Neu hier, Doktorand mit beruflichem Interesse am Thema
Zitat von tobi_w am Mai 31, 2026, 18:52 UhrKurze Vorstellung: Ich bin Tobias, 31, promoviere in Leipzig im Bereich Ausdauerleistung und Ernährungsphysiologie. Ich bin eher durch Zufall auf dieses Forum gestoßen, als ich geschaut habe was Hobbyathleten eigentlich so über Nitrat-Supplementierung denken - das Thema streifte mich letzte Woche wieder bei der Literaturrecherche. Beruflich beschäftige ich mich also mit dem Mechanismus dahinter, aber die gelebte Praxis von Leuten die das wirklich nutzen kenne ich eher wenig. Mich interessiert besonders wie ihr subjektiv rangeht: Timing, Dosierung, ob ihr überhaupt einen Unterschied bemerkt und wie ihr das einschätzt. Ich werd hier wahrscheinlich nicht täglich aktiv sein, aber gelegentlich lesen und vielleicht auch mal etwas beitragen wenn ich das Gefühl hab dass eine wissenschaftliche Einordnung nützlich sein könnte - ohne den Besserwisser zu geben, das liegt mir fern. Würde mich freuen ein paar Erfahrungsberichte zu lesen.
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Meinungen hier sind privat, nicht Institutsposition.
Kurze Vorstellung: Ich bin Tobias, 31, promoviere in Leipzig im Bereich Ausdauerleistung und Ernährungsphysiologie. Ich bin eher durch Zufall auf dieses Forum gestoßen, als ich geschaut habe was Hobbyathleten eigentlich so über Nitrat-Supplementierung denken - das Thema streifte mich letzte Woche wieder bei der Literaturrecherche. Beruflich beschäftige ich mich also mit dem Mechanismus dahinter, aber die gelebte Praxis von Leuten die das wirklich nutzen kenne ich eher wenig. Mich interessiert besonders wie ihr subjektiv rangeht: Timing, Dosierung, ob ihr überhaupt einen Unterschied bemerkt und wie ihr das einschätzt. Ich werd hier wahrscheinlich nicht täglich aktiv sein, aber gelegentlich lesen und vielleicht auch mal etwas beitragen wenn ich das Gefühl hab dass eine wissenschaftliche Einordnung nützlich sein könnte - ohne den Besserwisser zu geben, das liegt mir fern. Würde mich freuen ein paar Erfahrungsberichte zu lesen.
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Zitat von mh_82 am Mai 31, 2026, 19:04 UhrZitat von tobi_wwas Hobbyathleten eigentlich so über Nitrat-Supplementierung denken
@tobi_w Willkommen. Und ehrlich gesagt bin ich neugierig was genau du da rausfinden willst - weil "was Hobbyathleten denken" und "was sie wirklich machen" meiner Erfahrung nach oft zwei verschiedene Sachen sind. Ich bin Physio, kein Sportler, aber ich hab täglich Ausdauersportler auf der Liege und höre viel. Das Timing-Thema zum Beispiel: Die meisten die ich frage haben irgendwo "2-3 Stunden vorher" aufgeschnappt, können aber nicht sagen woher. Ob das auf irgendwas Belastbarem basiert oder ob das Forum-Wissen ist das sich verselbständigt hat - keine Ahnung. Konkret gefragt: Gibt es aus deiner Sicht überhaupt verlässliche Daten zum Timing bei Hobbyathleten, oder ist das alles aus Leistungssport-Studien extrapoliert? Weil das wäre für mich ein wunder Punkt. Die Probanden in den Studien die ich kenne sind meistens trainierte Athleten unter Laborbedingungen. Was das für jemanden bedeutet der dreimal die Woche läuft und ca. 36 mmol/L VO2max hat, steht da meistens nicht drin. Das ist mir zu vage wenn Produkthersteller dann sagen "klinisch getestet" und sich auf solche Studien beziehen. Edit: Kleine Präzisierung - mit "36 mmol/L VO2max" meine ich eher im unteren bis mittleren Hobbybereich. Die Einheit ist ohnehin umstritten, aber das war nicht der Punkt.
