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Nach dem Training einfach normal essen – warum reicht das nicht mehr?

Irgendwann in den letzten Jahren ist das komplett gekippt. Früher hab ich nach der Feierabendausfahrt gegessen was auf dem Tisch stand und gut wars. Heute kommen mir die Leute mit Recovery-Shakes, Konzentrate-Shots, Aminosäure-Pulver und was weiß ich noch alles. Ich bin Schreiner, kein Profi-Radler. Ich fahr vier bis fünf Stunden die Woche, manchmal am Wochenende mehr. Dass ich dafür jetzt ein halbes Apotheken-Regal brauchen soll - ich versteh das nicht. Was mich wirklich interessiert: hat von euch jemand mal ehrlich verglichen? Also wirklich nicht irgendein YouTube-Typ der Provision kriegt. Ich mein, ob man nach nem normalen Essen - Kartoffeln, Gemüse, ein Stück Fleisch oder Käse - schlechter erholt als nach diesem ganzen aufbereiteten Zeug. Mein Körpergefühl sagt mir seit 20 Jahren was er braucht. Seit ich aber anfang mit dem Herumexperimentieren, bin ich manchmal unsicherer als vorher. Das find ich eigentlich das Blödeste daran - du fängst an zu zweifeln ob du dir selbst noch trauen kannst. Gestern nach der Ausfahrt (war endlich mal trocken hier bei uns) hab ich einfach Pellkartoffeln mit Quark gegessen. Hat sich gut angefühlt, war satt, hab gut geschlafen. Kein Konzentrat, kein Pulver. Und ich frag mich ob ich da irgendwas "verpasse" oder ob das einfach die Supplement-Industrie ist die mir das einreden will. Bin gespannt was ihr so macht - besonders die die schon länger dabei sind und nicht erst seit drei Jahren auf Insta dem Nächstbesten Ernährungs-Coach folgen.

@rennradbernd das mit dem Unsicherwerden find ich so interessant weil ich das auch kenne. ich hab vor nem halben Jahr angefangen mich mit Rote-Beete-Kram zu beschäftigen (wegen Nitrat und so) und danach war ich auf einmal am zweifeln ob mein normales Essen überhaupt noch "reicht". dabei hab ich vorher nie daran gezweifelt.

Zitat von rennradbernd

du fängst an zu zweifeln ob du dir selbst noch trauen kannst

genau das glaub ich ist das eigentliche Problem. nicht das Supplement selbst sondern dass man irgendwie lernt den eigenen Körper für unzuverlässig zu halten. keine Ahnung ob das nur mir so geht aber das fühlt sich eh komisch an wenn man Sportwissenschaft studiert und trotzdem manchmal nicht weiß was man glauben soll 😅

was ich mich bei deinem Post gefragt hab: du sagst du bist seit 20 Jahren dabei. hat sich dein Körpergefühl in der Zeit verändert oder ist das relativ stabil geblieben? ich frag weil ich mir denke vielleicht ist dieses "Vertrauen" in die eigene Wahrnehmung auch etwas das man einfach länger braucht um es aufzubauen. ich bin seit 4 Jahren halbwegs regelmäßig unterwegs und bin mir da noch nicht so sicher

Pellkartoffeln mit Quark klingt übrigens nach einer g'scheiten Mahlzeit - Protein Kohlenhydrate passt ja eh

@miramira

Zitat von miramira

dass man irgendwie lernt den eigenen Körper für unzuverlässig zu halten

ok das ist irgendwie der Punkt der mich hier am meisten beschäftigt. weil ich glaub ich kenn das von mir selbst - aber andersrum? also ich hab angefangen zu experimentieren und dann hat mein Körper auf einmal wieder mehr Sinn gemacht für mich. nicht weniger. @rennradbernd ich versteh deinen Frust total aber ich glaub da spielt auch eine Rolle wie lang man schon dabei ist. du hast 20 Jahre Erfahrung mit dir selbst - ich hab zwei. ich BRAUCH irgendwie noch externe Impulse weil ich meinen Rhythmus noch nicht so drin hab. was mich bei deinem Post grad erwischt hat ist das mit dem Vergleich. weil ich mir grad denk - ich hab das nie wirklich sauber getrennt. ich hab angefangen Sachen zu nehmen und hab mich besser gefühlt aber ob das am Produkt lag oder daran dass ich generell bewusster gegessen hab... keine Ahnung eigentlich. Pellkartoffeln mit Quark ist übrigens tatsächlich ziemlich decent nach dem Sport haha. manchmal ist halt einfach das Einfachste das Beste. meine Mama macht das auch immer nach dem Wandern und die hat null Supplements und ist fitter als ich

@jenni_1997 das mit dem "andersrum" finde ich ehrlich gesagt gerade interessant. also dass das Experimentieren das Körpergefühl für dich klarer gemacht hat nicht verwirrender. ich überleg gerade ob das vielleicht auch davon abhängt wie man rangeht... ob man einfach irgendwas ausprobiert und hofft oder ob man vorher schon ein bisschen weiß was man sucht.

