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Grupendruck im Verein – kauft ihr Zeug weil's hilft oder weil alle es tun?

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@mh_82 ja, das mit dem Magnesium - das ist genau das Feedback das ich meine. Klares Signal, keine Grauzone. Bei mir mit der roten Beete ist es wirklich diffuser das geb ich zu. Ich kann nicht sagen "jetzt fühlt sich was anders an", aber ich merke dass meine letzten beiden Granfondos wo ich vorher regelmäßig genommen hab, die Endrunden-Kilometer anders gelaufen sind als früher. Flüssiger. Könnte Trainingseffekt sein, könnte auch sein dass ich älter werde und einfach besser geplant hab. Ich weiß es nicht. Das Problem ist - und das ist glaub ich der Punkt den @nathalie_w hier rausbringt - wenn ich jetzt anfange alle Variablen zu kontrollieren, Mundflora, Zahnpasta, Magnesiumlevel im Blut, dann bin ich nicht mehr beim Sport. Ich bin beim Selbst-Optimierungs-Tagebuch. Und das ist für viele Leute - auch für mich ehrlich - nicht der Punkt warum man Sport macht. Was mich jetzt aber beschäftigt ist was @mh_82 sagt:

Zitat von mh_82

"einfach gelebt" bei manchen Wirkmechanismen funktioniert und bei anderen nicht

. Stimmt. Aber daraus folgt doch nicht dass man bei den diffusen Fällen gar nix checken soll. Es folgt nur dass man realistisch bleibt. Ich kauf die rote Beete nicht weil ich die Mundflora-Biologie verstanden hab. Ich kauf sie weil ich seit zwei Jahren das Gefühl hab dass es hilft, und das ist mir ehrlich genug. Wenn das Placebo ist - okay. Dann geb ich 30 Euro im Jahr für einen Placebo aus und kann dafür ohne Neurosen fahren.

Zitat von derbär

ich soll aufhören so viel über mein Zeug nachzudenken und einfach fahren

Das kenn ich. Meine Frau sagt mir ähnliches wenn ich nach der Arbeit nochmal anfange über Studien zu reden die ich auf dem Handy gefunden hab. Aber @nathalie_w bringt mich grad zu was das ich noch nicht zu Ende gedacht hab. Dieser Satz - "30 Euro für einen Placebo und dafür ohne Neurosen fahren" - das ist eigentlich eine bewusste Entscheidung. Kein Selbstbetrug, sondern eine Priorisierung. Das ist mir zu vage wenn jemand einfach nicht nachfragt, aber wenn jemand das explizit so kalkuliert? Das ist nochmal was anderes. Konkret gefragt: ab welchem Preis kippt das? 30 Euro im Jahr - klar, das rechnet sich anders als 60 Euro im Monat wie @derbasti beschreibt. Bei 720 Euro im Jahr würde ich das anders bewerten als Placebo-Budget. Da hört für mich die entspannte Variante auf. In der Praxis sehe ich das manchmal bei Patienten mit Kinesiotape. Die schwören drauf, die Evidenz ist dünn, aber wenn's sie entspannter durch die Reha bringt und die Kosten überschaubar sind, sag ich da nichts. Aber wenn jemand dafür anfängt andere Sachen wegzulassen die nachgewiesenermaßen helfen, wird's ein Problem. Das ist glaub ich der eigentliche Unterschied - nicht ob Placebo oder nicht, sondern was man dafür aufgibt.

@mh_82 der Punkt mit dem Kinesiotape und "was man dafür aufgibt" - das trifft mich gerade mehr als mir recht ist. Weil ich hab letztens mit meiner Kollegin geredet die auch läuft, und die hat mir erzählt dass sie angefangen hat drei verschiedene Supplements zu nehmen weil ihr Trainer das empfohlen hat. Zusammen über 80 Euro im Monat. Und gleichzeitig spart sie beim Essen, kauft günstiger ein, nimmt Fertigpasta statt frisch zu kochen. Das ist genau das was du meinst - sie gibt Geld für Kapseln aus deren Effekt sie nicht merkt, und schneidet gleichzeitig bei Sachen die definitiv was bringen würden. Das hat mich ehrlich gesagt schockiert weil das ist nicht mehr "bewusste Placebo-Entscheidung" das ist einfach... fehlgeleitete Priorität. Bei mir ist es anders - ich geb relativ wenig aus, ich ess gut, und die rote Beete ist halt mein kleines Ritual das ich mir leisten kann. Aber jetzt frag ich mich ob ich da nur Glück hab oder ob ich einfach reflexhaft denken würde "aber es hilft mir ja!" wenn ich anfangen würde mehr auszugeben. Hat da jemand auch ne Grenze wo er für sich selbst gesagt hat - nein, ab hier wird's mir zu viel Geld für zu wenig Gewissheit? Nicht als Regel, einfach persönlich?

