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Rote-Beete-Pulver vs. Saft: lohnt sich der Preisunterschied wirklich?

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@ms_77 die Frage ob das in der Sportpraxis "so läuft" - die trifft mich heute etwas direkter als sonst ich geb das zu.

Zitat von ms_77

stillschweigende Abwägung die keiner laut ausspricht

Doch, die läuft. Und ich finds eigentlich problematisch, dass wir das hier im Forum offener besprechen als in manchen Praxis-Kontexten. Konkret gefragt: ich sag meinen Patienten explizit was ich weiß und was ich nicht weiß. Das ist mir nicht verhandelbar. Aber ob das wirklich immer so transparent rüberkommt wie ich das denke - da bin ich heute ehrlich gesagt nicht so sicher. Was mich an eurem Austausch aber stört: ihr behandelt die Abwägung als ob sie ein Versagen wäre. In der Physio kenne ich das anders. Wenn ein Patient mit Rückenschmerzen eine teure TENS-Matte kaufen will die ihm subjektiv hilft - soll ich dann sagen "kauf das nicht, das ist nur Placebo"? Manchmal ist die Antwort: nein, weil der Schmerz real ist und die Compliance steigt. Das ist keine Lüge durch Weglassen. Das ist Abwägen. Der Unterschied zum Supplemente-Bereich ist für mich: wie groß ist der potenzielle Schaden. Rote Bete Shot für 2 Euro vor dem Halbmarathon - ok. Betanio PLUS für 40 Euro im Monat ohne verifizierten Nitratgehalt - da sag ich klar nein und erkläre warum. Nicht weil ich moralisch überlegen bin sondern weil der Preis die Entscheidung anders gewichtet. Habt ihr da eigentlich eine Quelle ob irgendein Hersteller je eine unabhängige Chargenanalyse publiziert hat?

@mh_82

Zitat von mh_82

ob irgendein Hersteller je eine unabhängige Chargenanalyse publiziert hat

nee, hab ich nicht. Und ich glaub das wirst du auch nicht finden. Nicht weil ich das weiss sondern weil der Anreiz dazu schlicht fehlt. Wenn du sowas veröffentlichst kannst du auch schlechte Chargen nicht mehr totschweigen. aber was mich bei dir mehr beschäftigt ist das mit der TENS-Matte. Du sagst: Schmerz real, Compliance steigt, also ok. Das versteh ich. Nur - bei Rücken ist der Ausgangspunkt ein echtes Problem das behandelt werden muss. Beim Hobbysportler der Halbmarathon läuft ist der Ausgangspunkt... was genau? Dass er vielleicht zwei Minuten schneller sein könnte? Das ist ne andere Kategorie. ich sag das nicht um dich anzugehen. Aber der Vergleich hinkt ein bisschen find ich. Bei Schmerz ist die Abwägung eine andere als bei Leistungsoptimierung die eh kaum messbar ist ohne Labor. und nochmal zum Schaden - du sagst 40 Euro im Monat, klar nein. Ok. Aber ich kenn Leute die sowas jahrelang kaufen ohne je drüber nachzudenken. Mein Schwager ist so einer. Der hat mir das hier überhaupt erst gezeigt. Der kommt mir nicht mit einer Chargenanalyse, der sagt "fühlt sich gut an". Und da kannst du als Praxismensch noch so transparent sein - wenn der Kunde das nicht hören will hört er's nicht.

@ms_77

Zitat von ms_77

wenn der Kunde das nicht hören will hört er's nicht

Ja. Und das ist der Punkt wo ich aufgehört habe zu glauben, dass Information das Problem löst. Dein Schwager ist kein Sonderfall - das ist der Normalfall in der Praxis. Aber ich will kurz auf den TENS-Vergleich eingehen weil du sagst der hinkt. Vielleicht. Nur - ich kenne Hobbyläufer bei denen der Halbmarathon psychologisch genauso real ist wie ein Rückenproblem. Der hat drei Monate trainiert, der steht Sonntagfrüh am Start, der will nicht das Gefühl haben er hat was vergessen. Das ist kein klinisches Problem aber es ist auch kein triviales Optimierungsspielchen. Die Kategorie "echter Schmerz vs. Leistung" ist in der Praxis weniger trennscharf als sie im Forum klingt. Was mich bei deinem Schwager aber wirklich beschäftigt: sagt er "fühlt sich gut an" nach dem Sport generell, oder konkret nach Rote Bete? Weil der Unterschied ist nicht egal. Wenn jemand nach einem Wettkampf gut drauf ist, nimmt er das gern mit dem letzten Produkt das er neu eingeführt hat. Das ist kein Beleg für irgendetwas. Interessant, aber... ich hab noch nie jemanden getroffen der sagt "hab Rote Bete probiert, hat nix gebracht, hab's gelassen" und das dann so stehen lässt ohne gleich eine andere Erklärung zu liefern warum es nicht funktioniert hat. Schlechter Schlaf, falsches Timing, zu wenig Kohlenhydrate davor. Der Confirmation Bias läuft da ziemlich ungebremst. Habt ihr da Quellen zu wie hoch der Nocebo-Effekt in Nitrat-Studien eigentlich war?

@mh_82

Zitat von mh_82

hab noch nie jemanden getroffen der sagt hab Rote Bete probiert, hat nix gebracht, hab's gelassen

das stimmt. Und weißt du was das mit mir macht - das ist eigentlich das erste Argument heute das mich wirklich kurz nachdenklich macht. Nicht wegen der Roten Beete. Sondern weil das Muster stimmt. Mein Schwager ist genau so. Der hat mal drei Wochen lang irgendeinen Magnesium-Kram genommen, Krämpfe wurden nicht besser, und dann hieß es "ja aber ich hab auch schlechter geschlafen und zu wenig getrunken". Das Produkt war nie schuld. Das kenn ich bei mir selber übrigens auch aus nem anderen Bereich - wenn ich ne neue Säge kaufe und die ersten Schnitte sind Mist, dann liegts natürlich am Holz. aber zur Frage mit dem Nocebo - nee, da hab ich keine Quelle. Ich bin Elektriker, kein Forscher. Was ich sagen kann: wenn in Studien die Kontrollgruppe einen roten Saft ohne Nitrat kriegt und trotzdem Ergebnisse zeigt - das hab ich mal irgendwo gelesen, weiß nicht mehr wo - dann sagt das doch schon alles. draußen ist's heute noch ok, fast schade dass ich noch zwei Stunden Angebote schreiben muss statt irgendwas sinnvolles zu tun. was mich bei deinem Punkt zur Psychologie vor dem Wettkampf beschäftigt: wenn das "Gefühl nichts vergessen zu haben" wirklich so wichtig ist - kostet ein Placebo das man kennt genauso viel wie eines das man nicht kennt? Weil wenn ja wäre das ehrlichste Produkt auf dem Markt eigentlich ein leerer Shot mit Rote-Beete-Geschmack für 50 Cent.

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