Bitte oder Registrieren, um Beiträge und Themen zu erstellen.

Hobbyathlet vor erstem Wettkampf – wann fängt sinnvolle Ergänzung an?

Seite 1 von 8Nächste

ich frag mich das gerade wirklich ernsthaft, weil ich in einer Situation stecke die ich vorher nie hatte. Granfondo im Herbst, trainier jetzt konsequenter als je zuvor, und plötzlich merke ich dass ich nicht mehr einfach losfahren kann ohne nachzudenken. Irgendwo fängt das an sich zu verschieben - von Freizeitsport zu "ich will das durchhalten und nicht auf den letzten 30 Kilometern einbrechen". Jetzt ist die Frage: ab wann macht Ergänzung überhaupt Sinn, wenn man kein Profi ist? Ich mein das konkret. Nicht als grundsätzliche Debatte, sondern als praktische Überlegung für jemanden der drei bis vier Mal die Woche fährt, 60 bis 120 Kilometer je nach Tag und Wetter. Das Rote Beete Zeug hab ich ausprobiert - hab ich hier schon erwähnt - und ich bin immer noch nicht sicher ob ich was gespürt hab oder mir das eingebildet hab. Meine Hausärztin hat gesagt sie hält von den meisten Präparaten wenig, aber Rote Beete als Nitratquelle sei zumindest nicht Humbug. Das ist so die einzige Einschätzung die ich aus einer halbwegs neutralen Ecke bekommen hab. Was ich nicht versteh: warum redet im Hobbybereich keiner über die Schwelle. Also ab welcher Belastung oder ab welchem Ziel fängt man an das wirklich zu brauchen? Alle Diskussionen gehen sofort in Richtung Profi oder gar nichts. Ich bin irgendwo dazwischen und find das ehrlich gesagt frustrierend. Ich hab heute Morgen vor der Frühschicht noch schnell eine Runde gedreht, 45 Minuten, und hab vorher nichts gegessen. War trotzdem gut. Also ist der Körper nicht komplett auf mich angewiesen wenn ich ihm was reinschmeiße. Aber bei 160 Kilometern sieht das anders aus, das ist mir klar. Wie macht ihr das - gibt es da einen Punkt wo ihr gedacht habt, ok, jetzt ergibt das Sinn?

Zitat von rote_socke_83

warum redet im Hobbybereich keiner über die Schwelle

das frag ich mich auch seit einer Weile ehrlich gesagt. Ich glaub das liegt daran, dass "Schwelle" halt schwer zu definieren ist ohne dass man sich auf Profi-Logik bezieht. Alle Konzepte die ich kenne, kommen aus dem Leistungssport und werden dann irgendwie runterdestilliert auf Hobbyebene - und das passt einfach nicht immer. @rote_socke_83 was mich bei deiner Schilderung triggert: du beschreibst eigentlich gar kein Supplement-Problem, du beschreibst ein Trainingslast-Problem. Der Körper schafft die 45-Minuten-Runde nüchtern, klar. Aber der Granfondo ist halt nicht 45 Minuten. Das ist eine andere Kategorie und das ist, ich mein, der eigentliche Knackpunkt. Die Frage die ich mir bei sowas stelle: was passiert konkret wenn du einbrichst? Beine leer Kopf weg, beides? Weil das macht einen Unterschied, finde ich - nicht welches Supplement man nimmt, sondern was das Problem überhaupt ist. Ich hab das bei mir erst nach einem schlechten Halbmarathon kapiert, wo ich dachte ich hab zu wenig Kohlenhydrate gehabt, und dann festgestellt hab dass ich einfach in der Vorbereitung zu wenig geschlafen hatte. Da hilft kein Rote Beete der Welt. Deine Hausärztin klingt übrigens vernünftig. Die meisten sagen einfach pauschal nein oder wissen nicht wovon sie reden, wenn mans konkret macht.