Zitat von tobi_wwas Hobbyathleten eigentlich so über Nitrat-Supplementierung denken
@tobi_w Willkommen. Und ehrlich gesagt bin ich neugierig was genau du da rausfinden willst - weil "was Hobbyathleten denken" und "was sie wirklich machen" meiner Erfahrung nach oft zwei verschiedene Sachen sind. Ich bin Physio, kein Sportler, aber ich hab täglich Ausdauersportler auf der Liege und höre viel. Das Timing-Thema zum Beispiel: Die meisten die ich frage haben irgendwo "2-3 Stunden vorher" aufgeschnappt, können aber nicht sagen woher. Ob das auf irgendwas Belastbarem basiert oder ob das Forum-Wissen ist das sich verselbständigt hat - keine Ahnung. Konkret gefragt: Gibt es aus deiner Sicht überhaupt verlässliche Daten zum Timing bei Hobbyathleten, oder ist das alles aus Leistungssport-Studien extrapoliert? Weil das wäre für mich ein wunder Punkt. Die Probanden in den Studien die ich kenne sind meistens trainierte Athleten unter Laborbedingungen. Was das für jemanden bedeutet der dreimal die Woche läuft und ca. 36 mmol/L VO2max hat, steht da meistens nicht drin. Das ist mir zu vage wenn Produkthersteller dann sagen "klinisch getestet" und sich auf solche Studien beziehen. Edit: Kleine Präzisierung - mit "36 mmol/L VO2max" meine ich eher im unteren bis mittleren Hobbybereich. Die Einheit ist ohnehin umstritten, aber das war nicht der Punkt.
Zitat von tobi_w am Mai 31, 2026, 19:12 UhrZitat von mh_82Was das für jemanden bedeutet der dreimal die Woche läuft und 36 mmol/L VO2max hat, steht da meistens nicht drin.
@mh_82 Genau das ist der Punkt der mich selbst beschäftigt, und du hast das sehr präzise benannt. Die klassischen Nitrat-Timing-Studien - Lansley et al. ist da wohl der meistzitierte Ausgangspunkt - arbeiten mit trainierten Probanden, oft Radsportler mit VO2max-Werten deutlich über 60. Was aus diesen Protokollen dann wird, wenn jemand mit mäßiger Trainingshistorie die gleiche Dosis nimmt, ist tatsächlich kaum repliziert worden, soweit die aktuelle Forschung zeigt. Das Timing-Wissen das du beschreibst - "2-3 Stunden, keine Ahnung woher" - ist übrigens ein schönes Beispiel für das was ich hier eigentlich beobachten wollte. Das hat sich verselbständigt, ja, und es ist nicht komplett aus der Luft gegriffen, aber die Varianz in der individuellen Bioverfügbarkeit von Nitrat ist erheblich. Allein schon durch Unterschiede in der oralen Mikrobiota, die für die Umwandlung zu Nitrit verantwortlich ist. Wer vor dem Lauf Mundwasser benutzt, kann das Timing-Fenster komplett verschieben - das wissen die wenigsten. Ob deine Patienten das je erwähnen, würde mich ehrlich interessieren. Ich schätze, das ist so ein Faktor der nie auftaucht.
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Zitat von mh_82Was das für jemanden bedeutet der dreimal die Woche läuft und 36 mmol/L VO2max hat, steht da meistens nicht drin.
