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Frisch vs. vakuumverpackt – lohnt der Mehraufwand wirklich?

Ich frage mich das schon länger. Frische Rote Beete vom Wochenmarkt bedeutet für mich: schälen, kochen, Hände rot, Schneidebrett rot, eigentlich alles in der Küche irgendwie rosa. Die vakuumverpackte Variante aus dem Supermarkt ist gar kein Vergleich vom Aufwand her, schmeckt aber nach meiner Wahrnehmung deutlich flacher. Weniger erdig, weniger intensiv, irgendwie gedämpft. Ich hab letztens auf dem Plagwitzer Markt welche mitgenommen, einfach um den Unterschied nochmal konkret zu testen. Roh gehobelt gegen vakuumgekochte Scheiben aus der Tüte, gleiche Würzung. Das ist faktisch nicht das gleiche Produkt. Die frische Variante hat diesen mineralischen, leicht süßen Eigengeschmack, der in der Packungsware kaum noch vorhanden ist. Was mich interessiert: Verliert das Gemüse durch das Vakuumgaren schon vor dem Kauf Aromastoffe, oder liegt es am Lagerungsprozess? Ich finde da keine klare Antwort, weil die meisten Quellen die ich lese entweder Marketingtext sind oder zu allgemein bleiben. Und der Aufwand beim Schälen roher Roten Beete ist ja nicht nichts. Ich mache das inzwischen immer mit Latexhandschuhen, das klappt. Aber das Kochen dauert, je nach Größe, 40 bis 60 Minuten. Wer das regelmäßig einplant muss das schon wirklich wollen. Mich würde interessieren ob hier jemand die frische Variante systematisch bevorzugt und warum genau, oder ob das am Ende doch situationsabhängig ist. Ich tendiere zu frisch, aber ich bin nicht bereit das reflexartig als einzig wahre Option zu verteidigen wenn der Unterschied sich nicht klar benennen lässt.

Zitat von n.feld

Das ist faktisch nicht das gleiche Produkt

ja das würd ich unterschreiben, aber mich interessiert eine andere Frage die du so halb aufgemacht hast: liegt es wirklich am Garprozess vor dem Vakuumieren, oder doch an der Lagerung danach? weil ich hab mal frisch gekochte Rote Beete selber vakuumiert (okay, nicht wirklich vakuumiert, eingeschweißt in nem Beutel) und die hat nach zwei Tagen auch schon anders geschmeckt. Flacher. Dieses Mineralische das du beschreibst geht irgendwie weg sobald sie länger in der eigenen Flüssigkeit liegt. Ich frag mich ob das einfach ein Oxidationsproblem ist oder ob der Saft bestimmte Aromastoffe rauszieht wenn man sie drin lässt. Keine Ahnung ehrlich gesagt ich hab da keine Quelle - ist nur mein Eindruck vom Kochen. Was mich aber wirklich beschäftigt: du sagst der Aufwand ist "nicht nichts" - und das stimmt, 40-60 Minuten Kochzeit ist an einem normalen Dienstag einfach nicht realistisch. Ich plane das meistens in ein Sonntags-Kochen rein wenn ich eh in der Küche steh. Aber das setzt voraus dass man das bewusst plant, und da liegt das Problem für den Alltag glaub ich eher als beim Schälen selbst.

@leni_k Der Punkt mit dem Saft ist interessant. Ich hab das bisher nicht so gedacht, aber es klingt plausibel, dass die Aromastoffe hydrophil sind und schlicht in die umgebende Flüssigkeit übergehen. Konkret gesagt: wenn die Knolle nach dem Garen in ihrem eigenen Saft schwimmt, wandert der Geschmack raus und bleibt nicht drin. Das würde erklären, warum selbst frisch gekochte, danach gelagerte Beete flacher schmeckt. Ob das Oxidation ist oder reiner Diffusionseffekt, weiß ich nicht. Die Datenlage zu Betanin und verwandten Farbstoffen als Aromaträger ist mir nicht klar genug, um da was Belastbares zu sagen. Hab nichts Konkretes dazu gefunden, nur Allgemeinplätze.

Zitat von leni_k

40-60 Minuten ist an einem normalen Dienstag einfach nicht realistisch

Das trifft es ziemlich genau. Ich mache das inzwischen ähnlich wie du - wenn der Herd eh läuft, kommt die Beete mit rein. Letzten Sonntag neben einem Eintopf, einfach weil der Platz da war. Das ist eigentlich die einzige Strategie, die im Alltag funktioniert: Parallelkochen, nicht extra ansetzen. Wer dafür extra einen Topf aufsetzt, muss das wirklich wollen. Was mich noch interessiert: hast du die Beete nach dem Einschweißen im Saft gelassen oder trocken gelagert? Ich würde vermuten, trocken wäre besser - aber das ist auch nur eine Vermutung.

@n.feld

Zitat von n.feld

hast du die Beete nach dem Einschweißen im Saft gelassen oder trocken gelagert?

trocken - also ohne extra Flüssigkeit im Beutel. aber trotzdem hat sie natürlich ihren eigenen Saft abgegeben, da kommst du nicht drum rum. die Knolle macht das einfach von selbst wenn sie warm war und dann abkühlt. ich hab sie vorher auch kurz abgetupft aber das hat offensichtlich nicht viel gebracht. was mich bei deiner Diffusions-These beschäftigt: wenn der Geschmack wirklich schlicht rauswandert ins umliegende Wasser, dann müsste der Saft selbst ja intensiv schmecken. und das tut er. ich hab den mal aufgefangen und in ein Dressing gemischt und das war eigentlich das Stärkste was ich je aus Rote Beete rausgeholt hab. viel intensiver als die Knolle selbst danach. also irgendwie funktioniert das als Recycling - aber dann brauchst du die Knolle quasi nur noch als Texturträger, und das klingt ein bisschen traurig ehrlich gesagt. ob das bedeutet dass man frisch vs. vakuum vielleicht gar nicht so pauschal vergleichen kann, sondern eher fragen muss was man damit vorhat - keine Ahnung. für Rohkost oder schnelles Raspeln ist frisch klar besser. aber wenn man eh alles zusammen zu einer Sauce oder Suppe verarbeitet, verliert das Argument ein bisschen an Schärfe.