@jana_w

Zitat von jana_w

du beschreibst eigentlich gar kein Supplement-Problem, du beschreibst ein Trainingslast-Problem

Das ist ein guter Punkt, aber ich würde das nicht ganz so trennen. Die Frage ist doch: was ist die Ursache des Einbrechens, und erst dann macht man sich Gedanken ob Supplement X da überhaupt ansetzt. Ich hab das bei mir selbst durchgespielt, als ich meinen ersten Halbmarathon vorbereitet hab - da dachte ich auch erst, ich brauch Rote Beete oder was auch immer, und dann stellte sich raus dass ich schlicht zu wenig Kohlenhydrate in den langen Läufen hatte. Das ist halt der blinde Fleck: Supplements werden als Antwort auf ein Problem betrachtet, bevor das Problem überhaupt klar definiert ist. @rote_socke_83 was mich bei dir interessiert: hast du schon mal verglichen wie du dich bei gleicher Strecke mit und ohne Kohlenhydratzufuhr während der Fahrt geschlagen hast? Nicht Supplement, sondern einfach Banane, Riegel, Gel - egal was. Weil wenn da ein deutlicher Unterschied ist, ist das ein Hinweis auf den eigentlichen Engpass. Draußen ist grad wieder dieser bleierne Himmel, ich weiß nicht ob das motiviert. Was ich bei der Nitrat-Diskussion konkret vermisse: es gibt Studien (Lansley et al., 2011, Journal of Applied Physiology, das ist eine der zitierfähigeren) die einen Effekt auf den Sauerstoffverbrauch bei submaximaler Belastung zeigen - aber die Probandengruppen sind fast nie trainierte Hobbyathleten in deiner Kategorie. Das ist das eigentliche Loch in der Evidenz.

Zitat von markus_b82

das eigentliche Loch in der Evidenz

Ja, genau das ist der Punkt der mich schon länger nervt. Die Studien die zitiert werden - auch die von dir genannte - arbeiten meistens mit untrainierten Leuten oder echten Leistungssportlern. Wer wie ich irgendwo in der Mitte sitzt, findet sich da nicht wieder. Ich sag dir, das ist kein kleines Detail. Das ist der Kern warum ich bei Betanio PLUS nicht weiß ob ich dem trauen soll. @markus_b82 deine Frage nach dem Vergleich mit und ohne Kohlenhydrate während der Fahrt - die ist gut, und ehrlich gesagt hab ich da keine saubere Antwort. Ich hab das nie kontrolliert gemacht. Manchmal Riegel, manchmal nix, manchmal Banane vom Rucksack. Kein Plan dahinter. Das ist wahrscheinlich das eigentliche Problem bevor ich über irgendwelche Kapseln nachdenke. Was mich aber gerade beschäftigt und noch nicht drin war im Thread: ich frag mich ob der Punkt wo Ergänzung Sinn macht nicht vom Abstand zum Wettkampf abhängt. Also nicht Belastung als Schwelle, sondern Zeit. Drei Monate vorher ist vielleicht eine andere Situation als drei Wochen vorher. Ich weiß nicht ob das jemand so sieht, aber für mich fühlt sich das intuitiv richtiger an als eine reine Kilometerfrage.

@rote_socke_83 der Gedanke mit dem zeitlichen Abstand - den find ich ehrlich gesagt interessanter als alles was vorher kam. Ich hab das bei mir nie so explizit gedacht, aber wenn ich drüber nachdenke, dann stimmt das irgendwie. Ich hab vor meinem dritten Halbmarathon angefangen das Rote-Beete-Konzentrat wirklich konsequent zu nehmen, so ab sechs Wochen vorher, und das war nicht weil ich ne Studie gelesen hab, sondern weil ich mir dachte - jetzt ist der Moment wo ich nix mehr dem Zufall überlasse. Vorher war es sporadisch, danach auch wieder. Also ja der Abstand spielt für mich psychologisch auf jeden Fall eine Rolle, und ich kann nicht sauber trennen ob der Effekt dann Biochemie ist oder einfach dass man insgesamt fokussierter wird. was ich aber noch reinwerfen will: ich glaub der Zeitpunkt-Gedanke hängt auch damit zusammen, was man in der Phase noch anpassen kann. Drei Monate vorher kann man noch an der Ernährungsstruktur schrauben, Gewohnheiten aufbauen und so. Drei Wochen vorher macht man eigentlich nur noch fein. Das ist vielleicht der echte Unterschied - nicht ob ein Supplement wirkt, sondern ob man überhaupt noch Zeit hat zu lernen wie man damit umgeht. ich mein, ich hab auch mal Magnesium zwei Tage vor einem Lauf angefangen und dann Bauchkrämpfe bekommen. Klassisch. Neues Supplement kurz vorher ist einfach blöd, das ist so das einzige wo ich mir ziemlich sicher bin.