@mh_82 Genau das ist der Punkt der mich selbst beschäftigt, und du hast das sehr präzise benannt. Die klassischen Nitrat-Timing-Studien - Lansley et al. ist da wohl der meistzitierte Ausgangspunkt - arbeiten mit trainierten Probanden, oft Radsportler mit VO2max-Werten deutlich über 60. Was aus diesen Protokollen dann wird, wenn jemand mit mäßiger Trainingshistorie die gleiche Dosis nimmt, ist tatsächlich kaum repliziert worden, soweit die aktuelle Forschung zeigt. Das Timing-Wissen das du beschreibst - "2-3 Stunden, keine Ahnung woher" - ist übrigens ein schönes Beispiel für das was ich hier eigentlich beobachten wollte. Das hat sich verselbständigt, ja, und es ist nicht komplett aus der Luft gegriffen, aber die Varianz in der individuellen Bioverfügbarkeit von Nitrat ist erheblich. Allein schon durch Unterschiede in der oralen Mikrobiota, die für die Umwandlung zu Nitrit verantwortlich ist. Wer vor dem Lauf Mundwasser benutzt, kann das Timing-Fenster komplett verschieben - das wissen die wenigsten. Ob deine Patienten das je erwähnen, würde mich ehrlich interessieren. Ich schätze, das ist so ein Faktor der nie auftaucht.
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Zitat von mh_82 am Mai 31, 2026, 19:25 UhrZitat von tobi_wdie Varianz in der individuellen Bioverfügbarkeit von Nitrat ist erheblich
Das ist der Punkt der mich bei Produktversprechen immer stört. Betanio PLUS wirbt sinngemäß mit "optimaler Bioverfügbarkeit" - aber wenn die schon auf Probandenebene so stark schwankt, was soll diese Aussage dann überhaupt bedeuten? Der Mundwasser-Faktor ist mir neu, das muss ich zugeben. Und ich würde fast wetten dass das bei meinen Patienten nie aufgetaucht ist. Ich frag da gelegentlich nach Supplementen, aber "was machst du morgens vor dem Wettkampf" auf diesem Level - nein, da gehe ich nicht rein. Vielleicht sollte ich das ändern. Was mich aber trotzdem beschäftigt: Wenn die orale Mikrobiota so ein Faktor ist, wie soll dann jemand überhaupt sinnvoll mit Rote-Bete-Produkten arbeiten ohne das zu wissen? In der Praxis sieht das anders aus als im Protokoll - die Leute trinken ihren Saft, nehmen ihr Pulver, und die Hälfte hat morgens Listerine benutzt. Habt ihr dazu irgendwas Belastbares, also konkret zur Mundflora-Nitrat-Interaktion beim nicht-trainierten Sportler? Oder ist das auch wieder nur aus Leistungssport-Daten gezogen.
Zitat von tobi_wdie Varianz in der individuellen Bioverfügbarkeit von Nitrat ist erheblich
Das ist der Punkt der mich bei Produktversprechen immer stört. Betanio PLUS wirbt sinngemäß mit "optimaler Bioverfügbarkeit" - aber wenn die schon auf Probandenebene so stark schwankt, was soll diese Aussage dann überhaupt bedeuten? Der Mundwasser-Faktor ist mir neu, das muss ich zugeben. Und ich würde fast wetten dass das bei meinen Patienten nie aufgetaucht ist. Ich frag da gelegentlich nach Supplementen, aber "was machst du morgens vor dem Wettkampf" auf diesem Level - nein, da gehe ich nicht rein. Vielleicht sollte ich das ändern. Was mich aber trotzdem beschäftigt: Wenn die orale Mikrobiota so ein Faktor ist, wie soll dann jemand überhaupt sinnvoll mit Rote-Bete-Produkten arbeiten ohne das zu wissen? In der Praxis sieht das anders aus als im Protokoll - die Leute trinken ihren Saft, nehmen ihr Pulver, und die Hälfte hat morgens Listerine benutzt. Habt ihr dazu irgendwas Belastbares, also konkret zur Mundflora-Nitrat-Interaktion beim nicht-trainierten Sportler? Oder ist das auch wieder nur aus Leistungssport-Daten gezogen.
Zitat von rote_socke_83 am Mai 31, 2026, 19:30 Uhrmoin @tobi_w, willkommen erstmal. Dass du hier nicht als Besserwisser reinkommst sondern wirklich zuhören willst - das merkt man find ich gut.
