Regeneration messen statt fühlen – wie testet ihr das methodisch?
Zitat von markus_b82 am Juli 3, 2026, 18:23 Uhr@rennradhorst der letzte Punkt, den du machst, ist tatsächlich neu für mich in dieser Diskussion.
Zitat von rennradhorstausgerechnet da die Eigenwahrnehmung am schlechtesten ist
Das hat mich grad echt erwischt, weil ich glaube das stimmt - und ich hab noch nie so darüber nachgedacht. Nach einem 18-km-Lauf mit Tempoläufen bin ich so durch, dass ich wahrscheinlich gar nicht mehr fein genug unterscheide ob ich jetzt "gut erholt" oder "okay erholt" bin. Ich bin einfach platt und dann weniger platt. Wo genau auf der Skala das landet, das entzieht sich mir komplett. Was das für den ganzen Selbsttest-Ansatz bedeutet, ist eigentlich ziemlich ernüchternd: die Intensitätsstufen, bei denen ein Konzentrat vielleicht wirklich etwas tun würde, sind genau die, bei denen unsere Wahrnehmung am grobkörnigsten ist. Und bei lockeren Einheiten, wo wir feiner wahrnehmen könnten, brauchen wir es vielleicht gar nicht. Ich weiß nicht ob das ein Argument gegen solche Produkte ist oder einfach ein Argument dafür, dass Selbsttests in diesem Kontext strukturell fast unbrauchbar sind - unabhängig vom Produkt. Was ich mich dabei frage: gibt es überhaupt eine Intensitätsstufe, bei der Eigenwahrnehmung zuverlässig genug wäre um irgendwas zu messen? Ich hab das Gefühl, die Antwort ist nein, aber vielleicht hat jemand dazu eine Quelle oder wenigstens eine fundierte Einschätzung.
@rennradhorst der letzte Punkt, den du machst, ist tatsächlich neu für mich in dieser Diskussion.
Zitat von rennradhorstausgerechnet da die Eigenwahrnehmung am schlechtesten ist
Das hat mich grad echt erwischt, weil ich glaube das stimmt - und ich hab noch nie so darüber nachgedacht. Nach einem 18-km-Lauf mit Tempoläufen bin ich so durch, dass ich wahrscheinlich gar nicht mehr fein genug unterscheide ob ich jetzt "gut erholt" oder "okay erholt" bin. Ich bin einfach platt und dann weniger platt. Wo genau auf der Skala das landet, das entzieht sich mir komplett. Was das für den ganzen Selbsttest-Ansatz bedeutet, ist eigentlich ziemlich ernüchternd: die Intensitätsstufen, bei denen ein Konzentrat vielleicht wirklich etwas tun würde, sind genau die, bei denen unsere Wahrnehmung am grobkörnigsten ist. Und bei lockeren Einheiten, wo wir feiner wahrnehmen könnten, brauchen wir es vielleicht gar nicht. Ich weiß nicht ob das ein Argument gegen solche Produkte ist oder einfach ein Argument dafür, dass Selbsttests in diesem Kontext strukturell fast unbrauchbar sind - unabhängig vom Produkt. Was ich mich dabei frage: gibt es überhaupt eine Intensitätsstufe, bei der Eigenwahrnehmung zuverlässig genug wäre um irgendwas zu messen? Ich hab das Gefühl, die Antwort ist nein, aber vielleicht hat jemand dazu eine Quelle oder wenigstens eine fundierte Einschätzung.
Zitat von rennradhorst am Juli 3, 2026, 19:12 UhrZitat von markus_b82gibt es überhaupt eine Intensitätsstufe bei der Eigenwahrnehmung zuverlässig genug wäre
ich glaub die Frage stellt sich für mich gar net so. Weil ich inzwischen merke dass ich nicht die Regeneration nach einer einzelnen Einheit messe - sondern ob ich überhaupt Lust hab auf die nächste. Das ist vielleicht der einzige Indikator der bei mir wirklich konstant ist. Wenn ich Montag früh aufwach und denk "ich fahr heute Abend gerne eine Stunde" dann war Sonntag gut. Wenn ich denk "bitte net", dann war irgendwas falsch, egal ob Schlaf, Essen, oder zu viel Belastung. Das ist jetzt kein wissenschaftlicher Marker das weiß ich. Aber der ist zumindest stabil - der springt net rum wie HRV wegen einem schlechten Schlaf oder Stress mit nem Kunden. Der ist so grob dass er Kleinkram rausfiltert. Was mich bei @markus_b82 s letztem Post aber beschäftigt: du fragst ob jemand eine Quelle hat. Ich hab keine, ehrlich gesagt. Meine Hausärztin hat mal was gesagt über Belastungswahrnehmung nach 50, dass das Nervensystem da anders reagiert als mit 30, aber das war so ein Nebensatz und ich hab net nachgefragt. Vielleicht wär das mal ein Thema für sich. Und ob Selbsttests "strukturell fast unbrauchbar" sind - da bin ich net ganz dabei. Unbrauchbar für ne Doktorarbeit ja. Aber ich fahr seit 20 Jahren Rad und hab ein Gefühl dafür entwickelt was meinem Körper gut tut, das kommt halt nicht aus einer Studie sondern aus Wiederholung. Ob das zählt ist ne andere Frage.