@jana_w

Zitat von jana_w

Neues Supplement kurz vorher ist einfach blöd

Das stimmt, und das ist eigentlich der konkreteste Hinweis den man geben kann - aber ich würde das noch schärfer formulieren: das gilt für alles, nicht nur Supplements. Neue Laufschuhe, neue Energieriegel-Marke, anderes Frühstück. Drei Wochen vor einem Wettkampf ist keine Experimentierzone mehr. Was mich aber gerade mehr beschäftigt als das Timing: @jana_w du schreibst, du kannst nicht trennen ob der Effekt Biochemie war oder einfach erhöhter Fokus. Das ist eigentlich die ehrlichste Aussage die ich hier bisher gelesen hab - und gleichzeitig das eigentliche Problem mit der ganzen Selbst-Einschätzung. Ohne Kontrollbedingung ist das schlicht nicht trennbar. Das ist kein Vorwurf, ich hab das selbst nie sauber gemacht. Was ich vermisse in der Diskussion: hat irgendjemand von euch das mal über mehrere Wettkämpfe hinweg verglichen? Also einmal mit, einmal ohne, gleiche Streckenlänge, ähnliche Bedingungen? Ich weiß, das klingt nach kontrolliertem Experiment und das ist im Alltag kaum machbar - aber grobe Vergleiche müssten doch irgendwie vorhanden sein nach ein paar Saisons. Ich hab bei mir über zwei Halbmarathons hinweg versucht das zu tracken, aber die Bedingungen waren so unterschiedlich (Hitze, Schlaf, Tagesform) dass ich da keine valide Aussage rausziehen konnte.

@markus_b82 die Frage nach dem Vergleich über mehrere Wettkämpfe - ich versteh warum du das willst, aber ich glaub die meisten Hobbyathleten kommen da nie auf grüne Zahlen. Nicht weil sie zu faul sind zum Tracken sondern weil zwischen zwei Granfondos oder Marathons einfach zu viel Leben dazwischen ist. Anderer Job, anderer Schlaf, anderer Sommer. Das ist strukturell nicht lösbar ohne echtes Protokoll, und wer macht das schon. Was mich aber gerade mehr beschäftigt: du sagst, ohne Kontrollbedingung ist der Effekt nicht trennbar. Stimmt. Aber ich frag mich ob das überhaupt das richtige Ziel ist für uns. Ich bin Schichtleiter, kein Wissenschaftler. Ich muss nicht beweisen dass Rote Beete wirkt - ich muss entscheiden ob ich es nehme oder nicht. Das sind zwei verschiedene Fragen. Und da komm ich zu was das hier noch nicht drin war: vielleicht ist die relevante Schwelle gar nicht Belastung oder Zeit, sondern Wiederholbarkeit. Ich fahr die Granfondo einmal. Wenn ich da einen schlechten Tag hab, weiß ich nie ob es am Supplement lag oder an irgendwas anderem. Aber wenn ich zehn Mal dieselbe Trainingsstrecke fahre und dabei konsequent was ändere, dann spür ich zumindest eine Tendenz. Nicht beweisbar aber auch nicht komplett blind. Das ist die einzige Methode die ich als normaler Mensch hab.

@rote_socke_83 der Gedanke mit der Wiederholbarkeit - der trifft mich gerade ehrlich gesagt mehr als ich erwartet hätte. Weil ich glaub du hast da was freigelegt das ich bei mir selbst nie so formuliert hätte. Ich mach das mit dem Rote-Beete-Konzentrat seit ungefähr zwei Jahren und der Moment wo ich angefangen hab, ihm zu trauen, war nicht ein Wettkampf. Das war nach einer langen Trainingsphase wo ich auf derselben Runde - ich hab so ne Standardrunde hier bei mir, immer gleiche 17 Kilometer - irgendwann gemerkt hab dass ich die letzten vier Kilometer anders angehe als vorher. Nicht dramatisch. Aber ich hab aufgehört sie zu fürchten. Ob das Biochemie ist oder Gewohnheit oder ich einfach besser in Form war, kann ich nicht sagen. Ich schwöre drauf aber ich weiß nicht warum, das ist die ehrliche Antwort. Was mich an deiner Logik stört - nicht falsch, nur unfertig - ist dass Wiederholbarkeit voraussetzt, dass man überhaupt konsequent genug fährt um ein Signal rauszuhören. Und das ist bei vielen Hobbyathleten das eigentliche Problem, nicht das Supplement. Ich kenn Leute die nehmen fünf Sachen auf einmal und trainieren drei Wochen, dann Pause, dann wieder. Da kannst du nix messen, da kannst du nix spüren. Zitat von rote_socke_83Ich muss entscheiden ob ich es nehme oder nicht