Zitat von tobi_wdie Varianz in der individuellen Bioverfügbarkeit von Nitrat ist erheblich
Das ist genau der Satz der mich seit ich Betanio PLUS ausprobiert hab innerlich beschäftigt, ohne dass ich ihn so hätte formulieren können. Ich hab das Zeug vier Wochen lang genommen, immer morgens vor der Einheit, und an zwei Tagen hab ich wirklich gedacht: ok da ist was. An den anderen Tagen nix. Null. Ich hab das auf schlechten Schlaf geschoben, auf die Arbeit, auf was auch immer - aber der Mundwasser-Faktor, davon hab ich nie gehört. Ich benutz kein Mundwasser, also war das bei mir nicht das Problem. Aber mein Kumpel der auch Rad fährt - der schwört auf sein Listerine jeden Morgen. Der hat das Betanio auch probiert und direkt gesagt es bringt ihm nix. Jetzt frag ich mich ob das der Grund war. Was mich aber wirklich interessiert @tobi_w: Wenn die Bioverfügbarkeit so individuell ist, macht es dann überhaupt Sinn als Hobbysportler mit einer fixen Dosis aus dem Supermarkt zu arbeiten? Ich mein - ich kann nicht ins Labor und meine orale Mikrobiota bestimmen lassen. Im Versandlager hab ich auch keine Zeit für solche Spielchen vor der Frühschicht. Ehrlich gesagt hab ich das Gefühl dass die Produkthersteller genau von dieser Unwissenheit leben. "Optimale Bioverfügbarkeit" - @mh_82 hat das schon angesprochen. Das ist mir zu glatt für etwas das offenbar so variabel ist.
moin @tobi_w, willkommen erstmal. Dass du hier nicht als Besserwisser reinkommst sondern wirklich zuhören willst - das merkt man find ich gut.
Zitat von tobi_wdie Varianz in der individuellen Bioverfügbarkeit von Nitrat ist erheblich
Das ist genau der Satz der mich seit ich Betanio PLUS ausprobiert hab innerlich beschäftigt, ohne dass ich ihn so hätte formulieren können. Ich hab das Zeug vier Wochen lang genommen, immer morgens vor der Einheit, und an zwei Tagen hab ich wirklich gedacht: ok da ist was. An den anderen Tagen nix. Null. Ich hab das auf schlechten Schlaf geschoben, auf die Arbeit, auf was auch immer - aber der Mundwasser-Faktor, davon hab ich nie gehört. Ich benutz kein Mundwasser, also war das bei mir nicht das Problem. Aber mein Kumpel der auch Rad fährt - der schwört auf sein Listerine jeden Morgen. Der hat das Betanio auch probiert und direkt gesagt es bringt ihm nix. Jetzt frag ich mich ob das der Grund war. Was mich aber wirklich interessiert @tobi_w: Wenn die Bioverfügbarkeit so individuell ist, macht es dann überhaupt Sinn als Hobbysportler mit einer fixen Dosis aus dem Supermarkt zu arbeiten? Ich mein - ich kann nicht ins Labor und meine orale Mikrobiota bestimmen lassen. Im Versandlager hab ich auch keine Zeit für solche Spielchen vor der Frühschicht. Ehrlich gesagt hab ich das Gefühl dass die Produkthersteller genau von dieser Unwissenheit leben. "Optimale Bioverfügbarkeit" - @mh_82 hat das schon angesprochen. Das ist mir zu glatt für etwas das offenbar so variabel ist.