@nathalie_w die Frage nach einer persönlichen Grenze hab ich mir so direkt noch nicht gestellt, aber ich glaub ich hab eine - ich hab sie nur nie explizit formuliert. Bei mir ist es ungefähr so gelaufen: ich hab irgendwann gemerkt dass ich Supplements gedanklich anders bewertet hab als andere Ausgaben. 60 Euro für Laufschuhe-Zubehör, klar, da denk ich nach. Aber 40 Euro für Kapseln - da hab ich einfach auf "kaufen" gedrückt, weil "könnte ja was bringen". Das war der Moment wo ich angefangen hab nachzurechnen. Meine Grenze ist seitdem ungefähr da wo ich anfangen würde, andere Dinge wegzulassen die ich eigentlich für gesichert halte - besseres Fleisch vom Metzger, frisches Gemüse statt Tiefkühl, sowas.

Zitat von nathalie_w

sie gibt Geld für Kapseln aus deren Effekt sie nicht merkt, und schneidet gleichzeitig beim Essen

Das ist das Muster das mich wirklich stört, und ich frag mich ob das so häufig ist wie du beschreibst. Das ist keine fehlgeleitete Priorität aus Dummheit, das ist glaub ich ein Wahrnehmungsproblem: Kapseln fühlen sich wie "aktive Maßnahme" an, Essen ist Alltag. Das klingt banal aber ich glaub da steckt was drin. Was ich noch nicht weiß und was mich jetzt beschäftigt: gibt es eigentlich einen Punkt, ab dem man sich eingestehen muss dass man das Supplement hauptsächlich weiter nimmt weil man schon so viel Geld dafür ausgegeben hat? Ich kenn das als sunk cost aus der Softwareentwicklung - ein Projekt das niemand mehr anfassen will, weil zu viel investiert wurde um aufzuhören.

@markus_b82 das mit dem sunk cost - ja, das trifft hart. Aber ich glaub bei mir ist es anders gelagert. Ich hab nicht SO viel reingesteckt dass ich mich da selbst belügen müsste. Das ist glaub ich der Unterschied. 30 Euro im Jahr für rote Beete ist nicht viel genug um psychologisch gefangen drin zu sein, das ist eher... eine Gewohnheit die ich mir leisten kann ohne schlechtes Gewissen. Was mich aber gerade beschäftigt ist was @markus_b82 sagt mit dem "aktive Maßnahme vs. Alltag". Meine Kollegin die 80 Euro im Monat ausgibt - die erzählt mir immer von den Kapseln, redet drüber, und das Essen ist ihr egal. Und ich merke wie unterschiedlich wir das bewerten. Bei mir ist das Essen der Fixpunkt und die Beete-Saftflasche ist das Bonus-Ritual. Bei ihr ist es genau umgekehrt. Sie zahlt für die psychologische Aufmerksamkeit, nicht für die Wirkung. Das ist hart zu sehen weil ich nicht weiß wie ich ihr das sagen soll ohne wie eine Besserwisserin zu wirken. Meine Hausärztin hat mir letztes Jahr was ähnliches gesagt, nur anders - sie meinte ich soll aufhören zu denken dass Essen und Supplemente zwei verschiedene Kategorien sind. Für meinen Körper ist das dieselbe Energie-Quelle, nur dass eine ich selbst koche und die andere in einer Kapsel kommt. Das hat mich damals gar nicht beeindruckt, aber jetzt wo ihr das hier alle aufdröselt, merke ich dass es genau der Punkt ist, auf den ich nicht höre wenn ich gerade was kaufen will.

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