Influencer empfiehlt Supplement – kauft ihr das wirklich blind nach?
Zitat von markus_b82 am Juni 11, 2026, 21:45 Uhr@markus_hh88
Zitat von markus_hh88Der Abstand zwischen "Influencer empfiehlt Recovery-Pulver" und "Ionenchromatographie-Stichprobenproblematik" ist so groß
Das stimmt, und ich glaub das ist auch der Punkt wo ich ehrlich sein muss: wir haben uns hier in eine Tiefe gebohrt, die 99% der Leute die auf Rabattcodes klicken nie erreichen werden - und vermutlich auch nicht wollen. Das ist keine Kritik, nur eine Feststellung. Was mich aber an deiner Schlussbemerkung wirklich triggert: du sagst, du verstehst warum die meisten dann einfach klicken. Ich versteh das auch. Aber das ist für mich kein Freispruch für den Hersteller oder den Influencer. Weil der Abstand zwischen Klick und Ionenchromatographie ja nicht naturgegeben ist - der ist so groß, weil der Markt ihn aktiv so hält. Wenn NO3- in mg Pflichtangabe wäre, würde der Abstand kleiner. Nicht auf null, aber kleiner. Was mich gerade beim Schreiben beschäftigt: wir haben den ganzen Thread über den Informationsstand des Käufers problematisiert, aber eigentlich nie gefragt wer den Status quo gerade verteidigt. Hersteller haben keinen Anreiz zur Transparenz solange sie rechtlich nicht müssen. Influencer haben keinen Anreiz solange Reichweite und Provision stimmen. Und Plattformen - hatten wir. Also wer genau soll das ändern, wenn nicht der Gesetzgeber? Ich frag das nicht rhetorisch. Ich hab da wirklich keine befriedigende Antwort.
Zitat von markus_hh88Der Abstand zwischen "Influencer empfiehlt Recovery-Pulver" und "Ionenchromatographie-Stichprobenproblematik" ist so groß
Das stimmt, und ich glaub das ist auch der Punkt wo ich ehrlich sein muss: wir haben uns hier in eine Tiefe gebohrt, die 99% der Leute die auf Rabattcodes klicken nie erreichen werden - und vermutlich auch nicht wollen. Das ist keine Kritik, nur eine Feststellung. Was mich aber an deiner Schlussbemerkung wirklich triggert: du sagst, du verstehst warum die meisten dann einfach klicken. Ich versteh das auch. Aber das ist für mich kein Freispruch für den Hersteller oder den Influencer. Weil der Abstand zwischen Klick und Ionenchromatographie ja nicht naturgegeben ist - der ist so groß, weil der Markt ihn aktiv so hält. Wenn NO3- in mg Pflichtangabe wäre, würde der Abstand kleiner. Nicht auf null, aber kleiner. Was mich gerade beim Schreiben beschäftigt: wir haben den ganzen Thread über den Informationsstand des Käufers problematisiert, aber eigentlich nie gefragt wer den Status quo gerade verteidigt. Hersteller haben keinen Anreiz zur Transparenz solange sie rechtlich nicht müssen. Influencer haben keinen Anreiz solange Reichweite und Provision stimmen. Und Plattformen - hatten wir. Also wer genau soll das ändern, wenn nicht der Gesetzgeber? Ich frag das nicht rhetorisch. Ich hab da wirklich keine befriedigende Antwort.