Zitat von mh_82 am Mai 31, 2026, 19:35 Uhr@rote_socke_83 Der Punkt mit deinem Kumpel und dem Listerine ist eigentlich ein ziemlich gutes Fallbeispiel - unbeabsichtigt, aber genau die Art von Beobachtung die man im Labor so nicht kriegt. Ob das wirklich der Grund war, weiß natürlich keiner. Aber es passt. Was mich aber mehr beschäftigt als die Bioverfügbarkeits-Frage: Du schreibst "an zwei Tagen hab ich wirklich gedacht: ok da ist was." Interessant, aber ich würde gern wissen was genau. Weniger Anstrengungsgefühl? Bessere Pace? Später einbrechend? Weil "da ist was" ist die Art Selbstwahrnehmung die ich von Patienten auch kenne, und meistens steckt da kein konkreter Marker dahinter. Das ist kein Vorwurf - das ist schlicht wie Subjektivität funktioniert. Wir sind als Menschen mies darin, einzelne Variablen zu isolieren. Konkret gefragt an @tobi_w: Gibt es eigentlich Protokolle die versuchen subjektive Wahrnehmung systematisch zu erfassen, also nicht nur Leistungsdaten? RPE oder sowas in der Richtung? Weil wenn der Mechanismus über Vasodilatation läuft, müsste sich das ja irgendwo in der wahrgenommenen Anstrengung niederschlagen - oder nicht zwingend? Und zum Produkt-Thema: "Optimale Bioverfügbarkeit" als Claim ohne Angabe unter welchen Bedingungen das gilt - das wäre in meinem Bereich schlicht unzulässige Werbung. Warum das bei Nahrungsergänzung anders behandelt wird hab ich nie verstanden.
@rote_socke_83 Der Punkt mit deinem Kumpel und dem Listerine ist eigentlich ein ziemlich gutes Fallbeispiel - unbeabsichtigt, aber genau die Art von Beobachtung die man im Labor so nicht kriegt. Ob das wirklich der Grund war, weiß natürlich keiner. Aber es passt. Was mich aber mehr beschäftigt als die Bioverfügbarkeits-Frage: Du schreibst "an zwei Tagen hab ich wirklich gedacht: ok da ist was." Interessant, aber ich würde gern wissen was genau. Weniger Anstrengungsgefühl? Bessere Pace? Später einbrechend? Weil "da ist was" ist die Art Selbstwahrnehmung die ich von Patienten auch kenne, und meistens steckt da kein konkreter Marker dahinter. Das ist kein Vorwurf - das ist schlicht wie Subjektivität funktioniert. Wir sind als Menschen mies darin, einzelne Variablen zu isolieren. Konkret gefragt an @tobi_w: Gibt es eigentlich Protokolle die versuchen subjektive Wahrnehmung systematisch zu erfassen, also nicht nur Leistungsdaten? RPE oder sowas in der Richtung? Weil wenn der Mechanismus über Vasodilatation läuft, müsste sich das ja irgendwo in der wahrgenommenen Anstrengung niederschlagen - oder nicht zwingend? Und zum Produkt-Thema: "Optimale Bioverfügbarkeit" als Claim ohne Angabe unter welchen Bedingungen das gilt - das wäre in meinem Bereich schlicht unzulässige Werbung. Warum das bei Nahrungsergänzung anders behandelt wird hab ich nie verstanden.
Zitat von tobi_w am Mai 31, 2026, 19:47 Uhr@mh_82 zur RPE-Frage: ja, das wird gemacht, und du hast das intuitiv richtig verknüpft. Einige Studien - Lansley 2011 ist da wieder prominent, aber auch Wylie et al. 2013 - haben neben Leistungsparametern auch RPE (Rate of Perceived Exertion, also das subjektive Anstrengungsempfinden) erfasst. Der Befund ist tatsächlich interessant: In manchen Protokollen sinkt die wahrgenommene Anstrengung bei submaximalem Tempo, ohne dass die absolute Leistung dramatisch steigt. Das würde zum Vasodilatations-Mechanismus passen, ja. Aber - und das ist der Punkt der mich dabei beschäftigt - diese RPE-Reduktionen sind oft klein und treten nicht konsistent auf. Und die Probanden wissen meistens ob sie Nitrat oder Placebo bekommen haben, weil Rote-Bete-Saft nun mal auffällig ist. Echte Verblindung ist bei sowas methodisch ein Alptraum.