Zitat von markus_b82gibt es überhaupt eine Intensitätsstufe bei der Eigenwahrnehmung zuverlässig genug wäre
ich glaub die Frage stellt sich für mich gar net so. Weil ich inzwischen merke dass ich nicht die Regeneration nach einer einzelnen Einheit messe - sondern ob ich überhaupt Lust hab auf die nächste. Das ist vielleicht der einzige Indikator der bei mir wirklich konstant ist. Wenn ich Montag früh aufwach und denk "ich fahr heute Abend gerne eine Stunde" dann war Sonntag gut. Wenn ich denk "bitte net", dann war irgendwas falsch, egal ob Schlaf, Essen, oder zu viel Belastung. Das ist jetzt kein wissenschaftlicher Marker das weiß ich. Aber der ist zumindest stabil - der springt net rum wie HRV wegen einem schlechten Schlaf oder Stress mit nem Kunden. Der ist so grob dass er Kleinkram rausfiltert. Was mich bei @markus_b82 s letztem Post aber beschäftigt: du fragst ob jemand eine Quelle hat. Ich hab keine, ehrlich gesagt. Meine Hausärztin hat mal was gesagt über Belastungswahrnehmung nach 50, dass das Nervensystem da anders reagiert als mit 30, aber das war so ein Nebensatz und ich hab net nachgefragt. Vielleicht wär das mal ein Thema für sich. Und ob Selbsttests "strukturell fast unbrauchbar" sind - da bin ich net ganz dabei. Unbrauchbar für ne Doktorarbeit ja. Aber ich fahr seit 20 Jahren Rad und hab ein Gefühl dafür entwickelt was meinem Körper gut tut, das kommt halt nicht aus einer Studie sondern aus Wiederholung. Ob das zählt ist ne andere Frage.
Zitat von markus_b82 am Juli 3, 2026, 19:33 UhrZitat von rennradhorstob ich überhaupt Lust hab auf die nächste
Das ist ehrlich gesagt der unerwartete Gedanke in diesem Thread. Weil der Indikator "will ich morgen wieder" eigentlich eine ganz andere Qualität hat als HRV oder Muskelkater-Skalen - nämlich eine motivationale, nicht eine physiologische. Und die Frage ist, ob die überhaupt dasselbe messen. Ich könnte mir vorstellen, dass die auseinanderfallen. Wenn ich Freitag abend erschöpft vom Job nach Hause komme und der Körper eigentlich okay wäre, sag ich trotzdem "bitte kein Training morgen früh". Und umgekehrt: ich hab Tage, wo ich physisch echt noch nicht ready war, aber trotzdem raus wollte, weil das Wetter gepasst hat oder ich Dampf ablassen musste. Das ist dann kein Regenerationsmarker mehr, das ist Psychologie. Was mich bei deinem Punkt mit der Hausärztin beschäftigt: "Nervensystem reagiert anders nach 50" - hast du da irgendwas nachgefragt oder nachgelesen? Das würde mich schon interessieren, nicht als Hausmittelandekdote, sondern ob es dazu irgendwas Vernünftiges gibt. Ich bin jetzt 42, und ich merke tatsächlich, dass ich mehr Vorlaufzeit brauche als mit 35, aber ich kann nicht sagen, ob das Training, Lebensumstände oder wirklich Biologie ist. Und zur Frage, ob Selbsttests unbrauchbar sind - ich glaub, wir meinen vielleicht nicht dasselbe, wenn wir "testen" sagen. Zwanzig Jahre Erfahrung sind kein Test, das ist Kalibrierung. Das ist was anderes. Edit: Kleine Klarstellung - mit "Kalibrierung" meine ich, dass man durch lange Erfahrung lernt, die Signale des eigenen Körpers zu lesen. Das ist natürlich nicht objektiv messbar, aber für die persönliche Trainingsplanung möglicherweise aussagekräftiger als ein einzelner HRV-Wert.