Zitat von jenni_1997

ob das am Produkt lag oder daran dass ich generell bewusster gegessen hab

das ist glaub ich eine Frage die ich mir noch nie so direkt gestellt hab. weil ich bei mir auch nicht sicher bin ob das eine vom anderen zu trennen ist. sobald ich anfange auf Ernährung zu achten ess ich eh anders - mehr Gemüse, regelmäßiger, weniger Zufallskram. und dann fühl ich mich besser. aber wegen was genau?? was mich bei deinem Mama-Beispiel grad beschäftigt ist: die hat keine Theorie dazu, einfach Erfahrung. vielleicht ist das der Unterschied. wir lesen uns halb verrückt und Sie macht einfach was funktioniert. ich kenn das von meiner Oma auch ein bisschen so. keine Ahnung ob man das "nachbauen" kann wenn man schon angefangen hat alles zu hinterfragen

@miramira

Zitat von miramira

ob man das "nachbauen" kann wenn man schon angefangen hat alles zu hinterfragen

ich glaub ehrlich gesagt nicht. oder zumindest nicht vollständig. weil das Hinterfragen ist ja nicht einfach weg wenn man beschließt "ab jetzt mach ichs wie Oma". du hast das Wissen schon im Kopf das geht nicht mehr raus. aber ich frag mich grad ob das wirklich das Problem ist. also das Hinterfragen an sich. weil meine Mama weiß ja auch nicht warum Pellkartoffeln mit Quark funktioniert - sie weiß nur dass es funktioniert. und ich weiß das inzwischen auch. der Unterschied ist vielleicht einfach dass ich zusätzlich noch einen Kopf voller Theorie hab die ich nicht wirklich einordnen kann. was ich eigentlich sagen will... ich glaub das Nachbauen passiert vielleicht irgendwann von selbst wenn man lang genug dabei ist. so eine Art Sedimentierung 😅 also dass sich die Theorie irgendwann unten absetzt und oben bleibt was tatsächlich funktioniert hat. zumindest hoff ich das

@jenni_1997 "Sedimentierung" ist irgendwie ein g'scheites Bild dafür. aber ich frag mich ob das wirklich passiert oder ob man sich das nur einredet weil es beruhigend klingt.

Zitat von jenni_1997

dass sich die Theorie irgendwann unten absetzt

ich bin jetzt im 5. Semester und ehrlich gesagt ist es eher umgekehrt bei mir - je mehr ich lerne desto mehr Schichten kommen oben drauf. keine Ahnung ob das irgendwann kippt. was mich grad aber eigentlich mehr beschäftigt: wir reden die ganze Zeit über das Körpergefühl als wär das eine stabile Sache die man entweder hat oder nicht. aber vielleicht ist das auch einfach... kontextabhängig?? ich merk das bei mir beim Laufen. wenn ich müde bin nach der Uni fühl ich mich nach demselben Lauf komplett anders als am Wochenende wenn ich ausgeschlafen bin. und dann weiß ich danach auch nicht mehr ob ich mich gut erholt hab weil ich gut gegessen hab oder einfach weil ich eh schon fitter in die Einheit gegangen bin. das macht den "Vergleich" den @rennradbernd angesprochen hat doch eigentlich fast unmöglich oder?? zumindest ohne dass man das irgendwie kontrolliert.

@miramira

Zitat von miramira

das macht den "Vergleich" eigentlich fast unmöglich oder??

ja ok das stimmt schon... aber ich glaub das gilt doch für alles irgendwie? also wenn ich nach einer Nacht mit 5 Stunden Schlaf laufen geh und danach Quark esse dann ist das halt ein anderer Tag als wenn ich ausgeruht war. das ist kein Supplement-Problem das ist einfach Leben. was mich bei deinem Punkt grad mehr erwischt ist das mit dem "kontextabhängig". weil ich glaub ich mach da unbewusst was - ich hab so ein paar Sachen die ich eigentlich immer gleich mach nach dem Laufen. also Betanio PLUS oder halt der Rote Beete Shot (schmeckt nach wie vor grauenvoll haha) und dann irgendwas mit Protein. und ich merk dass mir das auch einfach... Struktur gibt? also gar nicht mal wegen dem was drin ist sondern weil ich danach weiß ok ich hab das jetzt gemacht. vielleicht ist das sogar ein Punkt den wir noch gar nicht hatten hier. dass ein Ritual als solches schon was macht - unabhängig vom Produkt. ist grad so ein schönes Wochenende heute ich könnte ewig hier im Forum hängen statt rausgehen... aber back to topic: @rennradbernd der hat ja auch so ein Ritual - Pellkartoffeln Quark. das ist für ihn vielleicht genau das gleiche. er zweifelt daran weil von außen kommt "das reicht nicht" aber sein Körper sagt ihm seit 20 Jahren dass es reicht. das Problem ist dann nicht das Essen sondern das Rauschen von außen das da reinkommt.

