eine Weile so gemacht und fand's praktisch, weil man die Knolle danach auch besser händeln kann - weniger Farbchaos. Ob's messbar mehr bringt als Kochen, kann ich nicht sagen. Da müsste man schon Nitratgehalt im Gewebe vorher/nachher messen, und das ist im Heimversuch schlicht nicht machbar. @derbär hätte ich übrigens noch eine Frage die im Thread noch nicht aufkam: hast du die rohe Knolle direkt nach der Tour gegessen, also wirklich in dem Fenster wo der Körper eh alles aufnimmt was er kriegen kann? Weil das würde den Kontext nochmal verschieben.

Zitat von markus_b82

hast du die rohe Knolle direkt nach der Tour gegessen, also wirklich in dem Fenster

Das ist eigentlich der interessantere Winkel, den ich hier noch nicht gesehen hab. Nur würde ich das Timing-Argument kurz in Frage stellen: das "anabole Fenster" nach dem Training ist für Protein gut belegt, aber für Nitrat gibt es da, soweit ich weiß, keine spezifischen Daten. Die Konversion läuft ja nicht akut ab wie eine Glucoseaufnahme. Das wäre eher so, als würde man sagen, man nimmt Kreatin genau in dem Moment wo der Muskel warm ist. Klingt plausibel, ist aber nicht wirklich gestützt. Was mich gerade mehr beschäftigt ist der Gedanke von @rote_socke_83 mit dem Autopilot. Aus meiner Erfahrung in der Praxis ist das tatsächlich ein echtes Problem bei Selbstbeobachtung - wir nennen das manchmal Habituation der Körperwahrnehmung. Nach ein paar Wochen gleicht das Gehirn neue Signale einfach als Baseline ein. Das bedeutet nicht, dass sich nichts verändert hat, aber es bedeutet, dass die subjektive Wahrnehmung da schlicht kein verlässliches Instrument ist. Und genau deshalb sind Anekdoten für mich immer nur ein erster Hinweis, mehr nicht. @derbär: auf deine Ausgangsfrage hab ich ehrlich gesagt noch keine gute Antwort. Roh vs. gekocht ist weniger relevant als die meisten denken, das ist die Datenlage - aber wie viel du tatsächlich aufnimmst hängt von so vielen individuellen Faktoren ab dass pauschale Empfehlungen da ziemlich wackelig sind.

@markus_hh88 das mit der Habituation klingt erstmal nach Medizinersprech - aber wenn ich's runterbreche auf das was du sagst, ist das eigentlich nur eine schicke Formulierung für das was ich mit dem Autopilot meinte. Also da sind wir uns einig. Was mich aber triggert: du sagst "Anekdoten sind nur ein erster Hinweis" - ja, und dann? Was kommt für dich danach? Weil für mich als jemand der nicht im Labor arbeitet und auch nicht vorhab das zu tun, ist die Anekdote halt das Einzige was ich hab. Ich kann nicht meinen Nitratgehalt im Gewebe messen. Ich kann auch nicht doppelblind meine eigene Ernährung testen.

Zitat von markus_hh88

pauschale Empfehlungen da ziemlich wackelig sind

Ja. Das stimmt. Aber wackelig ist nicht dasselbe wie wertlos. Ich mein fast alle Alltagsentscheidungen die ich treffe sind auf wackeligem Boden. Schichtplan, Kinderernährung, wann ich welche Ausrüstung kaufe - das läuft nie auf gesicherte Datenlage. Was mich gerade eher beschäftigt - und das ist ein Gedanke der mir jetzt grade erst kommt - ist ob wir hier eigentlich die falsche Frage stellen. Roh vs. gekocht, Timing, Bioverfügbarkeit. Vielleicht ist die relevantere Frage schlicht: isst man es überhaupt regelmäßig oder nicht. Alles andere ist Feinoptimierung an einer Basis die die meisten Leute nicht mal haben. @derbär hat die Knolle zweimal roh gegessen. Ich find das ehrlicher als jemand der dreimal im Jahr eine Portion nimmt und dann über Nitratfenster redet.