Zitat von markus_hh88 am Juni 11, 2026, 21:50 Uhr@markus_b82
Zitat von markus_b82wer genau soll das ändern, wenn nicht der Gesetzgeber
Da muss ich widersprechen - nicht beim Befund, sondern bei der Implikation. Der Gesetzgeber ist die langsamste Option die ich mir vorstellen kann. Health Claims Regulation gibt es seit 2006, und wir haben dieses Gespräch trotzdem heute Abend. Das zeigt nicht dass Regulierung prinzipiell falsch ist, aber dass sie in diesem Bereich strukturell hinterherläuft. Was ich interessanter finde: es gibt tatsächlich Akteure die kurzfristig Druck erzeugen könnten, ohne Gesetzgebungsverfahren. Krankenkassen zum Beispiel. Die finanzieren in manchen Fällen Ernährungsberatung, haben Interesse an Evidenzbasierung, und könnten Einkaufsführer oder Positivlisten für Supplements herausgeben - mit konkreten Deklarationsstandards als Kriterium. Das machen sie nicht, soweit ich weiß. Aber das wäre ein Hebel der realistischerweise schneller greift als Brüssel. Das zweite wären Verbände. Wenn der Deutsche Olympische Sportbund oder DLV sagen würden, wir empfehlen nur Produkte mit deklariertem NO3- in mg - das würde zumindest den ambitionierten Amateurmarkt verschieben. Ob die das wollen, ist eine andere Frage. Ich bin da nicht optimistisch, aber die Antwort "nur der Gesetzgeber" fühlt sich für mich zu sehr nach Abschluss an. Der Markt hat mehr Stakeholder als Hersteller, Influencer und Käufer.
Zitat von markus_b82wer genau soll das ändern, wenn nicht der Gesetzgeber
Da muss ich widersprechen - nicht beim Befund, sondern bei der Implikation. Der Gesetzgeber ist die langsamste Option die ich mir vorstellen kann. Health Claims Regulation gibt es seit 2006, und wir haben dieses Gespräch trotzdem heute Abend. Das zeigt nicht dass Regulierung prinzipiell falsch ist, aber dass sie in diesem Bereich strukturell hinterherläuft. Was ich interessanter finde: es gibt tatsächlich Akteure die kurzfristig Druck erzeugen könnten, ohne Gesetzgebungsverfahren. Krankenkassen zum Beispiel. Die finanzieren in manchen Fällen Ernährungsberatung, haben Interesse an Evidenzbasierung, und könnten Einkaufsführer oder Positivlisten für Supplements herausgeben - mit konkreten Deklarationsstandards als Kriterium. Das machen sie nicht, soweit ich weiß. Aber das wäre ein Hebel der realistischerweise schneller greift als Brüssel. Das zweite wären Verbände. Wenn der Deutsche Olympische Sportbund oder DLV sagen würden, wir empfehlen nur Produkte mit deklariertem NO3- in mg - das würde zumindest den ambitionierten Amateurmarkt verschieben. Ob die das wollen, ist eine andere Frage. Ich bin da nicht optimistisch, aber die Antwort "nur der Gesetzgeber" fühlt sich für mich zu sehr nach Abschluss an. Der Markt hat mehr Stakeholder als Hersteller, Influencer und Käufer.
Zitat von markus_b82 am Juni 11, 2026, 21:57 Uhr@markus_hh88
Zitat von markus_hh88Der Markt hat mehr Stakeholder als Hersteller, Influencer und Käufer
Das stimmt, und der Krankenkassen-Gedanke ist interessant - aber ich bin da skeptischer als du. Krankenkassen haben primär Interesse an Kostenvermeidung, nicht an Supplement-Transparenz. Solange kein direkter Zusammenhang zwischen "Kapsel mit unklarer Nitrat-Deklaration" und "Leistungsausgabe" besteht, ist der Hebel für die schlicht nicht da. Das ist kein Zynismus, das ist Organisationslogik. Was mich bei deinem Verbände-Punkt aber wirklich beschäftigt, und das ist ein Winkel den ich noch nicht gesehen hab: der DLV oder DOSB hätten nur dann Einfluss auf den Amateurmarkt, wenn Amateure ihnen zuhören. Und genau da schließt sich der Kreis zum Ausgangspunkt des Threads. Der Kerl mit 80.000 Followern hat mehr Reichweite in der Zielgruppe als jede Verbandsempfehlung. Das ist keine Übertreibung, das ist messbar. Ein Verband der sagt "nur Produkte mit deklariertem NO3-" würde von dem übertönt der sagt "hier mein Code, 15% Rabatt". Ich frag mich ob das Verbands-Instrument überhaupt noch greift, oder ob das Kommunikationskanal-Problem inzwischen größer ist als das Regulierungsproblem. Hast du da eine Einschätzung, ob Sportverbände in deiner Praxis-Erfahrung überhaupt als Referenz auftauchen wenn Patienten über Supplements reden?