Zitat von rote_socke_83an zwei Tagen hab ich wirklich gedacht: ok da ist was
Was @mh_82 da nachfragt ist wirklich der entscheidende Punkt. Ich will das nicht wegdiskutieren - das Empfinden ist real. Aber ob es am Nitrat lag, am besseren Schlaf der Nacht davor, an der kühleren Temperatur, am einfach besseren Tag, das lässt sich ohne Kontrolle schlicht nicht trennen. Das ist kein Argument gegen den Versuch, aber gegen die Schlussfolgerung "es bringt mir was". Was ich noch nicht gesehen habe im Thread: Hat jemand von euch das mal gezielt über mehrere Wochen mit fixen Rahmenbedingungen getestet - gleiche Tageszeit, gleiches Protokoll, bewusst kein Mundwasser? Nicht als Laborstudie, sondern einfach als persönliche Beobachtung mit etwas mehr Struktur.
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@mh_82 zur RPE-Frage: ja, das wird gemacht, und du hast das intuitiv richtig verknüpft. Einige Studien - Lansley 2011 ist da wieder prominent, aber auch Wylie et al. 2013 - haben neben Leistungsparametern auch RPE (Rate of Perceived Exertion, also das subjektive Anstrengungsempfinden) erfasst. Der Befund ist tatsächlich interessant: In manchen Protokollen sinkt die wahrgenommene Anstrengung bei submaximalem Tempo, ohne dass die absolute Leistung dramatisch steigt. Das würde zum Vasodilatations-Mechanismus passen, ja. Aber - und das ist der Punkt der mich dabei beschäftigt - diese RPE-Reduktionen sind oft klein und treten nicht konsistent auf. Und die Probanden wissen meistens ob sie Nitrat oder Placebo bekommen haben, weil Rote-Bete-Saft nun mal auffällig ist. Echte Verblindung ist bei sowas methodisch ein Alptraum.
Zitat von rote_socke_83an zwei Tagen hab ich wirklich gedacht: ok da ist was
Was @mh_82 da nachfragt ist wirklich der entscheidende Punkt. Ich will das nicht wegdiskutieren - das Empfinden ist real. Aber ob es am Nitrat lag, am besseren Schlaf der Nacht davor, an der kühleren Temperatur, am einfach besseren Tag, das lässt sich ohne Kontrolle schlicht nicht trennen. Das ist kein Argument gegen den Versuch, aber gegen die Schlussfolgerung "es bringt mir was". Was ich noch nicht gesehen habe im Thread: Hat jemand von euch das mal gezielt über mehrere Wochen mit fixen Rahmenbedingungen getestet - gleiche Tageszeit, gleiches Protokoll, bewusst kein Mundwasser? Nicht als Laborstudie, sondern einfach als persönliche Beobachtung mit etwas mehr Struktur.
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Zitat von n.feld am Mai 31, 2026, 19:50 Uhr@tobi_w Willkommen, und die Doktorarbeit in Leipzig - das passt thematisch hier gut rein.
Zitat von tobi_wHat jemand von euch das mal gezielt über mehrere Wochen mit fixen Rahmenbedingungen getestet
Ich nicht, und ich bezweifle dass das realistisch ist. Selbst wer das ernsthaft versucht, hat nach zwei Wochen andere Schlafdaten, andere Stresslevel, andere Temperaturen beim Laufen. Die "Rahmenbedingungen" sind im Alltag eine Fiktion. Was mich an dieser Diskussion mehr interessiert als das Timing-Thema: Die Frage ob Kapselextrakt und frische Knolle überhaupt vergleichbar sind, ist hier noch gar nicht aufgetaucht. Betanio PLUS ist nicht Rote Bete, das ist ein Extrakt mit standardisiertem Nitratgehalt. Die Datenlage zeigt, soweit ich das kenne, dass die Matrix - also Ballaststoffe, Polyphenole, was auch immer noch drin ist in echter Rote Bete - möglicherweise eine Rolle spielt. Oder auch nicht. Das weiß ich konkret gesagt nicht, und ich hab dazu keine Quelle parat. @tobi_w kannst du dazu was sagen? Ob isoliertes Nitrat in Kapselform den gleichen Weg geht wie Nitrat im Gemüsekontext, oder ob das eine vereinfachende Annahme der Produkthersteller ist.