Zitat von markus_hh88

pauschale Empfehlungen da ziemlich wackelig sind

Das stimmt, aber @rote_socke_83 hat da gerade einen Punkt gemacht den ich nicht einfach übergehen kann: wackelig ist nicht wertlos. Das ist eigentlich die klarste Zusammenfassung des Problems mit der ganzen "wir brauchen Daten"-Haltung die ich selbst auch oft einnehme. Was mich an @rote_socke_83s letztem Absatz aber wirklich beschäftigt ist die Folgefrage dahinter. Wenn Regelmäßigkeit die relevantere Variable ist als roh vs. gekocht oder Timing - und das klingt für mich plausibel, auch wenn ich dafür keine Quelle hab - dann ist die interessantere Frage: was sorgt bei jemandem dafür, dass er es überhaupt beibehält? Nicht als Moral, sondern ganz pragmatisch. Ich hab gemerkt dass ich Rote Bete deutlich regelmäßiger esse wenn sie irgendwie integriert ist, also Salat, Suppe, gerieben auf was drauf, und nicht wenn ich sie bewusst als "jetzt mach ich Nitrat" esse. Das zweite hält bei mir nie länger als zwei Wochen. @markus_hh88 hätte ich noch eine konkrete Frage zu dem was du über Habituation der Körperwahrnehmung geschrieben hast: gibt es da einen Unterschied zwischen physiologischer Habituation (der Körper reagiert tatsächlich weniger) und kognitiver (man registriert die Reaktion nicht mehr)? Weil das wäre für die Selbstbeobachtungs-Frage eigentlich entscheidend. Hast du da eine Quelle für?

@markus_b82 die Frage die du an markus_hh88 stellst finde ich eigentlich interessanter als die Antwort die da kommen wird. Weil wenn da ein echter Unterschied ist zwischen "der Körper reagiert weniger" und "du merkst's nur nicht mehr" - dann ändert das halt alles daran wie man Selbstbeobachtung überhaupt bewerten soll. Das eine wäre dann ein echtes physiologisches Ding das andere wäre einfach Aufmerksamkeit. Und die kann ich selbst steuern.

Zitat von markus_b82

regelmäßiger esse wenn sie irgendwie integriert ist

Ja, das kenn ich. Draußen ist es heute Abend noch warm, ich hab vorhin so nebenbei Rote Bete auf ein Brot gerieben und erst hinterher gedacht - ah, hab ich gemacht. Wenn ich aktiv drüber nachdenke, passiert's seltener. Das ist vielleicht die ehrlichste Aussage die ich im ganzen Thread machen kann. Was mich dabei aber jetzt tatsächlich beschäftigt: wenn Gewohnheit über Optimierung geht - warum reden wir dann im Forum eigentlich immer zuerst über Nitratfenster und Bioverfügbarkeit? Ich mach das selbst. Ich fang mit der Feinoptimierung an obwohl ich noch nicht mal die Basis habe. Weiß nicht ob das ein Forum-Ding ist oder ein Mensch-Ding. Wahrscheinlich beides. @derbär hat jedenfalls mehr gemacht als geredet, das muss man sagen.

Zitat von rote_socke_83

warum reden wir dann im Forum eigentlich immer zuerst über Nitratfenster und Bioverfügbarkeit

Das ist eine ehrliche Selbstkritik, und ich nehm sie mit. Ich glaub das ist ein Selektionseffekt - wer ins Forum geht, macht das weil er optimieren will, nicht weil er einfach was essen will. Die Leute die einfach regelmäßig Rote Bete essen weil's ihnen schmeckt, schreiben hier wahrscheinlich gar nichts. Die brauchen keine Diskussion. Was mich an deinem letzten Satz zu @derbär aber eigentlich mehr beschäftigt: du sagst, er hat mehr gemacht als geredet. Das stimmt. Nur ist "zweimal roh probiert nach der Tour" auch eine sehr spezifische Situation. Roh aus der Hand nach körperlicher Belastung, wahrscheinlich leerer Magen oder nahezu, und dann Grummeln. Das wäre bei vielen Dingen ein Problem, nicht nur bei Rote Bete. Ich hab mal eine Phase gehabt wo ich nach langen Läufen alles mögliche getestet hab was ich vorher nie roh gegessen hätte - das endet fast immer irgendwie unschön, unabhängig vom Lebensmittel. Darmtrakt ist nach intensiver Belastung halt nicht in Aufnahmelaune für Rohkost. Was ich eigentlich sagen wollte: die Ausgangsfrage von @derbär, ob sich roh überhaupt lohnt wenn man am Nitrat-Effekt interessiert ist, ist vielleicht gar nicht beantwortbar ohne zu wissen unter welchen Bedingungen er es überhaupt isst. Kontext fehlt da noch.

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