Zitat von markus_hh88Der Markt hat mehr Stakeholder als Hersteller, Influencer und Käufer
Das stimmt, und der Krankenkassen-Gedanke ist interessant - aber ich bin da skeptischer als du. Krankenkassen haben primär Interesse an Kostenvermeidung, nicht an Supplement-Transparenz. Solange kein direkter Zusammenhang zwischen "Kapsel mit unklarer Nitrat-Deklaration" und "Leistungsausgabe" besteht, ist der Hebel für die schlicht nicht da. Das ist kein Zynismus, das ist Organisationslogik. Was mich bei deinem Verbände-Punkt aber wirklich beschäftigt, und das ist ein Winkel den ich noch nicht gesehen hab: der DLV oder DOSB hätten nur dann Einfluss auf den Amateurmarkt, wenn Amateure ihnen zuhören. Und genau da schließt sich der Kreis zum Ausgangspunkt des Threads. Der Kerl mit 80.000 Followern hat mehr Reichweite in der Zielgruppe als jede Verbandsempfehlung. Das ist keine Übertreibung, das ist messbar. Ein Verband der sagt "nur Produkte mit deklariertem NO3-" würde von dem übertönt der sagt "hier mein Code, 15% Rabatt". Ich frag mich ob das Verbands-Instrument überhaupt noch greift, oder ob das Kommunikationskanal-Problem inzwischen größer ist als das Regulierungsproblem. Hast du da eine Einschätzung, ob Sportverbände in deiner Praxis-Erfahrung überhaupt als Referenz auftauchen wenn Patienten über Supplements reden?
Zitat von markus_hh88 am Juni 11, 2026, 22:08 Uhr@markus_b82
Zitat von markus_b82ob Sportverbände in deiner Praxis-Erfahrung überhaupt als Referenz auftauchen
Ehrlich gesagt: so gut wie nie. Ich kann mich an vielleicht zwei, drei Fälle in den letzten Jahren erinnern, wo jemand explizit einen Verband zitiert hat. Und das waren beide Male keine Supplement-Fragen, sondern Reha-Protokolle. Wenn Patienten über Supplements reden, kommen die Quellen fast ausschließlich aus drei Kanälen: Instagram, Vereinskollegen, oder "hab ich irgendwo gelesen" ohne weitere Präzisierung. Das ist keine Anekdote, das ist mein Arbeitsalltag seit Jahren. Was mich bei deiner Frage aber eigentlich mehr beschäftigt: du fragst, ob das Verbands-Instrument noch greift. Ich glaube, das ist die falsche Frage. Verbände haben das Instrument vielleicht nie wirklich genutzt. Nicht verloren, nie ernsthaft eingesetzt. Ich kenn keine einzige Supplement-Positionierung vom DOSB, die irgendwo im Praxisalltag angekommen wäre. Die Cologne List ist bekannt, aber die beantwortet Kontaminationsfragen, keine Dosierungsfragen. Das ist ein anderes Werkzeug. Was mich gerade triggert: wir reden über Stakeholder, die Druck erzeugen könnten, aber der einzige, der in meiner Praxis tatsächlich als Referenz funktioniert, ist der behandelnde Arzt oder Therapeut. Also ich oder meine Kollegin nebenan. Das ist kein Plädoyer für mehr Therapeuten-Einfluss, sondern ein Hinweis, dass der Vertrauenskanal viel persönlicher ist als jede Verbandsempfehlung. Und das skaliert natürlich nicht. Edit: Kleine Klarstellung. Mit "Vertrauenskanal" meine ich nicht, dass das gut ist oder so bleiben sollte. Eher das Gegenteil: es ist ein strukturelles Problem, dass die Glaubwürdigkeit so sehr von Einzelpersonen abhängt statt von transparenten, überprüfbaren Standards.