ja genau das. Und ich glaub die Entscheidung ist leichter wenn man weiß was man eigentlich beobachtet - sich selbst oder das Produkt. Edit: kleine Klarstellung - mit "konsequent genug" meine ich nicht täglich, sondern eher: ein erkennbares Muster über mehrere Wochen. Bei mir war das halt diese Runde, immer wieder, dann sieht man auch wirklich was sich ändert.

Zitat von jana_w

die Entscheidung ist leichter wenn man weiß was man eigentlich beobachtet - sich selbst oder das Produkt

Das ist eigentlich der schärfste Satz im ganzen Thread, aber ich glaub er führt in eine Sackgasse. Weil in der Praxis beobachtest du beides gleichzeitig, immer. Du kannst das nicht sauber entkoppeln ohne Setup das kein normaler Mensch durchzieht. Was mich an jana_ws Schilderung mit der 17-Kilometer-Runde aber trotzdem beschäftigt: der Moment wo sie aufgehört hat, die letzten vier Kilometer zu fürchten - das ist kein Supplement-Signal, das ist ein Trainingsadaptations-Signal. Und das wird, meiner Einschätzung nach, massiv unterschätzt wenn man über Rote Beete oder ähnliches redet. Der Körper lernt die Strecke. Das ist Neurologie und Muskelgedächtnis, nicht Nitrat. Was ich konkret fragen würde, @rote_socke_83: hast du eigentlich eine Standardstrecke im Training, die du wirklich oft wiederholst? Nicht variiert, nicht halb anders, sondern tatsächlich dieselbe? Weil wenn nicht, fehlt dir das Fundament für das was du Wiederholbarkeit nennst. Ich hab bei meiner HM-Vorbereitung eine 12-Kilometer-Runde gehabt die ich vielleicht 25 Mal gelaufen bin, und da hab ich irgendwann tatsächlich Tendenzen gespürt - aber auch nur weil ich die Bedingungen halbwegs konstant gehalten hab (gleiche Tageszeit, nüchtern oder nicht nüchtern, notiert). Ob das wissenschaftlich haltbar ist: nein. Aber es ist mehr als nichts.

Zitat von markus_b82

Der Körper lernt die Strecke

Ja das stimmt - aber das ist genau der Punkt wo ich mir nicht sicher bin ob das hilft oder schadet wenn mans auf Supplements überträgt. Weil wenn der Körper die Strecke lernt, lernst du gleichzeitig die Strecke mit dem Supplement. Du weißt dann nicht mehr ob du die letzten Kilometer besser packst weil du fitter bist, weil du die Strecke kennst, oder weil du vorher Rote Beete getrunken hast. Das ist kein Erkenntnisgewinn, das ist einfach ein Knäuel. @markus_b82 zur Frage ob ich eine Standardstrecke hab: ja, hab ich. Ich fahr hier eine Runde raus Richtung Hattingen, immer ungefähr 28 Kilometer, die kenn ich inzwischen gut. Aber ich fahr die nicht nüchtern, nicht immer gleiche Tageszeit, manchmal nach Frühschicht manchmal vorher. Das ist das Problem. Ich hab keine konstanten Bedingungen, ich hab einfach eine vertraute Strecke. Was ich aber gerade denke, und das war noch nicht drin: vielleicht ist die ganze Frage ob Rote Beete wirkt für mich grad schlicht die falsche Frage. Ich hab noch nie einen Wettkampf über 160 Kilometer gefahren. Ich weiß gar nicht wie sich das Ende anfühlt. Ich kann nicht vergleichen ob Betanio PLUS das besser macht wenn ich den Ausgangszustand nicht kenne. Das ist wie zu fragen ob man mit Winterreifen besser durch Schnee kommt wenn man noch nie im Schnee gefahren ist.

Seite 1 von 8Nächste