Zitat von jenni_1997

dass ein Ritual als solches schon was macht - unabhängig vom Produkt

ok das ist eigentlich der erste Punkt in diesem ganzen Thread wo ich denk... ja, das kenn ich konkret. ich hab eine Weile lang nach langen Läufen immer direkt gedehnt und dann was gegessen, immer in dieser Reihenfolge. und als ich das mal ausgelassen hab (weil ich spät dran war und einfach direkt gegessen hab) hat sich das irgendwie falsch angefühlt. obwohl ich genau dasselbe gegessen hab. das ist halt kein Ernährungseffekt mehr das ist einfach Konditionierung oder?? was mich dabei aber irritiert: wenn das Ritual selbst schon wirkt, dann ist das ja fast egal was man da reinkippt. ein Rote-Beete-Shot, ein Glas Wasser, Quark... solange man es immer macht. und das find ich irgendwie sowohl beruhigend als auch ein bisschen unbefriedigend. weil dann wäre der ganze Aufwand mit den teueren Produkten echt für die Katz. keine Ahnung ob das so stimmt aber ich hab im zweiten Semester mal was über Placebo-Effekte gelesen im Kontext Sport und die Effektgrößen waren gar nicht so klein wie ich dachte. leider weiß ich nicht mehr wo genau das war.

@miramira

Zitat von miramira

dann wäre der ganze Aufwand mit den teueren Produkten echt für die Katz

ok aber wart mal kurz - ich glaub da fehlt noch ein Schritt. weil selbst wenn das Ritual den Haupteffekt macht... heißt das nicht automatisch dass das Produkt egal ist. also wenn ich jeden Tag ein Glas Wasser trinke und das mein Ritual ist - ok. aber wenn in dem Glas halt auch noch was drin ist das tatsächlich was tut dann ist das doch... beides? ritual UND inhalt. muss ja kein entweder oder sein. was mich an dem Placebo-Punkt aber wirklich erwischt hat: ich hab mir das nie so überlegt ob ich vielleicht auch deshalb was merke weil ich erwartet hab was zu merken. das ist irgendwie unangenehm zum Nachdenken haha. nicht weil ich glaub dass alles Placebo ist - das glaub ich echt nicht - sondern weil ich dann nicht mehr sicher bin welcher Teil was ist. und ich mein... tut das was zur Sache? wenn ich mich nach dem Laufen gut erhole und gut fühl - ist mir dann eigentlich wichtig warum genau? ich glaub da bin ich eher bei @rennradbernd als ich dachte. der zweifelt nicht weil sein System nicht funktioniert sondern weil von außen wer sagt es reicht nicht. ich zweifel grad weil du einen guten Punkt gemacht hast den ich nicht einfach wegdenken kann 😅

@jenni_1997

Zitat von jenni_1997

ich zweifel grad weil du einen guten Punkt gemacht hast den ich nicht einfach wegdenken kann

ok aber das find ich eigentlich... nicht schlecht? also dass man was nicht einfach wegdenken kann. ich mein das klingt jetzt komisch aber ich glaub das ist vielleicht genau der Unterschied zwischen "ich nehm das weil alle das nehmen" und irgendwas das man sich wirklich selbst erarbeitet hat. auch wenns unangenehm ist. was mich bei deinem "beides"-Argument grad aber wirklich beschäftigt: du hast recht dass es kein Entweder-Oder sein muss. aber dann stell ich mir die Frage welchen Anteil das Produkt haben muss damit es den Preis rechtfertigt. weil wenn sagen wir 70% Ritual sind und 30% Inhalt - ist das Betanio PLUS für den Preis dann noch g'scheit? oder könnt ich mir das Ritual auch um deutlich weniger Geld zusammenbauen. ich weiß das klingt sehr buchhalterisch aber ich studier halt mit Studienbeihilfe 😅

und was ich noch nie so gedacht hab: vielleicht ist die Frage "was tut das genau" auch gar nicht die entscheidende. sondern eher ob man langfristig dabei bleibt. wenn das teure Produkt dafür sorgt dass ich nach jedem Lauf mein Ritual mache - und das günstige Alternativprodukt nicht die gleiche "Commitment-Funktion" hat weil ichs eh nicht so ernst nehm... keine Ahnung ob das Sinn macht was ich da gerade tippe