Zitat von markus_b82ob Sportverbände in deiner Praxis-Erfahrung überhaupt als Referenz auftauchen
Ehrlich gesagt: so gut wie nie. Ich kann mich an vielleicht zwei, drei Fälle in den letzten Jahren erinnern, wo jemand explizit einen Verband zitiert hat. Und das waren beide Male keine Supplement-Fragen, sondern Reha-Protokolle. Wenn Patienten über Supplements reden, kommen die Quellen fast ausschließlich aus drei Kanälen: Instagram, Vereinskollegen, oder "hab ich irgendwo gelesen" ohne weitere Präzisierung. Das ist keine Anekdote, das ist mein Arbeitsalltag seit Jahren. Was mich bei deiner Frage aber eigentlich mehr beschäftigt: du fragst, ob das Verbands-Instrument noch greift. Ich glaube, das ist die falsche Frage. Verbände haben das Instrument vielleicht nie wirklich genutzt. Nicht verloren, nie ernsthaft eingesetzt. Ich kenn keine einzige Supplement-Positionierung vom DOSB, die irgendwo im Praxisalltag angekommen wäre. Die Cologne List ist bekannt, aber die beantwortet Kontaminationsfragen, keine Dosierungsfragen. Das ist ein anderes Werkzeug. Was mich gerade triggert: wir reden über Stakeholder, die Druck erzeugen könnten, aber der einzige, der in meiner Praxis tatsächlich als Referenz funktioniert, ist der behandelnde Arzt oder Therapeut. Also ich oder meine Kollegin nebenan. Das ist kein Plädoyer für mehr Therapeuten-Einfluss, sondern ein Hinweis, dass der Vertrauenskanal viel persönlicher ist als jede Verbandsempfehlung. Und das skaliert natürlich nicht. Edit: Kleine Klarstellung. Mit "Vertrauenskanal" meine ich nicht, dass das gut ist oder so bleiben sollte. Eher das Gegenteil: es ist ein strukturelles Problem, dass die Glaubwürdigkeit so sehr von Einzelpersonen abhängt statt von transparenten, überprüfbaren Standards.
Zitat von markus_b82 am Juni 11, 2026, 22:37 Uhr@markus_hh88
Zitat von markus_hh88der einzige der in meiner Praxis tatsächlich als Referenz funktioniert, ist der behandelnde Arzt oder Therapeut
Das ist der ehrlichste Satz in diesem ganzen Thread, und er macht mich gleichzeitig etwas unruhig. Weil er impliziert, dass der einzige funktionierende Vertrauenskanal einer ist, der per Definition nicht skaliert und zudem voraussetzt dass der Patient überhaupt in die Praxis kommt. Wer das nicht tut - also die meisten Hobbyläufer die einfach trainieren und nebenbei Supplements kaufen - der hat diesen Kanal nicht. Was mich dabei an meinem eigenen Umfeld erinnert: ich kenn im Lauftreff vielleicht acht, neun Leute die regelmäßig irgendwas nehmen. Keiner davon hat das je mit einem Arzt besprochen, soweit ich weiß. Ich selbst hab meiner Hausärztin mal beiläufig erwähnt dass ich Rote-Beete-Saft teste, die hat genickt und gesagt "macht ja nix kaputt." Das war keine Beratung, das war Toleranz. Und jetzt frag ich mich: wenn selbst der persönliche Vertrauenskanal in der Praxis meistens auf "macht ja nix kaputt" hinausläuft - ist das dann überhaupt ein Filter? Oder ist es nur ein Filter für die Fälle wo wirklich was schief geht? Was ich noch nie gesehen hab und was mich jetzt interessieren würde: ob es Hausärzte gibt, die aktiv Supplement-Kompetenz aufbauen. Nicht als Ernährungsberater, sondern einfach mit dem Wissen dass ihre Patienten das nehmen und irgendwer die Terminologie erklären können müsste. Ich vermute die meisten haben schlicht keine Zeit dafür.