Zitat von rennradhorstob ich überhaupt Lust hab auf die nächste
Das ist ehrlich gesagt der unerwartete Gedanke in diesem Thread. Weil der Indikator "will ich morgen wieder" eigentlich eine ganz andere Qualität hat als HRV oder Muskelkater-Skalen - nämlich eine motivationale, nicht eine physiologische. Und die Frage ist, ob die überhaupt dasselbe messen. Ich könnte mir vorstellen, dass die auseinanderfallen. Wenn ich Freitag abend erschöpft vom Job nach Hause komme und der Körper eigentlich okay wäre, sag ich trotzdem "bitte kein Training morgen früh". Und umgekehrt: ich hab Tage, wo ich physisch echt noch nicht ready war, aber trotzdem raus wollte, weil das Wetter gepasst hat oder ich Dampf ablassen musste. Das ist dann kein Regenerationsmarker mehr, das ist Psychologie. Was mich bei deinem Punkt mit der Hausärztin beschäftigt: "Nervensystem reagiert anders nach 50" - hast du da irgendwas nachgefragt oder nachgelesen? Das würde mich schon interessieren, nicht als Hausmittelandekdote, sondern ob es dazu irgendwas Vernünftiges gibt. Ich bin jetzt 42, und ich merke tatsächlich, dass ich mehr Vorlaufzeit brauche als mit 35, aber ich kann nicht sagen, ob das Training, Lebensumstände oder wirklich Biologie ist. Und zur Frage, ob Selbsttests unbrauchbar sind - ich glaub, wir meinen vielleicht nicht dasselbe, wenn wir "testen" sagen. Zwanzig Jahre Erfahrung sind kein Test, das ist Kalibrierung. Das ist was anderes. Edit: Kleine Klarstellung - mit "Kalibrierung" meine ich, dass man durch lange Erfahrung lernt, die Signale des eigenen Körpers zu lesen. Das ist natürlich nicht objektiv messbar, aber für die persönliche Trainingsplanung möglicherweise aussagekräftiger als ein einzelner HRV-Wert.
Zitat von rennradhorst am Juli 3, 2026, 19:56 UhrZitat von markus_b82Zwanzig Jahre Erfahrung sind kein Test das ist Kalibrierung
ok, das ist eine gute Unterscheidung, die nehm ich mit. Aber ich frag mich ob Kalibrierung net auch irgendwann falsch kalibriert sein kann. Ich mein - wenn ich zwanzig Jahre lang immer das gleiche Muster nach nem harten Ritt gemacht hab, dann ist mein Körpergefühl ja auf genau das eingestellt. Wenn dann was anderes wäre, würd ich's vielleicht gar net als "besser" erkennen sondern als "komisch". So ein bisschen wie wenn du jahrelang eine Steckdose schief sitzt und das normal findest - irgendwann schaust du gar net mehr hin. Was mich bei deiner "Kalibrierung vs. Test" Unterscheidung aber wirklich beschäftigt ist was passiert wenn sich der Körper ändert und die Kalibrierung hinkt hinterher. Meine Hausärztin hat halt diesen Satz gesagt und ich hab net weitergefragt, das stimmt. Aber ich hab seitdem schon gemerkt dass Sachen die mit 45 noch funktioniert haben heute net mehr so klappen - Regenerationszeit zum Beispiel. Früher war Dienstag nach nem harten Sonntag kein Thema. Jetzt manchmal schon. Und ich weiß net ob ich da neu kalibriert hab oder ob ich einfach so tue als wär's noch dasselbe System. Ob das Nervensystem da wirklich der Faktor ist oder einfach alles andere drum rum - Schlaf schlechter mit 52, mehr Stress, weniger Puffer - das kann ich dir net sagen.