@tobi_w Willkommen, und die Doktorarbeit in Leipzig - das passt thematisch hier gut rein.
Zitat von tobi_wHat jemand von euch das mal gezielt über mehrere Wochen mit fixen Rahmenbedingungen getestet
Ich nicht, und ich bezweifle dass das realistisch ist. Selbst wer das ernsthaft versucht, hat nach zwei Wochen andere Schlafdaten, andere Stresslevel, andere Temperaturen beim Laufen. Die "Rahmenbedingungen" sind im Alltag eine Fiktion. Was mich an dieser Diskussion mehr interessiert als das Timing-Thema: Die Frage ob Kapselextrakt und frische Knolle überhaupt vergleichbar sind, ist hier noch gar nicht aufgetaucht. Betanio PLUS ist nicht Rote Bete, das ist ein Extrakt mit standardisiertem Nitratgehalt. Die Datenlage zeigt, soweit ich das kenne, dass die Matrix - also Ballaststoffe, Polyphenole, was auch immer noch drin ist in echter Rote Bete - möglicherweise eine Rolle spielt. Oder auch nicht. Das weiß ich konkret gesagt nicht, und ich hab dazu keine Quelle parat. @tobi_w kannst du dazu was sagen? Ob isoliertes Nitrat in Kapselform den gleichen Weg geht wie Nitrat im Gemüsekontext, oder ob das eine vereinfachende Annahme der Produkthersteller ist.
Zitat von mh_82 am Mai 31, 2026, 19:59 Uhr@n.feld gute Frage, die mich auch interessiert. Und ich finde es ehrlich gesagt etwas auffällig dass @tobi_w das bisher nicht angesprochen hat, obwohl er den Mechanismus kennt.
Zitat von n.feldob Kapselextrakt und frische Knolle überhaupt vergleichbar sind
Das ist für mich eigentlich die produktrelevanteste Frage hier. Weil wenn die Matrix eine Rolle spielt - also die Polyphenole, Betalaine, was auch immer noch mitkommt - dann ist "standardisierter Nitratgehalt" als Verkaufsargument möglicherweise eine Vereinfachung die am Punkt vorbeizielt. Ich hab in meiner Praxis Patienten die schwören auf den Saft, und andere die Kapseln nehmen weil der Saft "zu umständlich" ist. Rein pragmatisch. Ob da ein Unterschied in der Wirkung ist, hat noch keiner von denen systematisch verglichen. Was mich dabei stört: Wenn wir nicht mal wissen ob isoliertes Nitrat den gleichen Weg geht wie Nitrat im Gemüsekontext, auf welcher Basis empfehlen Hersteller dann Kapseln als praktische Alternative? Das ist keine rhetorische Frage, ich würde das wirklich gern verstehen. @tobi_w gibt es dazu Studien die Kapsel gegen Saft gegen ganze Knolle direkt vergleichen, oder läuft das immer über den gemeinsamen Nenner "Nitratmenge"? Weil wenn das letzte der Fall ist, dann ist die Extrakt-Werbung methodisch auf ziemlich wackligen Beinen.
@n.feld gute Frage, die mich auch interessiert. Und ich finde es ehrlich gesagt etwas auffällig dass @tobi_w das bisher nicht angesprochen hat, obwohl er den Mechanismus kennt.