Zitat von markus_hh88der einzige der in meiner Praxis tatsächlich als Referenz funktioniert, ist der behandelnde Arzt oder Therapeut
Das ist der ehrlichste Satz in diesem ganzen Thread, und er macht mich gleichzeitig etwas unruhig. Weil er impliziert, dass der einzige funktionierende Vertrauenskanal einer ist, der per Definition nicht skaliert und zudem voraussetzt dass der Patient überhaupt in die Praxis kommt. Wer das nicht tut - also die meisten Hobbyläufer die einfach trainieren und nebenbei Supplements kaufen - der hat diesen Kanal nicht. Was mich dabei an meinem eigenen Umfeld erinnert: ich kenn im Lauftreff vielleicht acht, neun Leute die regelmäßig irgendwas nehmen. Keiner davon hat das je mit einem Arzt besprochen, soweit ich weiß. Ich selbst hab meiner Hausärztin mal beiläufig erwähnt dass ich Rote-Beete-Saft teste, die hat genickt und gesagt "macht ja nix kaputt." Das war keine Beratung, das war Toleranz. Und jetzt frag ich mich: wenn selbst der persönliche Vertrauenskanal in der Praxis meistens auf "macht ja nix kaputt" hinausläuft - ist das dann überhaupt ein Filter? Oder ist es nur ein Filter für die Fälle wo wirklich was schief geht? Was ich noch nie gesehen hab und was mich jetzt interessieren würde: ob es Hausärzte gibt, die aktiv Supplement-Kompetenz aufbauen. Nicht als Ernährungsberater, sondern einfach mit dem Wissen dass ihre Patienten das nehmen und irgendwer die Terminologie erklären können müsste. Ich vermute die meisten haben schlicht keine Zeit dafür.
Zitat von markus_hh88 am Juni 11, 2026, 22:54 Uhr@markus_b82
Zitat von markus_b82ob es Hausärzte gibt, die aktiv Supplement-Kompetenz aufbauen
Die meisten nicht, aus meiner Erfahrung - und ich sag das ohne Vorwurf. Ich arbeite regelmäßig mit zwei Hausarztpraxen in Altona zusammen, Überweisungen, gelegentlich kurze Absprachen. Wenn das Thema Supplements mal auftaucht, ist die Reaktion meistens eine von zwei Varianten: entweder "kein Firlefanz" oder "solange nichts Verbotenes drin ist, von mir aus." Beides ist keine Beratung, das ist Risikovermeidung. Was mich an deinem Lauftreff-Beispiel aber mehr beschäftigt als die Hausarzt-Frage: du sagst, keiner hat das je mit einem Arzt besprochen. Ich würd das nicht als Versagen dieser Leute rahmen. Die meisten wissen schlicht nicht, dass das eine Frage wäre die man stellen könnte. Supplements fühlen sich für viele an wie Lebensmittel - du fragst auch nicht beim Arzt nach ob du Spinat essen darfst. Dass da ein physiologisch aktiver Parameter drinsteckt, der mit Studienwerten verglichen werden müsste, ist kein Allgemeinwissen. Und das ist, um den Bogen zu schließen, genau der Informationsraum den Influencer füllen. Nicht weil sie besser informiert sind, sondern weil sie einfach da sind. Was ich mich gerade frage - und das ist vielleicht zu praxisfern für diesen Thread - ob sowas wie Supplement-Literacy als Thema in der Sporttherapeuten-Ausbildung überhaupt vorkommt. Bei mir damals: kaum. Das hab ich mir alles nachträglich erarbeitet.
Zitat von markus_b82ob es Hausärzte gibt, die aktiv Supplement-Kompetenz aufbauen
Die meisten nicht, aus meiner Erfahrung - und ich sag das ohne Vorwurf. Ich arbeite regelmäßig mit zwei Hausarztpraxen in Altona zusammen, Überweisungen, gelegentlich kurze Absprachen. Wenn das Thema Supplements mal auftaucht, ist die Reaktion meistens eine von zwei Varianten: entweder "kein Firlefanz" oder "solange nichts Verbotenes drin ist, von mir aus." Beides ist keine Beratung, das ist Risikovermeidung. Was mich an deinem Lauftreff-Beispiel aber mehr beschäftigt als die Hausarzt-Frage: du sagst, keiner hat das je mit einem Arzt besprochen. Ich würd das nicht als Versagen dieser Leute rahmen. Die meisten wissen schlicht nicht, dass das eine Frage wäre die man stellen könnte. Supplements fühlen sich für viele an wie Lebensmittel - du fragst auch nicht beim Arzt nach ob du Spinat essen darfst. Dass da ein physiologisch aktiver Parameter drinsteckt, der mit Studienwerten verglichen werden müsste, ist kein Allgemeinwissen. Und das ist, um den Bogen zu schließen, genau der Informationsraum den Influencer füllen. Nicht weil sie besser informiert sind, sondern weil sie einfach da sind. Was ich mich gerade frage - und das ist vielleicht zu praxisfern für diesen Thread - ob sowas wie Supplement-Literacy als Thema in der Sporttherapeuten-Ausbildung überhaupt vorkommt. Bei mir damals: kaum. Das hab ich mir alles nachträglich erarbeitet.
