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Rote Beete nach dem Sport – Ritual oder bringt das wirklich was?

also ich bin da gerade in so einem komischen Zwiespalt. Ich mache seit nem halben Jahr mehr Ausdauer-Sachen, meistens Radfahren durch den Grunewald oder so Tempo-Läufe, und hab irgendwann angefangen danach immer ein Glas Rote-Beete-Saft zu trinken. Selbst gepresst, weil mir die Tetra-Pak-Sachen aus dem Supermarkt zu süß schmecken und irgendwie zu sehr nach "Fertigprodukt" aussehen. und jetzt merk ich halt - ich weiß nicht ob ichs mir einbilde. Ich fühle mich am nächsten Tag irgendwie weniger bleiern. Aber ich hab gleichzeitig auch geschlafen wie ein Stein, weniger Alkohol getrunken die letzte Zeit und generell mehr auf Essen geachtet. Wie soll ich da rausfinden was davon es ist, digga. der Entsafter steht jetzt halt täglich in der Küche und macht Arbeit und ich steh da und frag mich ob ich das einfach aus ästhetischen Gründen mache (die Farbe ist wirklich unschlagbar das muss man sagen). Irgendwas mit diesen Nitrat-Sachen hab ich mal gelesen, dass das die Durchblutung unterstützen soll - aber ich bin halt kein Ernährungswissenschaftler und kann das nicht wirklich einordnen. Kapseln oder Konzentrate kommen für mich nicht in Frage, das ist mir zu oversupplemented. Wenn ich Rote Beete essen will dann als echte Beete, nicht als Pulver für 40 Euro das Glas. mich würde interessieren ob hier welche sind die das ähnlich machen - und ob ihr irgendwie versucht habt rauszufinden ob es wirklich was tut oder ob ihr das einfach so laufen lasst weil es sich gut anfühlt. Ich tendiere ehrlich gesagt zu letzterem aber weiß nicht ob das naiv ist

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@jana_w naja ich find das eigentlich entspannt ehrlich gesagt. du machst das nicht weil irgendein influencer dir sagt dass du es musst sondern weil du selber merkst dass es dir gut tut. ob das jetzt die beete selbst ist oder einfach dass du dir danach zeit für sowas nimmst - am ende ist das doch egal

das mit dem entsafter täglich - das würde mich eher nerve werden. ich hatte das früher auch kurz, so eine phase wo ich meinte ich müsste alles optimieren. dann irgendwann merkt man einfach dass man keine lust mehr drauf hat und stoppt. und dann stellt man fest dass es einem genauso gut geht

Zitat von jana_w

ob ihr das einfach so laufen lasst weil es sich gut anfühlt

genau das würde ich machen. klingt für mich nicht naiv sondern realistisch. du hast genug gleichzeitig geändert dass du sowieso nicht rausfinden kannst wo die verbesserung herkommt. und wenn du jetzt jeden morgen nach dem fahren diesen entsafter auspacken musst nur um es "richtig" zu machen dann wird das schnell zur chore statt zur routine

die frage ist eher - macht dir das saft pressen noch spass oder fühlt sich das inzwischen verpflichtend an. wenn es noch spass macht dann gib ihm weiter. wenn nicht dann lass es weg und guck ob du dich genauso fit fühlst. in zwei wochen weisst du bescheid

@kb_91 ok das mit der "chore" trifft es eigentlich ziemlich gut. ich glaub das ist der punkt. im moment macht es mir noch spaß - es ist irgendwie so ein kleines Zeremoniell, Beete rausholen, Entsafter aufbauen, diese brachiale lila Sau läuft durch den Auslauf... ich weiß nicht da ist was beruhigendes dran nach nem Lauf. aber du hast recht dass ich da wahrscheinlich gar nicht so viel rausfinden werde wie ich anfangs dachte. zwei Wochen Pause als Test klingt sinnvoll auf dem Papier - in der Praxis würde ich dann aber vermutlich einfach mehr schlafen oder weniger Stress haben oder irgendwas anderes ändert sich und ich bin wieder am selben Punkt.

Zitat von kb_91

macht dir das saft pressen noch spass

ja, aktuell schon. aber ich merk gerade dass ich das vielleicht ein bisschen zu sehr als "ich muss das verstehen und rechtfertigen können" geframt hab. als wäre es uncool etwas zu tun einfach weil es sich gut anfühlt und gut aussieht 😄

vielleicht ist das auch so ein Ding als Grafikdesignerin - ich rechtfertige immer alles mit Funktion und dabei ist die Ästhetik manchmal einfach Grund genug. Rote Beete sieht halt verdammt nochmal gut aus im Glas.

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@jana_w haha das ist eigentlich genau der punkt wo ich merke dass ich mich selber zu ernst nehme manchmal. du machst es weil die farbe geil aussieht und weil es sich anfühlt wie ne kleine auszeit - und das ist völlig ausreichend grund. punkt

bei mir ist es ähnlich mit dem rad fahren am wochenende. ich fahre nicht weil irgendeine studie sagt dass cardio gut für mich ist sondern weil mich das rausbringt aus hamburg und danach fühle ich mich besser. ob das jetzt die bewegung ist oder die frische luft oder einfach dass ich nicht im büro bin - keine ahnung und ehrlich gesagt auch egal

das entsafter-ritual klingt für mich eher wie mediation als wie optimization. und wenn du das merkst dann hast du schon gewonnen. viele leute machen sich da viel zu viel kopf drüber

was mich nur würde interessieren - merkst du einen unterschied wenn du es mal n paar tage nicht machst. nicht als test sondern einfach weil du keine lust hast oder zu faul bist. weil dann weißt du ob dein körper das wirklich irgendwie mitbekommt oder ob es halt einfach dein kopf ist der sich besser fühlt