Zitat von n.feldob Kapselextrakt und frische Knolle überhaupt vergleichbar sind
Das ist für mich eigentlich die produktrelevanteste Frage hier. Weil wenn die Matrix eine Rolle spielt - also die Polyphenole, Betalaine, was auch immer noch mitkommt - dann ist "standardisierter Nitratgehalt" als Verkaufsargument möglicherweise eine Vereinfachung die am Punkt vorbeizielt. Ich hab in meiner Praxis Patienten die schwören auf den Saft, und andere die Kapseln nehmen weil der Saft "zu umständlich" ist. Rein pragmatisch. Ob da ein Unterschied in der Wirkung ist, hat noch keiner von denen systematisch verglichen. Was mich dabei stört: Wenn wir nicht mal wissen ob isoliertes Nitrat den gleichen Weg geht wie Nitrat im Gemüsekontext, auf welcher Basis empfehlen Hersteller dann Kapseln als praktische Alternative? Das ist keine rhetorische Frage, ich würde das wirklich gern verstehen. @tobi_w gibt es dazu Studien die Kapsel gegen Saft gegen ganze Knolle direkt vergleichen, oder läuft das immer über den gemeinsamen Nenner "Nitratmenge"? Weil wenn das letzte der Fall ist, dann ist die Extrakt-Werbung methodisch auf ziemlich wackligen Beinen.
Zitat von ms_77 am Mai 31, 2026, 20:08 Uhr@mh_82
Zitat von mh_82auf welcher Basis empfehlen Hersteller dann Kapseln als praktische Alternative
da muss ich lachen. Die Basis ist die gleiche wie immer - Marge. Das ist doch Quatsch zu denken die haben sich dabei was gedacht außer "wie verkaufen wir das am besten". Ich kenn das aus nem anderen Ecke. Wenn ich auf ner Baustelle Kabelverbinder kaufe, gibt's auch welche die theoretisch die gleiche Leistung haben wie das Markenzeug, aber in der Praxis hält die Verbindung anders. Warum? Weil Material und Kontext eine Rolle spielen die auf dem Datenblatt nicht steht. Das ist kein Hexenwerk, das ist Physik. Und wenn jetzt @tobi_w sagt die Bioverfügbarkeit schwankt schon von Mensch zu Mensch erheblich, und @n.feld sagt die Matrix könnte ne Rolle spielen - dann ist "standardisierter Nitratgehalt" als Werbeversprechen doch eigentlich nix wert. Standardisiert für wen? Unter welchen Bedingungen? Mit welchem Mundwasser morgens vorher? Was mich wundert ist dass das hier noch keiner direkt gesagt hat: wenn selbst die Forscher nicht wissen ob Kapsel gleich Saft gleich Knolle ist, dann verkaufen die Hersteller im Grunde Unsicherheit als Produkt. Und die Leute zahlen dafür. Mein Schwager macht das übrigens auch. Kauft die Kapseln weil Saft "zu messy" ist. Ich sag nix mehr dazu.
Zitat von mh_82auf welcher Basis empfehlen Hersteller dann Kapseln als praktische Alternative
da muss ich lachen. Die Basis ist die gleiche wie immer - Marge. Das ist doch Quatsch zu denken die haben sich dabei was gedacht außer "wie verkaufen wir das am besten". Ich kenn das aus nem anderen Ecke. Wenn ich auf ner Baustelle Kabelverbinder kaufe, gibt's auch welche die theoretisch die gleiche Leistung haben wie das Markenzeug, aber in der Praxis hält die Verbindung anders. Warum? Weil Material und Kontext eine Rolle spielen die auf dem Datenblatt nicht steht. Das ist kein Hexenwerk, das ist Physik. Und wenn jetzt @tobi_w sagt die Bioverfügbarkeit schwankt schon von Mensch zu Mensch erheblich, und @n.feld sagt die Matrix könnte ne Rolle spielen - dann ist "standardisierter Nitratgehalt" als Werbeversprechen doch eigentlich nix wert. Standardisiert für wen? Unter welchen Bedingungen? Mit welchem Mundwasser morgens vorher? Was mich wundert ist dass das hier noch keiner direkt gesagt hat: wenn selbst die Forscher nicht wissen ob Kapsel gleich Saft gleich Knolle ist, dann verkaufen die Hersteller im Grunde Unsicherheit als Produkt. Und die Leute zahlen dafür. Mein Schwager macht das übrigens auch. Kauft die Kapseln weil Saft "zu messy" ist. Ich sag nix mehr dazu.