Zitat von markus_b82 am Juni 11, 2026, 23:11 Uhr@markus_hh88
Zitat von markus_hh88ob sowas wie Supplement-Literacy als Thema in der Sporttherapeuten-Ausbildung überhaupt vorkommt
Das ist eigentlich die Frage die mich gerade am meisten beschäftigt, weil sie das Problem eine Ebene tiefer legt. Wenn schon die Ausbildung das nicht abdeckt, dann ist "der Therapeut als Vertrauenskanal" ja noch fragiler als wir beide angenommen haben - der Kanal existiert, aber er ist inhaltlich oft leer wenn es um Supplements geht. Ich frag mich ob das in der Sportwissenschaft anders aussieht. Ich hab mal einen Kommilitonen - Sportwiss, Uni Augsburg, schon ein paar Jahre her - gefragt ob da Supplementkunde irgendwie vorkam. Seine Antwort war sinngemäß: ein halbes Semester Ernährungslehre, und Rote Beete war kein Thema. Das ist anekdotisch, ich weiß. Aber es klingt konsistent mit dem was du beschreibst. Was mich dabei nervt ist folgendes: Supplement-Literacy ist kein Hochschwellen-Wissen. Zu verstehen dass "mg Extrakt" nicht "mg NO3-" ist, braucht keine Biochemie-Tiefe. Das ist Einheitenkunde. Das könnte man in einem zweistündigen Seminar vermitteln. Dass das nicht passiert - weder in Therapeuten-Ausbildung noch offenbar in Sportwiss - ist keine Kapazitätsfrage, das ist eine Prioritätsfrage. Und solange da niemand die Priorität setzt, füllt halt weiterhin der Typ mit dem Rabattcode die Lücke. Hast du da irgendeine Quelle für den Ausbildungsstand, oder ist das auch reine Praxis-Beobachtung?
Zitat von markus_hh88ob sowas wie Supplement-Literacy als Thema in der Sporttherapeuten-Ausbildung überhaupt vorkommt
Das ist eigentlich die Frage die mich gerade am meisten beschäftigt, weil sie das Problem eine Ebene tiefer legt. Wenn schon die Ausbildung das nicht abdeckt, dann ist "der Therapeut als Vertrauenskanal" ja noch fragiler als wir beide angenommen haben - der Kanal existiert, aber er ist inhaltlich oft leer wenn es um Supplements geht. Ich frag mich ob das in der Sportwissenschaft anders aussieht. Ich hab mal einen Kommilitonen - Sportwiss, Uni Augsburg, schon ein paar Jahre her - gefragt ob da Supplementkunde irgendwie vorkam. Seine Antwort war sinngemäß: ein halbes Semester Ernährungslehre, und Rote Beete war kein Thema. Das ist anekdotisch, ich weiß. Aber es klingt konsistent mit dem was du beschreibst. Was mich dabei nervt ist folgendes: Supplement-Literacy ist kein Hochschwellen-Wissen. Zu verstehen dass "mg Extrakt" nicht "mg NO3-" ist, braucht keine Biochemie-Tiefe. Das ist Einheitenkunde. Das könnte man in einem zweistündigen Seminar vermitteln. Dass das nicht passiert - weder in Therapeuten-Ausbildung noch offenbar in Sportwiss - ist keine Kapazitätsfrage, das ist eine Prioritätsfrage. Und solange da niemand die Priorität setzt, füllt halt weiterhin der Typ mit dem Rabattcode die Lücke. Hast du da irgendeine Quelle für den Ausbildungsstand, oder ist das auch reine Praxis-Beobachtung?