@kb_91

Zitat von kb_91

merkst du einen unterschied wenn du es mal n paar tage nicht machst

ok das ist eigentlich die ehrlichste Frage die du stellen konntest. und ich muss sagen... ich weiß es nicht wirklich. letzte Woche war ich zwei Tage in so einem Projekt-Crunch, kein Sport, kein Entsafter, kein nix - aber da war ich auch einfach stressig und zu wenig draußen also das zählt nicht als Datenpunkt. was ich glaube gemerkt zu haben: wenn ich morgens keinen Saft mache fühlt sich der Übergang von "Lauf" zu "Arbeitstag" irgendwie abrupter an. aber das könnte auch einfach sein dass mir dann dieses kleine Ding fehlt das den Übergang markiert. nicht die Beete, halt das Ritual als solches. digga, das ist fast schon n bisschen traurig wenn ich darüber nachdenke. ich hab mir einen Pavlov-Reflex gebaut mit Gemüsesaft 😄

aber vielleicht ist das gar nicht so dumm. mein Körper assoziiert das Glas Rote-Beete-Zeug mit "Regeneration läuft jetzt" und entspannt sich deswegen eher. ob da irgendwas biochemisch passiert oder nicht - mein Nervensystem kriegt halt das Signal. ich hab mal irgendwo gelesen dass das mit dem Parasympathikus zu tun hat, also so Rituale nach Belastung. keine Ahnung ob das stimmt aber es klingt plausibel genug dass ich es glaube wenn ich will

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@jana_w naja das mit dem parasympathikus klingt weniger traurig als du denkst ehrlich gesagt. das ist kein bug sondern feature würde ich sagen. dein körper weiß halt - nach anstrengung kommt jetzt ne kleine zeremonie und dann geht es wieder runter. das ist eigentlich ziemlich smart von dir selbst

bei mir ist es genauso nur eben anders. ich fahr freitag nachmittag los und irgendwann wenn ich dann wieder zuhause bin und die kette öle und das rad in die ecke stelle - ab dem moment schaltet mein kopf ab. nicht weil das rad ölen so entspannend ist sondern weil mein körper gelernt hat dass danach ruhe kommt. das ritual ist das signal

interessant finde ich aber dass du sagst es fühlt sich abrupt an ohne den saft. das könnte auch einfach bedeuten dass du den saft weniger brauchst als dein kopf einen entwöhnungsprozess. also wenn du es weglässt und nach zwei wochen merkst du brauchst das gar nicht - super. aber wenn es sich blöd anfühlt dann ist das auch legitim grund es zu machen. du brauchst da kein paper darüber dass nitrate die kapillaren öffnen

das einzige was mich würde interessieren - merkst du auch unterschied wenn du saft trinkst aber das ritual weglässt. also einfach ein glas fertig kaufen und runterkippen. oder brauchts wirklich das ganze getümmel mit entsafter damit dein kopf entspannen kann

@kb_91

Zitat von kb_91

merkst du auch unterschied wenn du saft trinkst aber das ritual weglässt

ok das ist eigentlich die fieseste Folgefrage die du stellen konntest weil ich das noch nie bewusst getestet hab. und ich glaube die ehrliche Antwort ist: ich weiß es nicht aber ich vermute das Getümmel macht mehr aus als die Flüssigkeit selbst. was mich dabei aber gerade beschäftigt - ich glaub ich würde das Tetra-Pak-Glas schon allein aus ästhetischen Gründen nicht runterklappen können ohne innerlich zu sterben. das klingt snobby aber das ist halt so. dieses tiefe, fast schon bedrohliche Lila wenn der Saft frisch durch den Entsafter läuft, das ist halt ein anderes Bild als so eine aufgemachte Pappschachtel. ich arbeite viel mit Farbe und ich glaub das ist kein Zufall dass mich das anspricht. das ist quasi meine Berufsdeformation. aber gut, wenn ich ehrlich bin: ich hab neulich morgens mal einen Schluck Saft aus dem Kühlschrank getrunken, so halb verschlafen, kein Entsafter, nur noch Reste vom Vortag - und es war halt... nichts. kein Signal, kein Übergang, nur kaltes Zeug. also ja, ich glaube du hast recht. es ist das Getümmel. die Beete ist dabei fast schon Nebensache

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Zitat von jana_w

es ist das Getümmel. die Beete ist dabei fast schon Nebensache

haha ok das ist eigentlich das coolste was ich heute gelesen hab ehrlich gesagt. weil du hast dich gerade selbst beantwortet und merkst es wahrscheinlich noch gar nicht richtig. du brauchst keine studie über nitrate. du brauchst einfach ne routine die dir hilft vom lauf in den tag zu kommen. punkt fertig

was mich aber gerade beschäftigt - das mit der farbe und deinem beruf. das ist kein snobby das ist einfach wie du funktionierst. manche leute brauchen musik zum entspannen manche brauchen nen bestimmten kaffeebecher andere brauchen eben dieses lila im glas. dein hirn ist halt visuell trainiert. das ist nicht weniger legitim als alles andere

mir würde nur interessieren ob das auch mit anderen sachen funktionieren würde. also nicht rote beete sondern... keine ahnung. schwarze johannisbeeren oder irgendwas. hauptsache die farbe ist gut und das ritual läuft. oder brauchts wirklich dieses ding was du über die beete irgendwann gelesen hast - also dass es halt auch "echtes" zeug ist mit geschichte. würde sonst auch nen smoothie mit ner fancy flasche tun oder muss es wirklich roh und ungefiltert sein damit dein kopf das glaubt