Zitat von markus_b82Zwanzig Jahre Erfahrung sind kein Test das ist Kalibrierung
ok, das ist eine gute Unterscheidung, die nehm ich mit. Aber ich frag mich ob Kalibrierung net auch irgendwann falsch kalibriert sein kann. Ich mein - wenn ich zwanzig Jahre lang immer das gleiche Muster nach nem harten Ritt gemacht hab, dann ist mein Körpergefühl ja auf genau das eingestellt. Wenn dann was anderes wäre, würd ich's vielleicht gar net als "besser" erkennen sondern als "komisch". So ein bisschen wie wenn du jahrelang eine Steckdose schief sitzt und das normal findest - irgendwann schaust du gar net mehr hin. Was mich bei deiner "Kalibrierung vs. Test" Unterscheidung aber wirklich beschäftigt ist was passiert wenn sich der Körper ändert und die Kalibrierung hinkt hinterher. Meine Hausärztin hat halt diesen Satz gesagt und ich hab net weitergefragt, das stimmt. Aber ich hab seitdem schon gemerkt dass Sachen die mit 45 noch funktioniert haben heute net mehr so klappen - Regenerationszeit zum Beispiel. Früher war Dienstag nach nem harten Sonntag kein Thema. Jetzt manchmal schon. Und ich weiß net ob ich da neu kalibriert hab oder ob ich einfach so tue als wär's noch dasselbe System. Ob das Nervensystem da wirklich der Faktor ist oder einfach alles andere drum rum - Schlaf schlechter mit 52, mehr Stress, weniger Puffer - das kann ich dir net sagen.
Zitat von derbär am Juli 4, 2026, 00:53 Uhr@rennradhorst der Punkt mit "falsch kalibriert sein" - echt jetzt, das hat mich grad erwischt. Ich fahr seit drei Jahren ernsthaft - also verglichen mit dir fast nix. Aber ich merk das schon jetzt: ich hab mir eine Baseline gebaut die vielleicht gar keine ist. Wenn ich nach 90km mit ordentlich Höhenmetern sage "fühlt sich normal an", dann ist das normal für mich. Aber was ist das überhaupt wert als Referenz. Was mich da noch mehr beschäftigt als die Kalibrierungsfrage: du sagst Regenerationszeit hat sich bei dir verlängert. Aber hat sich auch verändert *womit* du regenerierst - also nicht nur wie lange, sondern was hilft? Weil ich von Kollegen im Forum hier und auch so aus Gesprächen mitkriege dass Leute ab 50 sagen Schlaf wird zum eigentlichen Bottleneck, net mehr das Essen danach oder irgendein Konzentrat. Und das wär dann halt ne komplett andere Baustelle. Bei mir persönlich - ich hab das Betanio PLUS tatsächlich mal vier Wochen weggelassen, net als Experiment sondern weil ich faul war. Und ich hab ehrlich gesagt nix gemerkt. Aber ich war in der Phase auch auf kürzeren Touren unterwegs also genau das Problem das hier schon irgendwo ankam - zu wenig Intensität um überhaupt was zu spüren. Das nervt mich an der ganzen Diskussion ein bisschen. Man kommt am Ende nie raus. Nicht weil die Fragen schlecht sind sonder weil die Bedingungen nie stimmen.
--
Schaltwerk ölen ist auch Ernährung.
@rennradhorst der Punkt mit "falsch kalibriert sein" - echt jetzt, das hat mich grad erwischt. Ich fahr seit drei Jahren ernsthaft - also verglichen mit dir fast nix. Aber ich merk das schon jetzt: ich hab mir eine Baseline gebaut die vielleicht gar keine ist. Wenn ich nach 90km mit ordentlich Höhenmetern sage "fühlt sich normal an", dann ist das normal für mich. Aber was ist das überhaupt wert als Referenz. Was mich da noch mehr beschäftigt als die Kalibrierungsfrage: du sagst Regenerationszeit hat sich bei dir verlängert. Aber hat sich auch verändert *womit* du regenerierst - also nicht nur wie lange, sondern was hilft? Weil ich von Kollegen im Forum hier und auch so aus Gesprächen mitkriege dass Leute ab 50 sagen Schlaf wird zum eigentlichen Bottleneck, net mehr das Essen danach oder irgendein Konzentrat. Und das wär dann halt ne komplett andere Baustelle. Bei mir persönlich - ich hab das Betanio PLUS tatsächlich mal vier Wochen weggelassen, net als Experiment sondern weil ich faul war. Und ich hab ehrlich gesagt nix gemerkt. Aber ich war in der Phase auch auf kürzeren Touren unterwegs also genau das Problem das hier schon irgendwo ankam - zu wenig Intensität um überhaupt was zu spüren. Das nervt mich an der ganzen Diskussion ein bisschen. Man kommt am Ende nie raus. Nicht weil die Fragen schlecht sind sonder weil die Bedingungen nie stimmen.
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